Wolfram Heinrich

Der Franze hat gsagt

10.01.2011 | 09:51

Die Saufverweigerungssteuer

Wenn Sie sich im Getränkemarkt umsehen, dann werden Sie feststellen, daß Cola oder andere alkoholfreie Getränke ziemlich genau soviel kosten wie Bier. Mineralwasser ist billiger, teilweise erheblich billiger. Im Lokal stellen Sie fest, daß Sie für einen halben Liter Bier deutlich weniger zahlen müssen als für die gleiche Menge Cola oder Fanta oder was. Selbst simples Mineralwasser ist normalerweise beim Wirt erheblich teurer als das Bier.

Diese Preisgestaltung ist weder zufällig noch willkürlich. Der normale Biertrinker bestellt ein Bier und trinkt das nächste und wird am Ende auf seinem Bierfilzl eine ordentliche Zeche stehen haben. Ein Limo-Trinker dagegen besetzt ebenfalls einen Stuhl im Lokal, benutzt das Klo, macht den Aschenbecher voll ([1]), trinkt aber, selbst wenn er lange sitzen bleibt, lediglich zwei oder drei Cola oder Orangensaft. Limo-Trinker sind für den Wirt ein Plage, ein undankbare Kundschaft.

Er bestraft sie mit einer Saufverweigerungssteuer, welche das Bier und andere alkoholische Getränke attraktiver machen soll.

Junge Leute fallen gerne drauf rein.

Wer als Sechzehnjähriger in ein Lokal kommt, dort eigentlich am liebsten Cola trinken würde, ärgert sich regelmäßig über den hohen Preis seines noch aus der Kindheit vertrauten Lieblingsgetränkes. Bier und bereits die bierhaltigen Mischgetränke wie Radlerhalbe (halb Bier, halb Limo), Russenhalbe (halb Weißbier, halb Limo) oder Cola-Weizen sind erheblich billiger, was ihn dazu verleitet, von purem Cola zu durch Weißbier verdünntem Cola-Weizen zu wechseln. Am Anfang geht die Rechnung auf. Mit drei Cola-Weizen kommt er erheblich billiger weg als mit anderthalb Liter Cola.

Später, wenn er auch innerlich umgestiegen ist auf Weizenbier und locker seine fünf oder acht oder zehn Bier trinkt, sieht die Rechnung für ihn finanziell nicht mehr so günstig aus. Für den Wirt umso mehr.

Der Dealer wird zum Pusher. Ein Wirt, der sich weigert, das Spiel mitzumachen, bekommt von der Brauerei seinen Pachtvertrag gekündigt.

[1]        Der Text ist schon etwas älter, wie man an diesem nostalgischen Detail sehen kann.
 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 10.01.2011 um 11:07
Sehr gut. Bravo. Verdienstvolle Aufdeckung eine der "kleinen Schweinereinen" des freien Marktes. Und wenn die Jugendlichen dann nach der Disco vor dem Baum fahren, wird dann in den NACHRICHTEN THEATRALISCH und betroffen über deren Unvernunft mit dem Kopf geschüttelt. ...und keiner war mitverantwortlich.
GeroSteiner schrieb am 10.01.2011 um 11:26
Themen gibt's - wie Sand am Meer. Hier haben wir wieder so eine Muschel, die man gerne mitnimmt...

Während die einen sich freuen, ein Glas zu trinken, trinken die andern so lange, bis sie dann fröhlich oder fahrunfähig sind. Nur der Wirt muss nüchtern bleiben, damit er den Überblick behält aber nicht noch zu seinem besten Kunden wird.

Wenn man in Köln oder Düsseldorf in einer Bierkneipe oder in einem Brauhaus ein Wasser bestellt, bekommt man vom Köbes direkt noch einen netten Spruch dazu - Seife und Handtuch bringe ich dir gleich! - weil durch das leere oder fast leere Glas stets die Bestellung für ein neues Glas ausgelöst wird, ohne dass es einer weiteren Aufforderung bedarf. Da ist jeder Köbes direkt auch Pusher.
poor on ruhr schrieb am 10.01.2011 um 11:30
@Gero Steiner

Schön ausgedrückt das mit der Themenmuschel. Finde ich ehrlich gut. Wenn man sie aufmacht müsste auch wieder eine neue Perle Für Gero Steiner und den Rest der Leserschaft drin sein! ;)

por
Wolfram Heinrich schrieb am 10.01.2011 um 12:06
@GeroSteiner
...weil durch das leere oder fast leere Glas stets die Bestellung für ein neues Glas ausgelöst wird, ohne dass es einer weiteren Aufforderung bedarf. Da ist jeder Köbes direkt auch Pusher.

Nein, in dieser Phase ist der Köbes kein Pusher mehr. Der Brauch, bei leerem Glas unaufgefordert ein neues Glas hinzustellen ist auch im Süden verbreitet (und hier fassen die Gläser 0,5 l, sind also nicht mit den Fingerhüten des Westens vergleichbar).
Das Bemerkenswerte an diesem Brauch ist jedoch, daß er sich bewährt hat, es wird vom Kunden in aller Regel nicht gegen diese automatische Aufstockung protestiert. Der Kellner, heiße er nun Köbes, Frollein oder Kathi, tut also recht, wenn er dies tut. Heißt: Wer in einer Saufkneipe 1 Bier trinkt, der trinkt auch ein zweites, drittes, viertes... Erst wenn der Kopf des Gastes auf dem Tisch oder Tresen aufschlägt, weiß der Kellner, daß er nun nicht mehr nachzuschenken braucht.
In typischen Speiselokalen ist das übrigens anders, da frägt der Kellner in der Regel nach.

Ciao
Wolfram
GeroSteiner schrieb am 10.01.2011 um 12:24
@Wolfram Heinrich
"Erst wenn der Kopf des Gastes auf dem Tisch oder Tresen aufschlägt, weiß der Kellner, daß er nun nicht mehr nachzuschenken braucht."

Stimmt. Der Verlust der Muttersprache ist gerade im Rheinland noch kein hinreichendes Kriterium zur Unterbrechung der Getränkeversorgung. Dieser Fall tritt erst dann ein, wenn der Gast den Handlauf am unteren Teil des Tresens benutzt, und obendrein zu befürchten steht, dass der Deckel zum Bezahlen nicht mehr gefunden wird. Aber selbst dann gilt, dass man nicht als betrunken eingestuft wird, solange man auf dem Boden liegen kann, ohne sich festzuhalten. An diesem Punkt hat der Wirt sein Geschäft in aller Regel bereits gemacht.
Wolfram Heinrich schrieb am 10.01.2011 um 12:37
@GeroSteiner
Stimmt. Der Verlust der Muttersprache ist gerade im Rheinland noch kein hinreichendes Kriterium zur Unterbrechung der Getränkeversorgung.

In Bayern auch nicht, sei getrost. Welcher Idiot hat eigentlich die Behauptung in die Welt gesetzt, Koma-Saufen sei eine neuzeitliche Erfindung von Jugendlichen?

Dieser Fall tritt erst dann ein, wenn der Gast den Handlauf am unteren Teil des Tresens benutzt, und obendrein zu befürchten steht, dass der Deckel zum Bezahlen nicht mehr gefunden wird.

In den Pissoirs, die den Bierzelten zugeordnet sind, findest du neben der Piß-Muschel einen kräftig verankerten Handgriff, welche den Brunzenden davor bewahren soll, mitten im Geschäfte zu Boden zu stürzen. Dergleichen Vorrichtung habe ich - vor fast dreißig Jahren, ich geb's zu - auch im Klo der Wachtel-Kantine einer Justizvollzugsanstalt - vulgo: Gefängnis - in Bayern gesehen.

Prost
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 11:41
@Wolfram Heinrich, Radler heißt in echt aber Alsterwasser, aber dies Unwissen...ich halt es Dir zugute...;-).
(Dies ist zwar keine Perle, dafür aber ein Gruß.)
Wolfram Heinrich schrieb am 10.01.2011 um 11:55
@Leif Miles
Radler heißt in echt aber Alsterwasser

Alsterwasser heißt das Radler nur in den Gegenden nahe am Polarkreis.

...aber dies Unwissen...ich halt es Dir zugute...;-).

Der kultivierte Mensch des Südens kennt die Bezeichnung "Alsterwasser" zwar (das Aldi-Volksbildungswerk hat hier Vorbildliches geleistet), aber er verwendet sie nicht.

Ciao
Wolfram
GeroSteiner schrieb am 10.01.2011 um 12:02
Radler!
Perlen in Essig heißen ja auch nicht Königswasser, nur weil Kleopatra das statt des Champagners geschlürft haben soll.
Wolfram Heinrich schrieb am 10.01.2011 um 12:14
@GeroSteiner
Radler!
Perlen in Essig heißen ja auch nicht Königswasser, nur weil Kleopatra das statt des Champagners geschlürft haben soll.


"Radler" ist, anders als "Alsterwasser" eine kulturgeschichtlich hochinteressante Bezeichnung. Das Wort entstand zu Zeiten, da Autos noch sehr selten und eine Sache sehr wohlhabender Leute waren. Das Radler ist ein um die Hälfte verdünntes Bier und sollte den Gast, der noch mit dem Radl nachhause fahren wollte, davor bewahren, wegen zu viel Alkohol auf dem Nachhauseweg mit seinem Rad zu stürzen.
Erst das vierrädrige Auto, mit dem man nicht mehr so einfach umfallen kann, hat den Menschen vom Diktat des Radlers befreit und ermöglichte es ihm, auch mit 2 Promille noch... äh, sicher nachhause zu kommen.
In Bayern gibt es den Bierdimpfl-Spruch: Tragts me ins Auto, i fahr euch dann hoam.

Ciao
Wolfram
GeroSteiner schrieb am 10.01.2011 um 12:32
Klare Sache - und obendrein auch logisch.
Wenn man nicht mehr gehen kann, dann muss man eben fahren.
:-)
Der lokale Rekord für Radfahren mit Alkoholunterstützung liegt in der Kölner Gegend bei 4,2 Promille. Der Mann konnte immer noch tadellos und schlenkerfrei fahren, ist aber verpfiffen worden, woraufhin man ihn vor seiner Haustür aufgriff. Auf die Frage wieviel er getrunken habe, hat er geantwortet "Was weiß denn ich? Zähle ich morgens meine Brötchen?"
Wolfram Heinrich schrieb am 10.01.2011 um 12:44
@GeroSteiner
Wenn man nicht mehr gehen kann, dann muss man eben fahren.

So ist das. Und außerdem: Wenn du nachts um eins zu Fuß heimwackelst gehst du ein großes Risiko ein. Denk nur an die vielen Besoffenen, die um diese Zeit mit dem Auto unterwegs sind. Da ist es doch sicherer, selber im Auto zu sitzen...

Der lokale Rekord für Radfahren mit Alkoholunterstützung liegt in der Kölner Gegend bei 4,2 Promille. Der Mann konnte immer noch tadellos und schlenkerfrei fahren...

Ich verneige mich vor der Trinkfestigkeit der Kölner. Obwohl: Eine Bekannte, die auf der toxikologischen Abteilung einer Münchner Klinik arbeitet, berichtete mir, sie hätten schon Patienten gehabt, die mit 3 Promille ins Entzugskoma gefallen seien.
Die Dimpfl-Skala scheint also, wie die Richter-Skala, nach oben offen zu sein.

Ciao
Wolfram
BanaBab schrieb am 11.01.2011 um 19:57
@Wolfram H.,
muss ein bischen korrigieren, die Entstehung des Begriffs Radler wurde historisch richtig wiedergegeben. Alsterwasser konnte man bevor die Grünen sich eingemischt hatten und durch ihre Ökopolitik unsere Flüsse und Bäche wieder verwässerten sehr gehaltvoll direkt aus eben der Alster schöpfen. Da dies heute zu wässrig schmeckt müssen die armen Nordlichter an der Klippe ihr Gemisch teuer bezahlen. Sowas kommt von sowas!s
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 12:42
In dieser sehr typischen Verharmlosung "Tragts me ins Auto, i fahr euch dann hoam" liegt ja wirklich der Grund warum sich auch das Recht genommen wird einen Trinkhallenbenutzer restlos abzufüllen.
Je nördlicher, desto hemmungsloser, egal ob Pub in England, oder Trinkhalle ("Pilsbar", Biergarten) in Deutschland. Auf Frankreich, und evtl auch Italien, bezogen: Die Trinkgewohnheiten sind hier einfach anders. Das muss mit mehr Sonne zu tun haben. Aber diese ungerechtfertigte Preisgestaltung ist hier sogar in den Supermärkten: eine Flasche Wein kann schon mal billiger sein als ein Orangensaft.
GeroSteiner schrieb am 10.01.2011 um 13:29
@sachichma
"eine Flasche Wein kann schon mal billiger sein als ein Orangensaft."

Ist doch klar, warum. Orangensaft ist deutlich schwieriger zu fälschen als Wein.

Mitunter sind die Fälschungen sogar besser als die Originale!
(Prof. Guth macht für Quarks&Co einen synthetischen Wein - und gewinnt den Vergleichstest bei Sommeliers)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2011 um 15:49
Manchmal kann ich einfach nicht verstehen was Wissenschaft eigentlich will ;-) Wein ist doch sowieso schon fast billiger als Wasser. Das ist schierer Monsantoismus!

Lee Berine hatte gestern hier einen Beitrag zu dem Film "Good Food-Bad Food". Und nur um stur Rot vor Wut und nicht grün vor Neid zubleiben, auch wenn's irre klingt: z.Z; kosten 2 kg Orangen 99 Cent, da quetsche ich mehr als einen Liter heraus...
Wolfram Heinrich schrieb am 11.01.2011 um 02:30
@sachichma
In dieser sehr typischen Verharmlosung "Tragts me ins Auto, i fahr euch dann hoam" liegt ja wirklich der Grund warum sich auch das Recht genommen wird einen Trinkhallenbenutzer restlos abzufüllen.

Ich glaube ja eher nicht, daß man an einer Trinkhalle abgefüllt wird. Es füllt sich jeder selber ab, die Trinkhalle bietet lediglich die Infrastruktur für diese Abfüllung.
Andererseits gibt es in der deutschen Gaststättenverordnung einen Passus, welcher den Ausschank von Alkohol an Betrunkene verbietet, was wiederum einem Philosophen Stoff gibt zum Nachdenken. In dem Drama "Der Alise - Ein Monolog mit Bedienung" wird diese logische Zwickmühle vom Xare gnadenlos aufgedeckt:
"Die Kathi, das dumme Luder... Zeigt mit dem Finger nach hinten zum Wirtshaus, dorthin wo immer die Bedienung herauskommt, die ihm das neue Weizen bringt ...was macht die Kathi? Die Kathi sagt doch frech zum Alise, daß es für ihn heut kein Bier nicht mehr gäb' und Schnaps sowieso nicht. Weil nach dem Gesetz... An seinen fiktiven Gesprächspartner im Publikum ...hast du das gewußt? Weil es nach dem Gesetz verboten wär', Alkohol an Betrunkene auszuschenken. Lacht Der Erwin, unser Wirt, ist gleich erschrocken zusammengezuckt und hat gemeint: "An wen denn dann?" - "An wen denn dann?"... Lacht ...hat er gefragt und ist dann energisch geworden und hat der Kathi den dienstlichen Befehl gegeben, dem Alise auszuschenken, was immer der Alise trinken will."
www.theodor-rieh.de/heinrich/Alise.pdf

Überhaupt: "Trinkhalle". Was für ein großes Wort für einen kleinen Kiosk, an dem du im Freien stehst, nur von einem Vordach vor dem hierzulande nicht seltenen Regen geschützt. www.emschertal.de/s4/mdo-aplerbeck-trinkhalle.jpg Günstigstenfalls bietet man dir einen kleinen Innenraum (von wegen "Halle), allergünstigstenfalls sogar geheizt. www.presse.uni-oldenburg.de/f-aktuell/bilder/manzke-trinkhalle.jpg Obwohl - gelegentlich findet man sogar äußerst prächtige Trinkhallen, wie jene in Bad Ischl: www.travelwriter.at/pic/043/bad-ischl-trinkhalle-080730g.jpg Den Komfort bei letzteres bezahlst du allerdings damit, daß hier keine Alkoholika ausgeschenkt werden.

Je nördlicher, desto hemmungsloser, egal ob Pub in England, oder Trinkhalle ("Pilsbar", Biergarten) in Deutschland. Auf Frankreich, und evtl auch Italien, bezogen: Die Trinkgewohnheiten sind hier einfach anders. Das muss mit mehr Sonne zu tun haben.

Frankreich kenne ich nicht, aber in Italien habe ich in zehn Jahren keinen einzigen Betrunkenen in der Öffentlichkeit gesehen. Zumindest in den kleinen Orten ist es dort anscheinend schwer verpönt, sich in der Öffentlichkeit zu betrinken. Als wir noch als Touristen dort waren, gab es in dem Hotel, in dem wir wohnten, einmal eine Geburtstagsfeier (kein Kindergeburtstag). Am nächsten Tagen morgen standen beim Frühstück drei Tische voll mit leeren Flaschen, ein halber Tisch war mit Wein- und Bierflaschen bedeckt, der große Rest mit Mineralwasser, Cola etc.

Aber diese ungerechtfertigte Preisgestaltung ist hier sogar in den Supermärkten: eine Flasche Wein kann schon mal billiger sein als ein Orangensaft.

Na ja, um diesen Tütenwein für 79 Cent abzuwürgen brauchst du schon einen eisernen Willen.

Ciao
Wolfram
Dennis82 schrieb am 10.01.2011 um 22:13
Stimmt, dass musste wirklich mal gesagt werden.

Mich als Anti-Alki ärgert es schon seit ich denken kann. Wenn in der Gastronomie Geld verdient wird, dann an alkoholfreien Getränken, die Gewinnspannen sind da teils abenteuerlich. Meistens verweigere ich mich dem dann auch, wenn ich überlege: Für ein Glas Fanta 0,2L verlangen manche 2,50 Euro! Ne 15 L-Kiste Fanta bekomme ich im Angebot für 8,40. Literpreis 12,50 zu 0,56 Euro.

Bevor ich mich zur Anfertigung eines Pamphlets gegen den weit verbreiteten gesellschaftlichen Zwang, zu jeder sich bietenden Gelegenheit Alk konsumieren zu müssen hinreißen lasse, hör ich an der Stelle besser auf. ;)
Wolfram Heinrich schrieb am 11.01.2011 um 02:29
@Dennis82
Mich als Anti-Alki ärgert es schon seit ich denken kann. Wenn in der Gastronomie Geld verdient wird, dann an alkoholfreien Getränken, die Gewinnspannen sind da teils abenteuerlich.

Ich glaube, du hast die Pointe meines Beitrags nicht verstanden. Mit den alkoholfreien Getränken macht der Wirt gerade keinen sonderlichen Gewinn. Sicher sind die Gewinnspannen zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis abenteuerlich hoch, aber andererseits trinkt jemand alkoholfreie Getränke nur so viel, wie er braucht, den Durst zu stillen - und das ist nicht viel. An einem Bier, einem Schnaps verdient der Wirt zwar prozentual deutlich weniger, aber ein Biertrinker pfeift sich an einem gemütlichen Abend schon mal 10, 15, 20 Glas Bier rein. Und mit Glas meine ich jetzt nicht die 0,2-l-Fingerhüte von Köln sondern reelle Halblitergläser. Vom Schnaps, der zwischendurch so weggeht, will ich gar nicht mal reden.

Ciao
Wolfram
Alien59 schrieb am 11.01.2011 um 06:51
Wolfram, ich denke, da spielt noch etwas anderes mit. Die meisten Wirte sind über Bierlieferungsverträge an Brauereien gebunden, mit Abnahmeverpflichtung für bestimmte Biermengen. Das Bier MUSS bezahlt werden - und aus den Verträgen kommt der Wirt meist nicht raus, da hängt die Ausstattung der Wirtschaft dran, Kredite, frag mich nicht was noch. Die Brauereien verdienen aber am Meisten am Bier, nicht an den auch durch sie gelieferten Softdrinks.

Es war ein Versuch des Gesetzgebers, festzulegen, dass zumindest ein nichtalkoholisches Getränk im Angebot sein muss, das billiger ist als das billigste Bier in der Wirtschaft - bin nicht sicher, ob die Regel noch Gültikeit hat. Viel genutzt hats nicht, meist war das vermutlich Wasser, und wer mag schon dauernd nur Wasser trinken?
Wolfram Heinrich schrieb am 11.01.2011 um 09:01
@Alien59
Wolfram, ich denke, da spielt noch etwas anderes mit. Die meisten Wirte sind über Bierlieferungsverträge an Brauereien gebunden, mit Abnahmeverpflichtung für bestimmte Biermengen. Das Bier MUSS bezahlt werden - und aus den Verträgen kommt der Wirt meist nicht raus, da hängt die Ausstattung der Wirtschaft dran, Kredite, frag mich nicht was noch.

Das hatte ich schon im Artikel angedeutet: "Der Dealer wird zum Pusher. Ein Wirt, der sich weigert, das Spiel mitzumachen, bekommt von der Brauerei seinen Pachtvertrag gekündigt."

Es war ein Versuch des Gesetzgebers, festzulegen, dass zumindest ein nichtalkoholisches Getränk im Angebot sein muss, das billiger ist als das billigste Bier in der Wirtschaft - bin nicht sicher, ob die Regel noch Gültikeit hat. Viel genutzt hats nicht, meist war das vermutlich Wasser, und wer mag schon dauernd nur Wasser trinken?

So weit ich weiß gilt die Vorschrift noch. Einige Wirte sollen - auf Anregung der Brauerei - Tomatensaft als billige Alternative anbieten. Wer trinkt schon Tomatensaft?

Ciao
Wolfram
luggi schrieb am 12.01.2011 um 01:21
Ich trinke Tomatensaft, sogar im Flieger.
Wolfram Heinrich schrieb am 12.01.2011 um 03:53
@luggi
Ich trinke Tomatensaft, sogar im Flieger.

Im Flieger würde ich auch Tomatensaft trinken, wenn nur ausreichend Valium drin ist, meine Flugangst zu dämpfen.

Ciao
Wolfram
Dennis82 schrieb am 11.01.2011 um 17:31
Ich hab sie schon verstanden, aber ich sehe es halt ein klein wenig anders. ;) Es ist richtig, dass dadurch in der Summe mehr alkoholhaltige Getränke verkauft werden (sollen). So ist das halt bei den Dealern: in jungen Jahren schon Kundschaft anfüttern und dann dran gewöhnen.

Teure nicht-alkoholische Getränke machen aber auch einen wesentlichen Teil der Gewinne in der Branche aus, obwohl sie vielleicht nicht in der Masse wie das angebliche Genussmittel Alkohol abgesetzt werden - schon alleine wegen der abenteuerlichen Gewinnspannen, ich verweise auf mein Beispiel mit der Fantakiste. Und unter Gastronomie fallen nicht nur Kneipen, sondern auch Restaurants, Cafés usw.

Ich hatte im Rahmen meiner Ausbildung übrigens auch schon Einblicke in die Gewinnermittlungen von Restaurants und Wirtshäusern (mal abgesehen von den Massen, die in der Branche schwarz an der Steuer vorbei verkauft werden) - und da wurde auch an nicht alkoholischen Getränken in der Summe sehr viel verdient.
weinsztein schrieb am 11.01.2011 um 18:15
Alte Gastronomen-Weisheit: Der Gast frisst Dich arm und säuft Dich reich.
Wolfram Heinrich schrieb am 11.01.2011 um 18:48
@weinsztein
Alte Gastronomen-Weisheit: Der Gast frisst Dich arm und säuft Dich reich.

Da ist was dran. Obwohl man dem Arm-Fressen durch entsprechende Preisgestaltung schon steuern kann.

Eine Frage habe ich noch, aus wissenschaftlichem Interesse: Saufen die Türken in der Türkei auch so viel wie die Türken in Deutschland? Ich frage deshalb, weil ich seinerzeit ziemlich viele Türken bei der MPU hatte. Saufkopfmäßig wären also die Türken schon mal gar nicht schlecht integriert in das christlich-alkerholische Abendland.

Ciao
Wolfram
weinsztein schrieb am 12.01.2011 um 01:16
@ Wolfram

Viele Türken müssen sich Ihren Aufenthalt in Deutschland schön saufen. Ich kann das nachvollziehen, ich sehe ja, von wo sie stammen und verstehe deren Verlustempfinden.

In den türkischen Metropolen (Istanbul, Izmir, Ankara) wird ganz ordentlich gepichelt, vor allem Raki und Bier. Auch im ägäischen und sonstigem Mittelmeerraum sowie im alevitischen Südosten. Durch die extrem hohe Besteuerung von Alkohol seit einigen Jahren durch die frömmelnde türkische Regierung dürfte der Alkoholkonsum insgesamt rückläufig sein. Ein Liter Raki (sprich: Rake) kostet mittlerweile rund 20 €, vor gut zehn Jahren etwa 6 DM. Ich schätze, etwa ein Drittel der Türken trinkt Alkohol, die anderen nicht.

Zurück zu ''Deutschland. Die gehobene Gastronomie kalkuliert ihre Speisen mit geringem oder gar ganz ohne Gewinn. Dafür kostet dann die Literflasche Mineralwasser gerne 6 €, die Flasche Wein 35 bis 1000 € und mehr, bei Einkaufspreisen von 5 bis 120 €.
Schön verdient wird auch am Kaffee. Für eine Tasse braucht man 6 bis 9 Gramm (die kosten je nach Qualität 4 bis 30 Cent), die man für 2 € und noch viel mehr verkaufen kann.
Spirituosen sind ein ganz besonders erfreuliches Kapitel für Gastronomen der feineren Art.
Wolfram Heinrich schrieb am 12.01.2011 um 03:51
@weinsztein
Viele Türken müssen sich Ihren Aufenthalt in Deutschland schön saufen.

Das ist mir schon klar. Ich spöttele zwar gelegentlich über meine Kundschaft, aber mir ist natürlich klar, daß niemand wegen der puren Lust am Leben säuft.

Die gehobene Gastronomie kalkuliert ihre Speisen mit geringem oder gar ganz ohne Gewinn. Dafür kostet dann die Literflasche Mineralwasser gerne 6 €, die Flasche Wein 35 bis 1000 € und mehr, bei Einkaufspreisen von 5 bis 120 €.

Oh, das wußte ich nicht.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich
Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.
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