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Blog von blog1

13.02.2012 | 18:27

Das Geschäft mit griechischen Staatsanleihen

Es wird in den letzten Tagen sehr viel über einen Schuldenschnitt für Griechenland diskutiert, den die privaten Gläubiger leisten sollen, um dem griechischen Staat wieder auf die Beine zu helfen.

Chefunterhändler ist Herr Ackermann, der als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF in federführender Position tätig ist.

Schuldenschnitt bedeutet ein Verzicht des Gläubigers auf einen Teil seiner Forderungen. Staatsanleihen werden laufend verzinst und am Ende ihrer Laufzeit zu 100% endfällig getilgt, egal wie hoch ihr Kurswert (Marktpreis) während der Laufzeit valutiert. Das ist der Regelfall. Bei einem Schuldenschnitt wird diese Regel durchbrochen, d.h. der Anleger erhält nicht 100% des Nominalwertes zurück, sondern nur einen Teil.

Geplant ist nun ein Forderungsverzicht von 50%. Die verbleibenden 50% werden langfristig auf 30 jahre umgeschuldet. Dabei soll ein Zinssatz von 3,6% gelten, der jedoch einen wachstumsabbängigen Zinsaufschlag beinhalten soll. Die Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen sollen über den Rettungsschirm EFSF abgesichert werden, d.h. der Gäubiger trägt für die Restsumme kein Ausfallrisiko. Das übernimmt der Steuerzahler.

Wichtig in dem Zusammenhang ist die Tatsache, dass es sich um keinen harten Schuldenschnitt handelt, sondern dass die Gläubiger dem Schuldenschnitt freiwillig zustimmen können oder nicht. Dies eröffnet der Spekulation Tür und Tor.

Von den insgesamt ca. 205 Milliarden Staatsanleihen gehören ca. 50 Milliarden grischischen Banken und 30 Milliarden griechischen Sozialversicherungsfonds. Beide Gläubiger wären bei einem Verzicht in vorgenannter Höhe sofort pleite. Jetzt wird auch klar, warum die Renten gekürzt werden sollen. Woher die Rekapitalisierung kommen soll, ist noch unklar.

Der Rest der in Privathand gehaltenen Staatsanleihen entfallen auf europäische Banken (40 Mrd.), europäische Versicherungen (15 Mrd.) sowie 70 Mrd. auf Investmentfonds, Staats- und Hedgefonds sowie Kleinanleger.

Wer nun glaubt, dass die von den Gläubigern gehaltenden Staatsanleihen alle zu 100% Kurswert gekauft wurden, der irrt gewaltig. Die Gläubiger haben zum Teil die Staatspapiere über den Zweitmarkt weit unter ihrem Nennwert erworben. Zur Zeit haben die Papiere einen Kurswert zwischen 30 und 40%, also selbst dann, wenn die Papiere 50% an Wert verlieren, kann ein Zweitmarktkäufer noch ein gutes Geschäft machen. Wenn er dann noch darauf spekulieren kann, dass er seine Anleihe zum Nominalwert eintauschen kann, weil es sich ja um keinen harten Schuldenschnitt handelt, steigt seine Rendite ins Unermessliche.

Es steht zu vermuten, dass sich die vermögenden Griechen, die ihr Geld außer Landes geschafft haben, an Hedge-Fonds beteiligt haben, die u.a. griechische Staatsanleihen halten und demzufolge an dem Spiel mächtig mitverdienen werden. Zuerst haben sie Griechenland die Steuerzahlungen verweigert und jetzt machen sie nochmals Kasse.

Wenn das alles nicht funktionieren sollte, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen so genannten Credit-Default-Swap (CDS) zu zeichnen, der den Ausfall beim Basisgeschäft (= Rückzahlung der Staatsanleihe) mehrfach ausgleicht.

Alles in allem gesprochen ein gutes Geschäft für diejenigen, die das Spiel beherrschen und am Ende konnte man sich auf Merkozy immer verlassen.

Das ständige Hinausschieben der Staatspleite Griechenlands nutzt den Politikern und vor allem den privaten Gläubigern. Die einen gewinnen Zeit und die anderen verdienen sich eine goldene Nase.

Und wenn es mit Griechenland nicht mehr weiter gehen sollte, zieht die Karawane einfach nach Portugal weiter.

 

 
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Kommentare
Simplify schrieb am 13.02.2012 um 19:21
@blog1

"Wichtig in dem Zusammenhang ist die Tatsache, dass es sich um keinen harten Schuldenschnitt handelt"

Nein, das ist richtig und ein harter Schuldenschnitt ist ja auch nicht gewollt, weil dies den Banken eine Menge Geld gekostet hätte. Wahrscheinlich so viel Geld, dass sie Pleite gegangen wären. Jedenfalls hatte die Salamitaktik von Frau Merkel, die eine Insolvenzverschleppung ist, kriminelle Züge. Der Schuldenberg Griechenlands konnte dadurch immer weiter ansteigen, während die Zinsuhr tickte, natürlich zulasten des Steuerzahlers. Und es ist doch ein Märchen, dass eine Insolvenz Griechenlands zu einer "Kernschmelze" und dann unabdingbaren Austritt Griechenlands aus der Eurozone geführt hätte / bzw. führen würde. Über einen Austritt aus der EU kann ohnhin nur Griechenland alleine entscheiden und pleite ist Griechenland ohnehin schon, also können wir sie auch in der Eurozone lassen. Allein der damit verbundene "harte" Schuldenschnitt käme den banken teuer zu stehen und die werden von Frau Merkel ja geschont - auf Kosten des Steuerzahlers. Auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit.
Übrigens verkündete heute Frau Merkel im Rahmen einer Pressekonferenz zur "Finanzarchitektur Europas", dass die zukünftige Regulierung der Banken so aussehen wird, dass sich die Banken quasi selber regulieren. Ach ja, und die Hedgefonds werden gleich ganz verschont.
Dann kann das spekulieren ja fröhlich weitergehen...

Willkommen in Europa!
www.youtube.com/watch?v=rV83ucLsOIE
blog1 schrieb am 13.02.2012 um 19:40
@ Simplify

Danke für Ihre ergänzenden Erläuterungen.

Alle Regierungen befinden sich in "Geiselhaft" der Banken, weil sie der Meinung sind, dass ohne die Banken der Zahlungsverkehr, die Kreditvergabe an die Staaten bzw. an die anderen Schuldner (Unternehmen bzw. Privatleute) nicht mehr funktioniert. Diese Behauptung ist falsch und trifft für Deutschland mit seinem dreigliedrigen Bankensystem ohnehin nicht zu.

Würde man die Banken zu einem spekulationsfreien Geschäftsmodell zwingen, müssten viele Bankmitarbeiter entlassen werden. Das jetzige Finanzsystem wird wohl vor die Wand knallen müssen, bevor sich etwas ändert. An eine wirksame Regulierung kann ich nicht mehr glauben, da die Verflechtungen zwischen Politik, den Banken und auch Teilen der Wirtschaft zu intensiv sind.
petz schrieb am 13.02.2012 um 20:46
@blog 1
Bin ich nun so doof oder ist unsere Presselandschaft doch schon so weit eingeebnet, dass zumindest ich bislang auf diese Information noch nie gestoßen bin:

Geplant ist nun ein Forderungsverzicht von 50%. Die verbleibenden 50% werden langfristig auf 30 jahre umgeschuldet. Dabei soll ein Zinssatz von 3,6% gelten, der jedoch einen wachstumsabbängigen Zinsaufschlag beinhalten soll. Die Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen sollen über den Rettungsschirm EFSF abgesichert werden, d.h. der Gäubiger trägt für die Restsumme kein Ausfallrisiko. Das übernimmt der Steuerzahler.

Das erklärt nun wahrlich so manches, was mir bisher rätselhaft erschien. So "macht" die Sache freilich "Sinn"!

Ärgerlich nur, dass man sich, für die Griechen auf einen sog. ungeordneten Staatsbankrott hoffend, in mehrheitlich schlechte bzw. schlechte mehrheitliche Gesellschaft begibt. Ruft doch ein erheblicher Teil unserer Bevölkerung nach einem solchen, um unser "gutes" und "ehrlich erarbeitetes" Geld diesen südländischen Faulenzern nicht hinterherzuwerfen.

Der eigentlich härtere Vorwurf, dass ihre Vorfahren einst eine Demokratie erfanden, die die Sklaverei unangetastet ließ, spielt dabei keine Rolle. Aber vielleicht sind es ja just die Griechen, die nun beginnen, auf der Straße gegen Sklaverei zu anzukämpfen. Möge olympischer Segen ihnen glorreiche Siege schenken (aber sehr wahrscheinlich ist´s leider nicht, sind doch die derzeitigen Sklavenhalter nicht aufknüpfbare Menschen, sondern gordisch geknotete Strukturen, vor deren Zerschlagung selbst die Geknebelten Angst haben).

Nun ja, vielen Dank jedenfalls für eine Klarstellung, der weite Verbreitung zu wünschen wäre!
blog1 schrieb am 14.02.2012 um 00:49
Die Modalitäten für den Schuldenschnitt der privaten Gläubiger können Sie beispielsweise in der Financial Times Deutschland nachlesen. Auch das Handelsblatt liefert hierzu brauchbare Informationen.

Auf Ackermann als Verhandlungsführer können sich die Gläubiger verlassen.

Was Griechenland betrifft, hat heute Finanzminister Schäuble den Weg gewiesen. Er ist der Meinung, dass Parlamentswahlen im April nicht zielführend sein könnten und verweist auf die Expertenregierung in Italien unter Leitung Montis, die laut Schäuble hervorragende Arbeit leistet.

In Griechenland könnte sich eine rechtsorientierte Regierung etablieren. Die Griechen befinden sich in einer ausweglosen Situation. Ein Austritt aus dem Euro mit anschließendem Staatsbankrott verbunden mit einer massiven Entschuldung über eine Abwertung ist aus meiner Sicht unververmeidlich. Griechenland wird dann in der Folge noch weiter abstürzen, hat aber dann den Bodensatz erreicht und kann sich auf seine Stärken besinnen.

Das Problem besteht darin, dass es in Griechenland keine Politiker gibt, die integer und fachlich kompetent sind, das Land in eine bessere Zukunft zu führen. Deshalb ist ein Rechtsruck sehr wahrscheinlich und dann könnte sich ein neuer Konfliktherd mit der Türkei auftun, schließlich ist Griechenland bis an die Zähne bewaffnet und das mit tatkräftiger Unterstützung der Deutschen.
petrella schrieb am 14.02.2012 um 14:26
Danke für die, auch für einen Laien verständlich rübergebrachten, Informationen. Ich wünsche mir auch, dass diese weite Verbreitung finden.
blog1 schrieb am 14.02.2012 um 19:29
@ petrella

Ich betrachte es als ein Kompliment, wenn es mir gelungen ist, diese Thematik verständlich zu erklären.

Die meisten finanztechnischen und auch juristischen Vorgänge werden "künstlich" verkompliziert, um einerseits den wahren Sachverhalt zu verschleiern, andererseits Herrschaftswissen zu generieren.

Mit der Verbreitung dieser Zusammenhänge bin ich skeptisch. Dies zeigt u.a die Resonanz im Freitag. Aber die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.
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