Daniel Windheuser

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15.12.2010 | 14:44

Netzschau: Nichts ist wie es scheint. Scheint es.

 

Die heutige Netzschau ist eine Netzschau der Enthüllungen. Grundgegebenes wird hinterfragt werden und Weltsichten in ihren Grundfesten erschüttert.

Beispielsweise dachte man, die Novellierung des Jugendmediengesetzes wäre unabwendbar. Nun scheint sie jedoch an der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen zu scheitern, wie die ZEIT berichtet. Der Newsticker auf Heise.de behält die weiteren diesbezüglichen Entwicklungen im Auge.

Auch der sichere Jubel über die Entdeckung außerirdischen Lebens scheint nun plötzlich etwas verfrüht gewesen zu sein, denn die neuesten Erkenntnisse über den Zusammenhang von Bakterium und Arsen habe eher Züge einer Groteske denn einer Heldenerzählung. 

Apropos Heldenerzählung: Während der deutsche Verteidigungsminister nebst Entourage neue Höhenzüge des angewandten Selbstmarketings erklimmt, zeigt ein Interview mit Peter Zimmermann, dem Leiter der Traumastation des Bundeswehrkrankenhauses Berlin die weniger medientauglichen Aspekte eines militärischen Auslandseinsatzes auf.

Der WikiLeaks-Diskurs scheint sich derweil noch lange nicht erschöpft zu haben, im Gegenteil, täglich expandieren seine Dimensionen. Die Arten des Protestes von WikiLeaks-Anhängern gegen "feindliche" Firmen und Institutionen werden organisierter und raffinierter; gleichzeitig formieren sich neue Whistleblower-Plattformen im Netz. Und obwohl beispielsweise Michael Moore in Sachen Kaution gerne finanziell aushelfen würde, wird sich die Entscheidung über eine mögliche Freilassung Julian Assanges wohl noch bis morgen hinziehen. Die Zeit bis dahin kann man sich ja zum Beispiel mit dieser Dokumentation vertreiben.

Und der alte Internet-Rebell Don Alphonso scheint unterdes im etablierten Medienbetrieb angekommen zu sein und analysiert auf Meedia.de das Marktpotential von WikiLeaks als Marke. Und, wo er schon mal dabei ist, in einem Blog auf FAZ.net die Kulturgeschichte des Verrates im Internet. Während der Medienwissenschaftler Stefan Münker hier die Zukunft der Zahlungsmöglichkeiten für digitale Inhalte auslotet.

Auch Kuba, das bisher doch eher Abseits der digitalen Medien stattzufinden schien, scheint sich selbigen nun nicht mehr verschließen zu wollen und hat mit der Internet-Enzyklopädie Ecured.cu eine staatskonforme Variante von Wikipedia ins Netz gestellt. Ganz in der guten alten Tradition von Baudrillard und Kim Jong-Il generiert sich dort eine ganz eigene Wirklichkeit.

Doch zurück zu den wirklich wichtigen Enthüllungen: 

Schnaps nämlich fördert leider nicht die Verdauung. Im Gegenteil

Bagdad muss nicht immer in Bagdad liegen. 

Die Rundfunkgebühr hat nichts (mehr) mit dem Rundfunk zu tun.

Möhren müssen nicht immer gesund sein.

Es gibt feuilletonistische Stilfiguren, die demokratischer sind als andere.

Und Schneewittchen schließlich muss nicht per se eine Geschichte für Kinder sein.

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Die letzte Netzschau findet sich hier.

 
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Kommentare
Gustlik schrieb am 15.12.2010 um 18:15
Man sollte schon der Unwissenheit entfliehen können...

Kubas eigene Internet-Wirklichkeit wird dadurch "beflügelt", dass die amerikanische Blockade auch für eine nichtvorhandene Anbindung an das weltweite Internetkabel sorgt.

Dann wär das eine richtige Netzschau.
Daniel Windheuser schrieb am 16.12.2010 um 10:07
Bis zum April 2009 wäre diese These bedingt richtig gewesen. Seit diesem Zeitpunkt sind seitens der USA Restriktionen des Embargos aufgehoben, durch welche es US-Telekommunikationsfirmen verboten war, Geschäfte mit Kuba zu machen bzw. Kuba an das weltweite Glasfasernetz anzuschließen. Zudem wird derzeit eine unterseeische Glasfaserkabelverbindung zwischen Venezuela und Kuba gelegt, deren Fertigstellung für 2011 geplant ist. Jedoch auch vorher war die "Internetsituation" auf Kuba unter Berücksichtigung der Umstände vergleichsweise gut, auch dank des in der diesbezüglichen Berichterstattung gerne "unterschlagenen" Intranets. Weitere Fakten hier: bit.ly/eudhyT + bit.ly/dMLFSD.
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