Jan Köttner kommt ins Autonome Seminar und spricht zum Thema:
"George Bataille: Ding und Opfer"
Jan betrachtet seinen Vortrag mit Diskussion als Beitrag zur Reihe Melancholie und Apokalypse.
Abstract: Anders als die Anthropologen seiner Zeit betrachtet Bataille das Opfer nicht als Mittel des Schuldausgleichs oder Gunsterwerbs gegenüber den Göttern; auch nicht als Dienst an einem höheren Wert oder Zweck, sondern als Ausdruck des menschlichen Hangs, in die Welt des Tieres zurückzukehren. Er geht den historischen Irrtümern nach, in denen sich diese Suche verfing. Und er ermutigt uns schließlich zu einem bisher unversucht gebliebenen Opfer: der allgemeinen Zerstörung der Dinge. In welcher Tradition des Opferns steht er? Wie verhält sich das Opfer zur Gabe und zum Gabentausch? Was ist ein Ding?
Der Vortrag will einem Missverständnis der Bataille-Rezeption entgegentreten: Die archaischen Ökonomien der Verzehrung, auf die er sich bezieht -der indianische Potlatsch, das aztekische Menschenopfer, das dionysische Fest- sind für ihn keine erstrebenswerten Vorbilder, sondern ebenso gescheiterte Versuche wie die historisch späteren Ökonomien, einschließlich unserer gegenwärtigen.
Bataille steht an einem Pfad, den Menschen bisher nicht betreten haben.
Textgrundlage: G. Bataille, Die Aufhebung der Ökonomie, München 1985, ders., Theorie der Religion, München 1997
Wer sich vorbereiten will oder aus der Ferne dabei sein will, der kann unter der Kontaltadresse einen zweiseitigen Text - zwei Nietzsche-Aphorismen, anfordern, die als Hintergrund für meinen Bataille-Vortrag am Donnerstag hilfreich sind.
Zeit: Donnerstag, den 16. Februar 2012, 18:00 c.t. bis 20:00
Ort: Seminargebäude der Humboldt-Universität, Invalidenstrasse 110/ Ecke Chausseestrasse (Eingang gegenüber U6-Bf Naturkundemuseum) - Raum 293
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Tags zuvor, am Mittwoch, den 15. Februar 2012, 18:00 bis 20:00 findet am selben Ort das zweite Treffen des Offenen Seminars "Melancholie und Apokalypse" statt. Es geht um den Ursprung der Apokalypse, Teil 1: Die vor-apokalyptische Zeit. Über die Weltsicht der Ägypter (ab 3.000 v.u.Z.)
Wir werden nicht religionswissenschaftlich herangehen, sondern versuchen,
- einerseits die Struktur des vorapokalyptischen Denkens zu begreifen;
- andererseits die Einfallstore des apokalyptischen Denkens aufzuzeigen, durch die dann um ca 1.500 v.u.Z. oder später der Prophet Zarathustra gehen konnte.
Darüberhinaus wird sich ergeben, dass die Apokalyptik, deren weltverändernde Kraft das Abendland stark machte, im Orient wurzelt.
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