Waldkönigin

Blog von Waldkönigin

21.10.2011 | 23:05

Liebe....

Vor einiger Zeit fragte mich meine 12jährige Tochter, ob ich sie denn auch dann noch genug lieben könne, wenn wir endlich in İstanbul sind, mit einem neuen Vater für sie (mit dem sie bis jetzt eigentlich ganz einverstanden war und auch recht gut zurechtkam) und nicht zu vergessen der kleine Bruder, der Ende Februar auf die Welt kommen soll. Da hatte sie also Angst um ihren Anteil an Mutterliebe, wenn sich plötzlich nicht mehr alles um sie allein dreht…

Aber da konnte ich sie beruhigen :)

Sicher braucht ein kleiner hilfloser Säugling erst mal mehr Aufmerksamkeit. Er kann sich ja nur durch Geschrei bemerkbar machen. Seine Stimmungen und Gefühle und Sorgen durch Worte auszudrücken muss er erst noch lernen. Da ist man dann gefordert, den kleinen Knirps erst mal kennenzulernen und das mehr zu erfühlen. Aber ich denke mal, so richtig nervenaufreibend ist das nur beim ersten Kind, wenn man überhaupt noch keine Ahnung hat. Beim zweiten ist das dann schon nicht mehr ganz so schlimm, aufgrund der bereits gesammelten Erfahrung…

Die Aufmerksamkeit, welche ich dann dem Baby widme, hat meine „Grosse“ in diesem Alter in dem gleichen Masse bekommen. Mit der fortschreitenden Entwicklung und der zunehmenden Selbstständigkeit, auch der daraus resultierenden Abnabelung von mir (ja ja.. die Pubertät…) kann ich sie jetzt auch ihre Wege allein finden lassen. Erst mal probieren, wie weit man es ohne Mama schafft. Im Zweifelsfall kann sie allerdings immer darauf vertrauen, dass ich für sie da sein werde. Wenn sie mich braucht. Das gehört zum Erwachsenwerden einfach dazu. Mutterliebe bedeutet für mich auch, ein Kind mal „hinfallen“ zu lassen.  Es wäre vollkommen verkehrt, den Nachwuchs immer vor allem beschützen zu wollen. Wenn sie unbedingt auf einen Baum klettern will, bitte sehr. Kann sie gern versuchen. Wen sie sich das zutraut, werde ich sie nicht davon abhalten. Jedes Kind muss die eigenen Grenzen kennenlernen. Deshalb: Erst mal selbst versuchen lassen, das fördert das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Ich werde aber immer da sein, um sie unten aufzufangen. Da kann sie echt drauf zählen. :)

Es muss auf jeden Fall bei einigen Dingen klare Regeln geben. Manche Grenzen muss man nämlich trotzdem setzen, was das allgemeine Zusammenleben in der Gemeinschaft betrifft. Zum Beispiel, dass man nicht stehlen darf, man soll nicht lügen (Lügen kommen immer raus…). Oder die Sache mit den schulischen und häuslichen Pflichten: Hausaufgaben möglichst sofort erledigen, Zimmer aufräumen, später dann auch mal der Mama im Haushalt helfen (sehr beliebt…)

………

Eltern werden ihre Kinder immer lieben, auch wenn es Differenzen gibt, was die Lebensplanungen betrifft. Eltern wollen ihre Kinder immer beschützen, egal, wie alt die Kinder sind. Ich bemerke das gerade selbst am Verhalten meiner Eltern mir gegenüber. Sie sind nicht wirklich damit einverstanden, dass mein Herzblatt ein Türke ist. Von meinen Plänen in der Türkei zu leben ganz zu schweigen. Es ist nun mal ein Unterschied, ob die Kinder in der Nähe leben ( mein Bruder wohnt im Haus, ich habe früher in 12 Kilometer Entfernung gelebt, und wenn sie meine Schwester besuchen wollen, müssen sie mal eben etwa 17 0 Kilometer Autobahn unter die Räder nehmen. Aber İstanbul ist ja nicht nur etwa 2000 Kilometer weit weg. Dazu kommt ja noch die Tatsache, dass ich Deutschland, die Europäische Union und vielleicht sogar den Kontinent verlasse. Kommt auf den Stadtteil von İstanbul an :) Ich habe jetzt fleissig Türkisch gelernt und finde mich dort ganz gut zurecht, was Sprache, Gepflogenheiten und ganz allgemein das Leben dort betrifft. Mir ist klar, dass ich noch sehr viel lernen muss, aber das schaffe ich schon. Ich will ja lernen. Weil ich mein Herzblatt liebe, und weil ich İstanbul und die Türkei liebe. :)

Meine Tochter jedenfalls muss sich keine Sorgen um ihren Anteil an meiner Liebe machen. Es gibt verschiedene Arten, andere zu lieben. Seine Kinder liebt man anders als seinen Partner oder die Eltern oder den Rest der Familie. Man teilt seine Liebe nicht auf, dass die Teile immer kleiner werden; sondern es kommt immer wieder ein Stück mehr dazu, so dass es immer mehr an Liebe gibt. Zumindest empfinde ich das so….

(hier stands zuerst...)

 
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Kommentare
Yola schrieb am 22.10.2011 um 09:35
Gleichzeitig eine pubertierende Tochter, ein Baby, ein total neues Umfeld, Sprache, Kultur, ein neuer Papa, sich sorgende Eltern...und das alles soll die Liebe richten...!?

Deine Liebe steht jetzt schon mit dem Rücken an der Wand. Nur die trügerische Hoffnung stützt sie. Verantwortungslosigkeit und Blauäugigkeit verstecken sich dahinter.
Zumindest empfinde ich das so...
Tut mir leid.
Waldkönigin schrieb am 22.10.2011 um 20:23
Da hast du mich wohl etwas falsch verstanden. Ich meinte meine Liebe zu meiner Tochter, oder auch ganz allgemein die Liebe von Eltern zu ihren Kindern.
Auch ist das Umfeld dort nicht neu für mich, genauso wenig die Kultur und die Sprache. Mein Türkisch ist ganz passabel. Ich falle dort eigentlich nicht als Nicht-Türkin auf.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.10.2011 um 11:28
Um wen geht es hier eigentlich? Wohl weniger um die Tochter, als um die Mutter….
Yola schrieb am 23.10.2011 um 17:14
Nein, ich habe Dich sehr wohl verstanden.
Du sagst: "Auch ist das Umfeld dort nicht neu für mich, genauso wenig die Kultur und die Sprache. Mein Türkisch ist ganz passabel. Ich falle dort eigentlich nicht als Nicht-Türkin auf."
DU. Du sprichst nur von Dir. Du gehst aber nicht allein weg. Du hast eine Tochter und ein Baby im im Bauch. Du trägst Verantwortung für sie. Was bedeutet "Verantwortung tragen" für Dich? Allein die Frage Deiner Tochter sollte dich aufhorchen lassen. Sie sagt Dir damit, dass sie Angst hat und eigentlich nicht weg möchte. Da nützen ihr Liebesbeteuerungen deinerseits recht wenig.
Warum möchtest Du gerade zum jetzigen Zeitpunkt weggehen? Ich sagte es schon oben: Die Konstellation ist äußerst ungünstig. Und...dass es mir leid tut.
Waldkönigin schrieb am 23.10.2011 um 17:23
Du hast mich wohl doch nicht so gut verstanden. Denn die Frage hätte sie mir genauso gestellt, wenn ich ihr einen deutschen Mann als neuen Vater vorgestellt hätte. Sie hatte einen ganz normalen Anflug von Eifersucht. Den hat jedes Kind in dieser Situation.
Mit meinem Herzblatt versteht sie sich wirklich sehr gut. Und sie will auch wirklich mit nach İstanbul.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 22.10.2011 um 11:12
Ob die vielen lächelnden gelben Sonnen wohl Ihre Besonnenheit symbolisieren?
Waldkönigin schrieb am 22.10.2011 um 20:25
Ich bin Optimist. Schon immer gewesen. Wenn ich jetzt wie meine Schwester wäre, würde ich mich im HAus verstecken und prinzipiell vor allem Fremden Angst haben und kopflos durch die WElt rennen, panisch schreiend.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 23.10.2011 um 11:00
"Rennende Leute die mit dem Kopf durch die Wand wollen, soll und kann man nicht aufhalten".

Mit Besonnenheit hat das aber wenig zu tun, darauf zielte meine Bemerkung.

Na, dann machen Sie mal.
Waldkönigin schrieb am 23.10.2011 um 17:24
Ich renne ja nicht kopflos durch die Gegend. Das wãre das Verhalten meiner SChwester. Nach 2 Jahren sollte man dann eigentlich schon wissen was man tut.
Richard der Hayek schrieb am 23.10.2011 um 11:40
Und wenn Ihre geliebte Tochter sich mit 16 in einen Christen verliebt und vorehelichen Geschlechtsverkehr haben möchte, wie sieht Ihre Liebe dann aus, verehrte Königin ?
Waldkönigin schrieb am 23.10.2011 um 17:27
Ach ja... Sie ziehen die ganze Sache mal wieder gleich ins Religiöse.... Das hat man dann wohl doch selbst in der Hand. Man muss seine Kinder einfach zu besonnenen Menschen erziehen, dann überleget sich meine Tochter die Konsequenzen ihres Handelns von allein, vorher. Ausserdem ist meine Tochter getaufte Christin. Es kommt ganz darauf an, wie man im allgemeinen zur Religion steht. Ich habe, als ich mich mit dem Islam befasst habe, festgestellt, dass die Unterschiede zwischen katholischem und evangelischem Christentum mitunter grösser sind als zwischen evangelischem Christentum und Islam. Soviel dazu. Es kommt auch immer auf die persönliche Einstellung zur Religion an.
Richard der Hayek schrieb am 23.10.2011 um 20:34
Eine ausgewogene, erschöpfende Antwort.
Waldkönigin
*1974; aus der östlichen Provinz, aber nicht provinziell... ich bin immer noch ein unverbesserlicher Optimist...
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Fro hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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