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Vor ziemlich genau einem Jahr, der Wahlkampf war gerade dabei, so allmählich in die Gänge zu kommen, hatte Unsere Verehrte Kanzlerin angekündigt, sie wolle einen demütigen Wahlkampf führen.
Fein.
Was aber, so ist zu fragen, ist Demut?
Wollen mal so sagen: Demut setzt die Möglichkeit zur Arroganz voraus. Ein Arsch, auf den sowieso keiner hört, kann nicht demütig sein, der wird allenfalls gedemütigt. Demütig kann also nur einer sein, der genauso gut auch auftrumpfen könnte. Demut ist jederzeit widerrufbar. Hüte dich, demütige Leute zu demütigen. Sie sind gefährlich.
Der Franze hat natürlich auch eine Meinung zum Thema:
Der Franze hat gsagt, wenn ihn jeder mit "Euer Eminenz" anreden würd und an seinem Finger zutzeln tät, dann, sagt er, wär er auch gern demütig.
Mehr zum Thema, über Hochleistungs-Demütige:
www.freitag.de/community/blogs/wolfram-heinrich/demuts-champions
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Hochleistungsdemut im Spätkapitalismus: zu 68er-Zeiten war das Buch ja ein Renner. Alle großen Werte der alten Welt gingen damals zu Boden, in Vietnam, in der Sandgrube mit 8 Meter 90 und in der bisherigen Hall of Demut der großen Diktatoren. Auch dieser Kommentar atmet den Niedergang dieser unfrohen 'Tugend', um damit in kritischer Negation aber auch den zugehörigen Hochmut aus dem Felde zu schlagen. Manche sagen, wir bräuchten heut wieder mehr Demütigkeit, ich aber sage, wir bräuchten in dieser Tendenz wieder echten knorrigen Hochleistungsdemut, um wieder Bücher wie oben genanntes zu schreiben und zu lesen.
Und: An diesem Kommentar liest sich ja schon meine Demut vor der Kritik der Demut ab. Ob sie eine rettende ist? Da gebe ich lieber ab an den Guido (Was bin ich? Robert Lembke?) |
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@walter ter linde
Hat ter linde da nicht recht? Ich sehe das eigentlich genauso. rr |
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@ruhrrot
Hat ter linde da nicht recht? Ich sehe das eigentlich genauso. Willst du damit sagen, du hättest verstanden, was Walter gemeint hat? Also ich bin ratlos. Ciao Wolfram |
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Wolfram Heinrich am 26.06.2010 um 12:38
Lieber Wolfram, ich verstehe den Herrn Walter auch nicht aber versuchen wir es mit ein wenig "handwerklicher" Hermeneutik: Herr Walter titelt Hochleistungsdemut im Spätkapitalismus: wenn es diese Buch wirklich gegeben hat - ich kann´s nicht finden, kenne es nicht, es sei aber zu 68er-Zeiten "ein Renner" gewesen, so kann es sich im Titel nur auf eine Kritik durch die neue Linke damals, die 68er eben, an der Demut - vorgetäuscht oder echt - der Herrschenden gehandelt haben. Die 68er waren alles andere als demütig, hatten auch keinen sehr hohen Schemel auf dem sie, systemimmanent gesehen, hätten thronen können, fielen also alle nicht unter dein Verdikt. Die Herrschenden waren schon gar nicht demütig, wenn auch zunehmend beunruhigt. Herr Walter schreibt weiter: Alle großen Werte der alten Welt gingen damals zu Boden, in Vietnam, in der Sandgrube mit 8 Meter 90 und in der bisherigen Hall of Demut der großen Diktatoren. Ob alle großen Werte der Bürgerlichkeit in der Kritik der 68er zu Bruch gingen, zweifle selbst ich als 68er an, wenn auch nicht wenig durch sie bewegt wurde, was bis heute gute Wirkung hat. Weshalb Bob Beamons 8,90m in 1968 ein Akt der Kritik am bürgerlichen Staat gewesen sein soll erschließt sich mir auch nicht, Tatsache war, daß Bob Beamon in Mexico-City Klaus Beer, den der aus dem Staat der Arbeiter und Bauern kam, auf den zweiten Platz verwies. Soviel Demut muss schon sein. Inwieweit irgendjemand, nicht einmal ein Pol Pot, geschweige denn die USA demütig geworden wären, weil der Vietnamkrieg für die USA und Ihre Verbündeten verloren ging kann ich auch nicht sehen. Der Rest: Auch dieser Kommentar atmet den Niedergang dieser unfrohen 'Tugend', um damit in kritischer Negation aber auch den zugehörigen Hochmut aus dem Felde zu schlagen. Manche sagen, wir bräuchten heut wieder mehr Demütigkeit, ich aber sage, wir bräuchten in dieser Tendenz wieder echten knorrigen Hochleistungsdemut, um wieder Bücher wie oben genanntes zu schreiben und zu lesen. Und: An diesem Kommentar liest sich ja schon meine Demut vor der Kritik der Demut ab. Ob sie eine rettende ist? ist tatsächlich nur noch Geschwurbel, das wahrlich keine, nicht einmal hermeneutische Analyse lohnt, allenfalls Gegenstand der Satire sein könnte. Man könnte allenfalls noch hoffen, Herr Walter gäbe uns (s)eine Definition von "echter knorriger Hochleistungsdemut" und wer zu welchem Zwecke siewie zu üben aufgefordert sei? |
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@Uwe Theel
ich verstehe den Herrn Walter auch nicht aber versuchen wir es mit ein wenig "handwerklicher" Hermeneutik: Du bist entweder ein geduldiger Mensch oder ein leidenschaftlicher Hermeneut, der alles hermeniert, was ihm vor Augen kommt. Ich bin da eher strenger, ich hermeniere nur Texte, die ich wenigstens im Großen und Ganzen verstehe. Weshalb Bob Beamons 8,90m in 1968 ein Akt der Kritik am bürgerlichen Staat gewesen sein soll erschließt sich mir auch nicht, Ach, das hat Walter wohl eher ironisch gemeint. Ein Wert, sprich: der alte Weltrekord, der jäh und bislang unwiederbringlich zu Müll wurde. Was den Rest betrifft, so bleibt zu hoffen, daß uns der Meister himself seine Worte auslegt. Ich sag ja immer: Wenn du etwas schreibst, dann tu so, als wärst du ziemlich blöd und dann schreib so, daß du den eigenen Text auch noch in deiner angenommenen Rolle als Depp verstehst. Verstehst? Ciao Wolfram |
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@ Wolfram Heinrich schrieb am 26.06.2010 um 14:52
Du bist entweder ein geduldiger Mensch oder ein leidenschaftlicher Hermeneut Beides, lieber Wolfram, Beides, und auch noch mehr :-) lg ut P.S.: Gründgens wird der Auspruch zugeschrieben: "Ich bin soviel Personen ganz allein." (Leider habe ich noch keine Belegstelle ausfindig machen können.) |
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@Uwe Theel
"Du bist entweder ein geduldiger Mensch oder ein leidenschaftlicher Hermeneut" Beides, lieber Wolfram, Beides, und auch noch mehr :-) Ich wollte eigentlich noch "(oder beides)" hinterherschieben, aber das glaubt mir jetzt natürlich wieder kein Schwein. Säufts. P.S.: Gründgens wird der Auspruch zugeschrieben: "Ich bin soviel Personen ganz allein." Das kommt vom vielen Mepisto-Spielen, ach. Ciao Wolfram |
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schrieb am
26.06.2010 um 23:27
Wer den oben von mir angeführten Buchtitel nie wirklich (und also materialistisch) abwog, wird auch nicht ermessen können, was Hochleistungsdemut heute, im Neoliberalismus anderer Guido-Prägung ist. Mit 8 Meter 90 kommen wir nicht mehr hin, dünne Luft reicht nicht mehr für die zweifelhafte Hochleistungswelt. "Gestern standen wir vor dem Abgrund, heute sind wir fünf Zentimeter weiter", so seziert der US-amerikanische Philosoph Mike Powell>/i> die fehlende Demut vor der Hochleistungswelt.
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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