Wolfram Heinrich

Der Franze hat gsagt

14.07.2011 | 11:08

Mysterien der Ästhetik am Beispiel des Hundes

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, dem wird irgendwann auffallen, daß es Hunde verschiedenster Rassen gibt. Die Rasse mancher Hunde ist dabei so verschieden, daß man sie als Sonderanfertigung wird bezeichnen müssen. Diese Hunde bilden, jeder für sich, eine eigene und also sehr, sehr seltene Rasse, von der es jeweils nur ein unendlich kostbares - weil eben einmaliges und einzigartiges - Exemplar gibt.
Wer wenigstens ein bißchen was von Marktwirtschaft mitbekommen hat - und sei es beim Einkaufen - der weiß, daß heutigentags massenhaft hergestellte, gleich aussehende Dinge sehr gering geschätzt werden, während der Kenner bei einzeln gefertigten Sachen genießerisch mit der Zunge schnalzt. "Ah, kein Massenprodukt", seufzt er selig und blättert ohne zu murren für das handgearbeitete Zeug den x‑fachen Betrag hin.
So gesehen müßten eigentlich Rassehunde, deren es viele gibt und die nahezu gleich aussehen weniger geschätzt und als weniger schön empfunden werden als Unikate, die es so nur ein einziges Mal gibt. Nun weiß jeder, daß dem nicht so ist. Die Sache ist genau umgekehrt und es bleibt die Frage, warum das so ist.
Die Antwort lautet natürlich, wie fast immer in der Marktwirtschaft: "Es ist der Preis."



Im Tierasyl küssen sie dir die Hand und nennen dich Baron, wenn du einen der Hunde mitnimmst und vielleicht noch eine kleine Spende dort läßt, meinen Hund (siehe Bild) habe ich im Wald oberhalb von San Marco di Castellabate einfach mitgenommen. Für einen Rassehund mußt du dagegen etliche hundert Euro oder mehr hinblättern.
Bei Hunden sind Einzelstücke sehr preiswert oder gar kostenlos zu haben, während Serienfertigungen, sprich: Rassehunde, aufwendig in der Herstellung und entsprechend teuer sind. Damit kippt bei Hunden die allgemein übliche Wertschätzung von Einzelstücken. Mit einer Sonderanfertigung machst du  halt nicht so viel her, weil jeder weiß, daß du den Köter (fast) umsonst bekommen hast. Mein Einzelstück ist deshalb bei weitem nicht so schön wie ein Rassehund.
Geld macht, wie Brecht einst anmerkte, nicht nur sinnlich, es macht auch schön.
 
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Kommentare
Don Quijote schrieb am 14.07.2011 um 11:51
Nee, Wolfram, so ist das nicht. Da geht es nicht um Ästhetik. Man kauft sich Adel.

Meiner Schwester folgt ein schwarz befelltes Etwas, das lieb kucken kann und keiner Fliege was zuleide tut (außer Pinschern und so Kroppzeug, das wird gepackt und geschüttelt bis es sich nicht mehr rühren kann) und sicherlich auch dominante Rassemerkmale aufweist.

Sie wird öfter gefragt was das denn für eine Rasse sei, jedesmal antwortet sie "ein Welzheimer" - und da bekommen die Hundeliebhaber glänzende Augen weil nun ist er ein Von und Zu.

Der Köter schert sich freilich nicht drum und hält Ausschau nach Katzen, denn wo Katzen sind, da gibt es Katzenfutter.

Dr.einf.Q.
KalleWirsch schrieb am 14.07.2011 um 13:19
Ja, das Kind braucht einen "Markennamen".

Unser Hund hat im Internet 50 Euro gekostet und man kann nur noch die beiden Haupthunderassen bestimmen, die in seiner Ahnenlinie vorhanden sind.

"Wer weiß schon wer da so alles mitgevögelt hat", antwortete meine Tierärztin auf meine Frage, was sie meint, was da an Rassen so drin ist.

Wir gaben Emil den Nachnamen Galotti. Den Vornamen hatte er schon von seinen Vorbesitzern bekommen.

Auf Nachfrage von Passanten erklären wir immer, er sei ein Rauhaargalotti. Und nicht selten kriegen wir zur Antwort: Von denen habe ich auch schon mal gehört. Die sind selten, nicht wahr?
Wolfram Heinrich schrieb am 14.07.2011 um 19:09
@Don Quijote
Nee, Wolfram, so ist das nicht. Da geht es nicht um Ästhetik. Man kauft sich Adel.

Freilich. Aber wennst du dir für teures Geld einen Adel gekauft hast, dann wirst du den Adel auf Deibel komm raus auch schön finden. Weil sonst müßtest du dich doch selber für einen Deppen halten.
Unsere Nachbarn in Italien haben uns einst die Ima überlassen, was ihnen insofern leicht fiel, als die Ima einfach bei uns blieb und nicht und nicht wieder zu ihnen zurückging. Von der Ima habe ich leider kein Bild, aber sie hat ungefähr so ausgesehen wie ihre Tochter Lola (rechts im Bild).

Der Hund links ist übrigens die Sammy, ihre Schwester, aus dem gleichen Wurf. So viel zum Thema Rassereinheit.
Also, wie gesagt, kurz nachdem die Ima bei uns geblieben war, hatten die Nachbarn ein schwarzes Ungetüm von einem Hund. Stolz erzählten sie, das sei ein Mastino Napoletano, den sie geschenkt bekommen hätten, er sei eine Million Lire (ca. 500 EUR) wert.
Ein potthässliches Vieh, mit Falten, daß es der Sau graust und fett wie eine Blunzn. Ungefähr so wie der da, ein gewisser "Nero vom Schloß Velden", preisgekrönt und alles.

Also, mit Geld kannst du dir schon so einiges schönföhnen.

Sie wird öfter gefragt was das denn für eine Rasse sei, jedesmal antwortet sie "ein Welzheimer" - und da bekommen die Hundeliebhaber glänzende Augen weil nun ist er ein Von und Zu.

Ah ja, meiner ist auf Nachfrage ein Schlombinzinger.
www.freitag.de/community/blogs/wolfram-heinrich/hunde-rasserein-und-massenhaft

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 14.07.2011 um 19:10
@KalleWirsch
Auf Nachfrage von Passanten erklären wir immer, er sei ein Rauhaargalotti. Und nicht selten kriegen wir zur Antwort: Von denen habe ich auch schon mal gehört. Die sind selten, nicht wahr?

Wenn du mal in der Wikipedia nachschaust, dann siehst du dort so viele Hunderassen, daß dir schlecht wird. Kein Wunder, daß kaum einer einen Überblick hat.
de.wikipedia.org/wiki/Hunderassenliste

Ciao
Wolfram
Vadis schrieb am 14.07.2011 um 21:06
Die Rasse Deines Hundes ist das suffisante Namedropping oberhalb des Waldes von... Das Mysterium liegt also im ›Let's talk about...‹
weinsztein schrieb am 15.07.2011 um 05:20
Let's talk about... what? A so called lousy girl & brave Riner, 2 funny names - a mixture or 2 different charakters?
It sounds a bit disconcertingly, dear Vadis.

To the public:
Rainer schrieb früher hier sehr oft und sehr gern, bis irgendwann auffiel, dass er auch als lausemädchen kommentierte. (Versehentlich, so seine Erklärung, hatte er sich vor den PC seiner Lebensgefährtin gesetzt und fortan gelegentlich unter ihrem Namen hier publiziert.) Später geriet er auf Irrwege, die schon Bertolt Brecht beschrieb:

Es war einmal eine Kellerassel
Die geriet in ein Schlamassel.
Der Keller, in dem sie asselte
Brach eines schönen Tages ein
Sodass das ganze Haus aus Stein
Ihr auf das Köpfchen prasselte.
Sie soll religiös geworden sein.
Wolfram Heinrich schrieb am 15.07.2011 um 07:32
@Vadis
Die Rasse Deines Hundes ist das suffisante Namedropping oberhalb des Waldes von... Das Mysterium liegt also im ›Let's talk about...‹

Ein beeindruckend wahrer Satz. Würde ich wahrscheinlich sagen, wenn ich ihn verstanden hätte.

Ciao
Wolfram
poor on ruhr schrieb am 02.08.2011 um 21:31
Süße Hunde hast Du. Ach ja.
Wolfram Heinrich schrieb am 02.08.2011 um 22:44
@poor on ruhr
Süße Hunde hast Du. Ach ja.

Hatte ich. Säufts. Der schwarze Hund, die arme Sammy, ist leider Ende letzten Jahres gestorben.

Ciao
Wolfram
poor on ruhr schrieb am 04.08.2011 um 19:15
@Wolfram Heinrich

"Der schwarze Hund, die arme Sammy, ist leider Ende letzten Jahres gestorben."

Das tut mir leid. :(
Wolfram Heinrich
Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.
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06:13
claudia hat gerade einen Kommentar geschrieben.
05:18
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Alien59 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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boldine hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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weinsztein hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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