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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

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Merkel und Ackermann treffen sich zu einem vertraulichen Gespräch im Kanzleramt. Mit dabei ist Finanzminister Schäuble.
Merkel: Sag mal, lieber Josef, wie habe ich das hingekriegt beim EU-Gipfel mit dem Schuldenschnitt für Griechenland?

Schäuble: Mit Verlaub, das war der Vorschlag von mir, den Sie, Frau Bundeskanzlerin, 1:1 umgesetzt haben.

Ackermann: Also, wir wollen uns doch nicht über die wahre Urheberschaft dieses Vorschlags streiten, schließlich kennen wie alle den Herrn Asmussen sehr gut, der von seinem Mentor – Herrn Axel Weber – viel gelernt hat.

Merkel: Ja, man kann eben nicht alles haben, lieber Josef, für die Schweizer Bankenwelt konntest Du Herrn Weber ja gewinnen.

Schäuble: Lassen wir doch mal die Schweiz beiseite und widmen uns wichtigeren Dingen. Dieses Bauernopfer für die Banken, das wir jetzt der Öffentlichkeit präsentiert haben, ist doch eine Lachpille. Ein bisschen mehr Dankbarkeit könnte man schon erwarten.

Ackermann: Wir wollen doch nur in Ruhe unseren Geschäften nachgehen und nicht dass uns, wie bereits angedeutet, mit einer Zwangskapitalisierung gedroht wird.

Schäuble: Die Lagarde hat doch Recht, wir können nicht immer wieder die Banken retten und dann der Bevölkerung erklären, dass diese Vorgehensweise alternativlos ist.

Ackermann: Sie retten doch nicht die Banken, sie retten sich selbst. In 2008 hat die DB keine Stützungsmaßnahmen gebraucht. Das waren überwiegend die Landesbanken und der Sauhaufen der HRE. Nicht zu vergessen die IKB. Also, dass man bei der DB so mal nebenbei bei einem Betrag von 55 Mrd. Euro das Plus- und Minuszeichen verwechselt, halte ich für ausgeschlossen.
Merkel: Nun werden Sie mal nicht überheblich. Wir waren es doch, die ihnen erlaubt haben, weiter zu zocken.
Ackermann: Richtig, Frau Merkel und das war gut so, weil wir jetzt am besten gerüstet sind, ein paar lästige Konkurrenten, die zu viel Anleihen von den PIIGS-Staaten im Portfolio haben, zu übernehmen.

Schäuble: Wenn ihnen da die US-amerikanischen und britischen Aufsichtsbehörden nicht in die Parade fahren. Ihr Aktienkurs ist nicht gerade berauschend. Ein idealer Übernahmekandidat also.
Ackermann: Das sehe ich gelassen. Wir haben eine gute Rechtsabteilung und im Übrigen, wer spielen will, muss das Spiel beherrschen und darf am Ende nicht den Spielelieferant in die Pflicht nehmen, wenn er das Spiel nicht verstanden hat.
Merkel: Also, lieber Josef, Du behauptest also, dass die DB selbst gar nicht spielt, sondern nur die Anleitung zum Spielen herausgibt.
Ackermann: Das habe ich nicht behauptet. Wir spielen dort mit, wo es sich lohnt zu spielen. Das nennt man Investmentbanking. Dort, wo es sich nicht lohnt bzw. zu riskant ist, lassen wir andere spielen.
Schäuble: Ein bisschen weniger verklausuliert, bitte.
Ackermann: Wenn man ein Produkt kreiert, muss man es noch lange nicht selbst nutzen und nur dann dafür haften, wenn man die Risiken nicht konkret benannt hat.
Merkel: Mit anderen Worten, es ist ein Unterschied zwischen denjenigen, die die Schulden verursachen und denjenigen, die sie am Ende bezahlen.
Ackermann: Jetzt ist der Groschen gefallen, liebe Frau Bundeskanzlerin. Bei Staatsschulden ist das systemimmanent. Da haftet am Ende immer der Bürger und Steuerzahler.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.