Es ist immer etwas Besonderes, wenn Gustav Mahler aufgeführt wird, und dann gar seine Achte, die "Symphonie der Tausend" mit großem Orchester, großem Chor und Knabenchor. Am letzten Wochenende wurde sie gegeben und am Wochenend...>> mehr
Gestern Abend hörte ich Prometeo - Tragedia dell' ascolto (Tragödie des Hörens) von Luigi Nono. Dass es ein "Erlebnis" war, ist den Aufführenden zu danken: dem Konzerthausorchester Berlin, dem Experimentalstudio des SWR, den...>> mehr
Darüber, wie sich Prometeo, die "Hör-Tragödie", in Luigi Nonos kompositorische und politische Biografie einfügt, habe ich informiert. Heute will ich ein paar Hinweise zum Text geben, der dem Werk zugrunde liegt. Man kann nic...>> mehr
Beginnen wir mit dem Höreindruck des Konzerts am 9. September, in dem nur Werke von Rihm auf dem Programm standen. Astralis ("Über die Linie" III) für Chor, Violine und 2 Pauken nach Novalis hat er 2001 komponiert, ich wüsst...>> mehr
Es ist interessant, die in der Programmankündigung des musikfests gelegten Fäden zu verknüpfen. Der gestrige Konzertabend mit dem Rundfunkchor und Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin unter der bewährten Leitung von Marek Jano...>> mehr
Lieber Michael, Ihre Texte faszinieren mich immer wieder. Ich wandere so gerne durch diese fragile bezaubernde Welt, wo sich Worte, Musiktöne, Phantasien, Hoffnungen, Verzweiflungen, Erleuchtungen so...
Liebe Helene, vielen Dank für Ihre Überlegungen! Ich bin erst heute dazu gekommen, sie zu lesen. Es ist interessant, was Sie schreiben, aber Sie machen es den hier Mitlesenden wirklich nicht leicht. Manches kann man beim besten Willen nicht verstehen, einfach weil Sie es nicht ausführen, z.B. daß die Möglichkeiten der Sprache aggressiv seien. Ich glaube, das ist eine Seminararbeit von Ihnen oder ein Teil daraus, den Sie hier ins Netz gestellt haben, stimmt’s? Versuchen Sie doch mal, dieselben Dinge in der Umgangssprache zu sagen. Ich finde es toll, daß Sie geschrieben haben: „Ich mag diesen Blog hier und möchte so schreiben wie ich denke.“ Aber Sie schreiben nicht, wie Sie denken. Ihr Denken ist vorausgegangen; wie das gelaufen ist, erfahren wir nicht, sondern wie Sie es für ein Seminarpublikum aufbereitet haben. Hier, wo wir uns jetzt befinden, in einem Internet-Forum, wäre es aber sehr nützlich, „zu schreiben, wie man denkt“, denn damit würde man etwas gegen die Gefahr tun, daß das Denken derer, die vom Internet alltäglich Gebrauch machen, zur bloßen Informationsnahme und –gabe verkümmert. Denken ist nicht bloß Informieren und Informiertwerden, sondern: Urteilen; Sie urteilen, werben Sie nun doch dafür, daß auch andere urteilen! Indem Sie es vorführen! Das tun Sie nicht auf nachvollziehbare Weise. Aber nun zum Inhaltlichen. Es hat mit der eben erörterten Frage viel zu tun. Wenn ich nur dem folge, was Sie darstellen, dann haben Rousseau und Brecht ganz verschiedene Ziele verfolgt, und deshalb, meine ich, kann man nicht fragen, ob Brecht an Rousseau heranreiche oder nicht. Rousseau fragt nach der Besserung oder Wahrung der Sitten und der Tugend; Brecht geht es darum, wie man die Menschen zum Urteilen bringen kann. Mir scheint auch, daß Aristoteles etwas anderes unter „Mitleid“ versteht als Rousseau. Nämlich nicht die Identifikation mit dem Leidenden, sondern die solidarische Handlung zugunsten des Leidenden – die, wo immer das möglich ist, das Leiden beseitigt und nicht etwa nur sagt, so ist das Leben, wenn einer einer ein Held ist, kriegt er von Zeus eins auf den Deckel, traurig, aber wahr. In diesem Punkt denkt Brecht wie Rousseau, im Unterschied zu Rousseau glaubt er aber, mit dem Theater lasse sich etwas Gutes erreichen. Daß man Dinge, die man im Theater mitfühlt, nicht ins wirkliche Leben überträgt, würde er nicht grundsätzlich bejahen. Das ist mal so, mal so. Wenn Sie im Theater Solidarität mitfühlen, werden Sie das an der Garderobe wieder abgeben, d’accord. Aber wenn Ihnen die Bühne ein gutes Gefühl oder ein Gefühl des Gefesseltdseins vermittelt (fasziniert sein = gefesselt sein) in Bezug auf Dinge, die eigentlich ganz schlimm sind, ihnen aber außerhalb des Theaster immerzu schon entgegengebracht werden durch die Verhältnisse, vielleicht auch schon durch das Geschrei der Zeitungen, dann werden Sie es sehr wohl ins wirkliche Leben mitnehmen. Und dagegen hat sich Brecht gewandt. Für seine Fragestellung reichte es also, anzunehmen, daß im Theaterraum die Identifikation stattfindet, worin er sich mit Rousseau einig ist. Seine Frage ist, ob man die Idetifikation im Theaterraum selber schon durchbrechen kann. Wenn Sie nun sagen, er gehe vom ideologischen Standpunkt der Weltveränderung an die Sache heran, dann stimmt das nicht, weil es ungenau ist. Denn man kann zwar nicht bestreiten, daß er die Welt verändern wollte, aber mit der Frage, die wir hier gerade diskutieren, hat das gar nichts zu tun. Wenn Sie sich angucken, wie Brecht das Theater vom Verhältnis der Identifikation befreien wollte, dann sehen Sie, seine Mittel zielen darauf ab, das Urteilen an und für sich dem Theaterpublikum als Reaktion auf das Theaterzuschauen anzuempfehlen und durch die theatralischen Mittel auch möglich zu machen, ja auf diese Weise die Bereitschaft zum Urteilen allererst hervorzulocken - und nicht allein darauf, das bestimmte Urteil zu vermitteln, zu dem er selbst gekommen ist. Letzteres hat er in seinen Theaterstücken versucht, aber seine Theorie des epischen Theaters besagt, daß ein solcher Versuch nicht durch Überredung zur Identifikation, sondern unter Berufung auf die Urteilskraft geschehen soll. Also die Zuschauer sollen beurteilen können, ob das plausibel ist, was sie auf der Bühne sehen, und sollen sehen, wie die Menschen auf der Bühne zu ihren Schlußfolgerungen gelangen. Diese Theorie könnte sich doch auch ein Theaterdichter zueigen machen, der darstellen will, daß die Welt bleiben soll, wie sie ist. Das Problem bei Wagner ist, daß er zur Identifikation einlädt statt zum Urteilen und dies in einem Punkt, auf den hin die Verhältnisse außerhalb des Theaters bereits drängen. Ich spreche vom Nihilismus. Der wird von der kapitalistischen Produktionsweise nahegelegt, aber es macht einen erheblichen Unterschied, ob er nur irgendwie so mitgefühlt wird oder ob ein Komponist ihm eine klare und faszinierende Kontur verleiht. Ich habe schon anderswo geschrieben, daß ich Wagner deswegen gar nicht kritisiere, weil es ja der Anfang davon ist, eine Sache überhaupt erst einmal zu erkennen, daß einem eine Kontur gelingt. Nach Kants Theorie der Urteilskraft erwartet man ja geradezu, daß dergleichen immer zuerst im Modus der Kunst erfolgen müsse, und dann ginge es ohne mitlaufende Faszination gar nicht anders. Aber daran, daß es ein Problem ist, ändert das nichts. Verleben Sie noch einen schönen Sonntag, trotz des miserablen Wetters! M.J.
@Michael Jäger "Es ist eine offene Bewegung musikalischen Nachdenkens. (...) so nämlich, dass die Klangereignisse nicht von einer vorgegebenen Struktur abhängig sind und dass auch nicht ein Klangerei...
Lieber miauxx, Ihre Zweifel an meiner "Rechtfertigung" von Rihm kann ich natürlich nachvollziehen, und es ist ja auch nur ein Versuch von mir, gedacht und geschrieben in Echtzeit. Es gibt indes, scheint mir, einen "objektiven" Weg, hier weiterzukommen: Man könnte darüber diskutieren, ob man die von mir oben genannte Analyse von Frisius, "Wandlungen des musikalischen Denkens...", überzeugend findet oder nicht. Viele Grüße, M.J.
@Michael Jäger "Es ist eine offene Bewegung musikalischen Nachdenkens. (...) so nämlich, dass die Klangereignisse nicht von einer vorgegebenen Struktur abhängig sind und dass auch nicht ein Klangerei...
@ miauxx Natürlich ist das Nachfolgende an die Erwartung gebunden. Das eben ist die "Bindung", und wenn eine Musik es sich angelegen sein läßt, immer auf die Erwartungen zu reagieren, die sie selbst erzeugt, was einschließt, daß sie eine Erwartung enttäuscht, aber so, daß eben dies wieder hörbar ist, dann ist sie "verbindlich". Aber eine Reaktion auf eine Erwartung ist keine Determiniertheit durch diese Erwartung. Meine Erklärung für das scheinbare Paradox "frei, aber nicht beliebig, vielmehr verbindlich" folgt dch gleich im nächsten Sätz: Es ist, als wenn sich eine Antwort auf eine Frage bezieht. Die Frage, z.B. wie spät es sei, schafft eine Erwartung, nämlich daß Sie etwas wie "halb Drei", "kurz vor Zwölf" oder so antworten, nicht aber z.B. "Ihr Schlips ist grün". Die Erwartung determiniert nicht, sondern läßt dem Antwortenden die Freiheit, eine von allen denkbaren Antworten zu geben, und alles Denkbare, das ist eine ganze Menge, aber es ist nicht alles Mögliche, also nicht beliebig. Wenn Sie antworten "28 Uhr", ist das auch nicht völlig beliebig, sondern eine Provokation, also dergleichen könnte in der Musik noch unter "frei, aber nicht beliebig" laufen (im Alltag der Uhrzeitfrage natürlich nicht). Wenn Sie fragen "Warum ist NN gegangen?" und geantwortet wird "Er ist gar nicht gegangen", entspricht das nicht Ihrer Erwartung, ist aber dennoch eine völlig "verbindliche" Reaktion auf Erwartung und musikalisch in Analogie oft anzutreffen, auch schon in tonaler Musik. Noch einmal: "Erwarten" und "Determinieren" sind zwei völlig verschiedene Dinge.
Lieber Michael, starker Text über starke Musik. Ich ärgere mich fast, beschlossen zu haben, dass die Karten zu teuer sind. In den 80ern haben meine Frau und ich Wofgang Rihm noch zum 0-Tarif als Mu...
Lieber Michael, starker Text über starke Musik. Ich ärgere mich fast, beschlossen zu haben, dass die Karten zu teuer sind. In den 80ern haben meine Frau und ich Wofgang Rihm noch zum 0-Tarif als Mu...
Lieber Christian, ich hab die Kohle ja auch nicht, aber ich bin "Pressevertreter" und so gehts dann und ich lasse Dich in dieser Form dran teilnehmen. Freut mich, wenn es ein bißchen gelungen ist. Lieber Streifzug, die Musik ist natürlich eingehegt - alles ist eingehegt -, aber so, denke ich, wie die Bombe im Papierkorb.
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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