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Gran Feria Copacabana, San Salvador de Jujuy, Argentinien
Die Holzbretter scheinen unter der Last zu ächzen. Auf ihnen türmen sich Lederjacken, Pullover und Jogginghosen. Blusen, Röcke und Strickjacken. Kleidung soweit das Auge reicht. Die Gran Feria Copacabana vor den Toren der Stadt San Salvador de Jujuy im Nordwesten Argentiniens ist ein Mekka für jeden, der etwas zum Anziehen sucht. Könnte man meinen.
Es verschlägt nicht viele Menschen an diesen Ort. Eine halbe Stunde Fahrt mit dem colectivo – dem öffentlichen Bus – von der Stadt entfernt, liegt der Markt verborgen im staubigen Nirgendwo. Nur das leuchtende Blau der Planen, die sorgsam als Dächer über die Marktstände gespannt sind, bricht das Einheitsgrau der Umgebung. Nichts an diesem Ort hat mit seinem glanzvollen Namensgeber gemein.
Unter den Planen aus Plastik steht die Hitze. Sie sollen die Kleidung vor Regen schützen. Es regnet nicht oft hier, aber die Ware ist wertvoll. Sie bringt Geld. Eine Handvoll Pesos bekommen die Verkäufer für ein Kleidungsstück. Wo genau sie die Kleidung herbekommen, wollen sie nicht sagen. Nur, dass sie diese in großen Ballen kaufen.
Die Kleidung ist getragen. Sie hat einen eigenen Geruch. Nicht unangenehm, aber für die europäische Nase irgendwie fremd. Alles ist gut erhalten. Dolce Gabbana, Adidas und Ralph Lauren. Alle großen Namen gibt es hier. Einst kleideten sie Menschen an fernen Orten. Tausende Kilometer weit weg. Unvorstellbar für jene, die sich hier durch die Berge wühlen.
Ein kleines Mädchen, vier vielleicht fünf Jahre alt, sitzt neben einem der zahlreichen Stände auf dem Boden. Es hat pechschwarzes Haar, ihre feuerroten Wangen leuchten trotz des Schmutzes in ihrem Gesicht. Das Mädchen spielt mit einem Hundewelpen. Sein Name sei Jacky, erzählt sie mir. Nur ein paar Meter entfernt steht ein Mann und verkauft gerade ein paar Kleidungsstücke. Immer wieder schaut er kritisch zu uns herüber. Das Mädchen zieht vorsichtig an meinem Hosenbein. „Könnt ihr mich und das Hündchen mitnehmen?“
Sie zurückzulassen fällt schwer. Mit jedem Schritt, den ich mich von dem Mädchen entferne, versinke ich mehr in Gedanken. Ich frage mich wie ihr Leben wohl aussehen würde, wenn sie wie ich im 12.000 Kilometer entfernten Deutschland geboren worden wäre.
Doch viel Zeit bleibt mir nicht. Ich muss mich beeilen, um nicht den Bus in die Stadt zu verpassen. Aber die Gedanken werden mich nicht mehr loslassen.
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Berührender Blog! Ziemlich klasse geschrieben! Danke.
Herzliche grüße por |
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Fand ich auch - Interessante Eindrücke über ein fernes Land und seine Menschen.
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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