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13.01.2012 | 21:42 Echt Jetzt

Warum Christian Wulff kein guter Bundespräsident sein kann

Am 2. Juli 2010 legte Christian Wulff folgenden Eid nach Artikel 56 unseres Grundgesetzes ab: „ICH SCHWÖRE, DASS ICH MEINE KRAFT DEM WOHLE DES DEUTSCHEN VOLKES WIDMEN, SEINEN NUTZEN MEHREN, SCHADEN VON IHM WENDEN, DAS GRUNDGESETZ UND DIE GESETZE DES... >> mehr

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Kommentar zu

Jenseits des Schlosses

Politik | 12.01.2012 | 07:00 Tom Strohschneider
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12.01.2012 | 19:58 Echt Jetzt
Aussitzen? Klar! Aber ein Vergessen im Zeitalter des Internets wird es nicht geben! Wie hieß das bei Lincoln? [quote]You can fool some of the people all of the time, and all of the people some of the time, but you can not fool all of the people all of the time ![/quote] - soll heißen: das Volk ist machtlos, aber nicht hirnlos! Ein Staatsoberhaupt, das sich auf einer Mailbox mit einer Kriegserklärung verewigt, das im Fernsehen ein Millionenpublikum dreist belügt, das mit der Öffentlichkeit nur noch über seine Anwälte kommuniziert, das Reue heuchelt und Besserung gelobt, um hinter verschlossener Tür die öffentlichkeit zu verhöhnen, sie habe in einem Jahr eh alles vergessen, hat nicht das Format zum Bundespräsidenten. Man kann Wulff nicht des Amtes entheben. Aber die Tatsache, dass das alleine ihn in diesem Amt hält, zeigt, dass dieser Mensch frei von jeglicher Moral, von Würde und Verantwortungsbewußtsein ist. Und als solcher wird er auch in die Geschichte eingehen, weil es im Zeitalter des Internets kein Vergessen gibt. Beschämend und verantwortungslos ist auch das Verhalten all jener Politiker, die Wulff bei der Etablierung einer angeblichen Normalität jetzt helfen, seien es die Parteifreunde oder die Opposition.
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12.01.2012 | 17:47 Echt Jetzt
Der Beitrag "Der Wulff & die bösen Medien" ist endlich ein gesunder Ansatz zu dem Debakel, das hier abläuft, auch wenn ich die "Verwunderung darüber (...), dass aus der Affäre Wulff unversehens eine Medien-Affäre zu werden droht" nicht nachvollziehen kann. Der SPIEGEL recherchiert seit Jahren in der Kreditsache, hat vor Gericht gegen Herrn Wulff zwecks Einsicht in Unterlagen geklagt. Auch der STERN ist schon lange an der Geschichte dran. War Herrn Wulff das nicht bekannt? (Rhetorische Frage.) War er zu sehr beschäftigt, mit der Boulevard-Presse hübsche Home-Stories auszukaspern, in denen er bereitwillig Intimstes preisgibt? Und was ist mit der Bundeskanzlerin und der Bundesversammlung, als Herr Wulff ins Rennen um den Präsidenten-Posten gehen sollte? Wie lässt es sich erklären, dass der Kandidat fürs höchste Amt im Staat nicht vor der Nominierung alles, was an Leichen im Keller hätte ans Licht gezerrt werden können, vorab intern klären lassen musste? Gibt es da keine Sorgfaltspflicht, keine Verantwortung der Bundesversammlung gegenüber der Bevölkerung? Wird man die Vehemenz, mit der vorhersehbares Unheil ignoriert wird, künftig in der Maßeinheit GBW (Großburgwedel) auf dem nach unten offenen Skandalometer deutscher Politiker messen können? Von was reden wir eigentlich? Da ist ein mittelmäßiger Politiker, der in der Midlife-Krise seine unspektakuläre alte Frau gegen ein neueres, flotteres Modell ausgetauscht hat. Der will er einen Lebensstil bieten, den er (damals) nur auf Pump bekommen kann. Bis hierhin ist die Geschichte ungefähr so spannend wie Hannover. Interessanter ist da schon die Bemerkung des STERN Chefredakteurs, Hinweise auf das Affären-Potential seien von Wulffs niedersächsischen Parteifreunden gekommen. Aber ein echter Brüller ist das immer noch nicht. Zeitsprung in den Dezember 2012: nachdem Wulffs Kredit-Story von zahlreichen Medien und dem niedersächsischen Parlament lauwarm vorgekaut und halbverdaut worden war und weiterhin nicht zündete, hat sich die BILD der Geschichte angenommen, sechs Fragen an Herrn Wulff geschickt, sechs Antworten von Herrn Wulff erhalten … und kurze Zeit später geht in diesem Land die Luzie ab, dass es einem die Socken auszieht, ohne dass die Schuhe es merken. Was fürchtet Herr Wulff, dass er durchdreht, wie Nachbars Lumpi zur Brunstzeit? Da muss es doch noch weitere Leichen im Keller geben. Was bisher ans Licht kam, ist unschön, wäre aber unter „typisch Politiker“ spätestens mit dem Weihnachtsbraten geschluckt, verdaut und exkrementiert worden. Da war nix Pikantes, nix Privates,nichts wirklich Spektakuläres. Warum also Kriegserklärungen (von denen nur die an Herr Diekmann als Fehler eingestanden wurde)? Warum das Sich-Verweigern gegenüber der gesamten Presse? Was soll das, dass Journalisten ihr Fragen nur noch schriftlich einreichen dürfen und die Antworten von Wulffs Anwälten kommen? Inzwischen verschanzt sich Herr Wulff in Schloss Bellevue und kommuniziert mit der Öffentlichkeit über seine Anwälte? Ja bitte, geht’s noch? Hier fehlen ein Ufo und ein sprechendes Reh, dann ist der Plot für ein wirklich schlechtes B-Movie komplett, für das Pro7 den Deutschen Fernsehpreis erhalten könnte. Die Wulff-Affäre wird nicht unversehens eine Medien-Affäre werden. Sie ist es bereits und wir haben zugelassen, dass Wulff sie dazu machen konnte. Wer ihm stümperhaftes Krisenmanagement vorwirft, übersieht, wie effektiv es bislang gewesen ist. Der Krieg, den er telefonisch angekündigt hat, ist in vollem Gange. Letzte Zweifel räumt der denkwürdige TV-Auftritt aus. Wer seinen Würgereiz unterdrücken kann und sich Wulffs Gejammer aufmerksam anhört, bekommt tiefe Einblicke in eine beängstigend gestörte Seele. In der Schule war er bestimmt immer der, der als letzter in ein Team gewählt wurde. Was soll so einer mit Würde, wenn er Macht haben kann? Außerhalb von Wulffis Welt – in der Realität – läuft derweil alles nach Plan: Gegner gegen Anhänger, Anhänger gegen Presse, Gegner gegen Presse, Presse gegen Presse – jeder schießt gegen jeden und Herr Wulff schaut zu, verlieren kann er nicht. Ab und zu gießen seine Anwälte mit irgendeiner Erklärung noch etwas Öl ins Feuer. Irgendwann werden alle des Kämpfens müde sein, dann ist die Sache vorbei und Herr Wulff kann Schloss Bellevue verlassen, ist nicht mehr Opfer sondern Sieger. Wer will dann noch über Ediths Kredit reden? Die Machtlosigkeit gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten zeigt sich jetzt in den diffusen Forderungen: Rücktritt? Was sollte ihn dazu motivieren? Reue? Was ihm dazu einfällt, hat uns im Fernsehen vorgejammert, bis es uns die Fußnägel hochgerollt hat. „Klärung“? Was könnten die Antworten auf die Vorwürfe der Kredit-Affäre momentan zur Klärung einer Debatte beitragen, deren Fokus sich auf Fragen wie „Darf die BILD zu Deutschlands Moralhüter mutieren?“ oder – einfacher ausgedrückt – „BILD oder Wulff?“ oder „Wieweit dürfen die Medien gehen?“ etc. verschoben hat? Immer wieder taucht das Wort „Staatskrise“ auf. Die werden wir zu spüren bekommen, falls Herr Wulff nicht sehr bald von den Verantwortlichen dieses Landes dazu gebracht wird, seine Einstellung zum Amt, zu Verantwortung und den verfassungsmäßigen Grundrechten, inklusiver Presse- und Meinungsfreiheit, zu überdenken und zu ändern. Aufgabe der Medien ist es, die Wichtigkeit dieses Schrittes klarer herauszustellen. Und das Ganze ausgelöst vom richtigen Artikel in der falschen Zeitung…
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