Es half alles nichts: Der Krieg in Afghanistan war lange kein Wahlkampfthema, es sollte einfach nicht sein. Weder Angela Merkel noch Frank-Walter Steinmeier waren erpicht sich auf stumpfen Kufen aufs Glatteis zu wagen, zu wackeln und eine politische Bauchlandung hinzulegen. FDP und Teile der Grünen hielten sich auch zurück, allein die Linkspartei war eh und je geschlossen gegen den Einsatz und für einen sofortigen Abzug.
Doch nun ist fast alles anders. Zwei Tanklastzüge sind explodiert und viele Menschen tot. Auf tragische Weise ist der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr zum Wahlkampfthema geworden.
Die Linkspartei ist freilich noch immer für den sofortigen Abzug, das ist die Konstante. Teile der Grünen auch. Doch durch den, von der Bundeswehr angeforderten Angriff und seine vielen Toten ist Afghanistan nun zum Wahlkampfthema geworden ist. Die Politiker von CDU/CSU, SPD, FDP, Grünen und Linken sehen sich nun gezwungen Stellung zu nehmen, also den Einsatz zu verteidigen, zu verteufeln, den Abzug zu vertagen oder zu fordern. Die Umstände verbieten sich darüber zu freuen. Dennoch ist es gut, dass Afghanistan nun auch in der deutschen Öffentlichkeit eine Rolle spielt.
"der Freitag", sein Verleger Jakob Augstein und 25 Künstler und Intellektuelle haben sich klar positioniert: Raus aus Afghanistan bis 2011. Aus aktuellem Anlass hat sich auch die Freitag.de-Community in der Wahlkampfarena dieser Debatte angenommen.
Soll die Bundeswehr bis 2011 raus aus Afghanistan?
Das Ergebnis (Stand: 17. September 2009) ist eindeutig: 76 Prozent der Teilnehmer sind dafür, nur 24 Prozent plädieren gegen den Anzug und gegen die Festlegung auf zwei Jahre.
Interessant ist das Abstimmungsverhalten auch in Bezug auf die parteipolitische Präferenz: Knapp 57 Prozent der Ja-Sager sind Anhänger oder Politiker der Linkspartei, keine Überraschung. Aber: Knapp 43 Prozent der grünen Anhänger sind gegen den Abzug (bis 2011). Es haben wohlgemerkt keine Politiker der Grünen teilgenommen, sondern deren Anhänger, die sich den realpolitischen Zwängen ihrer Vertreter eigentlich nicht beugen müssten.
Die FDP-Anhänger und Politiker sind ebenfalls mehrheitlich gegen einen Abzug (bis 2011). CDU und SPD halten sich auch in der Wahlkampfarena "vornehm" zurück. Schade eigentlich!
Sven hat diese Woche zwei Wordles aufgesetzt. Die nach Stimmen gewichteten Pro-Argumente sowie die nach Stimmen gewichteten Contra-Argumente. Auffällig ist die unterschiedliche Verteilung der Wörter „Bundeswehr“ und „Taliban“. Was sagt uns das?


(janusz & sven)
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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