Wolfgang Gehrcke

Blog von Wolfgang Gehrcke

01.07.2010 | 14:55

Soll „Krähwinkel“ zum politischen Standort der LINKEN werden?

 

Manchmal schlafe ich schlecht. Ich träume davon, die LINKE hätte Gerhard Schröder wieder zum Bundeskanzler gewählt. Irgendein Sprecher der Partei erklärte dazu, weil Gerhard Schröder für den Afghanistan-Krieg ist, weil Gerhard Schröder Hartz IV durchgesetzt hat, weil Gerhard Schröder ‚Fordern und Fördern‘ zur Sozialpolitik gemacht hat, weil wir hoffen, dass Gerhard Schröder zur Politik der Berufsverbote zurückkehrt, weil sein Freiheitsbegriff, die uneingeschränkte Freiheit des Privateigentums, überhaupt die Grundlage für die Freiheit des Individuums ist, verdient er die Stimmen der LINKEN. Außerdem, ruft in meinem Traum ein Zwischenrufer hinein, wäre eine solche Entscheidung der LINKEN das Signal, dass die LINKE es mit ihrer Vergangenheitsbewältigung und mit Rot-Rot-Grün ernst meint. Etwas leiser flüstert mir dann ein lieber Kollege der Grünen zu: „Lieber Wolfgang, durch diese Weißwaschanlage müsst ihr durch, damit ihr endlich in diesem Staat ankommt.“

Wie gerädert wache ich auf und denke, so verrückt kann doch keiner sein! Denkste! Genau das war die Situation Gauck. Wieso soll ich einen Kandidaten zum Bundespräsidenten wählen, der den Afghanistankrieg rechtfertigt, der Hartz IV für eine historische Leistung hält, der für sich selbst die Bezeichnung eines ‚bekennenden Antikommunisten‘ nicht ablehnt und für den individuelle Freiheit unauflösbar mit der Freiheit des Eigentums verbunden ist? Ganz einfach, sagen mir Freundinnen und Freunde aus SPD und Grünen, das ist eben Taktik! Jetzt geht es nicht um Gauck oder Wulff, jetzt geht es um die Ablösung der schwarz-gelben Bundesregierung, und da muss man schon mal sein Herz, oder besser gesagt, seine Wählerstimme, über die Hürde schmeißen. Keiner widerspricht mir, wenn ich einwende, dass es inhaltlich kaum Differenzen zwischen Gauck und Wulff gibt. Ein konservativer Reaktionär oder ein reaktionärer Konservativer – was ist das für eine Auswahl?

Aber nehmen wir das Argument, dass es um eine rot-rot-grüne Zusammenarbeit gehe, für einen Moment ernst. Kann eine solche Zusammenarbeit auf eine Verlängerung der Schröder-Fischer-Politik über die Stationen Merkel-Steinmeier und jetzt Merkel-Westerwelle gehen oder bedarf es nicht geradezu, um Rot-Rot-Grün sinnvoll und möglich zu machen, eines Bruches mit dieser Politik? Wer hat Interesse daran, eine Regierung zu stürzen, ohne einen Politikwechsel herbeizuführen? Lafontaine hat es immer wieder gesagt, auch zu Zeiten, als die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag es möglich erscheinen ließen: Deutsche Soldaten aus Afghanistan abziehen, Hartz IV aufheben, eine andere Steuergesetzgebung möglich machen, Privatisierung und Sozialabbau beenden – auf dieser Grundlage kann man viel miteinander beginnen. An der LINKEN ist der Politikwechsel in Hessen, im Saarland oder in Thüringen nicht gescheitert. Warum muss ausgerechnet die Wahl oder Nichtwahl von Gauck zum Bekennertableau für Rot-Rot-Grün werden?

Der Linken wird Mangel an strategischem Denken oder an taktischen Fähigkeiten vorgeworfen. Taktisch klug wäre es angeblich gewesen, sich den Wünschen von SPD und Grünen zu fügen. Wenn es Grünen und SPD aber ernst gewesen wäre mit einer Alternative zu Wulff, wäre der nahe liegende taktische Schritt von ihrer Seite gewesen, auf die Linke zuzugehen. Dieser so einleuchtende Gedanke ist im Trommelfeuer der Medien unter gegangen. Oder sollte untergehen? Wer sich nicht den Sinn vernebeln ließ, musste sich fragen, ob das alles ernst gemeint sein kann. Gauck wählen und sich damit von seiner Vergangenheit rein waschen? So einfach geht die Weißwäsche? Die Ost-Linke hat ihre Vergangenheit nach besten Wissen aufgearbeitet, wer das wissen will, kann es wissen. Die anderen Parteien sind mit ihrer Geschichte bei weitem nicht so zimperlich umgegangen. Sie haben sich den West-Parteien angeschlossen, damit war das Thema erledigt.

 Glaubt wirklich jemand, mit der Wahl Gaucks wäre eine Rot-Rot-Grüne Option verbunden gewesen, wenn noch nicht einmal versucht wurde, einen gemeinsamen Präsidentenkandidaten zu finden? Glaubt wirklich jemand, mit dem Sturz von Angela Merkel wäre etwas anderes eingeläutet worden als höchstens eine Neuauflage der Großen Koalition? Im Übrigen hat, wie ich gerade im Freitag-Blog lese, Thomas Oppermann, SPD, die Katze aus dem Sack gelassen: man habe mit Gauck ins konservativ-bürgerliche Lager vorstoßen können, das sei eine wichtige Erfahrung für die „Erneuerung der SPD“.

 Die Ergebnisse der Präsidentenwahl scheinen mir hingegen gar nicht so schlecht: Erstens, Schwarz-Gelb ist geschwächt. Zweitens, die LINKE hat sich als nicht käuflich erwiesen. Und Drittens, wenn Politik nicht mehr unterscheidbar ist, gibt Rechts die Richtung vor.

Im Übrigen: Politik geht kaputt, wenn nur noch um die Ecke gedacht wird. Ich bekenne, ich habe Luc Jochimsen gewählt, zweimal, weil sie gegen den Afghanistan-Krieg und für soziale Gerechtigkeit ist. Ich bekenne, ich habe mich im dritten Wahlgang der Stimme enthalten, weil keiner der beiden Kandidaten auch nur irgend etwas mit der Politik zu tun hat, für die ich eintrete. Ich bekenne, ich habe kein schlechtes Gewissen dabei. Und ich bekenne, darüber diskutiere und streite ich gern.

 

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.07.2010 um 15:10
Ihr Bekenntnis ist schon anläßlich der Wahlfreiheit in dieser guten neuen Demokratie unantastbar - das wäre früher in der guten alten DDR so einfach nicht gegangen. Aber das wissen Sie ja bereits.
Ansonsten bin ich anderer Meinung. Das kann ich sein, wie auch Sie anderer Meinung sind, als andere Politiker. Alles kein Problem.

Mit Wulff kommt sicher eine Veränderung ins Land, da haben Sie und Ihre Kollegen gut nachgedacht. Ich hätte an der Stelle anderes entschieden, mich nicht enthalten, um über das Ganze nachzudenken. Das Ganze sind weder Wulff noch Gauck, auch nicht Lukrezia Jochimsen. Das Ganze ist die Möglichkeit einer Mitgestaltung. Sie wußten sicherlich um die Reaktionen der SPD und der Grünen und es war Ihnen sicher auch ein Genuß, die anderen zu naßführen. Ganz lieben Dank nochmal.
jayne schrieb am 01.07.2010 um 15:18
danke für den profunden beitrag, er führt noch einmal alles zusammen, was hier über einen monat hinweg, aber auch schon in zusammenhang mit nrw diskutiert wurde ...
weinsztein schrieb am 01.07.2010 um 16:07
Lieber Wolfgang Gehrcke,

herzlichen Dank für diese Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt eines linken MdB zur Präsidentenwahl. Habe ich sehr gern und nachvollziehend gelesen.

Herzliche Grüße
weinsztein
mahung schrieb am 01.07.2010 um 16:08
Endlich mal ein Bericht von einem der dabei war. Schön das sich hier auch mal ein Mitglied der unisono angegriffenen Partei offen äußert. Danke.
koslowski schrieb am 01.07.2010 um 16:43
„Ein konservativer Reaktionär oder ein reaktionärer Konservativer – was ist das für eine Auswahl?“

Da muss man ja froh sein, dass wir 2010 in stabilen demokratischen Verhältnissen leben, denn die Alternative, wie Gerke sie sieht, erinnert doch sehr an das politische Unterscheidungsvermögen der KPD von 1925, die vor dem 2.Wahlgang zur Wahl des Reichspräsidenten erklärte:

„Es ist nicht die Aufgabe des Proletariats, den geschicktesten Vertreter der Bourgeoisieinteressen auszusuchen, zwischen dem Zivildiktator Marx und dem Militärdiktator Hindenburg das kleinere Übel zu wählen.“

und zur Wahl von Thälmann aufrief.

Nein, ich will mit dieser historischen Erinnerung die LINKE nicht mit der KPD gleichsetzen und den Bundespräsidenten Wulff nicht mit den Reichspräsidenten v.Hindenburg. Aber es scheint, als habe der Mangel an Differenzierungsvermögen in der deutschen Linken Tradition.
Wolfgang Gehrcke schrieb am 01.07.2010 um 17:03
na gut! wären denn die Differenzen zwischen Wulf und Gauck gewesen nach Ihrer Meinung?
Wolfram Heinrich schrieb am 01.07.2010 um 17:08
@koslowski
Aber es scheint, als habe der Mangel an Differenzierungsvermögen in der deutschen Linken Tradition.

Ich hätte es ja auch genossen, wenn Gauck gewonnen hätte und unserer Verehrten Kanzlerin daraufhin die Gesichtszüge entgleist wären. SPD und Grüne haben aber alles getan, damit aus diesem Coup nichts wurde. Wenn man schon Gauck aufstellt (ein genialer Schachzug, finde ich übrigens) und weiß, daß man auf die Mithilfe der LINKEN angewiesen ist, dann hätte man die Zeit bis Wahl nützen müssen, mit den LINKEN zu sprechen, dann hätte man ihnen für diese zu schluckende Kröte etwas anbieten müssen. Gauck selber hat zwar wenige Tage vor der Wahl noch mit der LINKEN-Fraktion gesprochen, aber das ist auf Initiative der LINKEN geschehen.

Und was ist nach der Wahl geschehen? SPD und Grüne tönen, sie hätten jetzt die Überzeugung gewonnen, daß mit der Linken eine Koalition schwieriger geworden wäre. Himmel Hilf! Trotz einiger Betonköpfe in der Partei ist die LINKE keine kommunistische, sondern eine linkssozialdemokratische Partei. So blöd, etwas anderes anzunehmen, kann man doch nur sein, wenn man als Liberaler auf die eigene Propaganda hereinfällt.

Ciao
Wolfram
wwalkie schrieb am 01.07.2010 um 20:02
"Reaktionär" sollte man tatsächlich einer anderen Zeit oder anderen jener Zeit immer noch verhafteten Poltikern überlassen. "Konservativ" allerdings nicht. "Reaktionär" war auch eine Lieblingsvokabel der sich bekanntlich unglaublich "revolutionär" vorkommenen Radau-Nazis.

Cher koslowski, die Weimarer Zeit ist wirklich "Geschichte", aber nicht ihr Nachhall. Zum Beispiel die Idee des "geringeren Übels" und ein inkorporierter Antikommunismus, die die SPD 1932 zur Wahl eines Hindenburg trieben. Hatte die KPD den unrecht mit der Parole "Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler. Wer Hitler wählt, wählt den Krieg"? Andererseits tat die KPD alles, um ein Bündnis mit der SPD zu verhindern, was die wiederum zur Wahl eines Militärstiefels veranlasste. In der Analyse war die Weimerer Linke wahrlich nicht schlecht, in der Praxis katastrophal.Und so weiter.

Man sollte meinen, beide "Linien" der Arbeiterbewegung(en) hätten daraus gelernt. Im Moment sehe ich den "schwarzen Peter" allerdings eher auf der Seite der Sozialdemokratie. Gauck ist natürlich nicht Hindenburg. Gauck ist Wulff, und Wulff ist Gauck. Und was die führenden SPD-Politiker gestern und heute von sich geben, ist minabel. Peinlich.

Was mich persönlich und professionell allerdings viel mehr schmerzt: in den Richtlinien für Geschichte NRW und deren praktischer Umsetzung mittels Zentralabitur fristet die Weimarer Republik immer mehr ein Nischendasein, besser: sie ist eine Art "Durchlaufstation" zwischen Ende 1. Weltkrieg/Beginn der Republik und Epochenjahr 1933. Das hat sie (und vor allem ihre reiche Kultur) nicht verdient.

Wulff wird's nicht wenden.
mahung schrieb am 01.07.2010 um 22:15
"Nein, ich will mit dieser historischen Erinnerung die LINKE nicht mit der KPD gleichsetzen und den Bundespräsidenten Wulff nicht mit den Reichspräsidenten v.Hindenburg. Aber es scheint, als habe der Mangel an Differenzierungsvermögen in der deutschen Linken Tradition."

Doch wollen Sie! Gleichsetzen und/oder diffamieren. Dieses Spiel betreiben Sie nun einmal. Differenzieren wollen Sie auch nicht. Vielleicht sind Sie ja doch ein LINKER.
mahung schrieb am 01.07.2010 um 22:24
"Nein, ich will mit dieser historischen Erinnerung die LINKE nicht mit der KPD gleichsetzen und den Bundespräsidenten Wulff nicht mit den Reichspräsidenten v.Hindenburg. Aber es scheint, als habe der Mangel an Differenzierungsvermögen in der deutschen Linken Tradition."

Doch wollen Sie! Gleichsetzen und/oder diffamieren. Sonst hätten Sie es ja nicht geschrieben. Dieses Spiel betreiben Sie nun einmal. Differenzieren wollen Sie auch nicht. Vielleicht sind Sie ja doch ein LINKER. Ihr Feldzug ist interessant.
koslowski schrieb am 02.07.2010 um 07:50
@wwalkie 20:02

Ihren Schmerz über die blamable Behandlung der WR in den Richtlinien Geschichte NRW, besonders im Lehrplan der verkürzten SI, teile ich. Zum Glück ist die Unterrichtswirklichkeit , nach meiner Erinnerung, trotz aller zentraler Vorgaben ( noch ) anders. Selbstbewusste Kollegen/Kolleginnen unterrichten auch das, was sie für wichtig halten.

Über die politische Identität von Wulff und lohnt kein weiterer Streit. Das Thema hat sich mit der Wahl erledigt. Die Frage nach den politischen Linien von Sozialdemokraten und LINKEn wird dagegen bleiben und an Aktualität gewinnen. Da liegt der "schwarze Peter" meiner Meinung nach nicht nur bei den Sozialdemokraten.
Gustlik schrieb am 01.07.2010 um 17:07
Nachvollziehbar.Vermittelbar.Richtig!
j-ap schrieb am 01.07.2010 um 17:28
Wieso soll ich einen Kandidaten zum Bundespräsidenten wählen, der den Afghanistankrieg rechtfertigt, der Hartz IV für eine historische Leistung hält, der für sich selbst die Bezeichnung eines ‚bekennenden Antikommunisten‘ nicht ablehnt und für den individuelle Freiheit unauflösbar mit der Freiheit des Eigentums verbunden ist?
Das sind sehr gute Gründe, weshalb Angehörige der Linkspartei Herrn Gauck als nicht wählbar erachtet haben. Diese Ansicht kann man haben.

Aber, Hand aufs Herz, Herr Gehrcke: Auf welcher Basis steht diese Ihre Position, mal so gefragt? Wie und wo unterscheiden sich jemand, der eine Position wie Sie vertritt, von einem, der die Position der FDP vertritt? Ein FDP-MdB wählt eben niemanden, der den Afghanistan-Einsatz kategorisch ablehnt, HartzIV abschaffen will, für sich die Bezeichnung »Antikapitalist« nicht ablehnt und Freiheit versteht als Abschaffung des Privateigentums.

Auch diese Position kann man haben. Sie unterscheiden sich davon doch nur durch das umgekehrte Vorzeichen. Sie und die Linkspartei sind die Nicht-FDP, auch wenn Sie diesen Zusammenhang gerne begrifflich soweit überhöhen, daß ihn niemand mehr erkennt.

Und so sehr Sie es auch abstreiten mögen: Durch dieses Verhalten ermöglichen Sie justament das, was Sie eigentlich so sehr zu bekämpfen im Sinne hatten: Die anderen geben die Richtung vor, die Linkspartei dreht anschließend das Vorzeichen um. Eine wirklich fundamentale Differenz ist nicht erkennbar.

So banal liegen heutzutage die Verhältnisse.
Uwe Theel schrieb am 01.07.2010 um 18:23
Lieber Herr Allensteyn-Puch,

Darf ich`s wagen Ihre Gleichungen zu störe?

Diese rein mechanische Umkehrung der Begriffe in ihr jeweiliges Gegenteil zum Zwecke des Beweises von JA WESSEN EIGENTLICH?, besagt zunächst doch noch gar nichts.

Natürlich "kann" jeder Mensch "alles" behaupten, er kann sogar das eine heute, das andere morgen tun, also (fast) alles tun - jedenfalls mindestens einmal.

Weder ist damit das eine deswegen rechts oder links oder umgekehrt.

Entscheidend ist, für wen und zu welchen Zwecken das eine oder das andere getan wird. Ich könnte auch sagen, welchen Regeln/Gesetzen (eines Theorie/Praxis-Verhältnisses) wird gehorcht. Hinter der Tat stehen gesellschaftliche Verhältnisse und der jeweilige Überbau, deren Theorien. Und soetwas läßt sich vielleicht in einem System von und mit "+1" und "-1" abbilden.

Dazu müßten erst einmal die "Beträge" in beiden Fällen stimmen. Ob z.B. "Freiheit des Eigentums" und "Abschaffung des Eigentums" im "Betrag" identisch sind, das möchte ich erstmal diskutiert haben, genauso, was denn in einer politischen Theorie, dann dem mathematischen "Betrag" entspräche.

Dann noch: Die Sache mit dem Vorzeichen (Mathematiker mögen mich korrigieren):

Wenn auf dem Zahlenstrahl (+1) und (-1)

<----------(-1)----------(0)----------(+1)---------->

abgezeichnet sind, dann sind die beiden niemals identisch und dass sie sich zur Null aufheben, bedürften sie einer ablgebraischen Gleichung wie z.B.

(-a)+(+b)=0
oder
(-a)+(+a)=0
oder
(-b)+(+b)=0

Diese für einen Mathematiker wahrscheinlich schon gar nicht so "gleichen" Gleichungen aber, die haben Sie in ihrer politischen Analogie o. noch gar nicht aufgestellt. Da nutzt Ihnen die FDP-Datenliste neben der LINKE-Datenliste gar nichts. Sie bräuchten noch ein Stück Theorie wie - analog hier - die von der Addition und Subtraktion, ein wenig Zahlentheorie und wahrscheinlich noch ein bißchen Logik.

Möglicherweise ging Ihnen Ihr bereits offenbartes anarchistisches Verständnis hier durch, dem alles gleich ist, solange nur der regelnde Staat - könnte auch eine Physikerin aus der Uckermark sein, sich raushält ;-) ?

Aber Spaß beiseite, Linke Theorie ist nicht bürgerliche Theorie und die "Gleichungen" werden hier wie da verschieden abgeleitet. Ansonsten bemühten wir nur Herrn Kohls Klippschulweisheit, es käme nur darauf an, was hinten rauskomme. Null sollte, da sind wir uns einig, keinesfalls herauskommen, aber egal sollte es auch nicht sein, was "rauskommt"

(-1) ist ungleich (+1)

Ihr, immer noch Lernender

Uwe Theel
Uwe Theel schrieb am 01.07.2010 um 18:24
P.S.:

Banal ist das alles überhaupt nicht, so oder so.
Uwe Theel schrieb am 01.07.2010 um 18:50
### Korrektur ###
zu Uwe Theel am 01.07.2010 um 18:23

Aber Spaß beiseite, Linke Theorie ist nicht bürgerliche Theorie und die "Gleichungen" werden hier UND da verschieden abgeleitet. Ansonsten bemühten wir nur Herrn Kohls Klippschulweisheit, es käme nur darauf an, was hinten rauskomme. Null sollte, da sind wir uns einig, keinesfalls herauskommen, aber egal sollte es auch nicht sein, was "rauskommt"
j-ap schrieb am 01.07.2010 um 19:09
Lieber Herr Theel,

Ihre Ausführungen sind sachlich tadellos, allerdings für das, was wir hier verhandeln, nicht triftig. Und weshalb das so ist, kann ich Ihnen in recht wenigen Worten hoffentlich verdeutlichen.

Ihre Erläuterungen träfen dann den Kern der Sache, wenn Gesellschaft und Politik eine eine fortlaufende Sequenz von Einzelbildern wäre. Allerdings ist genau dies nicht der Fall, denn Gesellschaft ist nie Zustand, sondern stets Prozess, und eben dieses Prozessieren der gesellschaftlichen Verhältnisse negiert jeden Anspruch auf eine Richtungsentscheidung (und sei es nur im Modus der »Alternative«), wenn diese auf eben jener bloßen Vorzeichenumkehr basiert, von der ich sprach.

Nehmen wir das Beispiel Hartz IV und weisen ihm den Vektor +1 zu. Legen wir diesen Vektor an den Ursprung, so landen wir zunächst bei +1. Nach diesem Prozess, der uns nach +1 führte, tritt die Linkspartei auf den Plan und fordert die Abschaffung von HartzIV. Weisen wir dem Vorhaben »Abschaffung« den Vektor -1 zu. Wenn wir den an unseren derzeitigen Standort anlegen, wohin kommen wir dann? Genau, von +1 zurück an den Ursprung, auf 0, d.h., wenn wir das ursprüngliche Koordinatensystem weiter verwenden wollen, so war das eben gerade keine Richtungsentscheidung, sondern eine bloße Annullierung der Richtung, die von den anderen zuvor eingeschlagen wurde.

Das meinte ich mit dem Verdikt »banal«, Herr Theel, denn im Unterschied zum Offensichtlichen behauptet die Linkspartei nach der Durchexerzierung dieses Exempels wahrheitswidrig, sie würde tatsächliche fundamentale Alternativen und andere Richtungen für die Gesellschaft bereithalten.

Viele Grüße
Josef Allensteyn-Puch
Uwe Theel schrieb am 01.07.2010 um 20:39
Lieber Herr Allensteyn-Puch,

Der Geisteswissenschaftler dankt Ihnen. Ich meine Ihren Gedanken verstanden zu haben und kein Widerspruch entsteht hinsichtlich der Darstellung.

Dabei meine ich aber zu verstehen, dass das von Ihnen gewählte Modell die schon Unmöglichkeit der Richtungsentscheidung enthält. Das heißt mit dem von Ihnen gewählten Modell läßt sich genau nicht abbilden, wie Politik, Geschichte tatsächlich geschieht.

Wenn ich Sie richtig verstehe, haben Sie ein quasi logisch-mathematisches Modell gewählt, das auf der Ebene deskriptiver Adäquatheit die bürgerliche Kritik an der Linken fasst, ich aber meine, dass dieses mit dem eigentlich (noch) nicht vorhandenen, aber notwendigen Modell auf der Ebene explanatitiver Adäquatheit voreilig gleichgesetzt wird.

Insofern würde ich das Attribut "banal" auf das Modell beziehen, nicht aber auf die Wirklichkeit (das Scheitern des Linken Ansatzes und seine realen Gründe) , die es erklärend abzubilden vorgibt.

Für mich und ich glaube auch nicht für die Linkspartei, stellt es eine problemlösende Forderung bei Einlösung dar, HartzIV einfach nur abzuschaffen. Dahinter und daneben wären ganz andere, systemische Probleme zu lösen. Ansonsten geht es mit oder HartzIV schief.

Wem als erster die richtigen Gleichungen einfallen, erhält den alternativen Nobelpreis.

Einen schönen Abend wünscht

Uwe Theel
Uwe Theel schrieb am 01.07.2010 um 20:45
### Korrektur ###
zu Uwe Theel vomm 01.07.2010 um 20:39

Ansonsten geht es mit oder OHNE HartzIV schief.
j-ap schrieb am 01.07.2010 um 22:45
Lieber Herr Theel,

es geht hier nicht um die Reproduktion bürgerlicher Kritik gegenüber der Linkspartei, sondern sogar im Gegenteil darum, die Linkspartei daran zu gemahnen, endlich ernst zu machen mit dem, was sie sich selbst stets zuschreibt, nämlich dem Angebot einer echten Alternative. Für mich bedeutet Linkssein stets und immer kritisch sein, besonders gegen sich selbst, auch und gerade hinsichtlich der Methode.

Übrigens wird das auch Thema meines nächsten Artikels sein, dessen Anlaß der »Kommunistenkongreß« zu Berlin ist. Dort dann etwas mehr zum Thema (allerdings werde ich wohl erst am Wochenende die Zeit dazu finden).

Grüße,
J. A.-P.
Uwe Theel schrieb am 02.07.2010 um 01:00
Lieber Herr Allensteyn-Puch,

Vielleicht habe ich Sie von Anfang an falsch verstanden. Mir schien, sie würfen der Linkspartei vor, nur unzulängliche Konzepte von Politik vorzuschlagen (Abschaffung von HartzIV, ...)

Natürlich bin ich mit Ihrer Forderung nach Kritik und Selbstkritik, incl. Methodenkritik einverstanden würde hier sogar noch die Sprachkritik dazusetzen.

Ich bin gespannt, welche Gedanken Sie entwickeln weren, wenn sie dazu ausführen, wo, an welchen Themen dies der Linkspartei noch nicht zugewachsen ist und ihr damit in Ihren Augen nicht ermöglicht, eine linksdemokratische Alternative zum bürgerlichen Staat vorzuschlagen. Ich denke ja nicht dass es das mir eigentlich nur platt erscheinende Argument der "immer noch nicht zureichenden Distanzierung vom Unrechtssstaat DDR" nur sei.

Gute Nacht
Uwe Theel
ed2murrow schrieb am 01.07.2010 um 19:02
Sehr geehrter Herr Abgeordneter,

in Richtung Taktik und Strategie gäbe es schon noch ein Wort zu verlieren. Ihr Kollege Gysi bekannte im Interview ganz freimütig, den Wahlgang völlig falsch eingeschätzt zu haben. In der Tat meinte er noch zwei Tage vor der Wahl, Wulff werde mit ziemlicher Sicherheit bereits im ersten Durchgang gewählt. So, wie sich die Linke aufgestellt hat, eigentlich: die zur Zählkandidatin degradierte Frau Jochimsen bestätigte die Einschätzung, die zur Erwartung wurde, nach einem Gang sei ohnehin alles vorbei. Die Möglichkeit anderer Zählmöglichkeiten zu vernachlässigen hat allerdings schon manchen Condottiere den Tag versaut; was das in Richtung Linke bedeutet, kann heute in praktisch jeder deutschen und in den meisten ausländischen Zeitungen nachgelesen werden. Man deutet mit nacktem Finger auf die Linken.

Es bedeutete aber auch eine völlige Fehleinschätzung der Person Gauck und dessen Potentials, einen Denkzettel an die bestehende Regierung zu erteilen. Blogger J.A.-P. hat bereits zum Kreis „Anti-FDP“ ausgeführt. Eine weitere Konnotation dazu ist, dass Ihr Kollege Gysi, ebenfalls im Interview, den Bürgerrechtler Werner Schulz auf derart überhebliche Weise versuchte, eines Besseren zu belehren, dass mir unwillkürlich einfiel, wer dieser Mann eigentlich ist: Sohn eines Funktionärs und selbst als Vorsitzender des DDR-Anwaltskollegiums in einer Schlüsselstellung des Apparates. Die beiden Kandidaten Wulff und Gauck schließlich mit Diktatoren zu vergleichen, wie der Herr Abgeordnete Dahm getan hat und deren geschichtliche Einordnung keines weiteren Wortes bedarf, besagt ein Übriges. Nämlich, dass gestern möglicherweise nicht nur eine taktische Fehleinschätzung vorlag, sondern die Linken aus ihrer Antiposition gar nicht mehr heraus können. Dazu gehört es auch, zwar in einer Art angewandter Prosa, aber immerhin, den ehemaligen Chef der Exekutive mit einem Kandidaten zu einem Amt der Repräsentation zu vergleichen. Hätten Sie die Personen verglichen, wäre es das eine gewesen. Sie vergleichen aber die Funktionen und das sollte jemandem, der etwas vom Innenleben des Betriebs versteht, richtig weh tun. Sie zögern nicht einmal.

Prüfsteine wird es für die Linke, der Newcomerin im politischen Spiel Deutschlands – und diese Rolle sollte man nicht unterschätzen, ein solcher Bonus kann auch einmal ganz schnell aufgebraucht sein – wird es noch viele geben. Der nächste ist schon bald in NRW. Und dann werden wir sehen, ob es wieder Anlass zum Schön- und Drumherumschreiben gibt, hinterher.
goch schrieb am 01.07.2010 um 21:55
@wolfgang-gehrcke:An der LINKEN ist der Politikwechsel in Hessen, im Saarland oder in Thüringen nicht gescheitert. Warum muss ausgerechnet die Wahl oder Nichtwahl von Gauck zum Bekennertableau für Rot-Rot-Grün werden? Zusammen mit der Aussage: man habe mit Gauck ins konservativ-bürgerliche Lager vorstoßen können, das sei eine wichtige Erfahrung für die „Erneuerung der SPD“.
Wenn man diese beiden Aussagen zusammennimmt, wird die Stoßrichtung der SPD-Erneuerer deutlich: die Schröderianer wollen keinen Politikwechsel geschweigedenn eine alternative linke Politik, sondern die LINKE in die konservative-neoliberale Konsensdemokratie einbinden und die Bundespräsidentenwahl war der Versuch die LINKE in diese Richtung einzubinden.
Dieser Versuch ist gottseidank gescheitert. Danke, LINKE.
Katharina Körting schrieb am 01.07.2010 um 22:56
Hallo Herr Gehrke,
an Ihrem Kommentar (Artikel, Blog, was auch immer), lässt (mich) Folgendes hoffen bzw. aufmerken:
der defensive Duktus. Offenbar fühlen Sie sich bemüßigt, Ihr Stimmverhalten zu rechtfertigen. Zu begründen. Das lässt mich nicht etwas deshalb hoffen, weil ich die Widersprüchlichkeit der veröffentlichten und "politischen" Meinung nicht sähe - da wird ja einerseits auf der "freien Entscheidung" der Bundesversammelten herumgepocht, dass es nur so kracht - und anderererseits Sekunden nach der Verkündung nach "Schuldigen" gesucht. Sondern weil die Linkspartei sich offenbar selbst nicht ganz über den Weg traut. Und das - ist verdammt noch mal gut so. Keine Partei sollte sich selbst voll und ganz trauen, so ist das nunmal in der Politik, und die Linkspartei als selbstgerechteste von allen am allerwenigsten.

In diesem Sinne: Danke für Ihre Offenheit.

Nichtsdestotrotz erlauben Sie mir, ein paar Unschlüssigkeiten in Ihrer Argumentation zu bemerken - ich nehme Sie damit sozusagen wörtlich darin, dass Sie über Ihre Darstellung "gerne" streiten und argumentieren wollen.

Der erste in meinen Augen falsche Schlenker (auch wenn ihr mäßiger Schlaf mich dauert): Sie stellen Bundespräsident und -Kanzler auf eine Stufe. Schade drum. Der Bundespräsident ist, im Grunde, ein Spielball. Der Kanzler, die Kanzlerin eher nicht.

Sie schreiben: "Manchmal schlafe ich schlecht. Ich träume davon, die LINKE hätte Gerhard Schröder wieder zum Bundeskanzler gewählt." Interessant daran ist das "wieder". Vielleicht ein kleiner Freudscher, dass eben doch nicht zuletzt die Linkspartei und ihre überflüssige eigene Kandidatin dem Wulff zur Präsidentschaft verholen hat?
Man kann ja eine Weile beleidigt sein, erst recht unter Linken, aber irgendwann sollte man auch eins und eins zusammenzählen können.

Ich fürchte, Ihre Träume, oder Ihre Albträume, sind ideologischer, paranoider als es jede Wirklichkeit sein könnte. Wenn so die "souveräne" Entscheidungsgrundlage der Linkspartei-Leute aussieht, dann haben SPD und Grüne, verzeihen Sie, nur recht damit getan, ihre Kandidatenentscheidung ausschließlich gegen den Hauptgegner - Schwarz-Gelb - zu treffen und Ihre, LINKEN, Befindlichkeiten dabie nicht zu berücksichtigen. Sonst wäre wohl auch kein Gegenkandidat möglich geworden.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin absolut nicht das, was man eine "Fan"in von Gauck nennen könnte. Ich bin von gar nichts und niemandem "Fan" (außer, vielleicht, vom Freitag und dessen, hoffentlich weiterhin, weitestegehend unabhänigem Verleger). Aber man könnte ja auch mal von sich selbst absehen, von seiner Parteilichkeit, und die Spielzüge etwas FREIER gestalten. FREI denkend. Wäre die Linkspartei denn tatsächlich irgendwelchen ihrer Überzeugungen untreu geworden, hätte sie keine eigene Kandidatin aufgestellt und nicht so ein Wohei drum gemacht, dass der Gauck nunmal der Gauck ist? Hat nicht die Linkspartei dazu beigetragen, dass diese Wahl überhöht wurde, dem Amt völlig unangemessen? Hat nicht die LInkspartei (wieder mal) bewiesen, dass es ihr nicht so sehr um eine bessere Verfassung der Republik und ihrer eigenen, der Linkspartei, Anhänger geht als vielmehr um Rechthaberei und Ressentiments? Auch das, finde ich, ist ein trauriges Bild unserer Demokratie: Dass die eine Partei sich verschanzt hinter ihren Neo-Ideologismen, als hätte sie das Soziale für sich gepachtet, und jedes Risiko, davon etwas in der Umsetzung, ind er politischen, gestalterischen Arbeit umsetzen zu müssen, mit all den ästigen Kompromissen, die nunmal zu einer demokratischen Prozessen dazugehören, beweisen zu müssen, von vornherein ausschließt? Ist es befriedigend, ist es BELASTBAR, alles im Vorhinein besser zu wissen, zu können - THEORETISCH? Das ist eine uralte Frage, und ich hoffe, dass die defensive Haltung IHres Kommentars ein Anzeichen dafür ist, dass sie zugunsten der Nicht-Sektierer beantwortet wird. Innerhalb der Linkspartei.

Ach wie sehr kann ich Ihr Theorie-Praxis-Gehader nachvollziehen! Ach wie sehr fühle ich mit Ihnen und Ihren Zerrissenheiten! Das ist es, was wir brauchen, wovon wir viel mehr brauchen: Transparenz, Offenheit. Den Mut zum Gefühl. Aber irgendwann muss auch der Verstand wieder ran. Das Nachdenken über die berüchtigte Machbarkeit, aus der Politik nun mal besteht. Definitionsfrage, klar. Interpretationssache, auch klar. Geschicklichkeitsspiel - ja!

Vielleicht geht es gar nicht so sehr um Ihre Vergangenheit - und mehr um die Zukunft? Vielleicht sollte man , gerade als Linksparteivertreter, nicht in jede Falle tappen, die Rot-Grün, der SPIEGEL, die Bild-Zeitung oder auch Herr Gauck aufstellt?

Lieber Wolfgang, sage ich Zwischenruferin, lassen Sie sich doch nicht kirre machen von Spiegel, Bild, Gabriel und anderen Erzengeln der "alten" Bundesrepublik, die Ihnen vorschreiben, wann sie wo "ankommen". Sie sind doch längst da! Also machen Sie was draus! Verlassen Sie diese destruktive Defensive! Verlassen Sie ihr Wolkenkuckucksheim! Werden Sie politische - in IHREM Sinne! Sprechen Sie mit denen, die Ihnen nahestehen! Dann ist der "Krähwinkel" gar kein Thema mehr, glauben Sie mir! Sogar zu Afghanistan, verzeihen Sie, seien verschieden Ansichten gestattet. So einfach, vergeben Sie bitte, ist das eben alles nicht. Und wir haben, Gaucks Eitelkeit hin oder her, schon schlechtere gehabt als "bekennende Antikommunisten". Kommt immer drauf an, was man unter Kommunismus versteht. Den erdolchten Trotzki? Oder die Segnungen der Kolchose? Manchmal wirkt es recht gesund, wenn man sich die konkreten Menschen anguckt, die von "Systemen" betroffen sind und mit ihnen leben. Gauck hat seine Ansicht, sein Erleben. Darüber kann man nachdenken - man MUSS nicht drüber urteilen, nur weil man ein anderes Erleben, eine andere Ansicht hat/te. Man könnte - auch das wäre eine OPtion - irgenwann zu einer Art Versöhnung kommen. Mit sich selbst. Mit seinem Land. Mit dem Damals. Mit Gauck sogar. Könnte man. Man könnte - politisch werden. Ich wünsche Ihnen und uns, dass Sie das können. Vielleicht schon 2013. Lassen Sie ihr schlechtes Gewissen getrost Vergangenheit sein. Stellen Sie es in die Vitrine mit all den Befindlichkeiten und Verletzlichkeiten. Zeigen Sie sich souverän. Dem Land, dem SOUVERÄN wäre es zu wünschen.

Herzlich
k
weinsztein schrieb am 02.07.2010 um 01:25
Dass Angela Merkel mit einer Wahl Gaucks zum Bundespräsidenten am Ende gewesen wäre, glaube ich nicht. Diese Annahme halte ich für naiv, so funktioniert Politik nicht. Selbstverständlich wäre es auch nicht zu Neuwahlen gekommen. Warum hätten CDU/CSU-FDP, derzeit im Stimmungstief, ihre satte parlamentarische Mehrheit aufs Spiel gesetzt haben sollen?

Wer wie die Linke vor der Bundespräsidentenwahl begründet, warum Joachim Gauck für sie nicht wählbar sei, darum eine eigene Kandidatin aufstellt und die dann wählt, hat nicht, wie anderswo Jakob Augstein schreibt, "ohne Not politische Glaubwürdigkeit verspielt". Wieso denn das?

Ein künftig mögliches rot-grün-rotes Projekt sehe ich nicht zurück geworfen durch das Abstimmungsverhalten der Linken. Das ist vor allem Wunschdenken sozialdemokratischer und grüner Eiferer, denen Gedanken zu Rot-Rot-Grün zutiefst zuwider sind.

Christian Wulff wird in Kürze Bundespräsident der Herzen sein, gewiss nicht meiner, aber die Medien werden dafür sorgen, denn Gauck war gestern. Der Tenor wird sein, dass Wulff unterschätzt worden sei, dass er mit seiner Patchworkfamilie frischen Wind ins Amt bringe und für jugendliches Flair sorge, das man im Schloss Bellevue bislang nicht kannte.

Die auch von irgendwie links beliebte Anpapperei von Etiketten wie "Präsident der Panik" halte ich seit Jahrzehnten für verhehrend, sie entpolitisiert. (Der doofe Kohl, der mit Bügeleisen am Ohr ja hallo sagt und eine Birne sei, war so lange Kanzler wie kein anderer zuvor.)
Uwe Theel schrieb am 03.07.2010 um 02:04
Volker Pispers - SPD und Links-Partei



Volker Pispers bei der 2 Jahre Mitternachtsspitzen Geburtstagsparty 2009. Eine brilliante Analyse vom Verhältnis der SPD zu den Linken und dem Wahlverhalten der Deutschen.
Uwe Theel schrieb am 03.07.2010 um 02:04
Volker Pispers - SPD und Links-Partei



Volker Pispers bei der 2 Jahre Mitternachtsspitzen Geburtstagsparty 2009. Eine brilliante Analyse vom Verhältnis der SPD zu den Linken und dem Wahlverhalten der Deutschen.
Wolfgang Gehrcke
Emanzipation
Mitglied seit:
1 Jahr 32 Wochen
Zuletzt aktiv:
30.07.2010
Status:
Blogger
Aktivität:
Beiträge: 3
Kommentare: 2
Logbuch
08:10
g. hat gerade einen Kommentar geschrieben.
07:57
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
07:29
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
07:26
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
07:21
archinaut hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Liebeshandlung - Eugenides

Berlinale

Freitag_Salon

PortletSalon_120216.png

Christoph von Marschall Was ist mit den Amis los? Herder Verlag 2012

260 Seiten. Gebunden.

18,99
 
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten >> mehr
Occupy

portlet_occupy.png

Rote Perlen

wir müssen reden

Augstein und Blome

IGEL

portlet_IGEL.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Anti-Terror-Zelle Kraftklub

Ausgabe 06/12
09.02.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_05_06.jpg

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG