wienerblut

Alpenpanorma

15.02.2009 | 18:18

Der rassistische Blick und der unerträgliche Alltag

In der österreichischen Tageszeitung "Kurier" findet sich folgender Bericht: "Ein Mann stürzte sich auf mich, schlug auf mich ein, ich bin rückwärts auf den Boden gefallen, der Unbekannte setzte sich auf mich, hielt mich am Boden fest und schlug mit den Fäusten auf mich ein. Der Mann schrie Polizei, Polizei, er trug aber keine Uniform" - so beschreibt der amerikanische Staatsbürger Mike B, der als Lehrer an einer internationalen Schule in Wien arbeitet, was sich vergangene Woche in einer U-Bahnstation in Wien zugetragen hat.
Momentan kann er nur auf Krücken gehen.
Man hatte ihn für einen Drogendealer gehalten. Warum? Er ist Schwarzer.
Folgen wird in den nächsten Tagen das immer gleiche Spiel in solchen Fällen. Ein einzelnes Vergehen, Überlastung bei der Arbeit, so die Darstellung der Polizei, und in der Konsequenz relativ milde Strafen für die Täter - Depressionen und Angst bei den Opfern. Bis zum nächsten Mal.
Dabei sind es nicht nur diese spektakulären Übergriffe, die im Grunde genommen unfassbar sind und einem zivilisierten Rechtsstaat Hohn sprechen. Täglich werden in Wien Ausländer und Menschen, die irgendwie anders aussehen, von Zivilpolizisten kontrolliert, und besonders an Orten, an denen täglich viele Menschen kommen und gehen. Zum Beispiel am Westbahnhof.
Dort umringen dann drei Männer einen oder zwei verdächtige Personen, kontrollieren die Papiere, ein Polizist tippt immer irgendetwas in einen Laptop, den er gleichzeitig in Händen hält. Nach welchen Vorgaben sortieren diese Polizisten die Verdächtigen aus? Wie erkennen sie Ausländer? Wer gibt ihnen dazu welche Anweisungen?
"Schwarzer mit Handy", so lautet das Verdächtigenprofil im Falle des verprügelten Lehrers. Ach, wahrscheinlich einfach nur "Schwarzer", der, wie ein Polizeisprecher erläuterte, bedauerlicherweise verwechselt worden sei. In Facebook-Kommentaren erzählen momentan Wienerinnen und Wiener, was sich auf Wiener Straßen am hellichten Tage zuträgt. Einen solchen Alltag zu haben, ist schwer zu ertragen.

Ein Teil der Drogenkuriere in Wien stammen aus afrikanischen Ländern, das ist der reale Kern all dessen. Daraus einen täglichen Spießrutenlauf für alle anderen zu machen, der seit Jahren offiziell toleriert wird, hat indes noch andere Gründe. Es ist der rassistische Blick der staatlichen Institutionen, der  Verdächtigenprofile und Gefahrensituationen konstruiert.
 


 
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Kommentare
jkob schrieb am 15.02.2009 um 21:28
ja, ich sowas auch schon mitansehen müssen. man kommt sich wie in einem polizeistaat vor. ich würd gern ein training bei ZARA machen, um mit solchen situationen besser umgehen zu können und nicht völlig hilflos und unwissend zu sein.
lg
hans
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Jörg Friedrich hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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