Wolfram Heinrich

Der Franze hat gsagt

19.12.2011 | 10:36

Gefährliche Ausreden - 2. Versuch

"Du sollst nicht lügen", heißt es, aber...

Je nun, du sollst auch eine ganze Menge anderer Dinge nicht tun, tust sie aber trotzdem. Und wenn dir einer dahinter kommt und dich beschuldigt - was machst du? Du stellst dich blöd und behauptest, von nichts, aber auch von gar nichts etwas zu wissen und das hättest du nie und nimmer getan. Das Laster des Wissens sei dir völlig fremd. Und wenn sie dir dann - so gemein sind manchmal die Leute - Beweise bringen, daß du es doch warst, mußt du dir ganz schnell eine Ausrede einfallen lassen.

"Erstens", sagte der Angeklagte, "habe ich das Fahrrad nicht gestohlen. Zweitens war es eh schon ziemlich kaputt und drittens werde ich es bestimmt zurückgeben."

Und patsch! sitzt du mit deiner Ausrede erst recht in der Tinte. Und es ist nicht immer so lustig wie in der bekannten Anekdote.

Amphetamin in Ullrichs Urin

Da gibt es zum Beispiel den Radrennfahrer Jan Ullrich, der 1998 die Tour de France gewonnen hat. Wie viele Leistungssportler - und so mancher normale Mensch auch - ist Jan Ullrich ein rechter Saufkopf. Das führte dazu, daß sie ihm Anfang 2002 den Führerschein genommen haben, mit immerhin 1,5 Promille.

Na ja, macht nichts, der Maier Sepp hatte ihn drei- oder viermal weg und immer mit über zwokommafünf Promille.

Ich sag ja, daß Leistungssportler Saufköpfe sind.

Wie im Leistungssport allgemein üblich, nehmen die Sportler von ihren Funktionären empfohlene Dopingmittel, damit sie gewinnen, während andere Funktionäre versuchen, das Doping nachzuweisen, damit jeder denkt, das Doping im Sport wäre eine Ausnahme.

Na ja, macht nichts, ohne Doping sind heute keine Pokale mehr zu gewinnen und ein paar Sportler erwischt's halt, damit jeder sieht, wie sauber der Sport eigentlich ist.

Im Juni 2002 war Jan Ullrich dran. Er mußte ins Röhrchen pinkeln und patsch! hat man Speed drin gefunden.

Speed ist ein Zaubermittel, das dir hilft, nicht nur die Tour de France zu gewinnen, sondern auch die Disco-Sause bis früh um neune durchzustehen.

Ein Sportler von Format hätte in dieser Situation gesagt:

* Leute, ohne das Zeug gewinnt keiner die Tour de France oder sonst ein Rennen. Ich hab's probiert, ihr habt mich erwischt, tut mir leid.
oder
* Leute, ein Leistungssportler steht heutzutage unter einem wahnsinnigen Streß. Den hältst du ohne chemische Tröster einfach nicht durch.

Jan Ullrich jedoch gab nach einigen Tagen folgende Erklärung dazu ab: Er sei in einer Münchner Disco gewesen, habe schon einiges getrunken gehabt. Ein ihm völlig unbekannter Mann habe ihm Tabletten angeboten, die er "un­be­wußt" gekauft und dann auch genommen habe. Das sei eine Dummheit gewesen. Er habe überhaupt keine Ahnung gehabt, welche Tabletten das gewesen seien.

Das mußt du dir mal vorstellen: Da kommt ein völlig unbekannter Mensch auf dich zu und bietet dir Tabletten an. Der Mann ist offensichtlich kein Apotheker, die Tabletten sind offensichtlich kein Aspirin. Auf Nachfrage verweigert der Mann dir jede Auskunft über die Art der Tabletten, nennt dir lediglich den Preis. Du zahlst den Preis, nimmst die Tabletten, ohne die leiseste Ahnung, was das für ein Zeug ist, das du dir einschiebst, ohne den leisesten Grund, dem Unbekannten, der dir die Tabletten gibt, auch nur ein Mindestmaß an Vertrauen zu schenken.

Nähme man Jan Ullrichs Ausrede ernst, so stünde er als ein Mensch da, der völlig neben der Kappe steht, zu aberwitzigen Handlungen fähig.

Hinrichtung - echt?

Hans Karl Filbinger kennen die Jüngeren schon nicht mehr - und das ist gut so. Als Hans Karl Filbinger noch Mini­ster­präsident von Baden-Württemberg war, wurde ihm vorgeworfen, er habe im Jahre 1945 als Anklagevertreter beim Militärgericht wegen Desertion die Todesstrafe gefordert.

Filbingers erste Reaktion war, alles abzuleugnen. Nein, das sei alles erlogen, nichts als eine schmutzige Kampagne gegen ihn. Daraufhin legte man, was zu erwarten war, Dokumente vor, welche den Sachverhalt eindeutig bewiesen. Filbinger hatte die Hinrichtung nicht nur gefordert und durchgesetzt, sondern ihr auch beigewohnt und den ordnungsgemäßen Ablauf protokolliert.

Ein Mann von Format hätte in dieser Situation gesagt:

* Ich hab's zuerst mit Leugnen versucht. Tut mir leid, war falsch.
* Richtig, Leute, ist vielmehr: Auch ich bin damals der Faszination der Nazis/dem allgemeinen Druck erlegen, habe mich zum willfährigen Werkzeug dieser Verbrecher machen lassen und bin dadurch schuldig geworden.
* Das ist inzwischen 29 Jahre her. Ich habe mich gewandelt, mir tut alles sehr leid. Ich möchte mich hiermit bei allen Angehörigen des erschossenen Matrosen entschuldigen.

Hans Karl Filbinger jedoch suchte sich mit der Bemerkung zu entlasten, er habe diese Hinrichtung völlig vergessen gehabt, habe nicht mehr dran gedacht.

Was uns Hans Karl Filbinger mit dieser Ausrede sagt, ist dies:

* Ich habe während des Krieges so viele Leute in den Tod geschickt, habe so viele Hinrichtungen gefordert, beschlossen, beobachtet und protokolliert, daß ich mich nun wirklich nicht mehr an diese eine erinnern konnte.
Oder:
* Ich, Hans Karl Filbinger, bin ein derart eiskalter, brutaler Hund, daß ich mich an eine Hinrichtung, die ich gefordert, durchgesetzt, beobachtet und protokolliert habe, nicht mehr erinnern kann.

Vergeltungsvergeltung

Anfang Oktober 2002 gab es einen arabischen Raketenangriff auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen, ganz bestimmt die Vergeltung für irgendwas. Zur Vergeltung - rasend originelle Idee - rücken postwendend israelische Truppen mit Panzern und Kampfflugzeugen in eine Stadt im Ga­za­strei­fen ein, um dort "einige Hamas-Aktivisten festzunehmen". Die Stadt gilt, wie üblich, als "Hochburg der Hamas".

Die israelischen Soldaten werden - wen wundert's? - beschossen und schießen "in Selbstverteidigung" zurück, wie später ein Militärsprecher betonen wird. Die klassische Notwehrsituation: Kidnapper dringen in ein Haus ein, um jemanden zu entführen. Sie werden beschossen und schießen in Selbstverteidigung zurück.

Das Militär feuert von Flugzeugen aus einige Raketen auf die Stadt ab. Eine dieser Raketen explodiert in einer Menschenmenge auf einem Platz. 10 bis 15 Menschen kommen ums Leben, darunter Unbewaffnete, darunter Jugendliche.

Der israelische Regierungssprecher vermerkt zu diesem Vorfall, Schuld an den Toten hätten die Palästinenser, da diese unbewaffnete Zivilisten als "menschliche Schutzschilde" mißbraucht hätten.

Der Regierungssprecher meint, er hätte damit seine Regierung entlastet und alle Schuld dem bösen Feind zugeschoben.

Was er uns aber sagt, ist dies:

* Die dummen Palästinenser haben sich mit ihren "menschlichen Schutzschilden" verrechnet. Menschliche Schutzschilde setzen einen Gegner voraus, der noch über ein Mindestmaß an Anstand, Moral, Tötungshemmung besitzt. Wenn sich jemand, den wir haben wollen, in einer Menge von einkaufenden Hausfrauen versteckt, dann erschießen wir ungerührt so viele Hausfrauen, bis wir sicher sind, daß auch der versteckte Feind darunter ist. Ist uns doch scheißegal.

Es ist gar nicht selten, daß entlastende Ausreden viel belastender sind als die simple Wahrheit.

Schaumermal, was sich der Wulff noch alles einfallen läßt.

 
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Kommentare
Don Quijote schrieb am 19.12.2011 um 10:58
Ja mei, die Lügen.

Wenn man genau hinschaut, dann sind alle Lügen Notlügen.
Aber die unmittelbare Not - nämlich seinen Arsch zu retten - ist einem da näher, sichtbarer, größer als die eigentliche Not, durch die man seinen Arsch schon lange vorher verloren hat. Deswegen hat man ihn nicht in der Hose und lügt. Wo die Wahrheit einen doch viel grundsätzlicher retten könnt.

Also: immer den Überblick behalten!

saludos, vom Psycho
Dr.einf.Q.
Wolfram Heinrich schrieb am 19.12.2011 um 11:47
@Don Quijote
Ja mei, die Lügen.

"Die Wahrheit sagen kann jeder Idiot, zum Lügen aber braucht es Intelligenz." (Oscar Wilde, wahlweise auch Mark Twain oder George Bernard Shaw)

Ciao
Wolfram
tlacuache schrieb am 19.12.2011 um 11:09
Und was hat jetzt Urin - Ulrich mit Lichter in Wyhl zu dun?

www.youtube.com/watch?v=D40VRZ6ZUuE

;-)
Vaustein schrieb am 19.12.2011 um 14:15
Als ich noch ein kleiner Bub war, durfte ich folgendes lernen:
"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...und wenn er selbst die Wahrheit spricht".

Das ist nichts anderes als "Volkswissen", gespeist aus Erfahrungen mit notorischen Wahrheitsverbiegern.
Wolfram Heinrich schrieb am 19.12.2011 um 14:42
@Vaustein
Als ich noch ein kleiner Bub war, durfte ich folgendes lernen:
"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...und wenn er selbst die Wahrheit spricht".


Ach, wenn's doch nur so wäre. In Kürze wird Guttenberg als ehrenwerter Mann in die Politik zurückkehren.

Das ist nichts anderes als "Volkswissen", gespeist aus Erfahrungen mit notorischen Wahrheitsverbiegern.

Ich setze dem eine andere, von mir selbst erfundene Volksweisheit entgegen: Wer dreimal lügt und man ihm glaubt, probiert es auch ein viertes Mal.

Im Ernst: Als Margot Käßmann nach ihrer Trunkenheitsfahrt ohne Zögern, ohne wenn und aber zurückgetreten ist, zollte man ihr zwar moralischen Respekt, ein höheres Amt aber wird ihr keiner mehr antragen. Nicht trotz ihrer moralischen Konsequenz, sondern wegen. Ein grundanständiger, ehrlicher Priester mag es zum Heiligen bringen, Papst wird so einer nie.

Ciao
Wolfram
ChristianBerlin schrieb am 19.12.2011 um 15:41
@Wolfram Heinrich

Nicht sofort, aber mit etwas Abstand kann das immer noch klappen. Cem und Gregor sind auch schon mal zurückgetreten wegen so einer Sache mit unbilligen Vorteilen und so, als das rauskam - und jetzt auch wieder da, sogar an der Spitze ihrer Parteien!

Der grüne Papst und der Rote sowie deren Gefolgsleute sollten deshalb nicht mit zweierlei Maß messen (hab ich schon bei JA angemerkt). Sonst zeigen drei Finger auf das eigene Verhalten oder das der eigenen Parteiführer zurück.

Aber zum Thema Ausreden geb ich Dir recht: Die haarspalterische Verteidigung des Bundespräsidialamtes zeugt von politischer Instinktlosigkeit. Und alles sieht danach aus, als habe der Präsident sich diese Verteidigungslinie mit der Abwicklung über die Ehefrau von vornherein selbst für den Fall aller Fälle aufgebaut.

Dass die, wenns rauskommt, je halten könnte, grenzt an naives Wunschdenken. Aber wie Du ja gezeigt hast: Kein Einzelfall. So sind wir, so denken wir, wenn's um uns selbst geht, gerne mal.

Mich erinnert die Logik solcher Selbst-Exculpationen an Pascals Satire über die jesuitische Moraltheologie z.B. Antonio Excobars in denLettres provinciales

LG Christian
Wolfram Heinrich schrieb am 19.12.2011 um 20:02
@ChristianBerlin
Nicht sofort, aber mit etwas Abstand kann das immer noch klappen. Cem und Gregor sind auch schon mal zurückgetreten wegen so einer Sache mit unbilligen Vorteilen und so, als das rauskam - und jetzt auch wieder da, sogar an der Spitze ihrer Parteien!

Bemerkenswert bei der Käßmann war nicht der Rücktritt als solcher, dergleichen gibt es öfter, es war die Promptheit, mit der dieser Rücktritt. Noch ehe jemand Zeit hatte, den Rücktritt zu fordern, hatte sie ihn auch schon vollzogen.
"Das war jetzt echt Scheiße, Guttenberg, was du da gemacht hast", hatte es geheißen. Und Guttenberg: "Was 'Scheiße', wie 'Scheiße'? Erstens habe ich nicht abgeschrieben, zweitens nur ein bißchen und aus Versehen und drittens war es eh nichtswürdiger, nicht zitierfähiger Schrott, den ich da abgeschrieben habe."
Hier dagegen:
LORD MARLOWE: Das war echt Scheiße, Lady Margot, was Ihr Euch da geleistet habt.
LADY MARGOT: Stimmt. (Geht ab. Vorhang.)
Anmerkung: Bei der MPU habe ich die Erfahrung, daß Frauen (ca. 5 % aller Fälle) sich für eine Trunkenheitsfahrt wirklich schämen, Männer dagegen nur in Ausnahmefällen.

Nicht, daß einer Mist baut ist der Skandal. Shit happens. Der Skandal ist der Umgang mit dem gebauten Mist.
Bei der Katholischen Kirche waren doch nicht die Mißbräuche durch Priester der Skandal. Wer das glaubt, der macht sich war. Wenn Erwachsene Umgang mit Kindern haben, dann passieren immer wieder auch sexuelle Übergriffe. Die Wahrscheinlichkeit wächst, wenn die Leute, welche den Umgang mit Kindern haben, ein verkorkstes Sexualleben führen müssen . Der eigentliche Skandal war, wie die Katholische Kirche jahre-, jahrzehntelang auf diese intern bekanntgewordenen Mißbrauchsfälle reagiert, bzw. eben nicht reagiert hat.

Und alles sieht danach aus, als habe der Präsident sich diese Verteidigungslinie mit der Abwicklung über die Ehefrau von vornherein selbst für den Fall aller Fälle aufgebaut.
Dass die, wenns rauskommt, je halten könnte, grenzt an naives Wunschdenken.


Sag so Sachen nicht. Manchmal reicht es aus, einen offensichtlichen Unfug nur lang genug zu wiederholen, damit sich die Leute sagen: Wenn der das so hartnäckig abstreitet, dann ist vielleicht wirklich nichts dran.

Man beachte: Öttinger behauptet, Filbinger habe nie ein Urteil gefällt, das zum Tod eines Menschen geführt habe. In dem strittigen Fall ging es aber um Filbinger Rolle als Staatsanwalt. Eine ähnliche Struktur der Argumentation wie jetzt bei Wulff: Man argumentiert haarscharf am Thema vorbei.
A: Hast du als Kind niemals Äpfel geklaut?
B: Nein.
(Es waren die geklauten Zwetschgen des Nachbarn, an denen sich B damals vollgefressen hat.)

Aber wie Du ja gezeigt hast: Kein Einzelfall. So sind wir, so denken wir, wenn's um uns selbst geht, gerne mal.

Daß man sich als Ertappter gerne mal rausredet ist so wild auch wieder nicht. In meinem Beitrag ging es darum, daß die exkulpierende Lüge manchmal Schlimmeres auf mein Haupt lädt als die Wahrheit. Wäre es tatsächlich so, wie Guttenberg behauptet, daß er die Fehler beim Zitieren unbewußt gemacht hat, daß er beim Schreiben seiner Arbeit völlig den Überblick verloren hat, dann wäre er damit für jegliches Amt, wo auch immer, ungeeignet. Als Arbeitsplatz käme dann nur eine Beschützende Werkstatt in Frage.
Die Wahrheit "Okay, Leute, ich habe es mir damals verdammt leicht gemacht, weil ich dachte, das kommt nie raus. Ich bin halt ein Strizzi" ist erheblich harmloser als die Lüge vom unbewußten Schreiben.

Ciao
Wolfram
SuzieQ schrieb am 19.12.2011 um 15:43
@ Wolfram

Eine Ausrede kann man auch als missglückte Entschuldigung ansehen ...

Zumal eine Ausrede als solche ja erkennbar ist, sonst hieße es Lüge.

Beispiel Jan Ullrich: Jeder weiß, dass im Profe - Radsport gedopt wird, auch wenn es abgestritten wird, dann wird einer erwischt, dumm gelaufen. Eine Ausrede muss her.

Beispiel Filbinger: Jeder weiß, dass er ein Nazi war, auch wenn es abgestritten wird, dann wird einer erwischt, dumm gelaufen. ( Und er war ja nun nicht der einzige Nazi, der nach 1945, in Amt und Würden zurückkehrte. ) Eine Ausrede muss her.

Beispiel Israel / Palästina:

Du beginnst mit:
"Anfang Oktober 2002 gab es einen arabischen Raketenangriff auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen, ganz bestimmt die Vergeltung für irgendwas."
Sonst keine Information über diesen Angriff. Warum?

Für den Rest des Beispiels: auf beiden Seiten werden Raketen abgeschossen, eine Seite vernachlässigst Du fast komplett, die andere dokumentierst Du penibel.
Der israelische Regierungssprecher redet sich raus, dumm gelaufen?!

Deine Deutungen, der ( drei ) jeweils vorgebrachten Ausreden, sind äußerst zynisch, aber Ausreden sind ja auch zu verurteilen ... nicht wahr.

Du bist nicht neutral, sondern möchtest vorführen. Ich achte nur darauf, wen Du vorführst:
einen Radfahrer, einen Nazi und Israel.

Und wer ist in diesem Zusammenhang Christian Wulff? Ein Opportunist, ohne Ausrede.
Denn er hat ja vergessen, etwas auszusprechen.

Manch einer wählt eine Ausrede aus Scham, immer aber um sich selbst zu schützen.

Gruß
SuzieQ
Wolfram Heinrich schrieb am 19.12.2011 um 19:53
@SuzieQ
Eine Ausrede kann man auch als missglückte Entschuldigung ansehen ...

Wenn man sehr wohlwollend ist.

Zumal eine Ausrede als solche ja erkennbar ist, sonst hieße es Lüge.

Eine Ausrede ist per se nicht erkennbar. Und eine Ausrede ist nur eine Unterform der Lüge.

Du beginnst mit:
"Anfang Oktober 2002 gab es einen arabischen Raketenangriff auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen, ganz bestimmt die Vergeltung für irgendwas."
Sonst keine Information über diesen Angriff. Warum?


Weil es in diesem Zusammenhang ohne Bedeutung ist.

Für den Rest des Beispiels: auf beiden Seiten werden Raketen abgeschossen, eine Seite vernachlässigst Du fast komplett, die andere dokumentierst Du penibel.

So ist das. Wenn man etwas über etwas schreibt, schreibt man gleichzeitig über wahnsinnig viele Sachen nichts. Aber im Ernst: Ich wollte hier keine kurze Geschichte des Nahostkonfliktes schreiben. Mir ging es nur um diese eine hirnblöde Ausrede des israelischen Regierungssprechers.

Deine Deutungen, der ( drei ) jeweils vorgebrachten Ausreden, sind äußerst zynisch...

Bei weitem nicht so zynisch, wie die Ausreden selber.

Du bist nicht neutral, sondern möchtest vorführen. Ich achte nur darauf, wen Du vorführst: einen Radfahrer, einen Nazi und Israel.

Ullrichs Urinprobe und der Raketenangriff fanden 2002 statt. Ich hatte mir entsprechenden Nachrichten vorgemerkt, weil ich vielleicht was drüber schreiben wollte. An den Fall Filbinger habe ich mich noch erinnert. Mir ging es nicht um die Personen, sondern um die Struktur der Ausreden. Die eigentlich als Schutz gedachten Ausreden lassen den Ausreder schlechter dastehen als die Wahrheit.

Manch einer wählt eine Ausrede aus Scham, immer aber um sich selbst zu schützen.

Gruß
SuzieQ
Wolfram Heinrich schrieb am 19.12.2011 um 19:59
Nachtrag:
Das kommt von der Hudelei. Jetzt habe ich deinen letzten Satz und sogar deinen Abschiedsgruß einfach stehen gelassen. Seh es positiv, immerhin habe ich dir in meinem eigenen Kommentar das letzte Wort gelassen. :o)
Ich nutze die Gelegenheit, um auf den israelischen Angriff zurückzukommen. Ich hatte mir beim Schreiben überlegt gehabt, ob ich das nicht lassen sollte; weißt eh, Israel ist immer etwas heikel (du hast es angesprochen). Dann hab ich mir gedacht, daß so eine Rücksichtnahme eigentlich schon wieder diskriminierend ist, so als wären Israelis keine normalen Menschen. Bei irgendeinem anderen Land wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, mir Gedanken zu machen.

Ciao
Wolfram
SuzieQ schrieb am 19.12.2011 um 20:19
@ Wolfram um 19:59

"Das kommt von der Hudelei. Jetzt hab ich deinen letzten Satz und sogar deinen Abschiedsgruß einfach stehen gelassen. Seh es positiv, immerhin habe ich dir in meinem eigenen Kommentar das letzte Wort gelassen. :o)"

: )

In dem kurzen Absatz lese ich ( mit Freud ) zweimal 'gelassen', :o)

Wäre es Deiner Aufmerksamkeit entgangen, dann hätte ich nur ein

Ciao
Wolfram

in meinen anschließenden Kommentar geschrieben = quitt...

Mich hatte nicht Israel gestört, sondern die leicht schiefe Darstellung.
Ich finde nicht, dass Israel immer etwas heikel ist, schließlich sind Israelis normale Menschen.

Die Nah - Ost - Situation ist heikel, Ausreden sind heikel, Hudeln kann heikel sein, Lobhudeln noch heikler. Da fällt mir ein, ich muss noch die Heike anrufen...oder war es Heiko...?

LG
SQ
h.yuren schrieb am 19.12.2011 um 19:45
lieber wolfram, deine lügengeschichten kommen mir etwas zu lax daher, obwohl lockerheit ja in sein soll.
der wulff ist nun das gegenteil von locker. vielleicht isst er manchmal spazierstöcke oder sowas.
darf ein kathole überhaupt ein hohes, geschweige denn das höchste amt bekleiden oder sich mit ihm kleiden? die leutchen nehmen ihre lügen doch gar nicht puritanisch ernst. es winkt stets der beichtstuhlgang mit der erleichterung von allen sündchen. mensch ist doch fehlbar.
frage, die bleibt: sind nicht auch die protestanten menschen, also fehlbar?
ergo müsste das zu anstrengende amt abgeschafft, die menschen befreit von seinen stresstests werden.
das auswechseln der pferde brachte der post mal vorteile. das stimmt.
Wolfram Heinrich schrieb am 19.12.2011 um 20:12
@h.yuren
lieber wolfram, deine lügengeschichten kommen mir etwas zu lax daher, obwohl lockerheit ja in sein soll.

Dir wären flammende Worte des Propheten wider die Verderbtheit der Welt lieber gewesen?

darf ein kathole überhaupt ein hohes, geschweige denn das höchste amt bekleiden oder sich mit ihm kleiden?

Na ja, was, willst du einen Protestanten auf den Hl. Stuhl Petri setzen?

die leutchen nehmen ihre lügen doch gar nicht puritanisch ernst. es winkt stets der beichtstuhlgang mit der erleichterung von allen sündchen.

Ja mei, der Katholizismus ist halt letztlich eine kommode Religion. Strenge Regeln, die augenzwinkernd gebrochen werden dürfen.
Apropos Regel, da fällt mir ein Gedicht ein:
Bruchrechnen
Ein Kerl wie Ansgar Schlögel,
Bricht lächelnd jede Rögel
Doch dann hat mit herzlichem Lochen
Die Regel den Ansgar gebrochen.

Ciao
Wolfram
Gold Star For Robot Boy schrieb am 19.12.2011 um 21:25
Wolfram Heinrich schrieb am 20.12.2011 um 12:50
Es ist gar nicht selten, daß entlastende Ausreden viel belastender sind als die simple Wahrheit.
Schaumermal, was sich der Wulff noch alles einfallen läßt.


So hatte ich meinen obigen Blogbeitrag abgeschlossen.

Nun höre ich im Radio, es habe der Maschmeyer bestätigt, daß er dem Wulff die Anzeigenkampagne für dessen Buch "Besser die Wahrheit" (!) finanziert habe. Allerdings habe Wulff, so fügte Maschmeyer hinzu, von dieser finanziellen Hilfe nichts gewußt.
Ich weiß nicht, ob Herr Wulff meine Blogbeiträge und Kommentare liest (ich vermute, eher nicht), aber wenn einer der hier Mitlesenden Kontakt hat zu Herrn Wulff, so möge er ihm doch bitte folgendes ausrichten:
Auf gar keinen Fall den von Maschmeyer hingehaltenen Rettungsstrohhalm ergreifen!
Wäre es nämlich so, wie es Herr Maschmeyer darstellt, dann hieße das
* Wulff, der als Ministerpräsident ja viele Zeitungen lesen mußte, hat die Anzeige gar nicht mitbekommen. Das würde enorme Zweifel an seiner Kompetenz und Auffassungsgabe wecken.
oder
* Wulff hat die Anzeigen zwar gesehen, aber sich nichts weiter dabei gedacht. "Ach Gottchen, das ist aber freundlich von der Guten Fee, daß sie Anzeigen für mich lanciert hat." Ob wir tatsächlich einen Bundespräsidenten brauchen, der an die Gute Fee glaubt?

Das war jetzt nur mal so ein guter Ratschlag meinerseits.
miauxx schrieb am 20.12.2011 um 19:34
Super, der Artikel!

Zu dem Beispiel mit den Bombardements:
Wahrscheinlich hätten wir keine, bzw. bedeutend weniger, Kriege auf der Welt, wenn nicht jede der jeweils beteiligten Seiten die Überzeugung mit sich trüge, zu allem berechtigt zu sein. Dadurch, dass immer wieder von gerechter Kriegsführung geredet wird, wird auch die Moral stets nur auf der eigenen Seite gesucht. Somit ergibt sich dann wohl "gezwungenermaßen" eine Interpretation wie die Deine: Das Schlimme waren nicht die Bomben des einen, sondern, dass die anderen ihre Hausfrauen und Kinder zum Abwurfplatz geschickt hätten; und zwar einzig, um die moralische Verwerflichkeit jener unmißverständlich zu machen.

Führt zwar etwas weg vom engeren Thema, mein Kommentar, aber trotzdem.
miauxx schrieb am 20.12.2011 um 19:34
Super, der Artikel!

Zu dem Beispiel mit den Bombardements:
Wahrscheinlich hätten wir keine, bzw. bedeutend weniger, Kriege auf der Welt, wenn nicht jede der jeweils beteiligten Seiten die Überzeugung mit sich trüge, zu allem berechtigt zu sein. Dadurch, dass immer wieder von gerechter Kriegsführung geredet wird, wird auch die Moral stets nur auf der eigenen Seite gesucht. Somit ergibt sich dann wohl "gezwungenermaßen" eine Interpretation wie die Deine: Das Schlimme waren nicht die Bomben des einen, sondern, dass die anderen ihre Hausfrauen und Kinder zum Abwurfplatz geschickt hätten; und zwar einzig, um die moralische Verwerflichkeit jener unmißverständlich zu machen.

Führt zwar etwas weg vom engeren Thema, mein Kommentar, aber trotzdem.
Wolfram Heinrich schrieb am 20.12.2011 um 20:05
@miauxx
Das Schlimme waren nicht die Bomben des einen, sondern, dass die anderen ihre Hausfrauen und Kinder zum Abwurfplatz geschickt hätten; und zwar einzig, um die moralische Verwerflichkeit jener unmißverständlich zu machen.

So ist das wohl, da haben sich zwei Schweinehunde getroffen, die sich in Schweinehundität in nichts nachstehen. Der eine bietet dem anderen die eigenen Leute zum Abschuß an und der andere nimmt dankend an.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich
Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.
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