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Wer einen Hund hat und in Begleitung dieses Hundes angetroffen wird, der wird, sollte sich eine Konversation ergeben, unvermeidlicherweise mit der Frage konfrontiert, was das denn für eine Rasse sei.
Wenn dein Hund ein Schlombinzinger oder ein Wurchlistanischer Hirtenhund ist, mit einem Stammbaum bis hinab zu Karl dem Großen, dann hast du es einfach. Du sagst dann mit der gebührenden Nachlässigkeit, so als wäre das nichts, dein Hund sei ein Schlombinzinger oder ein Wurchlistanischer Hirtenhund, mit einem Stammbaum bis hinab zu Karl dem Großen.

Was aber, wenn nicht, wenn dein Hund einfach nur ein Hund ist? Rotbraun und weiß gemustert oder kohlpechrabenschwarz mit einigen weißen Flecken? Was antwortest du dann?
Bist du kühn und kannst du auf die völlige Ahnungslosigkeit deines Gesprächspartners bauen, dann wirst du dich vielleicht zu der Äußerung hinreißen lassen, dies sei eine anerkannte Kreuzung aus einem Schlombinzinger und einem Wurchlistanischen Hirtenhund, deren beider Stammbaum angeblich bis hinab zu Karl dem Großen reiche, was aber nicht mit letzter wissenschaftlicher Gewißheit erwiesen sei. Wahrscheinlich aber bist du nicht kühn und wirst nur verlegen wispern: "Das ist ein Mischling".
Damit hast du natürlich verschissen und dich als Popel geoutet, der mit irgendeinem popeligen Hund zufrieden ist.
Wenn du das nächste Mal mit dieser Situation konfrontiert bist, dann mach mal probeweise das, was ich seit einiger Zeit mache. Belehre deinen Gesprächspartner, dein Hund komme nicht aus irgendeinem Zuchtzwinger, der genau gleich aussehende Hunde schockweise erzeuge, es handele sich bei deinem Hund vielmehr um ein Einzelstück, eine exklusive Sonderanfertigung, nur für dich. Dein Hund sei nicht nach düster-strengem Zuchtreglement bei einer programmierten Paarung erzeugt worden, er sei vielmehr liebevoll handgefickt.
Als ich das Anmeldeformular für die Hundesteuer ausgefüllt habe, habe ich meine beiden Hübschen in der Rubrik "Rasse" als "Sonderanfertigung" eingetragen. Der kommunale Beamte war mit dieser Terminologie etwas überfordert und so blieb es amtlich bei "Mischling".
Meine beiden Sonderanfertigungen und mich stört das aber nur wenig.
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So früh am Morgen so herzhaft lachen ist einfach schön. Für die Wortschöpfung "handgefickt" gibt es von 593 Sternchen.
Ich schwanke bei der Frage nach der Rasse zwischen zwei Varianten. Manchmal gebe ich als Antwort mein Hund Emil sei ein Pony. Was einerseits an seiner stattlichen Größe liegt. Andererseits wurde dies inspiriert durch ein kleines Mädchen, das ich auf einem Spaziergang traf und die laut rief:"Guck mal, Mama. Ein Löwe." Irgendetwas ritt mich hier pädagogisch tätig zu werden und ich berichtigte das Mädchen, dies sei ein Hund. Doch sie blieb bei ihrer Ansicht. Nun kann ich genauso stur sein wie kleine Mädchen, naja fast, und insistierte weiter. Bis das kelien Mädchen das Gespräch abbrach und zu ihrer Mutter sagte: "Mama, der Mann ist dumm." Das lehrte mich, wenn Emil für mich ein Pony ist, dann ist das so. Mit vollem Namen habe ich Emil auf den Namen Emilio Galotti getauft. Und so entstand dann auch Variante zwei. Auf die obligatorische Rassefrage antworteten mein Freund und ich eines Tages spontan: "Ein Rauhaargalotti". Zu unserer Verblüffung kriegten wir folgende Antwort: "Ach, von denen habe ich auch schon gehört. Die sind selten, oder?" Seitdem ist es ein Sport geworden die Reaktionen auf Rauhaargalotti zu testen und die Erfolgs- bzw. Glaubensquote ist ziemlich hoch. Was mich jetzt noch interessiert. Macht denn nur die rot gescheckte Sonderanfertigung einsame Ausflüge in den Wald? Huldvolles Winken KalleWirsch |
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@KalleWirsch
Bis das kelien Mädchen das Gespräch abbrach und zu ihrer Mutter sagte: "Mama, der Mann ist dumm." Sie könnte eine große Karriere vor sich haben. "Alles, was man zum Leben braucht, ist Unwissenheit und Selbstvertrauen, dann ist der Erfolg sicher." (Mark Twain) Seitdem ist es ein Sport geworden die Reaktionen auf Rauhaargalotti zu testen und die Erfolgs- bzw. Glaubensquote ist ziemlich hoch. Es gibt ja doch einige Leute, die sich mit Hunderassen auskennen. Aber wer kennt sich schon so gut aus, daß er mit Sicherheit sagen kann, eine bestimmte Rasse gäbe es nicht? Was mich jetzt noch interessiert. Macht denn nur die rot gescheckte Sonderanfertigung einsame Ausflüge in den Wald? Die Sammy ist eine schon ältere Dame mit Gehbehinderung (Arthrose). Sie schlappt gemächlich vor sich hin, auch rauf zum Wald und dann einige hundert Meter die Straße (Sackstraße, die nur bis zum nächsten Bauern führt) entlang. Dann kehrt sie wieder um. Wenn sie mir eines Tages ein totes Huhn brächte, dann weiß ich, daß das Huhn schon vorher tot gewesen sein muß. Ein lebendiges Huhn erwischt sie nicht mehr. Ciao Wolfram |
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@hibou
ich sag immer "Bodrumterrier" :-) Ach, Gottchen, sind die Beine denn so kurz? Ciao Wolfram |
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sind sie :-((
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@hibou
sind sie :-(( Aber die Bewohner von Bodrum sind normal gewachsen? Keine Bonsai-Türken, mein ich. Ciao Wolfram |
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@Wolfram Heinrich
"Wenn dein Hund ein Schlombinzinger oder ein Wurchlistanischer Hirtenhund ist, mit einem Stammbaum bis hinab zu Karl dem Großen, dann hast du es einfach." Herrlich, vielen Dank, ich gehe mit einem Lächeln auf Spätschicht! Herzliche Grüße rr |
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Nett deine Hundegeschichten. Das weckt Erinnerungen.
Wenn ich auf meinem Spaziergang, mit meiner wunderschönen (leider vor einem Jahr verstorbenen) Mischlingshündin, von Hundebesitzern - von denen ich annahm, sie würden Wert auf Reinrassigkeit legen - angesprochen wurde, habe ich ihnen voller Stolz erzählt, dass sich in meiner Hündin die allerbesten Eigenschaften vieler unterschiedlicher Hunderassen vereinigen... Da steht jemand mit einem nur „ein-rassigen“ Hund natürlich erstmal etwas nachdenklich da... Ich habe immer wieder gehört, dass hoch-und schnellgezüchtete „reinrassige“ Hunde sehr anfällig für Krankheiten sind – Mischlingshunde hingegen besonders "robust" und oft auch besonders intelligent. Das kann ich aus meiner Erfahrung nur bestätigen. |
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@Fro
Wenn ich auf meinem Spaziergang, mit meiner wunderschönen (leider vor einem Jahr verstorbenen) Mischlingshündin, von Hundebesitzern - von denen ich annahm, sie würden Wert auf Reinrassigkeit legen - angesprochen wurde, habe ich ihnen voller Stolz erzählt, dass sich in meiner Hündin die allerbesten Eigenschaften vieler unterschiedlicher Hunderassen vereinigen... Da steht jemand mit einem nur „ein-rassigen“ Hund natürlich erstmal etwas nachdenklich da... Na ja, ob die Sonderanfertigungen immer nur die allerbesten Eigenschaften übernommen haben, mag man bezweifeln. Festzuhalten bleibt, daß die ganze Rassenhuberei eine menschliche Erfindung ist. Da hat Hägar der Schreckliche einen Hund, der aussieht wie ein Wolf. "Ey, Hägar, ich will auch so einen Hund", sagt Sven Glückspilz und so geht Hägar daran, seinen Hund mit einem anderen Hund zu paaren, der ganz ähnlich aussieht wie der erste Hund. Von den Welpen schauen nur die wenigsten so aus, wie die Elterntiere, die nicht ähnlichen werden mit dem Kopf an einen Stein geschlagen und weggeworfen. Züchterischer Bio-Müll. Nur die ähnlichen werden behalten und weitergezüchtet und irgendwann ist Hägar so weit, daß bei einer Paarung von Wolfshund mit Wolfshund fast nur noch kleine Wolfshunde rauskommen. Die definiert er nun als Rasse. Interessant an der Geschichte ist natürlich der Umstand, daß heutigentags massenhaft hergestellte, gleich aussehende Dinge sehr gering geschätzt werden, während der Kenner bei einzeln gefertigten Sachen genießerisch mit der Zunge schnalzt. "Ah, kein Massenprodukt", seufzt er selig und blättert für das handgearbeitete Zeug den x-fachen Betrag hin. Die Frage bleibt, warum es bei Hunden umgekehrt ist und die Antwort lautet natürlich: "Es ist der Preis." Geld macht, wie Brecht einst anmerkte, nicht nur sinnlich, es macht auch schön. Bei der Lektüre alter Romane ist dir wahrscheinlich auch schon aufgefallen, daß sich die Autoren überkugeln in ihrer Bewunderung der weißen Arme und Brüste einer Schönen, während heute die auch den Winter überdauernde Sonnenbräune als schön gilt. Damals war sonnengebräunte Haut der kosmetische Makel der Leute, die auf dem Feld oder sonstwo im Freien arbeiten mußten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Eine blasse Haut konnte sich nur die Frau von Stand leisten, die lästiger Bestrahlung nach Belieben aus dem Weg gehen konnte. Heute dagegen ist braune Haut ein Zeichen, daß ich wenigstens ein paar Wochen im Jahr dem Büro und der Fabrikhalle entfliehen kann, um mir am Mittelmeer oder in der Karibik den Pelz bräunen zu lassen. Schön ist das, was nur jener haben kann, der gesellschaftlich oben steht, der sich diese Art von Schönheit leisten kann. Wenn du in einem buntbedruckten T-Shirt, mit einer Plastikmineralwasserflasche in der bunten Plastik-Einkaufstüte mit der Zeitmaschine ins Mittelalter reisen würdest, wäre jeder geblendet von der nie gesehenen Schönheit deines Gewandes, würde jeder diese Flasche aus beinahe körperlos leichtem Glas bewundern, von deiner Einkaufstüte mit ihrer Zartheit, Durchsichtigkeit, Buntheit ganz abgesehen. Vollends ausflippen würde man, zögest du auch noch eine dieser feenhaft zarten Abdeckfolien aus der Tasche, die du heute achtlos dazu verwendest, deine Möbel beim Streichen der Wohnung vor Farbflecken zu bewahren. Diese Art von unglaublich feiner und ätherischer Schönheit, die wir gar nicht mehr wahrnehmen, wäre für einen mittelalterlichen Menschen gar nicht oder nur mit ungeheurem Aufwand an Geld (sprich: Arbeitszeit und Geschicklichkeit) herstellbar. Also muß im Verständnis eines mittelalterlichen Menschen einer, der über so was verfügt, ein ungeheuer reicher und mächtiger Mensch sein. Das wäre ich auch gerne. Ach, wie schön ist der gekleidet und welche schönen Dinge trägt er bei sich! Ciao Wolfram |
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Sehr interessante Gedanken. Im Grunde ist ein reinrassiger Hund ein vervielfältigter Mischling. Ich vermute, dass es schon bald die massenhaft nutzbare Möglichkeit geben wird, sich einen Hunde-Gen-Mix nach eigenen Wünschen kreieren zu lassen – einen „reinrassigen“ Mischling aus „reinrassigen“ Genen vervielfältigter Mischlinge.
Da ist mir das zu Hund gewordene Ergebnis einer heißen Begattung zweier Nachbarshunde lieber – einfach mehr Bio.;-) Ja, mit einer Zeitmaschine wäre man „King“. Aber die kann sich unsereins ja wieder nicht leisten.... |
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@Fro
Da ist mir das zu Hund gewordene Ergebnis einer heißen Begattung zweier Nachbarshunde lieber – einfach mehr Bio.;-) Der Zufall war noch nie ein schlechter Einfall. Ja, mit einer Zeitmaschine wäre man „King“. Aber die kann sich unsereins ja wieder nicht leisten.... Das mit der Zeitmaschine habe ich eigentlich nur gebracht, um die Begegnung neuzeitlicher Technik mit mittelalterlichem Schönheitsempfinden überhaupt zustande zu bringen. Mir ist es ganz ernst mit der Behauptung, daß Geld schön und schmackhaft macht. Ciao Wolfram |
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Bei den Mittelalterlichen können wir wahrscheinlich noch mit Abdeckfolien punkten – aber da wir uns überwiegend in der Jetztzeit aufhalten, muss man mit ganz anderen Outfits kommen – habe leider noch keinen Zeitreisenden aus der Zukunft getroffen, der mir da helfen konnte – aber das könnte in der Damenwelt (und für die machen wir uns ja schön) auch ganz gut ankommen.
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Und so teuer sieht das nun auch wieder nicht aus...
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@Wolfram
„Mir ist es ganz ernst mit der Behauptung, daß Geld schön und schmackhaft macht.“ Bei uns sagt man: Schönheit kommt von Innen. Und das ist auch wahr. Wer gut drauf ist, sieht gut aus. Wer keine Geldsorgen hat, ist zumindest was die Versorgung angeht unbeschwerter. Wenn es Jemandem darum geht, unbedingt reich zu sein, wird da vielleicht garnicht soviel Schönheit bei rumkommen.. |
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@Fro
– aber das könnte in der Damenwelt (und für die machen wir uns ja schön) auch ganz gut ankommen Ich glaube, an einer Frau, bei der ich damit gut ankäme, hätte wiederum ich kein Interesse. Bei den Mittelalterlichen können wir wahrscheinlich noch mit Abdeckfolien punkten – aber da wir uns überwiegend in der Jetztzeit aufhalten, muss man mit ganz anderen Outfits kommen Wie bring ich dir nur rüber, worauf ich mit meinen obigen Ausführungen eigentlich hinaus will? Zunächst laß mich klarstellen, daß ich die Abdeckfolie nicht als Material für Bekleidung gedacht hatte, da wäre sie allenfalls für "Des Kaiser Neue Kleider" verwendbar. Worauf ich hinaus wollte, das ist die Ästhetik massengefertigter Waren im allgemeinen und jene von Plastik im besonderen. Wer Tonkrüge als Behälter für Flüssigkeiten gewohnt ist, zu späterer Zeit dann handgefertigte Flaschen, mit all den Tücken und Unregelmäßigkeiten handgefertigter Dinge, mit der Schwere dieser Dinge, die einen Transport so aufwendig machen - so einem müßten doch die Augen übergehen, wenn er eine heutige Mineralwasserflasche aus Plastik in die Hände bekäme. Durchsichtig wie Glas und doch erheblich leichter, die Wand des Gefäßes ist so filigran und zart, wie es der beste Glasbläser nicht hinbekäme. Und wenn dir die Flasche zu Boden fällt, so zerbricht sie trotz all ihrer Zartheit nicht. Du kannst die Flasche sogar bis zu einem gewissen Grad verformen, ohne daß sie Schaden nimmt, sie kehrt von selbst in die ursprüngliche Form zurück. Schöneres haben weder Kaiser Napoleon noch Baron Rothschild je gesehen. Wir jedoch nehmen eine Plastikflasche gar nicht mehr als ästhetisches Objekt, sie ist ein massenhaft vorhandener, äußerst preisgünstiger Gebrauchsgegenstand. Preisgünstig, billig, das ist die entscheidende Eigenschaft, warum wir verächtlich auf die Plastikflasche herabschauen, während sie für den Zeitgenossen Napoleons nur als Ergebnis der langen, sorgfältigen Arbeit eines äußerst kunstfertigen Meisters denkbar ist. Viel Arbeit und Geschick heißt notwendigerweise hoher Preis, dem Menschen von früher muß die Flasche als extrem kostbar erscheinen. Und rasend schön. Es gab mal eine Zeit (in den fünfziger Jahren), da waren die Leute ganz wild auf Nyltest-Hemden und Nylonstrümpfe. Kurze Zeit waren diese Sachen so begehrt und galten als so schön wie Vergleichbares aus Seide. Innerhalb ganz kurzer Zeit gelang es dann, Plastikgegenstände in hohen Stückzahlen und damit sehr billig herzustellen, der Zauber dieses Werkstoffs war damit ein für alle Mal dahin. Ein Plastikglump halt. Ciao Wolfram |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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