Wolfram Heinrich

Der Franze hat gsagt

07.09.2010 | 10:27

Begabung

In seinem vor Jahren erschienen Buch "Aus der Routine ausbrechen" referiert Roger von Oech eine schon damals nicht mehr ganz neue wissenschaftliche Untersuchung:

 

"Auch Erzieher wissen von den sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Vor mehreren Jahren sagte man einer Lehrerin, sie habe eine Klasse begabter Kinder, während sie in Wahrheit eine Klasse gewöhnlicher Kinder leitete. Als Folge dieser Worte bemühte sie sich ganz besonders, ihre Schüler zu fördern. Sie verbrachte mehr Zeit damit, ihr Pensum vorzubereiten und blieb noch nach Schulschluß, um ihnen Ideen zu geben. Die Klasse reagierte ihrerseits positiv und errang bei den gleichen Tests, die sie früher als durchschnittlich klassifiziert hatten, höhere Punkte als der Durchschnitt. Weil sie wie begabte Kinder behandelt wurden, leisteten sie ihre Aufgaben wie begabte Kinder."

 

Von Oech tut uns leider nicht den Gefallen, eine Quelle anzugeben, aber das macht nichts. Dergleichen Untersuchungen wurden im Laufe der Zeit öfter gemacht und sie kamen alle zu dem gleichen Ergebnis: Je mehr einem Kind der Ruf der Schlauheit/Dummheit vorauseilt, desto schlauer/dümmer wird das Kind.

Ist ja auch klar: Wenn ein Kind sich Buntstifte greift und etwas zeichnet, dann hängt viel vom Verhalten seiner Umwelt ab. Wenn die Eltern bereits die Tatsache des Zeichnens als Unfug abtun, dann ist es eher unwahrscheinlich, daß das Kind weiterhin gerne zeichnet, spötteln sie über die Ergebnisse der Bemühungen wird vermutlich das gleiche geschehen. Ermuntern sie dagegen das Kind, sind sie vielleicht sogar aufgrund eigener Kenntnisse und Erfahrungen in der Lage, hilfreiche Tips zu geben, dann darf man erwarten, daß das Kind gerne und oft zeichnet. Zeichnet es oft und gerne, dann ist es nicht verwunderlich, wenn die Ergebnisse besser und besser werden und die Ermunterung von Seiten der Umwelt zunimmt, was wiederum zu weiteren Bemühungen führt. Und irgendwann wird einer auf die Idee kommen, das oft und gerne zeichnende Kind als kunstbegabt einzustufen.

Das alles sind simple Zusammenhänge, unmittelbar einleuchtend und von jedermann im Alltag wieder und wieder zu beobachten.

 

Ob man, so frage ich mich, daraus nicht den Schluß ziehen darf, daß es Begabung im Sinne einer genetischen Disposition gar nicht gibt?

 

 
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Kommentare
merdeister schrieb am 07.09.2010 um 10:36
Das hat sogar einen Namen.

Schöne Grüße vom talentierten merdeister an den äußerst talentierten Herrn Heinrich.
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:14
@merdeister
Das hat sogar einen Namen.

Mir ist schon klar, daß ich in diesem Blogbeitrag nichts anderes erzählt habe als längst bekannte Plattheiten und Selbstverständlichkeiten. Das Erstaunliche ist ja, daß kaum einer aus diesen Plattheiten die von mir angedeuteten Schlüsse zieht, bzw. auch nur drüber nachdenkt.

Ciao
Wolfram
Hermanitou schrieb am 07.09.2010 um 10:57
Die "self-fullfilling-prophecy" birgt ja dann womöglich ungeahnte Chancen:

Sagen wir der Bundesregierung, daß sie begabt zum guten Regieren ist, dann könnten wir erwarten, daß sich eine ungeahnte Steigerung bei Merkel &Co. einstellt...womöglich werden die noch richtig gut.
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:14
@Hermanitou
Die "self-fullfilling-prophecy" birgt ja dann womöglich ungeahnte Chancen:

Keine schlechte Idee. Der Haken bei dergleichen Phänomenen ist aber natürlich, daß man an die zunächst noch falschen Fakten glauben muß. Wer aber glaubt schon, daß es noch was wird mit dieser Regierung?

Ciao
Wolfram
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.09.2010 um 11:13
:yes:

:-)
goedzak schrieb am 07.09.2010 um 11:16
Also, weeßte, musste der letzte Satz denn sein? Dann hättste auch gleich noch diesen hugenottischen Namen mit S vorne taggen können...
goedzak schrieb am 07.09.2010 um 11:27
Dies noch, um Euch linksdemagogischen Anti-S.lern mal in die Gutmenschen-Suppe zu spucken:

Ich entstamme der Unterschicht, unterer geht's kaum, die Alten haben gar nix auf die Reihe gekriegt außer ne knappe halbe Fußballmannschaft zu zeugen. Und, was soll ich Euch sagen: Ich habe keinerlei Talent o.dgl., außer dem, Langeweile schön zu finden.

Watt sachta nu?!
Uwe Theel schrieb am 07.09.2010 um 11:32
"Weiter so!" saickmal
merdeister schrieb am 07.09.2010 um 11:33
Langweiler!
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:15
@goedzak
Also, weeßte, musste der letzte Satz denn sein?

Der ist die Poengte.

Dann hättste auch gleich noch diesen hugenottischen Namen mit S vorne taggen können...

Richtig, an den hatte ich gedacht. Hätte ich den schon getaggt, wäre die Pointe draußen gewesen, noch ehe einer zu lesen begonnen hätte.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:15
@goedzak
Watt sachta nu?

Nanu!

Ciao
Wolfram
goedzak schrieb am 07.09.2010 um 12:20
"Hätte ich den schon getaggt, wäre die Pointe draußen gewesen, noch ehe einer zu lesen begonnen hätte."
Weise Entscheidung, wer weiß ob dann überhaupt einer zu lesen angefangen hätte...
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:39
@goedzak
Weise Entscheidung, wer weiß ob dann überhaupt einer zu lesen angefangen hätte...

Hmnja, mit Sarrazin wird man derzeit wohl etwas überfüttert hier.

Ciao
Wolfram
Rahab schrieb am 07.09.2010 um 11:19
wird von manchen auch positive irgendwas genannt
... klappt manchmal sogar beim fensterputzen
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:16
@Rahab
... klappt manchmal sogar beim fensterputzen

Ob Sarrazin ein Fenster ordentlich putzen kann, ich mein, richtig ordentlich, nicht so wie ich das mache? Oder reicht sein Begabung dafür nicht? Ist er dafür auf türkisch Putzfrau angewiesen?

Ciao
Wolfram
Rahab schrieb am 07.09.2010 um 12:21
das würde auch bei Shilo klappen - wenn du ihn immer wieder positiv bedingst
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:42
@Rahab
das würde auch bei Shilo klappen - wenn du ihn immer wieder positiv bedingst

Eine aparte Vorstellung, ein Bundesbankvorstand, der mir für 5 Euro die Stunde die Fenster putzt. Aber ob ich mir sein Geschwätz dazu anhören will?

Ciao
Wolfram
Rahab schrieb am 07.09.2010 um 12:43
oropax hilft
Uwe Theel schrieb am 07.09.2010 um 11:31
Aus der Praxis lieber Wolfram:

Wenn ich kleine Lerngruppen und gescheite Rahmenbedingungen, dazu, nicht nur manchmal, Eltern in kinderkompatiblen Verhältnissen hätte, dann würden ich und der Durchschnitt der Lehrer einfach besseren Unterricht machen können, der nicht auf Vorurteilen aufgebaut sein müßte, sondern auf guter Ausbildung - die brauchste immer - und der Möglichkeit sie "ohne Ansehung der Person" jedem einzelnen Schüler zukommen zu lassen.

Da komme ich ganz ohne Küchenpsychologie aus, das kleinen Einmaleins der Bildungsökonomie reicht mir da völlig.

gruß
uwe
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:16
@Uwe Theel
Da komme ich ganz ohne Küchenpsychologie aus, das kleinen Einmaleins der Bildungsökonomie reicht mir da völlig.

Küchenpsychologie und Küchenpädagogik widersprechen sich ja auch nicht.

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 07.09.2010 um 13:11
@ Wolfram von Aldersbach

Es heißt nicht Ökochonomie!!!

Gruß
Uwe
Uwe Theel schrieb am 07.09.2010 um 13:12
errata corrige

Ökochnomie
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 14:14
@Uwe Theel
Es heißt nicht Ökochonomie!!!

Alles hat irgendwie mit Kochen zu tun, vor allem die Ökonomie. Mahlzeit!

Ciao
Wolfram
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.09.2010 um 11:31
:be-gabt zu werden bedarf es wenig:
merdeister schrieb am 07.09.2010 um 11:38
Gibt es auch "Benahmung"?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.09.2010 um 11:56
Benehmung?
merdeister schrieb am 07.09.2010 um 12:01
Ach, das nimmt sich nix.
Wolfram Heinrich schrieb am 07.09.2010 um 12:16
@merdeister
Gibt es auch "Benahmung"?

Sowieso. Arbeitgeben ist habseliger denn Arbeitnehmen.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich
Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.
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claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Alien59 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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