Wolfram Heinrich

Der Franze hat gsagt

26.08.2009 | 18:30

Heine als "allejorische Fijur, so ne Art Joethe"

Wer an Heinrich Heine denkt, denkt an Düsseldorf, an Norddeutschland, Italien und - natürlich - Paris. Es ist relativ wenig bekannt, daß Heine sich mehr als ein halbes Jahr in München aufhielt.

Der Verleger Cotta hatte ihm 1827 angeboten, die Redaktion der "Neuen allgemeinen politischen Annalen" zu übernehmen, die in München erscheinen sollten. Wichtiger für Heine aber war der Umstand, daß ihm mehr als nur vage Hoffnungen gemacht wurden, er könnte in München eine Stelle als Außerordentlicher Professor für Literatur bekommen.

Heine war an dieser Anstellung sehr viel gelegen. Er - damals 30 Jahre alt - suchte mit großem Eifer ein festes Einkommen und einen Ort, an dem er sich dauerhaft niederlassen könnte. Um dies Ziel zu erreichen, war er sogar bereit (wie er später unumwunden einräumte), Zunge und Feder im Zaum zu halten. Der Innenminister Eduard von Schenk, wie Heine aus Düsseldorf stammend, wie Heine ein Dichter (allerdings von angeblich sehr zweifelhafter Qualität), setzte sich für Heine bei König Ludwig I. ein. So schrieb er in einem Brief vom 28. 7. 1828:

"Ich nehme mir die ehrerbietigste Freiheit, unter den vielen Ministerialanträgen, welche Eure Majestät in diesen beiden letzten Tagen vorgelegt wurden, Allerhöchstderselben vorzüglich zwei zu Allergnädigster Berücksichtigung untertänigst zu empfehlen, insbesondere das Anstellungsgesuch des Dr. Heinrich Heine als Außerordentlichen Professor an der hiesigen Universität.

In den Schriften des letzteren waltet ein wahrer Genius, sie haben das größte Aufsehen in ganz Deutschland erregt. Einige Auswüchse und Verirrungen befanden sich in den Jugendwerken aller unserer großen Schriftsteller. Mehrern wahrhaft genialen Menschen in unserem teutschen Vaterlande hat am Anfang nur eine wohltätige Fürstenhand gefehlt, die sie in Schutz und zugleich in Pflege nahm, ihre guten Eigenschaften aufmunterte und ihre Mängel und Verirrungen väterlich zurechtzuweisen suchte.

Dr. Heine bedarf auch einer solchen Hand und ich bin überzeugt, daß er, wenn ihn Eure Majestät allerhöchst Ihres Schutzes würdigen, einer unserer ausgezeichnetsten Schriftsteller werden wird."

Ein interessantes Gedankenspiel, sich auszumalen, wie Heine sich entwickelt hätte, hätte er damals den ersehnten Job als Professor bekommen. Was wäre gewesen, hätte er die "wohltätige Fürstenhand" gefunden, die ihn "in Schutz und zugleich in Pflege" genommen hätte, seine "guten Eigenschaften" aufgemuntert und seine "Mängel und Verirrungen väterlich" zurechtgewiesen hätte.

Wäre er eine Art Goethe geworden?

1830 schrieb Heine in den "Englischen Fragmenten":

"...meine Seele bebt, und es brennt mir im Auge, und das ist ein ungünstiger Zu­stand für einen Schriftsteller, der den Stoff beherrschen und hübsch objektiv bleiben soll, wie es die Kunstschule verlangt und wie es auch Goethe getan - er ist achtzig Jahr dabei alt ge­worden und Minister und wohlhabend - armes deutsches Volk! das ist dein größter Mann!"

Wir sollten Ludwig I. dankbar sein, daß er Heine die Professur verweigerte.

 

P. S.: Wer sich immer noch am Kopf kratzt und nicht draufkommt: Die Formulierung "allejorische Fijur, so ne Art Joethe" ist aus dem Roman "Der Maulkorb" von Heinrich Spoerl.

 
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