Wolfram Heinrich

Der Franze hat gsagt

29.08.2011 | 15:44

Lebensrettende Katastrophen

Heute morgen habe ich im Radio gehört, der Wirbelsturm "Irene" habe in den Vereinigten Staaten bislang mindestens 21 Menschen das Leben gekostet.
Das ist nicht viel, bedenkt man die Opferzahlen, die gemeinhin bei tropischen Wirbelstürmen zu beklagen sind. Das ist viel, stellt man in Rechnung, daß 21 Tote bei einem einzigen Ereignis schon ganz erheblich sind.
Auf der anderen Seite wäre eine Gegenrechnung interessant: Wie viele Menschen kamen in den Tagen der Evakuierung, der Ausgangssperre und der nicht fahrenden Öffentlichen Verkehrsmittel nicht zu Tode, eben weil es mangels Verkehr nicht zu Unfällen kam, weil in den U-Bahnen und auf den Straßen niemand ermordet werden konnte.

Vor vielen Jahren habe ich folgende Zeitungsmeldung gefunden.


 Schon damals hatte ich mich gefragt, wie viele Morde in der Zeit der Hitze nicht passiert sind, die man nach der Statistik eigentlich hätte erwarten können.

In Deutschland erleben wir es fast jeden Winter, daß extremes Glatteis auf den Straßen zwar die Zahl der Unfälle in die Höhe treibt, diese Unfälle aber in aller Regel harmlose Blechschäden bleiben. Selbst der wildeste Dumpfie fährt bei Glatteis Schrittgeschwindigkeit oder nur ganz wenig mehr als das, weil sich anderenfalls der Wagen sofort quer stellt oder im Straßengraben verschwindet.
Nie sind die Straßen sicherer als bei Glatteis, scheint mir.

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 29.08.2011 um 21:33
Der Zeitungsausschnitt ist wirklich ein Hammer. Habe ich mit Erstaunen registriert.

Gruß

por
Uwe Theel schrieb am 29.08.2011 um 23:19
Ich würde diese Meldung nicht so ernst nehmen Wolfram.

Wenn die SZ einen Meldung von Reuter unkorrigiert druckt, dass - nach Aussage des Polizeisprechers -, die "Mordrate" zurückgegangen sei, weil die Hitze bewirke, daß "die Bewohner zu müde seien sich umzubringen", dann kann es sich nicht um die Mordrate handeln. - Tröstet Dich das?
Wolfram Heinrich schrieb am 30.08.2011 um 01:33
@Uwe Theel
Wenn die SZ einen Meldung von Reuter unkorrigiert druckt, dass - nach Aussage des Polizeisprechers -, die "Mordrate" zurückgegangen sei, weil die Hitze bewirke, daß "die Bewohner zu müde seien sich umzubringen", dann kann es sich nicht um die Mordrate handeln.

Solche Zeitungsmeldungen sind keine wohldurchdachten, x-mal gegengelesenen Texte. Füge einfach ein "gegenseitig" zwischen "sich" und "umzubringen" ein und es stimmt wieder. Aber wahrscheinlich ist auch die Selbstmordrate zurückgegangen.

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 30.08.2011 um 14:03
@ wolfram,

Ich sehe, Du nimmst Das alles sehr ernst.

LG
uwe
Wolfram Heinrich schrieb am 30.08.2011 um 18:01
@Uwe Theel
Ich sehe, Du nimmst Das alles sehr ernst.

Na ja, ein bisserl schon. Es wäre doch eine interessante Rechnung, die üblicherweise an der amerikanischen Ostküste innerhalb von drei Tagen zu erwartenden Mord- und Unfallopfer mit denen zu vergleichen, die in dieser Zeit tatsächlich getötet wurden.

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 31.08.2011 um 01:00
@ wolfram:

In aller Ernsthaftigkeit, aber ich glaube nicht, dass lokale Naturkatastrophen oder gar Wettreschwankungen mittlere Kriminalitätsraten empirisch je signifikant beinflussten, obwohl der Gedanke andernfalls ja dann interessant schiene, deratig Kriminalitätsprävention zu betreiben.

Denke ich dann aber an Lot und seines Weibes Geschichte, oder die, der Sintflut denke, wo selbst ER damit nicht richtig durchkam - auf lange Sicht gesehen jedenfalls - bin ich davon immer noch nicht überzeugt.

Gute Nacht

Uwe
Wolfram Heinrich schrieb am 31.08.2011 um 01:43
@Uwe Theel
In aller Ernsthaftigkeit, aber ich glaube nicht, dass lokale Naturkatastrophen oder gar Wettreschwankungen mittlere Kriminalitätsraten empirisch je signifikant beinflussten,

Natürlich nicht. Es geht aber hier nicht um längerfristige Tendenzen sondern schlicht um die Frage: An einem normalen Tag sterben im gegebenen Gebiet (hier die Ostküste der USA) soundsoviele Menschen bei Verkehrs- oder Arbeitsunfällen, soundsoviel weitere durch Gewalttaten. Diese Todesfälle sind mangels Verkehr, Erwerbstätigkeit und Gelegenheit zum Straßenraub etc. an diesen drei Tagen nicht passiert. Gleichzeitig kamen soundsoviel Menschen direkt durch den Wirbelsturm um. Ist die Bilanz positiv oder negativ oder heben sich die Todeszahlen auf?

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 01.09.2011 um 11:02
@ Wolfram Heinrich schrieb am 31.08.2011 um 01:43

Ist die Bilanz positiv oder negativ oder heben sich die Todeszahlen auf?

Wofür sollte diese Bilanz dann aber stehen, was wäre aus ihr praktisch zu folgern, besonders, wenn sie keine strukturelle Signifikanz als erkennbare Tendenz hätte. Da könnte man ebenso fragen: Wieviele Morde sind ausgeblieben, weil der Mörder krank geworden ist, oder ein Polizist trotz Unwohlsein auf dem Posten war?

Entschuldigung, aber Ich halte solche "Überlegungen" für Glasperlenspielerei von der schlechten Art.

LG
ut
Wolfram Heinrich schrieb am 01.09.2011 um 15:00
@Uwe Theel
Wofür sollte diese Bilanz dann aber stehen, was wäre aus ihr praktisch zu folgern, besonders, wenn sie keine strukturelle Signifikanz als erkennbare Tendenz hätte.

Man hätte eine Aussage über die Wirklichkeit etwas präzisiert: Statt "Wirbelsturm -> 21 Tote" hätte ich dann "Wirbelsturm -> 21 Tote - minus x ausgebliebene gewaltsame Todesfälle".

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 01.09.2011 um 18:33
Wolfram Heinrich schrieb am 01.09.2011 um 15:00

"21 Tote - minus x ausgebliebene gewaltsame Todesfälle".

Lieber Wolfram solage "x" nicht größer "21" ist wäre Diese Bilanz nicht als positiv zu beurteilen. Nur dann aber würde "etwas präzisiert", aber was denn eigentlich?.

Etwa, die dahinter stehende Frage "Sind Naturkatastrophen ab einer bestimmten Größe mordverhindernd?" zur (wissenschaftlich) sinnvollen Arbeitshypothese? Diese Frage zu stellen erscheint mir weiterhin mehr etwas für das Kabarett, obwohl Du da bisher die Pointe schuldig geblieben wärest.
Wolfram Heinrich schrieb am 01.09.2011 um 18:45
@Uwe Theel
"21 Tote - minus x ausgebliebene gewaltsame Todesfälle".

Lieber Wolfram solage "x" nicht größer "21" ist wäre Diese Bilanz nicht als positiv zu beurteilen.


So ist das, wenn man Wissenschaft ordentlich betreibt. Es kommt nicht immer das gewünschte Ergebnis heraus.

Nur dann aber würde "etwas präzisiert", aber was denn eigentlich?

Die Opferbilanz wäre lebensnaher, und zwar unabhängig davon, ob Minustote dabei herauskommen oder nicht.

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 01.09.2011 um 19:13
Lieber Wolfram, jetzt

Die Opferbilanz wäre lebensnaher, und zwar unabhängig davon, ob Minustote dabei herauskommen oder nicht.

wird es wirklich noch, aber wohl unfrewiwillig komisch (witzig):

Eine "Opferbilanz" wird lebensnaher, rep. lebensnaher, weil ich die genaue Zahl der "Minustoten", bzw. der dann auch möglichen "Plustoten" kennte?!
Wolfram Heinrich schrieb am 01.09.2011 um 20:44
@Uwe Theel
Eine "Opferbilanz" wird lebensnaher, rep. lebensnaher, weil ich die genaue Zahl der "Minustoten", bzw. der dann auch möglichen "Plustoten" kennte?!

Sowieso. Gehört doch der Tod zum Leben.
"Leichen sind wie du und ich, nur tot." (Spontifex Maximus)

Ciao
Wolfram
Uwe Theel schrieb am 01.09.2011 um 22:09
@ wolfram,

ok, ich geb`s auf und warte auf den nächsten Tsunami!

lg
ut
Wolfram Heinrich
Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.
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