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SpiegelOnline stellt jetzt ebenfalls ein Wahlhilfe-Tool bereit: Der Kandidaten-Check. Ähnlich wie beim Wahl-o-mat werden mittelst 32 Fragen die Positionen der Direktkandidaten des Wahlkreises mit den eigenen Verglichen und ausgewährtet. Gelistet sind dabei jene Politiker die bei Abgeortnetenwatch (Kooperationspartner) geantwortet haben.
Auf den ersten Blick präsentiert sich der Kandidaten-check ziemlich flashig und übersichtlich. Ärgerlich und auf Dauer dem workflow nicht förderlich ist allerding die Darstellung der Kanditatenantworten. Dabei sind jeweils nur die ersten zwei Positionen zu sehen. Um die weiteren Positionen zu sehen, muss innerhalb der Flash-Anwendung gescrollt werden.
Weitaus problematischer ist die Art der politischen Auseinandersetzung, die mit solchen Tools, befördert wird. Es wird suggeriert, dass die Entscheidung für eine Partei oder einen Kandidaten lediglich von einpaar Übereinstimmungen bei bestimmten Fragestellungen abhängt. Unberücksichtigt bleiben dabei die komplexen Zusammenhänge politscher Entscheidungen. Die spontane, durch die Fragestellung implizierte Meinung als Ausgangsbasis für die politische Wahl herzunehmen, ist nicht nur aus diesen Gründen fraglich. Besonder problematisch halte ich die Tatsäche, dass mit Angebote wie dem Wahl-O-Mat oder eben dem Kandidaten-Check dem Bürger vermittelt wird, dass der Wahlentscheidungsprozess komfortable über ein Klick zu lösen ist. So ist das aber nicht. Die poltische Entscheidungsfindung ist ein mühsamer und komplexer Prozess, dem sich Politiker und Wähler aussetzen müssen. Auch wenn es mit dem Grundgesetz absolut unvereinbar erscheint, drängt sich hierbei spontan die Idee eines Wahlführerscheins für Wähler und einer "Qualitätsprüfung" für Politiker auf. Statt sich bei einem Wahl-o-Mat durchzuklicken, können Wähler zunächst beweisen, ob sie überhabt genügend soziale Kompetenz besitzen, um so komplexe Entscheindungen wie Wahlen treffen zu können.
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Ich habe gerade den Wahlführerschein bei Spiegel-Online gemacht, und kürzlich auch eingeholt, was ich gemäß dem Original, Wahl-O-Mat, wählen müsse.
"Unberücksichtigt bleiben dabei die komplexen Zusammenhänge politischer Entscheidungen": dieser Kritik der Wahlkampfarena kann ich nur zustimmen. Jedenfalls: Sowohl dort als auch da hatte ich die meiste Übereinstimmung mit der Partei Die Linke. Insofern funktioniert das alles ja ganz prächtig. Aber daß mir der Spiegel zehn Übereinstimmungen mit der NPD gibt, die ich doch in diesen Fragen verboten wissen wollte, gibt mir doch zu denken, und zwar nur in Hinsicht positivistischer Statistikpolitik. Und daß beim Wahl-O-MAT die MLPD eine starke Übereinstimmung mit meinen Einschätzungen hat, will mich doch schreien lassen: Ich bin kein Berliner. Und so weiter, sogar mit Positionen der FDP soll ich im Bette liegen, was aber nie nie nie passieren wird. Ich unterstütze doch keine Spaßpartei. Und auch die SPD spiele bei mir noch eine Rolle, dabei ist sie doch die Partei, von der ich mich am meisten entfernt habe (... bis zum Mond). Kurz: Ich wähle ganz anders, dunkelrot, weil nämlich meine Partei, also die Partei Die PARTEI verboten ward. Denken wir zurück an 1956 ... 1961 ... 1989 ... 2001 ... 2006 Und seien wir am 27.9. der Weisheit eingedenk: Ich habe mich verwählt! |
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Ich habe grade den "Ja-Sager-test" beim Wahl-o-mat durchgeführt: konsequente Zustimmung bei allen Fragen. Bei vergangenen Versionen wurde einem dann die Linkspartei nahegelegt. Dieser "Bug" (Linkspartei = Ja-Sager-Partei) wurde mit der aktuellen Version behoben. Nun wird darauf verwiesen, dass der Wahl-o-mat auf Grundlage meines Antwortmusters kein zuverlässiges Ergebnis berechnen kann. Vielleicht ist das ja die Nische für eine Fortschrittspartei?
Viele Grüße,
Sven
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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