Jonas Weyrosta

weilmeldung

12.07.2011 | 21:37

Die Furcht vor den Anderen - Ohne Sinneswandel keine Integration!

Die Deutschen sind ohne Zweifel ein stolzes Volk. In keinem anderen Bundesland wird dies deutlicher als im Freistaat Bayern.

Millionen Touristen besuchen jährlich die Bundesrepublik, besichtigen Sehenswürdigkeiten und besuchen Gedenkstätten an den Nationalsozialismus - immer eine Frage im Gepäck: Wie sind diese Deutschen heute eigentlich? Während andere Teile der Bundesrepublik sich eher in kühler Zurückhaltung und eisigem Umgang mit Nationalstolz üben, sind die Menschen in Bayern stolz auf ihre Kultur und Tradition und zeigen dies offenherzig.

Doch auch wenn es nicht immer offensichtlich ist eint die Ehre für das Vaterland doch die gesamte Bundesrepublik. Sie ist es, die lange Zeit die Bundeswehr über Wasser hielt, sie ist es die Krankenhäuser, Schulen und Behinderteneinrichtungen mit Zivildienstleistenden versorgte und die uns ein rauschendes Sommermärchen 2006 bescherte  - sie ist es auch die bisher alle Integrationsbestreben zunichte machte.

In regelmäßigen Abständen geistern Begriffe wie Leit- und Hochkultur durch die deutschen Medien. Ihren Ursprung finden diese Worthülsen in früheren Zeiten, als Deutschland noch die Heimat der Denker und Dichter war, die Wirtschaftsmacht des europäischen Westens darstellte und ohne Zweifel stolz sein konnte auf eine geglückte Wiedervereinigung. Doch all das liegt weit zurück, wirkt in den Köpfen der Deutschen jedoch bis heute nach. Das ungetrübte Bewusstsein der deutschen Kultur, als statischer, rein christlicher Raum der Disziplin, des sozialen Miteinanders und der Rechtschaffenheit ist bis heute das Standbein der Bundesrepublik Deutschland, im Osten wie im Westen, in Bayern wie in Berlin.

Doch die Gegenwartsphilosophie gaben wir längst in die Hände der Franzosen ab, der deutsche Film wirkt im internationalen Vergleich meist schulisch und wenig authentisch. Nach The Scorpions feierten nur Tokio Hotel noch Welttournee in Übersee. Die Europäische Union hat dem Eigenbrötler Deutschland in die Suppe gespuckt. Dennoch klammern sich die Deutschen bis heute an diese vergangenen Zeiten und versuchen fremde Einflüsse abzuwehren.

Die Art wie Integrationsdebatten in Deutschland stattfinden, zeigt das ungetrübte Nationalgefühl auf perfide Art und Weise. Wer integrieren möchte, schafft dies auch. Deutschland hingegen erweckt auf infantile Weise den Eindruck, man möchte, aber es gelänge nun mal irgendwie nicht. Liegt es an populistischer Hetze aus dem Innenministerium, der mangelnden Bereitschaft der Muslime selbst, oder droht die Europäische Union durch Masseneinwanderung an Aufgaben zu gewinnen und an Ansehen zu verlieren? Alle Möglichkeiten werden in diesen Tagen diskutiert - bisher ohne Ergebnis. Es erinnert an einen Stuhlkreis in der Grundschule. Der Außenseiter der Klasse wird von den Mitschülern nicht hineingelassen, die Lehrerin bittet die Mitschüler daraufhin um Fairness. Schließlich sitzt die gesamte Klasse im Stuhlkreis, feindselige Blicke markieren jedoch klare Grenzen.

Deutschland sollte erkennen, dass ein Beharren auf einer statischen Kultur dem Integrationswunsch entgegenwirkt. Nur wer Kultur als etwas organisches, etwas täglich wachsendes begreift, die durch muslimische, jüdische und andere Einflüsse gefärbt wird, aber Die deutsche Kultur bleibt, ermöglicht ein freies und offenes Miteinander. Kulturkreise erfinden sich ständig neu, durchleben Wandlungen und wachsen an ihren Aufgaben und gebären daraus etwas neues. Frankreich ist heute ohne nordafrikanische und arabische Einflüsse nicht mehr vorzustellen, dennoch blieb es bei französischen Eigenarten und einer klaren Identität. Doch es fehlte der offene Diskurs in der Republik Frankreich. Die Folge sieht man bis heute in den Vorstädten von Paris, Integration, die von oben mit dem Durschlaghammer betrieben wurde, endet nicht selten in Straßenkämpfen und Massendemonstrationen. Auch deshalb muss sich der Integrationsdiskurs zu einem Gespräch über Inklusion wandeln und jedem muss bewusst sein, der Islam gehört nicht zu Deutschland, aber die Menschen die in dies Land einwandern möchten. Bringen sie den muslimischen Glauben mit sich, lässt dies den deutschen Kulturraum um eine Facetten reicher werden. Zeiten bringen nunmal Veränderung.

 
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Kommentare
Magda schrieb am 12.07.2011 um 22:16
luzieh.fair schrieb am 13.07.2011 um 21:52
deutlich und unaufgeregt (oder?).

Gern gelesen.
Jonas Weyrosta schrieb am 13.07.2011 um 22:00
Innerlich angespannt. Danke
Waldemar Maurer schrieb am 15.07.2011 um 18:58
@ Jonas
"Bringen sie den muslimischen Glauben mit sich, lässt dies den deutschen Kulturraum um eine Facetten reicher werden." Könnte es sein, dass gerade dieser Glaube das Integrationshindernis ist. Bassam Tibi schreibt:" Man muss offen sagen, die Religion des Islam erlaubt die Integration nicht. Ein Muslim darf sich einem Nichtmuslimen nicht fügen. Wenn er in der Diaspora lebt, dann ist das eine Notsituation, und er kann sich absondern. Das besagt die normale Religion und nicht die fundamentalistische Variante."
Hintergrund auf: www.islamkritik.mx35.de
Jonas Weyrosta schrieb am 17.07.2011 um 16:55
Danke für diesen Hinweis.
Ein weiterer Gedankenanstoß könnte die Frage sein, ob der Islam sich nicht im Zuge von Migration liberalisieren würde? Wer heute noch in den dogmatischen Zwängen seiner Religionskultur gefangen ist, lebt ein Defizit an Emanzipation, Informationsfreiheit und sozialer wie familiärer Akzeptanz. Fremde Einflüsse erhellen den Geist. Daher auch die Gefahr, die viele Dschihadisten sehen: Muslime stoßen durch Migrationsbewegungen auf westliche/weltliche Werte und Privilegien und werden so "unbrauchbarer" für radikale Fundamentalisten.
Man vergleiche nur die Bedeutung des Christentums für die heutige Jugend.

Somit stehen der angeblichen Integrationsunfähigkeit der Muslime leider bisher zuwenige Gegenbeweise gegenüber. Vorbilder gesucht, ihre Lobby ist klein!
Jonas Weyrosta
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