Wolfram Heinrich

Der Franze hat gsagt

08.11.2011 | 14:31

Vom Schreiben und vom Reden

1997 hielt der aus Film, Funk und Fernsehen wohlbekannte Philosoph Prof. Dr. Peter Sloterdijk auf dem 71. Bachfest der Neuen Bachgesellschaft e.V., Freiburg, einen ca. dreiviertelstündigen Vortrag mit dem Titel "Über das Hören". Der Vortrag wurde vom Südwestfunk aufgezeichnet und in der Tele-Akademie ausgestrahlt. Die Rede ist auch auf YouTube zu hören (und zu sehen, natürlich). Mir wurde diese Rede über einen Link anempfohlen und ich habe sie mir angehört.

Nein, ich will nicht lügen. Ich habe diese Rede nur an-gehört und dann, nach wenigen Sätzen, wieder aufgehört mit Hören.
Das lag nur zum geringeren Teil daran, daß Prof. Sloterdijk, im Gegensatz zu den Professoren, mit denen ich in Regensburg zu tun hatte, ganz offensichtlich kein begnadeter Vortragskünstler ist. Ich habe Mitleid mit seinen Studenten, die wohl oder übel in seine Vorlesungen gehen müssen. Einen derart einschläfernden Tonfall habe ich lange nicht mehr gehört, nicht mal der bayerische Wirtschaftsminister Zeil (und der ist ein Schlafmittel der Sonderklasse) kann hier mithalten.

Es war der Inhalt, der mich aufschreckte, und am Einschlafen hinderte. Der Vortrag beginnt nämlich mit folgenden Sätzen:
"Unter den Gebärden des Rechts auf Ergreifendürfen tritt von alters her die Macht als Wahrheit auf. Jedoch - in der Verweigerung der Ergriffenheit kommt die mühevoll erworbene strategische Klugheit zur Geltung, die weiß, daß durch das gutgläubige Ohr auch die Lügen gehen. Durch Widerstand wird das Subjekt geboren, als Kraftpunkt einer Nichtergriffenheit. Nach den psychohistorischen Standards der letzten zweieinhalb tausend Jahre kann als erwachsen zunächst nur gelten, wer sich einem umfassenden Defaszinationstraining unterworfen hat. In dem soll das Subjekt bis an die Schwelle gebracht werden, an der für es ein unergriffener Umgang mit einverständnisfordernden rhetorischen und musischen Verführungen möglich wird."
Leute, jetzt mal ganz im Ernst, kein Scheiß: Wenn ein Vortrag so beginnt, dann ist es Zeit, aufzustehen und in die nächste Kneipe zu gehen. Hohleres Geschwätz werdet ihr dort auch nicht hören, die Gäste mögen so besoffen sein, wie sie nur wollen.
Sicher, in der Kneipe wird das Geschwätz nicht auf diesem hohen sprachlichen Niveau wie bei Sloterdijk sein, es wäre denn, ich geriete zufällig in eine Intellektuellenkneipe. Intellektuelle sind auch mit hohen Promillewerten noch in der Lage, so zu sprechen, daß du als Nüchterner nichts, aber auch überhaupt nichts, verstehst. Dabei ist klar, daß eine solche Sprache, Promille hin oder her, eine Kunstfertigkeit voraussetzt, die auf Universitäten oder im Selbststudium mühsam erworben werden muß. Hat man sich diese sprachliche Kunstfertigkeit aber einmal angeeignet, dann wird die Verwendung dieser Sprache zu einer Methode, eigene gedankliche Schlamperei zu verbergen. Denn, machen wir uns nichts vor, kompliziert zu formulieren ist eine schnelle Sache für einen mit allen Salben geriebenen Akademiker, so etwas wird ihm zumindest in den Sozial- und Geisteswissenschaften antrainiert. Und weil der komplizierte Jargon auch noch so wunderhübsch klingt, dir jeder Kollege auf die Schulter klopft und "Toll, ganz toll, das" murmelt, kannst du dir einreden, du hättest alles ganz wunderbar durchdacht.
Nach meiner Erfahrung ist das Gegenteil der Fall: In der Oberstufe des Gymnasiums, als die Mathematik allmählich doch kompliziert wurde, habe ich für Klassenkameraden, die also auf gleichem Vorbildungsniveau waren wie ich, mit der Infinitesimalrechnung und Analytischen Geometrie aber nicht so gut zurande kamen (kostenlose) Nachhilfe gegeben. Manchmal habe ich lange geredet und keinen Durchbruch erzielt, es blieb Verständnislosigkeit zurück. Ich habe dann meine Erklärungen immer einfacher formuliert und irgendwann hat's dann doch "klick" gemacht und die anderen hatten verstanden. Und genau an diesem Punkt hat's auch bei mir "klick" gemacht - plötzlich hatte ich selbst verstanden, wirklich verstanden, was ich zuvor den anderen zu erklären versucht hatte.
Später, wenn ich einen nicht ganz platten Gedanken niederzuschreiben hatte, bestand die erste Fassung meines Textes in aller Regel aus langen, in viele Nebensätze verschachtelten Sätzen, die viele komplizierte Begriffe enthielten. Diese Fassung, die niederzuschreiben für mich relativ einfach war, wäre für andere nur schwer und mit großer Konzentration zu verstehen gewesen. Im Zuge der Überarbeitung wurden die Sätze kürzer, die Nebensätze wurden zu eigenen Sätzen, die komplizierten Wörter wurden durch einfachere ersetzt und nicht zu vermeidende komplizierte Begriffe sauber und möglichst einfach erklärt. Diese Überarbeitung kostete mich Mühe, manchmal große Mühe, das Ergebnis aber war nun angenehm zu lesen und relativ leicht zu verstehen.
Was mir dabei aufgefallen ist: Vorher war ich zu dieser einfachen Formulierung nicht imstande, denn am Anfang meines Schreib- und Denkprozesses hatte ich das, was ich mitteilen wollte, selber noch nicht richtig verstanden. Und das heißt: Je besser ich eine Sache verstehe, desto einfacher, sprich: verständlicher, kann ich sie darstellen.
Einfacher Stil ist also nicht nur ein Service am Leser, sondern auch ein Dienst an mir als Autor. Erst wenn die Sache einfach dasteht verstehe ich selber, was ich mir so gedacht hatte. Das ist keine Koketterie, sondern aus der Selbstbeobachtung abgeleitet.

Ich übersetze die ersten beiden Sätze von Sloterdijk so in Alltagsdeutsch: "Wer die Macht hat, behauptet von sich gerne, er habe und sage die Wahrheit. Wir aber wissen aus Erfahrung, daß das auch gelogen sein kann." Dagegen läßt sich nichts einwenden.
Die folgenden zitierten Sätze sind dagegen eine freche Lüge. In keiner Bildungseinrichtung, von der Grundschule bis zur Universität, wird systematisch ein Defaszinationstraining angeboten. Ganz im Gegenteil: Hast du Glück, verdammt viel Glück, dann bekommst du für eine gewisse Zeit einen Lehrer, der dich zur Skepsis gegenüber genau jener Ergriffenheit heischenden Imponiersprache anleitet, die Sloterdijk im Vortrag selber anwendet. Im Normalfall aber hast du kein Glück, du lernst vielmehr, den Blähsprech von Sloterdijk und anderen Großdenkern für gedankentief zu halten und als Philosophie zu verehren.
In meinen Studentenzeiten kannte ich einen Kommilitonen, der mir auf die Frage, was ich von einem bestimmten Buch eines bestimmten Autors [1] zu halten hätte, antwortete: "Ganz hervorragend, das Buch, ich habe kein Wort verstanden." Nein, Leute, tut alle Hoffnung ab, das war nicht ironisch gemeint von ihm.

Gegen Sloterdijks erste beiden Sätze läßt sich, wie gesagt, nichts einwenden, denn sie formulieren eine in ihrer Plattheit nicht zu bestreitende Wahrheit. Das ist kein Sarkasmus meinerseits, denn natürlich läßt sich nicht prinzipiell etwas gegen das Aussprechen von Plattheiten sagen. Manchmal, und gar nicht mal so selten, ist es schlicht notwendig, in einer Argumentation einige Selbstverständlichkeiten zusammenzufassen, um dann, von diesen Plattheiten ausgehend, einen differenzierten und vielleicht sogar neuen Gedankengang zu entwickeln. Die ausgesprochenen Plattheiten dienen dazu, Einverständnis herzustellen, bzw. zu überprüfen, ob Einverständnis besteht: Hier, auf dieser niedrigen Ebene, sind wir uns noch alle einig, jetzt schaumermal, ab wann sich Widerspruch zum von mir Vorgetragenen einstellt.
Nichts gegen Plattheiten also, die werfe ich Sloterdijk gar nicht vor. Was ihm vorzuwerfen ist der Umstand, daß er diese Plattheiten so formuliert hat, als handele es sich um kostbare Wahrheiten. Er hat die Todsünde jedes Menschen begangen, der einen Text schreibt: Er hat seinen Text komplizierter formuliert als es unbedingt nötig gewesen wäre.

Ich weiß nicht, ob Sloterdijk den vorgetragenen Text ursprünglich für die Veröffentlichung als Buch oder Zeitschriftenbeitrag verfaßt hat, oder ob es sich von vorneherein um ein Redemanuskript handelt. Es spielt auch nicht die wirklich große Rolle. Wichtig ist nur, daß ihm klar war, klar sein mußte, daß er diesen Text zu einem bestimmten Zeitpunkt als Rede halten würde.
Schon zu meiner Studentenzeit, die inzwischen auch schon wieder geraume Zeit zurückliegt, war es unter Kommunikationswissenschaftlern eine... hmnja, Plattheit, daß eine Rede keine Schreibe ist. Das heißt, es ist eine völlig andere Kommunikationssituation ob ich einen geschriebenen Text in einer Zeitschrift oder einem Internet-Forum veröffentliche oder ob ich ihn als gesprochenen Text einem anwesenden Publikum vortrage.
Habe ich einen geschriebenen Text vor mir, so kann ich zum einen meine Lesegeschwindigkeit selber bestimmen; bestimmte Passagen lese ich einfach locker weg, bei anderen muß ich erst mal - und seien es nur wenige Sekunden - drüber nachdenken, ehe ich sinnvoll weiterlesen kann. Dieses Innehalten um nachzudenken ist manchmal auch bei einem einfach formulierten, also sorgfältig durchdachten Text nötig, schlicht deshalb, weil die Sache selbst nicht so ganz einfach ist.
Zum anderen kann ich bei einem geschriebenen Text nach Belieben zurück oder nach vorne blättern, wenn mir etwas unklar bleibt. Bei einem Vortrag ist das nicht möglich[2]. Kompakte Formulierungen, bei denen der Inhalt dichtestmöglich zusammengedrängt ist, Sätze, die lang und verschachtelt sind, sind für einen Vortrag tödlich.
Geschriebene Sprache kann redundant sein, also dasselbe mehrmals auf verschiedene Weise - einmal etwa abstrakt, das andere mal anhand von Beispielen - erklären. Redundanz macht einen Text angenehm zu lesen, und ein angenehm zu lesender Text ist eine Geste der Höflichkeit und Wertschätzung des Schreibenden gegenüber dem Leser. Ein Vortrag muß redundant sein, ansonsten ist er nur für Zuhörer geeignet, die ohnehin bereits wissen, was der Vortragende sagen wird. In diesem Falle aber ist der Vortrag überflüssig.

Ich verstoße allerdings selber gerne gegen die an sich beherzigenswerte Formel, daß eine Schreibe keine Rede sei. Geschriebenes formuliere ich oft so, als säße mir der Leser gegenüber und ich würde mit ihm von Angesicht zu Angesicht sprechen. Ich gestehe, daß dies eine ausgesprochen egoistische Gewohnheit ist. Zum einen möchte ich über dem Korrekturlesen nicht einschlafen, sondern ein gewisses Vergnügen daran haben. Zum anderen aber - und dies vor allem - möchte ich das, was ich schreibe, selber verstehen.
Ich weiß, ich verlange viel.

[1]   Ich habe Gott sei Dank vergessen, um welches Buch, um welchen Autor es sich handelte.
[2]   Allenfalls, wenn ich ihn als Aufzeichnung höre.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 17:47
Bester @Wolfram Heinrich, nun haben Sie sicher verständlich aber zeilenmäßig sehr umfassend die Tatsache erklärt, das Herr Sloterdijk hochgeistiges Zeug absondert, das allerdings schwer zu verstehen ist. ;)
Wolfram Heinrich schrieb am 08.11.2011 um 18:03
@Con Creatio
Bester @Wolfram Heinrich, nun haben Sie sicher verständlich aber zeilenmäßig sehr umfassend die Tatsache erklärt, das Herr Sloterdijk hochgeistiges Zeug absondert, das allerdings schwer zu verstehen ist. ;)

Das ist noch die Frage, ob Sloterdijk tatsächlich hochgeistiges Zeug absondert oder ob er bloß den Sound triefsinniger Gedanken produziert. Die ersten Sätze stimmen skeptisch, der eine Teil ist Plattheit, der andere ist offensichtlicher Unfug.
Und was den Umfang meines Beitrags betrifft: Ich habe zum einen etwas weiter ausgeholt als Sloterdijk vorgegeben hatte, zum anderen wollte ich nicht nur etwas behaupten, sondern dies auch gründlich belegen. Das ist ja manchmal auch nicht schlecht. Nö.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 08.11.2011 um 18:59
Wolfram, wie humorvoll! :
Und was den Umfang meines Beitrags betrifft: Ich habe zum einen etwas weiter ausgeholt als Sloterdijk vorgegeben hatte, zum anderen wollte ich nicht nur etwas behaupten, sondern dies auch gründlich belegen.

Dasselbe findet Sloterdijk von sich selbst auch!!
miauxx schrieb am 08.11.2011 um 20:18
@Wolfram

Ich habe mir die gesamte Rede Sloterdijks angehört (Tapfer, trotz der wirklich abschreckenden Initialsätze). Das Hinsehen musste ich mir hin und wieder versagen, da Sloterdijks körperliche Unruhe - fast verlegenes und sich nicht ganz wohlfühlendes Herumrutschen auf dem Stuhl und wiederkehrendes Kratzen am Oberschenkel - v.a. angesichts seiner Sprache enorm ablenken kann.
Durchgehört aber vor allem, weil mich das Thema ungemein interessiert. Insofern danke für den Hinweis auf diese Rede, auch wenn es so nicht Deine Absicht war.

Man muss sich ungemein einhören, wenn man Sloterdijk folgen will. Aber "muss" man wirklich? Du hast vollkommen recht, dass es für's Verständnis nicht notwendig ist, das, was gesagt werden soll, derart einzukleiden. Deine Haltung, sich in der sachlichen Mitteilung zu vereinfachen, wo es nur geht, ist mir äußerst sympathisch!
Sloterdijk, als Philosoph, wird wohl auch wesentlich daran gelegen sein, eine eigene Marke auszuprägen. Also einen Stil, der über das unwillkürlich persönliche im Schreiben und Reden, sich als bewußt artifiziell vermittelt. Ob das der reinen Verständlichkeit aufzuhelfen vermag, ist dabei freilich fraglich.
Auch Sloterdijk hat in dieser, seiner, Rede viel Redundanz. Nur bemerkt man die nicht ohne weiteres. Ich behaupte, man hätte die Rede durchaus, sollte es nur auf's wesentliche ankommen, von 45 auf 25 min. zusammenstreichen können.

Das Reden eines Philosophen soll nun aber immer auch das Denken selbst darstellen. Sie ist nicht nur Informationsvermittlung, sondern vergegenständlicht das Denken, indem sie die Sprache und die Rede - deren Performanz - selbst zu einem Gegenstand macht.
Sloterdijk schreckt mit seinen ersten Sätzen jedoch über Gebühr ab. Wenn man geneigt ist, weiter zuzuhören, merkt man, dass sich trotzdem eine Tiefe und Konsistenz der Gedanken entwickelt. Dass aber zu Beginn über eine solche Hürde genommen werden soll, anstatt auf einfache Weise abgeholt zu werden, um allmählich in die Gedankenvertiefung geführt zu werden, ist allemal kommunikationstechnisch, wie auch didaktisch, unklug oder eben arrogant. Das lehren auch bereits die "klassischen" philosophischen Gespräche.

Einen Einspruch noch: Sloterdijks erster Satz ist mitnichten eine "Plattheit". Er ist vielmehr der notwendige Beginn einer Überlegung darüber, wie ungemein suggestiv die Macht der auralen Informationsaufnahme wirken kann. Es ist zunächst gar nicht so einfach, oder gegeben, die mögliche Lüge sich gewahr zu machen. Die besondere sinnliche Überzeugungskraft und der Sog, welche in einer Rede wohnen können, haben schon oft genug ihre Wirkmächtigkeit bewiesen.
Das Ohr ist zunächst "gutgläubig"; insbesondere, wenn es einen Redefluss aufnehmen muss. Das Gehörte, das Wort sagt es bereits, ist flüchtig. Das Ohr kann nicht innehalten, "zurückblättern" oder sich eben mal verschließen.
Darauf spricht Solterdijk von der notwendigen Kompetenz, ein wacher Zuhörer zu sein, um nicht allein der sinnlichen Überzeugung zu erliegen. "Erwachsen" ist nur der, der sich der alleinigen Faszination auch zu entziehen vermag. Der begeisterte "Heil!"-Rufer angesichts eines Hitler war also keinesfalls "erwachsen".

Ein "Defaszinationstraining" ist aber gerade auch das, was uns die sogenannte Aufklärung zu lehren versuchte. Kant wollte etwa ja einen mächtig hohen Berg nicht mehr per se als "Erhabenheit" aufgefasst wissen, sondern schlicht den Maßstab anlegen, und so Verhältnisse herstellen, um wiederum auch fortzuschreiten und das "Himmelszelt" mess- und begreifbar zu machen.
Darin liegt natürlich auch ein Problem: Völlige "Defaszination" nimmt uns auch sehr viel, was letztlich essentiell menschlich und als unverzichtbar erkannt würde.
Abgesehen von dem sprachlichen Ungetüm (keinesfalls erhaben :-) ), spricht Sloterdijk hier jedoch keinen "Unfug".

Danke jedenfalls für den Beitrag! Hat mich sehr gefreut!
miauxx schrieb am 08.11.2011 um 20:20
Korrektur:

"Darin liegt natürlich auch ein Problem: Völlige "Defaszination" nimmt uns auch sehr viel, was letztlich als essentiell menschlich und unverzichtbar erkannt würde."
Wolfram Heinrich schrieb am 09.11.2011 um 02:28
@miauxx
Ich habe mir die gesamte Rede Sloterdijks angehört (Tapfer, trotz der wirklich abschreckenden Initialsätze).

Und genau das ist für mich das besonders Irritierende an dieser Art (eine Rede) zu schreiben. Wenn ich einen Text schreibe, dann tue ich das, weil ich glaube (hoffe), ich hätte etwas mitzuteilen, was für den Leser (Hörer) von Interesse sein könnte. Das kann eine simple Information sein, oft ist es aber auch eine Sicht auf die Dinge, die für den Leser interessant sein könnte. Das heißt, wenn ich kommuniziere, dann habe ich ein massives Interesse daran, daß meine Botschaft auch ankommt, sonst könnte ich mir den Zinnober auch gleich schenken. Damit meine Botschaft auch ankommt, muß sie zum einen verständlich sein, zum anderen aber muß ich den Leser erst einmal in meinen Text hineinziehen und ihn dann über den ganzen Text hinweg bei der Stange halten.
Der erste Satz muß dich anziehen, neugierig machen auf den zweiten, er darf auf gar keinen Fall abschreckend sein. Gut, Sloterdijk kann darauf bauen, daß ihm die Leute im Saal nicht nach einer Minute schon wieder davonlaufen, das traut sich doch keiner, insofern müssen die Leute sich ihm fügen und so andächtig (ergriffen, fasziniert) schauen, wie sie das tatsächlich tun. Die Zuschauer im Fernsehen, wo die Rede ja auch gesendet wurde, sind ihm dagegen nicht so hilflos ausgeliefert wie das Publikum im Saal oder bei anderer Gelegenheit seine Studenten im Hörsaal. Um die Zuschauer am Gerät und beim Kanal zu halten, braucht es dann schon ein wenig Mühe.
Bemerkenswert dabei ist, daß Sloterdijk inzwischen ja ein altgedienter Medienfuzzy ist, er müßte eigentlich wenigstens die Grundregeln menschlicher Kommunikation soweit beherrschen.
Womöglich tut er das sogar. Und wenn das so wäre, dann taucht ein grauenvoller Verdacht auf. Der Verdacht nämlich, daß das eigentliche Thema des Vortrags gar nicht das Hören ist, sondern der Philosoph Sloterdijk. Der Philosoph Sloterdijk inszeniert sich als "Der Große Philosoph Sloterdijk".

Gerade in Deutschland nimmt man meines Erachtens den kostbaren Brabbelsprech von Philosophen allzu vorschnell einfach hin. "Mei, so sans de Philosophen." Hegel und Heidegger haben so geschrieben, desgleichen Adorno und jetzt Sloterdijk. Dann liest du dich ein wenig in Voltaire ein, in Diderot gar und du merkst, daß das keinesfalls so sein muß. Sartres Hauptwerk heißt "Das Sein und das Nichts", das hört sich nach einer elendiglich langen und theoriespröden Abhandlung über das Leben, das Universum und den Rest an. Und dann liest du dort Absätze wie diesen:
Betrachten wir diesen Kaffeehauskellner. Er hat rasche und sichere Bewegungen, ein wenig allzu bestimmte und ein wenig allzu schnelle, er kommt ein wenig zu rasch auf die Gäste zu, er verbeugt sich mit ein wenig zuviel Beflissenheit, seine Stimme und seine Blicke drücken eine Interessiertheit aus, die ein wenig zu sehr von Besorgnis um die Bestellung des Kunden in Anspruch genommen ist; dort kommt er zurück und versucht durch seine Art, zu gehen, die unbeugsame Härte irgendeines Automaten nachzumachen, während er gleichzeitig sein Tablett mit einer Art Seiltänzerkühnheit trägt, wobei er es in einem fortwährend labilen und fortwährend gestörten Gleichgewicht hält, das er mit einer leichten Bewegung des Armes oder der Hand fortwährend wiederherstellt. Seine ganze Verhaltensweise sieht wie ein Spiel aus. Er läßt es sich angelegen sein, seine Bewegungen aneinanderzureihen, als wären sie Mechanismen, die sich gegenseitig antreiben, auch sein Gesichtsausdruck und seine Stimme wirken mechanisch; er legt sich die erbarmungslose Behendigkeit und Schnelligkeit einer Sache bei. Er spielt, er unterhält sich dabei. Aber wem spielt er etwas vor? Man braucht ihn nicht lange zu beobachten, um sich darüber klar zu werden: er spielt, Kaffeehauskellner zu sein. Darin liegt nichts Überraschendes: das Spiel ist eine Weise des Sichzurechtfindens und des Nachforschens. Das Kind spielt mit seinem Körper, um ihn zu erforschen, um eine Bestandsaufnahme zu machen; der Kaffeehauskellner spielt mit seiner Stellung, um sie real zu setzen .
Sartre schiebt also (zunächst) nicht abstrakte Begriffe in einer abstrakten Begriffswelt hin und her, er beobachtet erst mal die Welt, er bringt Beispiele für das, was er erläutern will und arbeitet dann erst aus dieser konkreten Beobachtung eine abstrakte, über den Einzelfall hinausgehende Erkenntnis heraus. Er nimmt dich bei der Hand, er läßt dich beim Entstehen seiner eigenen Erkenntnis zuschauen. Kurz: Er nimmt dich ernst.

Insofern danke für den Hinweis auf diese Rede, auch wenn es so nicht Deine Absicht war.

"Ich bin ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft."

Deine Haltung, sich in der sachlichen Mitteilung zu vereinfachen, wo es nur geht, ist mir äußerst sympathisch!

Ich versuche, dies nicht nur bei sachlichen Mitteilungen so zu halten, sondern auch bei literarischen Texten.
www.freitag.de/community/blogs/wolfram-heinrich/die-gutherzige-gerda

Sloterdijk, als Philosoph, wird wohl auch wesentlich daran gelegen sein, eine eigene Marke auszuprägen. Also einen Stil, der über das unwillkürlich persönliche im Schreiben und Reden, sich als bewußt artifiziell vermittelt. Ob das der reinen Verständlichkeit aufzuhelfen vermag, ist dabei freilich fraglich.

Artifiziell heißt auf Deutsch "kunstfertig". Was wäre kunstfertiger als eine schwierige Sache einfach zu erklären? Einfach heißt hier nicht "vereinfachend", wobei wesentliche Aspekte unter den Tisch fallen. Einfach heißt: So einfach wie nur irgend möglich, ohne dabei Information zu verlieren. Gerade wenn eine Sache kompliziert ist sollte die Sprache, in der sie dargelegt wird, nicht noch zusätzliche Schwierigkeiten hineinbringen.
In der Kunst hast du ja öfter mal die kühnen Avantgardisten, die behaupten, eine neue Sicht auf die Welt bräuchte auch eine neue künstlerische Form, diese neue Sicht darzustellen. Ich behaupte: Das altbekannte Zeug kannst du ruhig mal in eine ganz neue Form gießen, aber gerade wenn du eine neue Sicht auf die Dinge bringst, bleibe lieber bei den vertrauten, bewährten Formen. Neue Inhalte wirken in vertrauten Formen besonders irritierend, verstörend, also denkanregend.

Dass aber zu Beginn über eine solche Hürde genommen werden soll, anstatt auf einfache Weise abgeholt zu werden, um allmählich in die Gedankenvertiefung geführt zu werden, ist allemal kommunikationstechnisch, wie auch didaktisch, unklug oder eben arrogant. Das lehren auch bereits die "klassischen" philosophischen Gespräche.

So ist das, ja. Wobei "arrogant" kommunikationstechnisch nur dann sinnvoll ist, wenn die eigentliche Botschaft nicht der Inhalt ist sondern meine Gelehrsamkeit. Wer wirklich schön ist, kann es sich leisten in Fetzen daherzukommen, wer klug ist (wie Diderot, wie Lichtenberg), der kann es sich leisten, ungeschminkten Klartext zu schreiben...
Diderot bekommt einen neuen Hausrock geschenkt, er macht Erfahrungen damit und er schreibt über seine Erfahrungen. Er schreibt über seinen Hausrock - mein Gott, banaler geht es kaum noch und der kurze Text über das Textil wird ganz nebenbei zu einer intelligenten, äußerst anregenden Abhandlung zur Philosophie.
www.zeit.de/1989/49/gruende-meinem-alten-haurock-nachzutrauern
So ganz nebenbei kreiert er damit den noch heute beachteten "Diderot-Effekt".
de.wikipedia.org/wiki/Diderot-Effekt

Einen Einspruch noch: Sloterdijks erster Satz ist mitnichten eine "Plattheit". Er ist vielmehr der notwendige Beginn einer Überlegung darüber, wie ungemein suggestiv die Macht der auralen Informationsaufnahme wirken kann. Es ist zunächst gar nicht so einfach, oder gegeben, die mögliche Lüge sich gewahr zu machen. Die besondere sinnliche Überzeugungskraft und der Sog, welche in einer Rede wohnen können, haben schon oft genug ihre Wirkmächtigkeit bewiesen.

Ich möchte nochmal betonen, daß ich Sloterdijk die Plattheit nicht vorgeworfen habe, ich habe sogar ausdrücklich die Plattheit verteidigt. Was die Lüge betrifft, so machen wir diese Erfahrung schon ziemlich früh, spätestens dann, wenn wir die ersten eigenen Lügen erfinden, um elterlichen Sanktionen zu entgehen, wissen wir, daß reden auch Scheisendreck reden heißen kann.

Ein "Defaszinationstraining" ist aber gerade auch das, was uns die sogenannte Aufklärung zu lehren versuchte. Kant wollte etwa ja einen mächtig hohen Berg nicht mehr per se als "Erhabenheit" aufgefasst wissen, sondern schlicht den Maßstab anlegen, und so Verhältnisse herstellen, um wiederum auch fortzuschreiten und das "Himmelszelt" mess- und begreifbar zu machen.

Das Verrückte ist ja, daß uns die Helden der Aufklärung, die skeptisch an überlieferte Wahrheiten herangingen und sie gegebenenfalls gnadenlos zertrümmerten, inzwischen selber als Denkmäler begegnen. Wer kniend, verehrend einen Text der aufklärerischen Klassiker liest, hat diese Klassiker bereits verraten.
Der Unterschied zwischen einem alten und einem zeitgenössischen Text liegt darin, daß der Autor im ersteren Fall schon länger tot ist.

Darin liegt natürlich auch ein Problem: Völlige "Defaszination" nimmt uns auch sehr viel, was letztlich als essentiell menschlich und als unverzichtbar erkannt würde.

Der Weise versteht es, sich eine abgemessene Zeit von etwas, von jemand bezaubern zu lassen ohne darüber zu vergessen, daß es sich um Zauberkunststückchen handelt. Wenn ich einen (guten, versteht sich) Film zum erstenmal sehe, dann lasse ich mich von diesem Film erstmal einfangen, ich gebe mich der Kunst hin. Schaue ich mir den Film ein zweites Mal an und verstehe ich etwas von Dramaturgie und filmischer Gestaltung, kann ich ihn auch analysieren und wie Truffaut fragen: "Wie haben Sie das gemacht, Mr. Hitchcock?"
Wer mit 16 verliebt ist, der ist hingerissen von der geliebten Person und er frägt sich vielleicht, wie es sein kann, daß von allen 3,5 Milliarden Frauen dieser Erde ihm ausgerechnet diese Schönste aller Schönen begegnen und ihn wiederlieben konnte. Wer sich mit 50 verliebt, der sieht das gelassener, der weiß, daß es genau so gut die eine oder andere hätte sein können. Das hindert ihn aber nicht, sich wie ein 16jähriger dem Zauber dieser Person hinzugeben.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 11:42
@Miauxx
Lang aber durchaus interessant Ihr Kommentar.
Ich bleibe dabei: Ein flexibler Geist, der verständlich schreibt und spricht, ohne sich in Wichtigtuerei und intellektuellen artifiziellen Abstraktionen zu verlieren, zeugt von Empathie.

Alles andere defasziniert - man kann auch sagen langweilt nur.
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 04:25
@Con Creatio
Ein flexibler Geist, der verständlich schreibt und spricht, ohne sich in Wichtigtuerei und intellektuellen artifiziellen Abstraktionen zu verlieren, zeugt von Empathie.

Ein verständlicher Stil ist eine Geste der Höflichkeit und Wertschätzung dem Leser gegenüber. Eine schwierige Sache zu verstehen ist immer ein gehöriges Stück Arbeit. Machen wir uns nichts vor, wer sich um diese Arbeit rumdrückt, kann das nur durch einen Verlust an - wahrscheinlich relevanter - Information. Legt ein Autor nun einen schwierigen Gedanken in schwieriger Form vor, so bürdet er die Last des Verstehens ganz dem Leser auf, dieser muß sowohl die Komplexität der Sache nach-denken als auch die Formulierungen des Autors entschlüsseln.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.11.2011 um 13:01
@Wolfram Heinrich
Die Last des Verstehens nehme ich gern auf mich, Wolfram, aber Sloterdijk bürdet mir seine zentnerschweren Wortakrobationen auf, die mich zum Esel degenerieren.
Ich bin allerdings von Natur aus etwas störrisch!

Was machen Sie in aller Herrgottsfrühe 04:25 am PC??
Ihnen das Gute!
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 13:37
@Con Creatio
Die Last des Verstehens nehme ich gern auf mich, Wolfram, aber Sloterdijk bürdet mir seine zentnerschweren Wortakrobationen auf, die mich zum Esel degenerieren.
Ich bin allerdings von Natur aus etwas störrisch!


Wir sollten einen Esel-Verein gründen, Sie als Vorsitzender, ich als Schriftführer. Wir schreiben und veröffentlichen ein Manifest, in dem wir frech und altmodisch postulieren, daß jeder Autor, ob nun Romancier oder Philosoph, ein Dienstleister ist. Wie es im Dienstleistungsgewerbe so ist (oder doch sein sollte), ist der Kunde König. Jeder Autor sollte also so schreiben, daß seine Worte dem Leser angenehm auf der Zunge zergehen und dann leicht und locker durch den Schlund rutschen. Der Inhalt, den die Worte vermitteln, darf ruhig sperrig, irritierend oder gar bitter sein, die Form dagegen...
Jeder Schreiber bekommt zwei Seiten Chance, jeder Redner zwei Minuten. Hat er uns dann nicht gefesselt, klappen wir das Buch zu oder schalten wir den Recorder aus. Wäre so ein Esel-Verein nicht eine sinnvolle Unternehmung?
Ich habe einst, es ist inzwischen schon wieder fünfundzwanzig Jahre her, die "Buddenbrooks" von Thomas Mann gelesen. Das Buch beginnt mit einem Spruch des alten Buddenbrook auf plattdeutsch, die ersten Sätze ziehen dich rein in die Geschichte. Thomas Mann war, als er das Buch schrieb, ein Niemand, er war drauf angewiesen, daß der Lektor und später der Leser, von Anfang an von dem Buch fasziniert ist. Vor einigen Monaten nun habe ich mit dem "Zauberberg" begonnen und ich bin immer noch auf Seite 8. Das Ding kommt und kommt nicht in die Gänge, dabei soll der Roman, wie man hört, doch sehr interessant sein. Als Mann den "Zauberberg" schrieb war er bereits ein bekannter Autor, fünf Jahre vor dem Nobelpreis. Nun hatte er es offensichtlich nicht mehr nötig, den Leser von Anfang an zu packen.

Was machen Sie in aller Herrgottsfrühe 04:25 am PC??

Verdammt, jetzt bin ich entlarvt. Wenn ich um diese Zeit schon/noch am Gerät sitze, dann ich entweder Frühaufsteher oder Spätinsbettgeher. Diesmal war ich Frühaufsteher.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 13:39
"...dann ich entweder..."

"...dann bin ich entweder...

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.11.2011 um 14:26
Dank! @Wolfram
Endlich bekomme ich mal ein respektables Amt angeboten – und nicht vom ersten Besten! Ihr Kommentar taugt bereits als Manifest des Eselvereins, als absolut statutenfest und druckreif segen ich ihn hiermit ab. Vielleicht sollten wir den Kommentatoren auch ein Exemplar aushändigen – denn manch Eine(r) vergreift sich wie Sloterdijk an meinen grauen Zellen und meiner Zeit.

Wir sind uns einig: Thomas Mann entbehrte das Gefühl fürs Szenarioschreiben, denn die Verfilmung des Zauberbergs gilt als sehr gelungen. Schauen Sie sich den Film an – danach können Sie den Schmöker als Brikett für den erwarteten langen, kalten Winter verfeuern.

Bis schnell...
miauxx schrieb am 10.11.2011 um 15:30
@Wolfram Heinrich schrieb am 09.11.2011 um 02:28

Einen späten Dank für Deine umfängliche Replik auf meinen Kommentar! Im wesentlichen sind wir offenbar gleicher oder wenigstens ähnlicher Auffassungen.

"Ich möchte nochmal betonen, daß ich Sloterdijk die Plattheit nicht vorgeworfen habe, ich habe sogar ausdrücklich die Plattheit verteidigt. Was die Lüge betrifft, so machen wir diese Erfahrung schon ziemlich früh, spätestens dann, wenn wir die ersten eigenen Lügen erfinden, um elterlichen Sanktionen zu entgehen, wissen wir, daß reden auch Scheisendreck reden heißen kann."

Ja, stimmt auch wieder, dass wir ja eigentlich um die Möglichkeit, die Wahrheit durch falsche Verlautbarungen zu verhindern, schon wissen, wenn wir das erste Mal bewusst lügen. Trotzdem ist es eine Konstante, dass wir zunächst immer wieder das Gehörte so nehmen, wie wir es gehört haben. Wäre es anders, wäre ja verbale Kommunikation gar nicht möglich. Nimmt man Sloterdijk nun genau beim Wort, werden wir also nie wirklich "erwachsen".
Und das ist ja auch gut so! :-)
Wer wären wir, würden wir - wie du auch sagst - eine Musik oder einen Film nicht zunächst ganz sinnlich ("fasziniert") auf uns wirken lassen, sondern stets gleich die Analysewerkzeuge rausholen!?

Grüße,
miauxx
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 06:54
@Con Creatio
Vielleicht sollten wir den Kommentatoren auch ein Exemplar aushändigen – denn manch Eine(r) vergreift sich wie Sloterdijk an meinen grauen Zellen und meiner Zeit.

Im Usenet gibt es einen schönen Mechanismus, der anscheinend in einem Internet-Forum technisch nicht funktioniert: Dort kannst du einen Menschen, der ständig Unfug schreibt, sinnlos provoziert oder Leute beleidigt ganz ein einfach filtern. Das heißt, alles, was er künftig schreibt, siehst du gar nicht mehr, allenfalls noch das, was andere, die weiter auf ihn reagieren, dazu schreiben.
Gut, wenn so ein Filter technisch nicht geht, dann muß es halt anders gehen. Ich bekomme neue Beiträge zu den Blogs, die ich "gemerkt" habe über E-Mail signalisiert. E-Mails, die mich über Beiträge von Dummschwätzern informieren, lösche ich gleich im E-Mail-Eingang. Batsch, aus!

Wir sind uns einig: Thomas Mann entbehrte das Gefühl fürs Szenarioschreiben,

Immerhin muß man ihm zugute halten, daß er nur ein einziges Theaterstück geschrieben hat ("Fiorenza"), dann hat er anscheinend selber gemerkt, daß er das nicht kann und es gelassen. Auch Gedichte hat er meines Wissens keine oder nur sehr wenige geschrieben. Selbstkritisch war er also in mancher Hinsicht schon.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 06:55
@miauxx
Im wesentlichen sind wir offenbar gleicher oder wenigstens ähnlicher Auffassungen.

So sieht es aus, ja.

Ja, stimmt auch wieder, dass wir ja eigentlich um die Möglichkeit, die Wahrheit durch falsche Verlautbarungen zu verhindern, schon wissen, wenn wir das erste Mal bewusst lügen. Trotzdem ist es eine Konstante, dass wir zunächst immer wieder das Gehörte so nehmen, wie wir es gehört haben. Wäre es anders, wäre ja verbale Kommunikation gar nicht möglich.

Im Laufe der Zeit lernt man seine Pappenheimer schon etwas kennen und kann einschätzen, was man von ihren Äußerungen zu halten hat. Hast du etwa einen Kreter vor dir, dann weißt du, daß er lügt, außer er behauptet, alle Kreter seien Lügner. Oder ist umgekehrt?

Wer wären wir, würden wir - wie du auch sagst - eine Musik oder einen Film nicht zunächst ganz sinnlich ("fasziniert") auf uns wirken lassen, sondern stets gleich die Analysewerkzeuge rausholen!?

In Konzerten klassischer Musik kann man sie gelegentlich sehen, die Leute mit der aufgeschlagenen Partitur auf den Knien, die verständig und konzentriert jede gespielte Note nachverfolgen und umblättern, wenn es Zeit ist, umzublättern. Es gab mal eine Zeit, da habe ich diese Leute bewundert, denn ich selber bin absolut unfähig, irgendeine Struktur (und sei es nur rauf-runter) in Musik hineinzuhören (ich bin ein Mensch, der an anderen gerne das bewundert, was er selber nicht kann). Inzwischen bedauere ich solche Leute als ganz arme Menschen. Warum kann sich der nicht einfach ins Konzert hocken und sich ganz einfach von der Musik erschlagen, umgarnen, verzaubern lassen, warum muß er, noch während er hört, den Werkstattgeheimnissen von Komponist, Dirigent und Musiker nachspüren? Analysieren kann er doch vorher oder nachher.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.11.2011 um 00:29
@Wolfram
"Liebe Freunde, haltet an den Freunden fest, die euch geblieben sind. Fürchtet die Schläge des Reichtums! Laßt euch mein Beispiel eine Lehre sein. Die Armut hat ihre Freiheiten, der Reichtum seine Zwänge. " (Diderot)

Diderot war ein gewitztes Schlitzohr . Ich nehme an Sloterdijk hat ihn gelesen!

Ahoi
Helena
Wolfram Heinrich schrieb am 12.11.2011 um 04:34
@Helena Neumann
Diderot war ein gewitztes Schlitzohr. Ich nehme an Sloterdijk hat ihn gelesen!

Das kann gut sein, daß Sloterdijk durch die Diderot-Lektüre selber ein gewitztes Schlitzohr geworden wäre, sehe ich aber noch nicht so recht.
Diderot hatte ich angeführt, um zu zeigen, wie leicht und locker man auch schwere, bitterernste Gedanken rüberbringen kann. Diderot wollte selber Spaß haben an dem, was er schrieb und er wollte gelesen werden. Und dabei ist ein Gutteil seines Werkes nicht veröffentlich worden oder nur einem kleinen Zirkel zugänglich gewesen (die "Correspondance littéraire" etwa). Er hatte den Zensor und das Gefängnis zu fürchten.
Diderots Kunst, über seinen Hausrock zu plaudern und dabei die Welt als solche zu erklären, hatte seine Fortsetzung im Wiener (und Prager) Feuilleton, Polgar, Kraus, Friedell, Torberg, Altenberg... Vorbei, auch das.

Ciao
Wolfram
P. S.: Du hast mal erwähnt, daß du auch im Niederländischen zuhause bist. Was heißt eigentlich "Sloterdijk"? Es gibt ja einen Amsterdamer Stadtteil dieses Namens, "dijk" ist klar, das heißt wohl Deich, was aber heißt "sloter"?
Wolfram Heinrich schrieb am 12.11.2011 um 04:53
Nachtrag zu deinem Zitat von Diderot:
"Liebe Freunde, haltet an den Freunden fest, die euch geblieben sind. Fürchtet die Schläge des Reichtums! Laßt euch mein Beispiel eine Lehre sein. Die Armut hat ihre Freiheiten, der Reichtum seine Zwänge."
Dazu fällt mir Janis Joplin ein: "Freedom's just another word for nothing left to lose..."
GEBE schrieb am 08.11.2011 um 20:30
Sloterdijk = höhere Kunst des Sprechblasen fabrizierens mit Klügeleiattitüde.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 13:13
Das vereinnahme ich für mein Bonmot-Schatzkästchen
bertamberg schrieb am 08.11.2011 um 21:11
@miauxx schrieb am 08.11.2011 um 20:20

Könnte man das nicht auch so sagen: Das Ergebnis der praktizierten Pädagogik mit Sloterdijk als Protagonisten ist doch weitgehend, dass es zu viele gibt, die keine Lust, haben den A... für irgendwas hochzukriegen, weil sie zu defaszinierten, schlicht gelangweilten, empathieverarmten Zombies geworden sind, die nur ihr EGO gepäppelt haben wollen?
miauxx schrieb am 08.11.2011 um 23:19
@bertamberg

Naja, ich nehme Sloterdijk hier nicht als einen "Protagonisten praktizierter Pädagogik" wahr. Zunächst unterstellt er nur einen Zustand.
Wahr ist aber wohl, dass Gelehrigkeitssprech sich oft als reiner Selbstzweck vermittelt und darin erschreckend blutleer daher kommt.
Wolfram Heinrich schrieb am 09.11.2011 um 02:29
@bertamberg
Könnte man das nicht auch so sagen: Das Ergebnis der praktizierten Pädagogik mit Sloterdijk als Protagonisten ist doch weitgehend, dass es zu viele gibt, die keine Lust, haben den A... für irgendwas hochzukriegen, weil sie zu defaszinierten, schlicht gelangweilten, empathieverarmten Zombies geworden sind, die nur ihr EGO gepäppelt haben wollen?

Nein. Wenn ich, um mich für eine Sache oder einen Menschen zu begeistern, mein Hirn abschalten muß, dann bin ich ein ganz armes Schwein.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 13:15
"Blutleer" das ist hier die Frage!
bertamberg schrieb am 09.11.2011 um 18:42
Sloterdijk hatte mehrere Lehraufträge, seit 2001 ist er Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe sowie dort Professor für Philosophie und Ästhetik. Mein missglückter Ausdruck sollte andeuten, dass er massgeblich Diskurse beeinflusst (hat), eine Reihe von Auszeichnungen für seinen Hohlsprech und -schrieb bekommen hat, dazu dem Kreis der pädagogisch tätigen Personen angehört.

Seine Kritik , dass nie eine Aufklärung stattgefunden habe, sondern sich nur ein Zynismus entwickelt habe, der sein Handeln rein materialistisch definiert und wirtschaftlich auf Gewinnmaximierung trimme bzw. reduziere, ein Zynismus, der zu sozialen, anthropogenen und altruistischen Zielen in und für ein individuell „gelungenes Leben“ schweigt, ist versickert wie Wasser in der Wüste, insofern ist er als Protagonist der Kritik des zynischen Denkens gescheitert, dafür sicher im Elfenbeinturm platziert.
bertamberg schrieb am 09.11.2011 um 18:51
@ Wolfram Heinrich schrieb am 09.11.2011 um 02:29

Ihr "Nein" irritiert mich.
Haben Sie gestern Hagen Rethers Auftritt in "Neues aus der Anstalt" gesehen? Empathieverarmte, die er dort besang, gibt es wirklich. Arme Säue mögen sie sein, vor allem aber können sie arrogant und impertinent sein. Meine Frau unterrichtet solche in ihrer 8. Klasse.
bertamberg schrieb am 09.11.2011 um 18:51
gedacht @ miauxx schrieb am 08.11.2011 um 23:19
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:11
@Helena Neumann
"Blutleer" das ist hier die Frage!

Das ist in der Tat die Frage, ob wirklich ein Gegensatz besteht zwischen glutvoller, blutvoller Begeisterungsfähigkeit einerseits und skeptischem Nachdenken andererseits.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:52
@bertamberg
Seine Kritik , dass nie eine Aufklärung stattgefunden habe, sondern sich nur ein Zynismus entwickelt habe, der sein Handeln rein materialistisch definiert und wirtschaftlich auf Gewinnmaximierung trimme bzw. reduziere, ein Zynismus, der zu sozialen, anthropogenen und altruistischen Zielen in und für ein individuell „gelungenes Leben“ schweigt, ist versickert wie Wasser in der Wüste,...

Hat er auch angegeben, warum das so ist und sein muß? Eine Wirtschaftsform, in der Gewinnmaximierung und Wachstum existentielles Gesetz ist kann schlicht nicht eine Leit-Philosophie entwickeln, die Gewinnmaximierung verdammt.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:53
@bertamberg
Haben Sie gestern Hagen Rethers Auftritt in "Neues aus der Anstalt" gesehen?

Nein, ich hab zwar einen Fernseher, aber keinen Antennenanschluß. Ich muß warten, bis das Ding auf YouTube zu sehen ist.

Empathieverarmte, die er dort besang, gibt es wirklich. Arme Säue mögen sie sein, vor allem aber können sie arrogant und impertinent sein. Meine Frau unterrichtet solche in ihrer 8. Klasse.

Ja mei, arrogant und impertinent, das ist halt pubertätstypisch. Die einen der Youngster sind unsicher und wirken dann unsicher, die anderen sind auch unsicher, machen aber einen auf arrogant.
Ich glaube ja nicht, daß mangelnde Empathie der zwingende Gegensatz von ausgeprägt kritischer Geist ist (siehe mein Kommentar vom 09.11.2011 um 02:28 h).

Ciao
Wolfram
bertamberg schrieb am 10.11.2011 um 11:28
@ Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:53

Pubertätstypisch? Für meine Frau war das eine bislang in knapp 20 Jahren noch nicht erlebte, mehrheitlich vorhandene Arroganz und Empathielosigkeit, ihre Wahrnehmung wurde von zwei Kollegen bestätigt.

Ich sehe hier keinen zwingenden Gegensatz von Empathielosigkeit und Kritikfähigkeit, nur Intelligenz gibt es nicht nur als rationale, sondern auch als emotionale und soziale. Jemand, der einen messerscharfen Verstand hat, muss nicht über Empathie verfügen.
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 12:13
@bertamberg
Ich sehe hier keinen zwingenden Gegensatz von Empathielosigkeit und Kritikfähigkeit, nur Intelligenz gibt es nicht nur als rationale, sondern auch als emotionale und soziale. Jemand, der einen messerscharfen Verstand hat, muss nicht über Empathie verfügen.

Es scheint so, als hätten wir uns beide nicht so ganz klar ausgedrückt und damit ein Mißverständnis provoziert. Ich stimme Ihnen zu, daß kein zwingender Zusammenhang zwischen Intelligenz und Empathie besteht. Das genau war aber eigentlich mein erster Einwand in diesem Teil des Diskussionsstranges: Wer gelernt hat, skeptisch und kritisch zu sein, sich nicht von jedem Firlefanz begeistern zu lassen, der ist deswegen nicht empathielos, der ist kein gefühlskalter Roboter. Im Gegenteil, möchte ich sogar sagen. Wer sich schnell für irgendwelchen abstrakten Unfug wie Vaterland, Religion (immer die eigene natürlich) etc. begeistern läßt, der ist mit einiger Wahrscheinlichkeit ein eher gefühlskalter Mensch, der diese Gefühlssurrogate braucht, um vor sich selber nicht als der eiskalte Hund zu gelten, der er ist. Echte Gefühle beziehen sich auf konkrete Menschen, auf konkret erlebte Landschaften und dergleichen.

Ciao
Wolfram
miauxx schrieb am 10.11.2011 um 15:53
@bertamberg schrieb am 09.11.2011 um 18:42

"Seine Kritik , dass nie eine Aufklärung stattgefunden habe, sondern sich nur ein Zynismus entwickelt habe, der sein Handeln rein materialistisch definiert und wirtschaftlich auf Gewinnmaximierung trimme bzw. reduziere, ein Zynismus, der zu sozialen, anthropogenen und altruistischen Zielen in und für ein individuell „gelungenes Leben“ schweigt, ist versickert wie Wasser in der Wüste, insofern ist er als Protagonist der Kritik des zynischen Denkens gescheitert, dafür sicher im Elfenbeinturm platziert."

Ich muss zugeben, dass ich mit Sloterdijk nicht so vertraut bin. Dass hast du mir offenbar voraus.
Ich habe micht mit meinen Einlassungen hier allein auf die oben von Wolfram verlinkte Rede bezogen, die ich mir, des Themas wegen, ja auch komplett angehört habe. Diese war so auch der erste längere zusammenhängende Text Sloterdijks, den ich zu mir nahm.
Was ich von Sloterdijk auf sekundärem Wege weiß, ist, dass er einst durchaus als Systemkritiker galt, während er nun genau die Gegenrichtung, die Affirmation mit dem Kapital, dem Egoismus und "schaffenden Leistungsträger", beschreitet. Als ein solcher, der das "Halali" auf eine konservativ-bürgerliche Revolution singt (wie sich H. Neumann hier im thread ausdrückte), ist mir Sloterdijk auch wesentlich unangenehm ins Blickfeld gerückt.

Die von die referierte Kritik Sloterdijks an der Auffassung von Aufklärung würde also den "alten" Sloterdijk widerspiegeln. Ist dein Kommentar nun also so zu verstehen, dass der "neue" Sloterdijk nur noch als ein akademischer Hohlspiegel seiner selbst zu verstehen ist? Einer, der, weil sicher im "Elfenbeinturm platziert", von sich geben kann, was er will, weil eine entsprechende Entourage ihm per se eine hohe Bedeutung zuspricht und eben "ah" und "oh" ruft?
bertamberg schrieb am 10.11.2011 um 21:44
Ein "Halali" wird geblasen, wenn das gejagte Wild tot ist. Das kann man von einer "konservativ-bürgerlichen Revolution" nicht sagen, die hat ja nch nicht mal das Stadium der Empfängnis erreicht, konnte das Stadium der Totgeburt nicht erreichen, geschweige ein späteres.

Nichts sagt mehr über Sloterdijk aus als seine Versuche, Heidegger zu perpetuieren, von dem berichtet ist: " Im Jahre 1931 oder 1932 beschied er die rassenreinen jungen Philosophen zu sich ... auf seinem Schreibtisch [lag] ein Stapel Bücher links, einer rechts. Frau Heidegger bedeutete dem Besucher, der eine Haufen enthalte die marxistische, der andere die Nazi-Literatur: 'Wir suchen eben festzustellen, mit welcher Richtung wir gehen sollen, d.h. welche die größeren Chancen hat. "
(E. Rosenstock-Huessy, Im Kreuz der Wirklichkeit Bd. 2, S. 57)

So wie Heidegger Karriere in und mit der Anpassung gemacht hat, so auch Sloterdijk. "Du musst dein Leben ändern" betitelt er sein Buch über Anthropotechnik - ja in welche Richtung denn? Die Antwort muss unklar bleiben, da Sloterdijk seinen Mantel nach dem Wind hängt. Das ist die einzige Konstante.
miauxx schrieb am 10.11.2011 um 22:34
@bertamberg

Uiih, das ging daneben mit dem "Halali"; habe jetzt auch noch mal die Äußerung von H. Neumann gelesen und richtig verstanden. Naja ... das Netz hält aber auch zum Schnell-(Über-)Lesen an ... Und der Waidmanns-Jargon ist mir halt nicht so vertraut. :-)
Aber du hast mich ja verstanden.
Uwe Theel schrieb am 11.11.2011 um 12:12
@Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:53

"@bertamberg
Haben Sie gestern Hagen Rethers Auftritt in "Neues aus der Anstalt" gesehen?

Nein, ich hab zwar einen Fernseher, aber keinen Antennenanschluß. Ich muß warten, bis das Ding auf YouTube zu sehen ist."

Da mußt Du nicht auf das technisch mediokre you tube warten sondern gucke (fast) immer sofort nach bei:

www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/hauptnavigation/startseite

dort: "Sendung verpasst" oder suche unter "Urban Priol" und dann bekommst Du die Liste der bereits ausgestrahlten Sendungen aslo auch:

www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/beitrag/video/1487028/Neues-aus-der-Anstalt-vom-0811.2011

with compliments

Uwe
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 19:29
@Uwe Theel
Da mußt Du nicht auf das technisch mediokre you tube warten sondern gucke (fast) immer sofort nach bei:
www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/#/hauptnavigation/startseite k


Tja, und ich wohne auf dem Lande, habe eine Internetverbindung, die wo meinen monatlichen Traffic begrenzt. Ich bin deshalb dankbar, daß es auch technisch mediokre Angebote gibt, die relativ wenig Megabits oder -beits verschlingen. Aber so was versteht ihr verwöhnten Großstadtpflanzen nicht. (Das heißt, du bist ja ein sprechbehinderter Berliner und sagst wahrscheinlich "Flanze", weil es dir bei "Pfl" das Gebiß aus dem Schädel jagt.)
Außerdem kann ich gegebenenfalls von YouTube weg die Sendung auch abspeichern, was bei der Mediathek nicht geht (zumindest kann ich das nicht).

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.11.2011 um 23:00
Ein "Halali" wird geblasen, wenn das gejagte Wild tot ist. Das kann man von einer "konservativ-bürgerlichen Revolution" nicht sagen, die hat ja nch nicht mal das Stadium der Empfängnis erreicht, konnte das Stadium der Totgeburt nicht erreichen, geschweige ein späteres.

Lieber Bert Amberg,
danke für die Belehrung (ganz unironisch). Da will ich mal zur Jagd blasen und ende als Fehlschuss.

Was ihr Urteil über Wiederbelebungsversuche der „konservativen Revolution“ anbelangt, wäre ich mir nicht so sicher. Zum einen haben die Herren Spengler und Stefan George etc. die Weimarer Republik niedergeschrieben. Im Falle Georges haben seine „Jünger“, etwa die Staufenbergs, zunächst kräftig antisemitische Hetzpropaganda betrieben, um, als das „Tausendjährige Reich“ und der Rest Europas in Schutt und Asche lag, sich als Widerstandskämpfer noch einen Platz auf dem Pedestal der Geschichte zu sichern. Die Herren Spengler und George haben das alles nicht mehr mitbekommen; ihr natürliches Ableben hat sie vor weiterer Unbill bewahrt. George hätte sich sein „Das neue Reich“ lieber aus der Schweiz angeschaut, aber wie gesagt, in die Verlegenheit kam er nicht mehr.
de.wikipedia.org/wiki/Stefan_George
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.11.2011 um 22:39
@Miauxx
"Halali" hin oder her: s. dazu meinen Kommentar: 11.11.2011; 23:00 Uhr

www.sueddeutsche.de/kultur/peter-sloterdijk-ueber-zukunft-revolution-des-geistes-1.371816-2
poor on ruhr schrieb am 08.11.2011 um 21:53
Danke für das Blog. Gerne gelesen. Deine Ansichten sind mir sehr sympathisch. Sie werden aber wohl leider nicht am Wissenschaftsjargon in der Phlosophie verändern.

Diese abgeschlossenen sprachlichen Systeme deutscher Sprache die Wissenschaft erklären sind sowieso eine Sache für sich.

Die Amerikaner sind da oft viel praktischer eingestellt, was dem Erkennntisgewinn gut tut und die Chance auf Wissenschaft für jeden Menschen , der sich um Wissenschaft bemüht, verbreitert.

So sollte es auch eigentlich sein, finde ich.
Wolfram Heinrich schrieb am 09.11.2011 um 02:29
@poor on ruhr
Die Amerikaner sind da oft viel praktischer eingestellt, was dem Erkennntisgewinn gut tut und die Chance auf Wissenschaft für jeden Menschen , der sich um Wissenschaft bemüht, verbreitert.

So ist das. Wer etwa Physik studiert, ist gut beraten, sich ein amerikanisches Lehrbuch zu besorgen, es gibt inzwischen einige davon in deutscher Übersetzung. Ich hatte mal, als ich noch Physik studierte, das Lehrbuch eines Schweizers, das seine Einführung in die Physik mit dem hochkomplexen, sehr abstrakten Feldbegriff begann. Das amerikanische Lehrbuch, auf das ich dann umgestiegen bin, hat die Klassische Mechanik damit begonnen, daß es Strichmännchen auf einem Rollwagen eine schiefe Ebene hinabfahren ließ. Aha, konkret. Beobachtung. Dann Messung. Dann Begriffsbildung. Und so landete ich Schritt für Schritt schließlich doch bei den komplizierten Formeln und dem Feldbegriff.
Diese Art von Lehrbüchern zeichnet den Erkenntnisgewinn so nach, wie er in der Wirklichkeit tatsächlich stattgefunden hat. Am Anfang jeder Wissenschaft steht das Irgendwie-Herumwurschteln, das dann immer systematischer wird, schließlich zur Messung und dann Begriffsbildung führt.
Noch Galilei hat... Ach, wenn ich jetzt an Galilei denke und dann zu Sloterdijk springe, muß ich eh weinen. Galilei hat seine grundstürzenden Werke zur Physik und Astronomie als einer der ersten nicht im üblichen Latein geschrieben, sondern im Italienisch seiner Zeit. Auch der Handwerker, der Linsen schliff oder Instrumente baute, konnte Galileis Bücher lesen. Und viele seiner Werke hat Galilei in Dialogform geschrieben. Das heißt, er hatte im Dialog den Wissenschaftler, der seine Thesen vertrat, er hatte den verständigen Zeitgenossen, dem das Wissen fehlte und er hatte den Einfältigen (Simplicio nannte er ihn), der kaum etwas verstand. Beide ließ er zu Wort kommen, beide ließ er fragen und Einwände vorbringen und beiden hat er seine damals revolutionären Theorien so erklärt, daß sie sie schließlich verstanden.
Der Mann hat für den Marktplatz geschrieben. Und in den Elfenbeintürmen der Wissenschaft hat man ihn auch verstanden.

Als ich später Psychologie studierte, habe ich Einführungen in die Psychoanalyse gelesen, weil ich mich an Freud selbst noch nicht herangetraut habe. Damals habe ich auch begonnen, mich für den Marxismus zu interessieren und ich habe Einführungen in den Marxismus gelesen, weil ich mich an Marx und Engels nicht herangetraut habe. In beiden Fällen habe ich die Erfahrung gemacht, daß diese sogenannten Einführungen wesentlich komplizierter waren als die Originalwerke. Freud hat ein Deutsch geschrieben, so klar, so elegant und dabei einfach, daß du weinen möchtest vor Freude. Es gibt heute einen "Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa". Der Preis wird nicht verliehen für hervorragende wissenschaftliche Forschungen, sondern für die sprachliche Gestaltung wissenschaftlicher Veröffentlichungen. Einstein hat seinen Aufsatz "Zur Elektrodynamik bewegter Körper" (das ist die Originalarbeit von 1905 zur Speziellen Relativitätstheorie) so geschrieben, daß du ihm folgen kannst (okay, bei der Mathematik beißt es dann aus, die beherrscht du entweder oder du beherrscht sie nicht). Das war ein Aufsatz für Fachkollegen, kein populärwissenschaftlicher Text. Der Text ist kompliziert, aber er ist nicht komplizierter als unbedingt notwendig.
Manchmal könnte ich nur noch dreinschlagen vor lauter Wut!

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 13:36
"Diese abgeschlossenen sprachlichen Systeme deutscher Sprache die Wissenschaft erklären sind sowieso eine Sache für sich. "

Bis Adolf-Nazi an die Regierung kam, war die deutsche Sprache die führende Wissenschaftssprache weltweit- gerade in den Naturwissenschaften. Nach 1945 hat sich das erledigt!

"Die Amerikaner sind da oft viel praktischer eingestellt"

Das stimmt. Der Pragmatismus eines Charles Sanders Peirce, John Dewey, vielleicht noch Richard Rorty ist noch einigermaßen verständlich für den Common Sense. Wie sieht es jedoch mit Willard Van Orman Quine, Hilary Putnam, Thomas Nagel aus? Verstehen Sie diese Philosophen auf Anhieb? Wenn ja: Chapeau!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 13:37
Die Replik ist für poor on ruhr 8.11.2011 21:53
poor on ruhr schrieb am 09.11.2011 um 20:48
@Helena Neumann

Danke. Gerne gelesen.
poor on ruhr schrieb am 09.11.2011 um 20:49
@Wölfram Heinrich

Danke für die ausführliche Schilderung Deiner Erfahrungen.
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:12
@Helena Neumann
Das stimmt. Der Pragmatismus eines Charles Sanders Peirce, John Dewey, vielleicht noch Richard Rorty ist noch einigermaßen verständlich für den Common Sense. Wie sieht es jedoch mit Willard Van Orman Quine, Hilary Putnam, Thomas Nagel aus? Verstehen Sie diese Philosophen auf Anhieb? Wenn ja: Chapeau!

Ich glaube, Poor on Ruhr meinte hier erst mal die naturwissenschaftlichen Texte.
Im übrigen ist es für einen Deutschen erstmal erstaunlich, wenn er feststellen muß, daß im angelsächsischen Sprachraum die Grenze zwischen ernster Literatur und Unterhaltungsliteratur sehr fließend ist.
Kein Lesen ist der Mühe wert, wenn es nicht unterhält. William Somerset Maugham
In den sechziger Jahren gab es in Deutschland so gut wie keine Science-Fiction-Literatur in Buchform, außer Hans Dominik und Jules Verne. Die amerikanischen Klassiker der Science-Fiction (Asimov, Ballard, Heinlein etc.) erschienen kurioserweise in den Heftroman-Serien "Utopia" und "Terra" von Pabel und Moewig. Diese Hefte, 70 Pfennige, später 80 Pfennige, habe ich mir regelmäßig gekauft. Das meiste waren dröge Space-Operas, Jerry Cotton im Weltraum, aber eben auch wahre Perlen der Weltliteratur. Wegen des Deutsch-Unterrichts ("gute Literatur" muß interpretiert werden, sie ist mit dem Stift in der Hand zu lesen) hatte ich, der ich seit dem sechsten Lebensjahr alles an Literatur verschlungen hatte, was mir vor die Augen kam, damals eine etliche Jahre andauernde Leseblockade für "richtige Literatur". Die Science-Fiction-Klassiker haben mir seinerzeit, quasi aus Versehen, über diese Durststrecke hinweggeholfen, weil ich sie gar nicht als große Literatur wahrgenommen hatte.
Ich behaupte mal frech: So richtig gute Literatur würde mehr gelesen werden, wenn sie nicht als "gute Literatur" angepriesen würde. Wie oft habe ich nicht schon einen verschmockten Klappentext gelesen - ...X. zeigt uns hier auf erschütternd schonungslose Art und Weise das Geworfensein des Menschen in ein kaltes Universum auf - wobei sich das Buch selber dann, trotz der abschreckenden Anpreisung, als richtig spannende Story erwiesen hat.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.11.2011 um 00:17
@Wolfram
"Ich behaupte mal frech: So richtig gute Literatur würde mehr gelesen werden, wenn sie nicht als "gute Literatur" angepriesen würde."

Ich liebe Somerset Maugham auch, der war übrigens auch Arzt - The Magician -!! Bei Science Fiction kenne ich mich nicht aus.

Was den angelsächsischen Raum anbelangt, so haben die wohl eher das Problem, dass nur mehr wenige Verlage überhaupt am Markt sind, und dann sind Bücher "verdammt teuer".
Dagegen ist das deutsche Feuilleton im Vergleich dazu "verdammt gut"!!!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.11.2011 um 00:19
FASZ; SZ, DZEIT, etc.
Ahoi
Wolfram Heinrich schrieb am 12.11.2011 um 04:31
@Helena Neumann
Was den angelsächsischen Raum anbelangt, so haben die wohl eher das Problem, dass nur mehr wenige Verlage überhaupt am Markt sind, und dann sind Bücher "verdammt teuer".

Das wäre bei uns ohne die Buchpreisbindung auch der Fall. Aber ich habe eh den Eindruck, daß durch den Internet-Buchhandel die Buchpreisbindung unterlaufen wird, die Preise purzeln, die kleinen Anbieter verschwinden vom Markt und wenn dann nur noch ein paar Anbieter da sind, werden die Preise steigen.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.11.2011 um 18:17
@ Wolfram

"Ich den Eindruck, daß durch den Internet-Buchhandel die Buchpreisbindung unterlaufen wird, die Preise purzeln, die kleinen Anbieter verschwinden vom Markt und wenn dann nur noch ein paar Anbieter da sind, werden die Preise steigen."

Ich verfolge das nicht so sehr unter diesem Aspekt!
Der Verbrecher Verlag etc. z.B. überlebt durch ein überzeugendes Angebot.....aber Du hast sicherlich recht. Ich werde jetzt einmal mehr darauf achten.

Salut
Helena
SuzieQ schrieb am 08.11.2011 um 21:55
@ Wolfram Heinrich

"Ich übersetze die ersten beiden Sätze von Sloterdijk so in Alltagsdeutsch: "Wer die Macht hat, behauptet von sich gerne, er habe und sage die Wahrheit. Wir aber wissen aus Erfahrung, daß das auch gelogen sein kann." Dagegen läßt sich nichts einwenden.
Die folgenden zitierten Sätze sind dagegen eine freche Lüge. In keiner Bildungseinrichtung, von der Grundschule bis zur Universität, wird systematisch ein Defaszinationstraining angeboten. Ganz im Gegenteil: Hast du Glück, verdammt viel Glück, dann bekommst du für eine gewisse Zeit einen Lehrer, der dich zur Skepsis gegenüber genau jener Ergriffenheit heischenden Imponiersprache anleitet, die Sloterdijk im Vortrag selber anwendet. Im Normalfall aber hast du kein Glück, du lernst vielmehr, den Blähsprech von Sloterdijk und anderen Großdenkern für gedankentief zu halten und als Philosophie zu verehren.
In meinen Studentenzeiten kannte ich einen Kommilitonen, der mir auf die Frage, was ich von einem bestimmten Buch eines bestimmten Autors [1] zu halten hätte, antwortete: "Ganz hervorragend, das Buch, ich habe kein Wort verstanden." Nein, Leute, tut alle Hoffnung ab, das war nicht ironisch gemeint von ihm."

Dafür z.B. lese ich Deine Texte gern, nicht alle, auch nicht unbedingt diese monsterlangen Texte, aber es gibt immer wieder diese netten, kleine Schmunzler.
Danke Dir, Grüße, Suzie
Wolfram Heinrich schrieb am 09.11.2011 um 02:30
@SuzieQ
Dafür z.B. lese ich Deine Texte gern, nicht alle, auch nicht unbedingt diese monsterlangen Texte, aber es gibt immer wieder diese netten, kleine Schmunzler.

Ja mei, manchmal reicht ein knackiger Franzespruch, um eine Wahrheit rüberzubringen, manchmal aber muß man etwas weiter ausholen.
Hältsn davon?
theodor-rieh.de/heinrich/Matarazzo.html

Ciao
Wolfram
GeroSteiner schrieb am 09.11.2011 um 11:45
Matarazzo - Merksatz:
Die meisten Dinge sind einfach. Sie werden erst durch schlaue Leute zum Problem.
SuzieQ schrieb am 09.11.2011 um 17:26
@ Wolfram Heinrich

"Hältsn davon?"

Fein.
Wie auch die Kommentare dazu
www.freitag.de/community/blogs/wolfram-heinrich/zenon-achilles-und-die-schildkroete

Es ist ja offensichtlich, dass das Hirn beschäftigt sein möchte.
Und....schon wieder ne Amsel...

Gruß, sq
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 04:26
@GeroSteiner
Matarazzo - Merksatz:
Die meisten Dinge sind einfach. Sie werden erst durch schlaue Leute zum Problem.


Das ist natürlich nur eine Faustformel, mit aller Grobheit, die solche Faustformeln an sich haben. Aber es scheint mir eine gute Verhaltensregel zu sein, sich zu fragen "Geht das nicht auch einfacher?"
Erfahrung hat uns gelehrt, daß eine Sache umso einfacher wird, je besser ich sie verstanden habe. Die Astronomie hat sehr früh schon erkannt, daß die einige Planeten bei ihrer Bewegung durch den Fixsternhimmel teilweise rückläufig und so ganz merkwürdige Schleifen durchlaufen. Für das geozentrische Weltbild mit den Planetensphären war die Erklärung dieser Bewegung ein ziemliches Problem, man mußte für die äußeren Planeten sehr komplizierte Bahnen annehmen. Durch das heliozentrische Weltbild hat sich das sehr vereinfacht, die anzunehmenden Planetenbahnen wurden relativ einfach und die Rückwärtsbewegungen erklärten sich durch die unterschiedlichen Bahngeschwindigkeiten der Planeten.
Kopernikus und Kepler vereinfachten die Astronomie. In den katholischen Ländern Europas war lange Zeit das kopernikanische Weltbild verpönt, die nach Kepler neu errechneten Sternentafeln, die deutlich präziser waren, wurden aber auch von katholischen Seefahrern für die Navigation genutzt.
Heute können wir ein strukturell ähnliches Phänomen beobachten. In der hierzulande gängigen Philosophie des Alltags steht man immer noch der materialistischen, marxistischen Philosophie mißtrauisch gegenüber, derzufolge der Geist, also Ideen und Überzeugungen, aus den materiellen Bedingungen her zu erklären sind. Nein, sagt man, der Geist weht, wie er will. Dann aber gibt es in der Demoskopie das Instrument der repräsentativen Meinungsumfrage. Man wählt also die Stichprobe so aus, daß sie im Hinblick auf soziale Daten ein verkleinertes Modell der Grundgesamt ist. Diese Methode beruht auf der stillschweigenden Annahme, daß unterschiedliche Lebensumstände unterschiedliche Meinungen und Handlungsdispositionen bedingen.

Hat sich schon mal einer gefragt, warum es immer noch keine Einheitliche Feldtheorie gibt, welche die Physik dramatisch vereinfachen würde? Nun, es liegt an Furgeson, und natürlich an Gott:
FURGESON UND DIE EINHEITLICHE FELDTHEORIE
Am Anfang, da war Aristoteles,
und ruhende Objekte neigten dazu, weiter zu ruhen,
und bewegte Objekte neigten dazu, zur Ruhe zu kommen,
und bald kamen alle Objekte zur Ruhe,
und Gott sah, daß dies langweilig war.

Dann erschuf Gott Newton,
und ruhende Objekte neigten dazu, weiter zu ruhen,
aber bewegte Objekte neigten dazu, in Bewegung zu bleiben,
und Energie wurde erhalten, und Bewegung wurde erhalten, und
Materie wurde erhalten,
und Gott sah, daß dies konservativ war.

Dann erschuf Gott Einstein,
und alles war relativ,
und schnelle Objekte wurden kurz,
und gerade Objekte wurden gekrümmt,
und das Universum war voller Trägheitsmomente,
und Gott sah, daß dies relativ allgemein, einiges aber
speziell relativ war.

Dann erschuf Gott Bohr,
und da war das Prinzip,
und das Prinzip war Quant,
und alle Objekte wurden quantifiziert,
aber einige Objekte waren immer noch relativ.
und Gott sah, daß dies verwirrend war.

Dann wollte Gott Furgeson erschaffen,
und Furgeson hätte vereinheitlicht,
und er hätte ein Theorem ins Feld geführt,
und alles wäre eins gewesen,
aber es war der Siebte Tag,
und Gott ruhte,
und ruhende Objekte neigen dazu, weiter zu ruhen.

TIM JOSEPH

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:13
@SuzieQ
Es ist ja offensichtlich, dass das Hirn beschäftigt sein möchte.

Der Franze hat gsagt, ein Hirn wär nicht alles, aber ohne 1 Hirn, sagt er, wär alles nix.

Ciao
Wolfram
GeroSteiner schrieb am 08.11.2011 um 22:53
Was zu Sloterdijk gesagt werden muss, hat Georg Christoph Lichtenberg schon vor langer Zeit trefflich zusammengefasst:

Eine seltsamere Ware als Bücher gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen.
Wolfram Heinrich schrieb am 09.11.2011 um 02:30
@GeroSteiner
Was zu Sloterdijk gesagt werden muss, hat Georg Christoph Lichtenberg schon vor langer Zeit trefflich zusammengefasst:

"Eine seltsamere Ware als Bücher gibt es wohl schwerlich in der Welt. Von Leuten gedruckt, die sie nicht verstehen; von Leuten verkauft, die sie nicht verstehen; gebunden, rezensiert und gelesen von Leuten, die sie nicht verstehen; und nun gar geschrieben von Leuten, die sie nicht verstehen.


Auf einen Lichtenberg setze ich gerne anderthalbe:
Es läßt sich ohne sonderlich viel Witz so schreiben, daß andere sehr viel haben müssen, es zu verstehen. (...) Meine Sprache ist allzeit simpel, enge und plan . . . Wenn man einen Ochsen schlachten will, so schlägt man ihn gerade vor den Kopf . . . Man hat den Deutschen vorgeworfen, daß sie bloß für die Gelehrten schrieben; ob nun dieses gleich ein höchst gesuchter Vorwurf ist, so habe ich mich doch danach gerichtet und überall für den geringen Mann mitgesorgt.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 13:52
@ Wolfram

"Man hat den Deutschen vorgeworfen, daß sie bloß für die Gelehrten schrieben; ob nun dieses gleich ein höchst gesuchter Vorwurf ist, so habe ich mich doch danach gerichtet und überall für den geringen Mann mitgesorgt."

Der Lichtenberg war ein raffiniertes Schlitzphr, gerade wie der Franze, der sich den Lichtenberg zum Vorbild gemacht hat.

Salut
Helena
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:13
@Helena Neumann
Der Lichtenberg war ein raffiniertes Schlitzphr, gerade wie der Franze, der sich den Lichtenberg zum Vorbild gemacht hat.

Der Lichtenberg hat gsagt, seit er den Franze kennt, weiß er, sagt er, wie man denken und formulieren muß.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 12:46
@Wolfram Heinrich

Lieber Wofram,
dass ich erst jetzt mitbekomme, dass Du Dich einer meiner „Favorits“ angenommen hat, liegt auch daran dann ich zur z.Z. Nachtdienste schiebe. Da brauche ich all meine geballte Kraft, um durchzuhalten. Sloterdijk ist da leider kein „Hallo-Wach“.

Zunächst meinen Glückwunsch. Du hast Dir den Philosophen des saturierten Bürgertums vorgenommen, den Hausphilosophen der Schönen und Reichen; seinen Kameraden im Geiste Rüdiger Safranski zähle ich dazu.
„Man redet heute viel zu viel von der Gier der Reichen. In meinem persönlichen Umgang mit grossen Wirtschaftsleuten beobachte ich, dass die simple Psychologie des Bereicherungstriebs bei ihnen nicht greift. Von einem bestimmten Vermögensvolumen an ändert sich die psychische Dynamik, der wohlhabende Mensch wechselt von der Gier zum Stolz.“ (www.nzz.ch/nachrichten/kultur/kunst_architektur/wir_lebten_in_einer_frivolitaetsepoche_1.1326434.html)
Ich finde, da hat er doch mal klare Worte gesprochen, der gute Peter Sloterdijk, oder?

Doch nun zu Deinem Thema: "Clara et Distincta"

Philosophie läuft ein wenig anders ab als Physik. Das bestätige ich Dir als jd., die sowohl Naturwissenschaften als auch Philosophie studiert hat, „mit heißem Bemühen“ . Auch wenn alle mein Lehrbücher in Biochemistry, Microbiology, Physiology, Neurobiology and Neuropathology aus dem Amerikanischen sind. Die sind halt auf diesen Federn die „Weltmarktführer“. Die Mathebücher, die mich während des Studiums interessiert haben, waren allerdings Übersetzungen aus dem Russischen ins Amerikanische. In theoretischer Mathematik hatten die Russen einfach die Nase vor. Vor kurzem habe ich mich von diesen Büchern getrennt. Nein, nicht schweren Herzens. Ich verstehe die Sprache nicht mehr; ich tummele mich seit langem in anderen Themen herum. Das verändert die Synapsen, und das meine ich ganz unironisch.

Bei Sloterdijk, der in diesem Fernsehquartett immer ein wenig verhuscht wirkt, aber dennoch seine Themen verständlich herüber bringt, stört mich sein 80er und 90er Jahre Duktus auch. Ich kann Dir aber versichern, dass es an den Universitäten so nicht mehr zugeht. Inzwischen wird wieder „Klartext“ gesprochen oder anders formuliert, Selbstgespräche sind z.Z. nicht erwünscht.

Nicht minder gravierend ist, dass Sloterdijk incl. Safranski zu den Philosophen zählen die das Halali eines Revivals jener „Konservativen Revolution“ blasen, deren selbstgefälliges Wirken in den 20er Jahren bzw. zwischen den großen Kriegen schon einmal sehr en vogue war und von den „Philosophen“ Sloterdijk und Safranski nur mehr aufgekocht werden musste (ich erspare mir hier Belege z.B. aus dem das Romantik-Buch von Safranski) "Public Intellectuals" à la Schirrmacher & Co. besorgen dann die Werbung, das Herunterbrechen in die „flache Ebene“. Das verdankt sich allerdings der Ignoranz jener Schichten, die diese Gedanken goutieren: leicht verdaulich zubereitet, wird auch „Angeschimmeltes“ fröhlich geschluckt.

Ach, abschließend noch etwas zu dem von Dir angeführten Zitat:
"Unter den Gebärden des Rechts auf Ergreifendürfen tritt von alters her die Macht als Wahrheit auf. Jedoch - in der Verweigerung der Ergriffenheit kommt die mühevoll erworbene strategische Klugheit zur Geltung, die weiß, daß durch das gutgläubige Ohr auch die Lügen gehen. Durch Widerstand wird das Subjekt geboren, als Kraftpunkt einer Nichtergriffenheit. Nach den psychohistorischen Standards der letzten zweieinhalb tausend Jahre kann als erwachsen zunächst nur gelten, wer sich einem umfassenden Defaszinationstraining unterworfen hat. In dem soll das Subjekt bis an die Schwelle gebracht werden, an der für es ein unergriffener Umgang mit einverständnisfordernden rhetorischen und musischen Verführungen möglich wird."

ein Gebräu aus Nietzsche und einem holzfällenden Heidegger der bei Spengler und Rudolf Otto verbeigeschaut hat. Welches „Schw..“ soll das verstehen?

www.uni-heidelberg.de/presse/news/2002gadamer.html Ich bin keine Anhängerin der Philosophie Gadamers, aber ich bin beeindruckt von Menschen, die die Segel hissen und ihren Heimathafen verlassen um zu verstehen, um einmal eine Metapher von Blumenberg für die Philosophie aufzugreifen.

Salut
Helena
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 12:56
oben: Felder
ein Gebräu aus Nietzsche und einem holzfällenden Heidegger, der bei Spengler und Rudolf Otto verbeigeschaut hat. Welches „Schw..“ soll das verstehen?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.11.2011 um 13:54
vor beigeschaut, mein Gott!
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 07:22
@Helena Neumann
Zunächst meinen Glückwunsch. Du hast Dir den Philosophen des saturierten Bürgertums vorgenommen, den Hausphilosophen der Schönen und Reichen; seinen Kameraden im Geiste Rüdiger Safranski zähle ich dazu.

Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich über die Inhalte der Philosophie von Sloterdijk sehr wenig weiß. Ich habe weder seine "Kritik der zynischen Vernunft" gelesen noch andere Bücher von ihm. Ich weiß ein bißchen was aus der Zeitung von ihm, ich habe mir einige Sendungen mit ihm auf YouTube angeschaut, das war's dann schon. All das hat mich nicht wirklich neugierig gemacht auf mehr.
In meinem Blogbeitrag und in den darauf folgenden Kommentaren beziehe ich mich lediglich auf diese wenigen Daten. Ich bin so ungebildet, so wenig belesen, daß ich mir einen Großteil dessen, was ich so von mir gebe, wenn der Tag lang ist, selber ausdenken muß.

„Man redet heute viel zu viel von der Gier der Reichen. In meinem persönlichen Umgang mit grossen Wirtschaftsleuten beobachte ich, dass die simple Psychologie des Bereicherungstriebs bei ihnen nicht greift. Von einem bestimmten Vermögensvolumen an ändert sich die psychische Dynamik, der wohlhabende Mensch wechselt von der Gier zum Stolz.“ (www.nzz.ch/nachrichten/kultur/kunst_architektur/wir_lebten_in_einer_frivolitaetsepoche_1.1326434.html)
Ich finde, da hat er doch mal klare Worte gesprochen, der gute Peter Sloterdijk, oder?


Ich weiß nicht recht, ich kann etwa mit dem Begriff "Stolz" in diesem Zusammenhang wenig anfangen. Ich glaube auch nicht, daß sich die Vermögenszusammenballung durch das Konzept "Gier" erklären läßt. Es ist eine ökonomische Dynamik, die diese Zusammenballung bewirkt, unabhängig von der psychischen Befindlichkeit der handelnden Menschen. Große Vermögenskonzentrationen ziehen weiteres Vermögen umso mehr an, je größer sie sind, der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen, sagt der Volksmund. Steigt einer aus diesem Geschäft aus, weil er sich sagt, ich habe jetzt genügend Geld beisammen, um den Rest meines Lebens auf behagliche Weise damit zu verbringen, was ich gerne machen möchte, mehr brauche ich gar nicht, dann nimmt sofort ein anderer seinen Platz ein und macht weiter.
Ich hoffe, daß Sloterdijk den Spruch mit der "Psychologie des Bereicherungstriebs" augenzwinkernd gemeint hat. Nähme man ihn nämlich ernst, so würde er sich schnell als Unfug entlarven, ähnlich wie dies mit dem auch gern von schlauen Leuten angeführten "Machttrieb".
Zum einen erklären diese Begriffe gar nichts, das Streben nach Macht kommt vom Machttrieb und das Streben nach Reichtum kommt vom Bereicherungstrieb. Das transportiert exakt so viel Erkenntnis wie der Spruch "Die Armut kommt von der pauvreté", über den sich schon Engels lustig gemacht hat. Ein Trieb ist ein angeborener Drang, der mit elementarer Kraft nach Befriedigung strebt, wird er auf Dauer nicht befriedigt, so zieht das schwerste Schäden nach sich. Und nun hätten wir mit dem Macht- und Bereicherungstrieb zwei Triebe vor uns, die unvermeidlicherweise, das heißt per Definition von den meisten Menschen nicht befriedigt werden können . Macht hat der Mächtige ja nur deshalb, weil viele, viele andere sie nicht haben, Reichtum beruht auf der Armut anderer (mit Reichtum meine ich jetzt Reichtum im engeren Sinne, nicht den Umstand, daß mit Essen, Trinken und Wohnen soweit alles einigermaßen in Ordnung ist).

Auch wenn alle mein Lehrbücher in Biochemistry, Microbiology, Physiology, Neurobiology and Neuropathology aus dem Amerikanischen sind. Die sind halt auf diesen Federn die „Weltmarktführer“. Die Mathebücher, die mich während des Studiums interessiert haben, waren allerdings Übersetzungen aus dem Russischen ins Amerikanische. In theoretischer Mathematik hatten die Russen einfach die Nase vor.

Ich meinte gar nicht die Bücher, die dich an die vorderste Front der Forschung führen, sondern jene, die dich erstmal in das Fach einführen, nicht mehr auf Gymnasial-Niveau, sondern nunmehr für die Universität. Und da habe ich die Erfahrung gemacht, daß die amerikanischen (und russischen oder aus der DDR kommenden) Bücher didaktisch sehr viel besser gemacht waren als bundesdeutsche. Amerikanische, russische und DDR-Autoren nahmen mich als Anfänger ernst, sie nahmen zur Kenntnis, daß ich noch wenig Ahnung von einer sehr komplexen Materie hatte und sie führten mich behutsam, Schritt für Schritt in diese neue Welt ein. Andere Autoren handeln da eher nach dem Motto "Wenn du das nicht verstehst, dann kann ich dir das auch nicht erklären." Der zitierte Satz ist nicht erfunden, den hat seinerzeit ein Gymnasiallehrer in der Klasse meiner Schwester zu einer fragenden Schülerin gesagt.

Vor kurzem habe ich mich von diesen Büchern getrennt. Nein, nicht schweren Herzens. Ich verstehe die Sprache nicht mehr; ich tummele mich seit langem in anderen Themen herum. Das verändert die Synapsen, und das meine ich ganz unironisch.

Das kann ich gut nachvollziehen, ich hätte das auch nicht als ironisch verstanden. Die Mathematik ist eine sehr eifersüchtige Geliebte, wenn du sie einige Zeit vernachlässigst, dann schmeißt sie dich aus dem Bett. Gnadenlos. Schon als Schüler habe ich die Erfahrung gemacht, daß alleine die großen Ferien ausgereicht haben, mich der Mathematik zu entfremden, ich mußte mich dann jeweils erst wieder einarbeiten. Ein Effekt, der mir in anderen Fächern nicht passiert ist.

Ich kann Dir aber versichern, dass es an den Universitäten so nicht mehr zugeht. Inzwischen wird wieder „Klartext“ gesprochen oder anders formuliert, Selbstgespräche sind z.Z. nicht erwünscht.

Allmählich frage ich mich wirklich, wo du deinen "Nachtdienst" abreißt, den du schon ein paarmal erwähnt hast. Anfangs hatte ich auf Krankenschwester oder Ärztin getippt, denn in der Produktion spricht man nicht von "Nachtdienst" sondern von Nachtschicht. Aber jetzt - Naturwissenschaften studiert, Philosophie studiert, kennt anscheinend heutige Universitäten noch von innen...
Damit wir uns recht verstehen: Ich erwarte keine Antwort, schon gar keine öffentliche. Ich gebe hier nur meinen Grübelstatus wieder.

Ach, abschließend noch etwas zu dem von Dir angeführten Zitat:
"Unter den Gebärden des Rechts auf Ergreifendürfen tritt von alters her die Macht als Wahrheit auf. Jedoch - in der Verweigerung der Ergriffenheit kommt die mühevoll erworbene strategische Klugheit zur Geltung, die weiß, daß durch das gutgläubige Ohr auch die Lügen gehen. Durch Widerstand wird das Subjekt geboren, als Kraftpunkt einer Nichtergriffenheit. Nach den psychohistorischen Standards der letzten zweieinhalb tausend Jahre kann als erwachsen zunächst nur gelten, wer sich einem umfassenden Defaszinationstraining unterworfen hat. In dem soll das Subjekt bis an die Schwelle gebracht werden, an der für es ein unergriffener Umgang mit einverständnisfordernden rhetorischen und musischen Verführungen möglich wird."

ein Gebräu aus Nietzsche und einem holzfällenden Heidegger der bei Spengler und Rudolf Otto verbeigeschaut hat. Welches „Schw..“ soll das verstehen?


Ach, naja, es geht schon, mit ein bisserl Grübeln habe schließlich sogar ich verstanden, was er meinte. Aber, klar, es ist unnötig verrätselt formuliert und für einen mündlichen Vortrag unter aller Sau.
Adorno ist im Hinblick auf unnötig schwierige Formulierung seit langem bei mir auf der Liste der Üblichen Verdächtigen, ich muß allerdings inzwischen demütig und weinend Abbitte tun. Von Adornos Vortrag "Erziehung zur Mündigkeit" habe ich bis jetzt nur die erste Minute gehört, ich werde den Rest bei passender Gelegenheit nachholen, ich bin neugierig geworden.

Was für ein Unterschied zu Sloterdijks erster Minute! Gut, okay, seine Macke mit dem nachgestellten Reflexivpronomen ("sich", "mir" etc.) kann er sich nicht verkneifen, aber sonst... astrein. Für einen Muttersprachler mag seine überdeutliche Sprechweise ein wenig manieriert klingen, ein Engländer, Russe oder Italiener, der Deutsch nur in der Schule gelernt hat, wird dankbar sein für die deutliche und langsame Aussprache.

Was nun Heidegger betrifft... Ich kenne von ihm nur wenig und das Wenige hat mich nicht neugierig gemacht auf mehr. Wegen seines raunenden Gebrabbels habe ich mich schon öfter im Internet mit diversen Leute gestritten. Eine Kennerin und Verehrerin von Heidegger - nach dem, was sie alles wußte, offensichtlich eine akademische Philosophin, also eine Philosophin mit Diplom, mit Philosophen-Diplom, Diplom-Philosophin, sie hat dann was Eigenes, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind :o) ) hat mich mal drauf aufmerksam gemacht, daß Heidegger dann, wenn er - was seine Pflicht als akademischer Philosoph, also Hochschullehrer war - die Philosophie anderer darstellte, klar, verständlich und gar nicht "heideggerisch" geschrieben habe. In einer Buchhandlung in Salerno habe ich mal einige Absätze von ihm - allerdings in italienischer Übersetzung - gelesen und ich hatte den Eindruck, ja, das stimmt. Klare Sätze, klare Gedanken.
Und dann habe ich diesen Auszug aus seinem Aufsatz "Warum bleiben wir in der Provinz?" gelesen:
Wenn ich zur Zeit der Arbeitspause abends mit den Bauern auf der Ofenbank sitze oder am Tisch im Herrgottswinkel,, dann reden wir meist gar nicht. Wir rauchen schweigend unsere Pfeifen. Zwischendurch vielleicht fällt ein Wort, dass die Holzarbeit jetzt zu Ende geht, daßs in der vorigen Nacht der Marder in den Hühnerstall einbrach, daß morgen vielleicht eine Kuh kalben wird, dass den Öni-Bauern vielleicht der Schlag getroffen, daß das Wetter bald umkehrt...." (...) Neulich bekam ich den zweiten Ruf an die Universität Berlin....Ich höre, was die Berge und die Wälder und die Bauernhöfe sagen. Ich komme dabei zu meinem alten Freund, einem fünfundsiebzigjährigen Bauern....Was wird er sagen? Er schiebt langsam den sicheren Blick seiner klaren Augen in den meinen, hält den Mund straff geschlossen, legt mir seine treu-bedächtige Hand auf die Schulter und schüttelt kaum merklich den Kopf. Das will sagen: unerbittlich nein".
Das ist normale und gar nicht mal schlechte deutsche Prosa. Der Mann kann also durchaus schreiben. Formuliert er seine eigene, heideggersche Philosophie, macht er davon allerdings keinen Gebrauch.
Woran könnte das liegen? Ich hatte geschrieben: Je besser man eine Sache versteht, desto einfacher, sprich: verständlicher, kann man sie darstellen. Müßten wir also annehmen, Heidegger schreibe bei der Darstellung fremder Philosophie so glasklar, weil er diese Philosophie verstanden hat, während er die eigene Philosophie...
Nun kann, wird und sollte man einwenden, daß Heidegger allgemein als großer wichtiger und zukunftsweisender Philosoph gilt und viele sachkundige Philosophen sich in dieser Einschätzung einig sind. So gesehen kann es nicht angehen, ihm das Verständnis der eigenen Gedanken abzusprechen.
Drehen wir aber mal, nur so, als Denkmöglichkeit, die Argumentation um: Möglicherweise wird Heidegger genau deswegen als großer Philosoph eingeschätzt, weil er so unverständlich ist. Entgegen anderslautenden Gerüchten nämlich besteht Philosophie nur zum allergeringsten Teil aus dem Nachdenken über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Dieses Nachdenken besorgen einige wenige (die Philosophie-Philosophen), während die allermeisten akademischen Philosophen (die Philosophen-Philosophen) ihre Zeit damit zubringen, die Einlassungen der schöpferischen Philosophen zu interpretieren, zu kommentieren und in den Zusammenhang mit anderen Philosophen zu bringen.
Philosophen, akademische Philosophen, interpretieren andere Philosophen. Der Raum zum Interpretieren eines Textes wird aber umso größer, je dunkler (sprich: undurchdachter) der zu interpretierende Text ist. Ein Text, der aus sich selbst heraus eindeutig zu verstehen ist, läßt für kluge Ausdeutungen kaum noch Platz übrig. Er gefährdet Arbeitsplätze, die Arbeitsplätze von Philosophieprofessoren. Philosophieprofessoren, die weiterdenken und sich um ihre materielle Ex- und Subsistenz sorgen, lieben also naturgemäß dunkle Philosophen, denn diese dunklen Philosophen sichern das Einkommen der Exegeten. Klare Philosophen gelten als flach, feuilletonistisch etc.
Akademische Bedeutung läßt sich ganz objektiv dadurch messen, daß ich zähle, wie oft ein Denker von anderen Denkern zitiert und erwähnt wird. Das ist keine alberne Spekulation meinerseits, den Citation Index gibt es seit einigen Jahrzehnten (de.wikipedia.org/wiki/Citation_Index) Klare Philosophen werden aus den genannten Gründen nicht so häufig in der akademischen Diskussion erwähnt, dunkle Philosophen kommen dagegen mühelos zu Spitzenplätzen im citation index.
Ein Text, der nicht gerne gelesen wird, ist kein Text sondern ein Furz mitten ins Gesicht des Lesers. Aber - er dient dem Ansehen itzt und dem Nachruhm später.

Heideggers philosophische Texte sind immerhin so formuliert, daß man sie mit schwungvoller Musik vertonen kann:
ontology.buffalo.edu/smith/heidegger/lied.mp3
Der Text stammt - bis auf wenige, leicht zu erkennende Einschübe seitens der Liedautoren - aus dem Eingangskapitel von "Sein und Zeit".
ontology.buffalo.edu/smith/heidegger/

...ich bin beeindruckt von Menschen, die die Segel hissen und ihren Heimathafen verlassen um zu verstehen, um einmal eine Metapher von Blumenberg für die Philosophie aufzugreifen.

Dem ist nichts hinzuzufügen. Anschließe mich vollinhaltlich.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 07:26
@Helena Neumann
vor beigeschaut,

In aller Bescheidenheit schlage ich "vorbeigeschaut" vor.

mein Gott!

Wie hast du das herausgefunden? Du darfst mich aber weiter Wolfram nennen.

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.11.2011 um 22:21
Lieber Wolfram,
recht lieben Dank für Deine ausführliche Replik.
Irgenwie aktivieren wir hier den guten alten Briefdiskurs. Das ist schön und so komplett gegen die Modernität des Netzes!!

"Ich hoffe, daß Sloterdijk den Spruch mit der "Psychologie des Bereicherungstriebs" augenzwinkernd gemeint hat. Nähme man ihn nämlich ernst, so würde er sich schnell als Unfug entlarven, ähnlich wie dies mit dem auch gern von schlauen Leuten angeführten "Machttrieb".
Zum einen erklären diese Begriffe gar nichts, das Streben nach Macht kommt vom Machttrieb und das Streben nach Reichtum kommt vom Bereicherungstrieb."

Ich fürchte der Solterdijk meint, was er sagt.
Ich hatte nicht den Eindruck, dass die NZZ Leute mit ihm ein launiges Gespräch geführt haben.

"Die Mathematik ist eine sehr eifersüchtige Geliebte, wenn du sie einige Zeit vernachlässigst, dann schmeißt sie dich aus dem Bett. "

Da hast Du wohl recht. Zum Glück gibt es noch andere Lagerstätten!

"Aber jetzt - Naturwissenschaften studiert, Philosophie studiert, kennt anscheinend heutige Universitäten noch von innen... "

Denk doch mal an Jaspers, oder an den alten Aristoteles...die sind auch mehrgleisig gefahren. Oder erst Russel und Frege, Carl Friedrich von Weizäcker . Allerdings leuchte ich nur als Glühwürmchen- dafür auf mehreren Gebieten, was hier kein Thema sein sollte. Ich wollte Dir nur sagen, dass ich diese oft stipulierte Dichotomie von Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften nicht teile. Ich fand das schon in der Schule merkwürdig, dass man in Naturwissenschaften gut sein darf, aber dafür schwache Aufsätze schreiben soll und vice versa.

Mal ganz ehrlich, wir Frauen beherrschen ja auch sonst Multi-Tasking: morgens bringen wir die Kinder zur Welt, zwischendurch arbeiten wir, und abends machen wir uns schön. Manche schieben zwischendurch noch ein paar Bücher hin und her....

„Was nun Heidegger betrifft... Ich kenne von ihm nur wenig und das Wenige hat mich nicht neugierig gemacht auf mehr.
„Möglicherweise wird Heidegger genau deswegen als großer Philosoph eingeschätzt, weil er so unverständlich ist. Entgegen anderslautenden Gerüchten nämlich besteht Philosophie nur zum allergeringsten Teil aus dem Nachdenken über das Leben, das Universum und den ganzen Rest.“

Lieber Wolfram, ich schätze Heidegger als Philosoph und Deine Freundin hat recht. Seine Vorlesungen über Platon , Aristoteles etc. sind wunderbar. Meine Einlassung bezog sich auf Sloterdijk und seinen Synkretismus in diesem Statement.

„Klare Philosophen werden aus den genannten Gründen nicht so häufig in der akademischen Diskussion erwähnt, dunkle Philosophen kommen dagegen mühelos zu Spitzenplätzen im citation index.“
Was ist klar, was ist dunkel?

Meines Wissens wird Habermas sehr oft zitiert und der ist kein „dunkler“ Philosoph. Dass Kant zitiert wird, hat damit zu tun, dass er ein „Gigant“ ist, um den man nicht herum kommt, wenn man sich für Philosophie interessiert. In Südostasien lieben sie Husserl und Heidegger, dafür gibt es Gründe, die sich aus deren Kultur heraus erklären lassen.
Die Hochzeit der analytischen Philosophie ist „passé“; das heißt nicht, dass Philosophen wie Frege, Wittgenstein, Quine etc. nicht mehr gelehrt werden. Außerdem ist das keine leichte Kost, von „Dunkelheit“ kann aber auch hier nicht die Rede sein.

Ahoi
Helena
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.11.2011 um 22:24
irgendwie
Wolfram Heinrich schrieb am 12.11.2011 um 04:09
@Helena Neumann
Irgendwie aktivieren wir hier den guten alten Briefdiskurs. Das ist schön und so komplett gegen die Modernität des Netzes!!

Dabei ist die technische Modernität des Netzes eigentlich eine wunderbare Möglichkeit, diesen alten Briefdiskurs zu befördern.
- Die Postwege sind erheblich kürzer
- Die Sätze, auf die ich mich beziehe, muß ich nicht erst mühsam abschreiben, ich kopiere sie einfach in meinen "Brief" hinein
Und vor allem:
- Der Diskurs ist öffentlich, jeder ist eingeladen, sich daran zu beteiligen.

Ich fürchte der Sloterdijk meint, was er sagt.

Das fürchte ich auch. Mein Hinweis, ob er es nicht vielleicht doch nur augenzwinkernd gemeint hat mit seinem Bereicherungstrieb, hat ihm (und mir) eine Hintertür offen gelassen.

"Die Mathematik ist eine sehr eifersüchtige Geliebte, wenn du sie einige Zeit vernachlässigst, dann schmeißt sie dich aus dem Bett. "
Da hast Du wohl recht. Zum Glück gibt es noch andere Lagerstätten!


Wohl wahr, aber ich finde es schon sehr schade, daß man die weiß Gott mühsam erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten in Mathematik so schnell verliert, wenn man sich nicht ständig in Form hält.

"Aber jetzt - Naturwissenschaften studiert, Philosophie studiert, kennt anscheinend heutige Universitäten noch von innen... "
Denk doch mal an Jaspers, oder an den alten Aristoteles...die sind auch mehrgleisig gefahren. Oder erst Russel und Frege, Carl Friedrich von Weizsäcker . Allerdings leuchte ich nur als Glühwürmchen- dafür auf mehreren Gebieten, was hier kein Thema sein sollte.


Diese Mehrgleisigkeit hat mich auch nicht verwundert. Es war eher der Zusammenhang zum Nachtdienst, der mich grübeln ließ.

Ich wollte Dir nur sagen, dass ich diese oft stipulierte Dichotomie von Naturwissenschaften versus Geisteswissenschaften nicht teile. Ich fand das schon in der Schule merkwürdig, dass man in Naturwissenschaften gut sein darf, aber dafür schwache Aufsätze schreiben soll und vice versa.

Dieser konstruierte Gegensatz ist in der Tat merkwürdig und ergibt sich nicht aus der Natur der Sache. Freud und Einstein haben beide ein wunderbares, gar nicht imponierhaftes Deutsch geschrieben, auch nicht in ihren wissenschaftlichen Texten. Sartre hat Romane und Theaterstücke geschrieben, die, so sagt man, seine Philosophie illustrieren sollten, die aber auch ohne seine Philosophie, nur als Literatur genommen, jeden Vergleich aushalten.
Sicher kann heute keiner mehr auf mehreren Gebieten ganz auf der Höhe der Zeit sein, aber ein Grundverständnis über das eigene Fach hinaus sollte man sich doch erwerben. Und was haben wir? Eine gelernte Physikerin haben wir als Kanzlerin, die fröhlich die mißglückte Metapher vom Quantensprung mitflötet. Andere sprechen von Megawatt pro Jahr.
Gottchen, was ist unser Physiklehrer damals auf einen losgesprungen, der das schon damals zur festen Redensart gewordene "Stundenkilometer" verwendet hat. Stundenkilometer wäre das Produkt von Weg und Zeit, Geschwindigkeit aber sei Zeit geteilt durch Weg...

Mal ganz ehrlich, wir Frauen beherrschen ja auch sonst Multi-Tasking: morgens bringen wir die Kinder zur Welt, zwischendurch arbeiten wir, und abends machen wir uns schön. Manche schieben zwischendurch noch ein paar Bücher hin und her....

"Wenn Reichtum das zwangsläufige Ergebnis von harter Arbeit und Unternehmergeist wäre, müsste jede Frau in Afrika Millionärin sein."
www.freitag.de/politik/1145-das-grosse-wuerfelspiel
Das ist im übrigen ein Artikel, den ich dir empfehle, falls du ihn nicht eh schon entdeckt hast.

Lieber Wolfram, ich schätze Heidegger als Philosoph und Deine Freundin hat recht. Seine Vorlesungen über Platon , Aristoteles etc. sind wunderbar. Meine Einlassung bezog sich auf Sloterdijk und seinen Synkretismus in diesem Statement.

Okay, lassen wir Heidegger als Philosoph außen vor, er bleibe in unserer Jemeinigkeit. Meine Freundin ist nichts weiter als ein Internet-Nickname, sie hat aber so kenntnisreich geschrieben, daß ich davon ausgehe, sie wisse über Heidegger sehr gut Bescheid.

Was ist klar, was ist dunkel?

Klar ist ein Satz, wenn es wenig oder nichts an ihm zu interpretieren gibt. Der Satz erklärt sich selbst für jeden, welcher der jeweiligen Sprache mächtig ist.

Meines Wissens wird Habermas sehr oft zitiert und der ist kein „dunkler“ Philosoph. Dass Kant zitiert wird, hat damit zu tun, dass er ein „Gigant“ ist, um den man nicht herum kommt, wenn man sich für Philosophie interessiert.

Eben. Habermas und Kant sind halt Leute, um die man nicht herumkommt. Bist du aber nicht so groß, so beförderst du deinen Rang, indem du dunkel schreibst. Hätte Nostradamus geschrieben "Hört mal zu, Leute, ich bin ein Prophet und kann in die Zukunft schauen. Im September 1712 wird sich in Kyritz an der Knatter Folgendes zutragen..." so hätte man ihm spätestens im Oktober 1712 ins Grab nachgerufen "Tja, Nostradamus, das war wohl nix." So aber grübelt man heute noch, was er mit seinen Versen gemeint haben könnte.

Die Hochzeit der analytischen Philosophie ist „passé“; das heißt nicht, dass Philosophen wie Frege, Wittgenstein, Quine etc. nicht mehr gelehrt werden. Außerdem ist das keine leichte Kost, von „Dunkelheit“ kann aber auch hier nicht die Rede sein.

Daß die Analytische Philosophie dunkel wäre, habe ich nie behauptet und werde es auch nicht tun. Schwierig ist sie allemal und so nahe bei der Mathematik, daß ich fast alles schon wieder vergessen habe. :o)
Als ich noch Physik studierte, habe ich in München bei Eike von Savigny ein Seminar besucht und dabei eine 1 abgegriffen. Vorbei die Zeiten. "Bildung ist das, was übrigbleibt, wenn du das Gelernte schon wieder vergessen hast." Vom wem das ist? Ich habe es vergessen. :o)

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.11.2011 um 16:11
@ Wolfram

"Okay, lassen wir Heidegger als Philosoph außen vor, er bleibe in unserer Jemeinigkeit. Meine Freundin ist nichts weiter als ein Internet-Nickname, sie hat aber so kenntnisreich geschrieben, daß ich davon ausgehe, sie wisse über Heidegger sehr gut Bescheid."

Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und empfehle Dir, einmal von Heidegger "Was ist Metaphysik" zu lesen. Das ist ein guter Einstieg in sein Denken. Jedenfalls schien mir das so, nachdem ich es noch einmal gelesen habe.

Auf meiner Spielwiese "youtube" habe ich folgenden schönen Link gefunden: Was heißt Denken?
www.youtube.com/watch?v=65lK6XJ-tMA
(6Teile)
Es wird meineswissens bei Jokers auch eine CD für schmales Geld verkauft.

Wenn Du gerne heimlich mal etwas unter der Decke lesen willst: "Zur Seinsfrage"
Das hat Heidegger seinem Bruder im Geiste dem Jünger "Ernst" zu dessen sechzigstem Geburtstag gewidmet.
Da heißt es dann:
"Lieber Herr Jünger,
(...) Der junge Nietzsche nennt den Philosophen einmal den "Arzt der Kultur" (siehst Du!).
Nun, der Jünger und der Sloterdijk haben Nietzsche nicht wirklich verstanden." Er war kein Nachbeter, sondern ein Vorturner! Und das Skalpell seiner Worte war scharf.

Ahoi
Helena
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.11.2011 um 16:32
@ Wofram
Sehr gehaltvoll ist auch die CD: "Heidegger. Eine kurze Einführung." Der Verfasser des Aufsatzes:Otto Pöggeler. (argon audimax)

"Jedes Fragen", hat Heidegger gesagt, "ist Suchen".

Das ist doch schön - ich ergänze das, ganz im Sinne Kierkegaards: "Jedes Sprechen/Schreiben ist antworten, Sich-in-Beziehung setzen."
Wolfram Heinrich schrieb am 13.11.2011 um 22:55
@Helena Neumann
Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht und empfehle Dir, einmal von Heidegger "Was ist Metaphysik" zu lesen. Das ist ein guter Einstieg in sein Denken. Jedenfalls schien mir das so, nachdem ich es noch einmal gelesen habe.

Ach herrje, und dabei ich wollte ich Heidegger ausdrücklich außen vor lassen. Aber sei's drum, ich habe mir jetzt mal den Vortrag von Heidegger heruntergeladen und werde ihn mir bei nächstpassender Gelegenheit reinpfeifen. Zuvor aber ist das hier fällig:



Wenn Du gerne heimlich mal etwas unter der Decke lesen willst: "Zur Seinsfrage"

Nein, nein, das ufert jetzt aus.

Ciao
Wolfram
langweiler schrieb am 09.11.2011 um 23:19
hallo,
ich möchte einen anderen Aspekt zur Diskussion mit beisteuern. Es geht nicht nur um das, was vom Elfenbeinturm der Wissenschaft kommt.

Viele Deutsche verstehen nur Teile der "Tagesschau"
www.welt.de/wissenschaft/article13660679/Viele-Deutsche-verstehen-nur-Teile-der-Tagesschau.html

Wenn jemand, in diesem Fall Herr Sloterdijk, sich in solch einer Weise ausdrückt, dann kann das verschiedenes bedeuten. Er möchte sich bewusst distanzieren/ abgrenzen von den Nichtphilosophen bzw. Nichtwissenschaftlern. Jedoch führt dies dazu, dass nur wenige, ein bestimmter Kreis, das Gesagte verstehen. An einem Wissenschaftskongress kann man mit solch einer Sprache im Besten Falle "punkten". Aber bei einem Vortrag vor einem "normalen" Publikum wäre eine andere Vortragsweise erträglicher oder einträglicher. Vielleicht gehört aber auch dieser Vortragsweise zum Stil des Sloterdijk und macht ihn zu einer Art Marke.

Warum er sich in dieser Weise ausdrückt, dass weiß Hr. Sloterdijk alleine. Es ist nur schade, dass er auf diese Weise nur wenige erreicht.
Vielleicht möchte er insgeheim hören:
Hr A" Oh kann der sich ausdrücken - Hast du ihn verstanden?"
Fr B "Nee. aber viele Fremdworte kannte der."
Wolfram Heinrich schrieb am 10.11.2011 um 10:53
@langweiler
Viele Deutsche verstehen nur Teile der "Tagesschau"

Tja, das kommt davon, wenn man Papiernachrichten abliest. Papiernachrichten heißt: Sie sind zum Lesen gedacht, werden aber zum Hören gebracht.
Und: derfranzehatgsagt.blogspot.com/2011/04/je-information-desto-nix-verstehn.html

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.11.2011 um 22:32
@ Langweiler
"Jedoch führt dies dazu, dass nur wenige, ein bestimmter Kreis, das Gesagte verstehen. "

Darum geht es mit Sicherheit: Um Blendung, zumindest hinsichtlich des von Wolfram Heinrich zitierten Statements. Damit behaupte ich nicht, dass Sloterdijks Bücher alle mies sind.
Neben Sie Habermas, Sie finden ihn auch auf der "Youtube -Wiese", er weiß sich klar auszudrücken. Das ist aber auch ein ganz Bescheidener, dem es um die Sache geht. Die ist allerdings manchmal recht kompliziert.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.11.2011 um 23:07
nicht neben, sondern nehmen
P Schnee schrieb am 11.11.2011 um 03:19
Ich frage mich, ob Sloterdijk - dem (philosophischen) Gebot der gedanklichen Klarheit folgend - seine Gedanken auch in eine einfachere Form kleiden könnte, ohne einen inhaltlichen Substanzverlust zu riskieren. Mit anderen Worten: Um so komplizierter der Duktus, um so größer ist die Gefahr, zu blenden, auch wenn das gar nicht intendiert wurde. Filtert man nun diese Sprache, reduziert man sie auf das wesentliche, erhält man vielleicht nicht gerade eine "Plattheit", eine Trivialität, aber das Ergebnis könnte sein, dass der "Ur"- Text aufgebläht wirkt und einige Formulierungen (um es diplomatisch auszudrücken) unfreiwillig komisch wirken.

Ich bezweifel nicht, dass Sloterdijk einfacher sagen könnte, was er mit seiner Sprachwelt kompliziert sagt und ganz einfach gewollt umständlich. Aber da bin ich mir bei seinen Interpreten und (Semi)-Apologeten nicht mehr ganz so sicher. Auffällig ist nämlich, dass bei Heidegger und Co. gerade das oft offen zu Tage tritt: dass ihre Intrepreten etc. keinen eigenständigen Stil mehr haben.
Aber um etwas interpretieren zu können, muß man gerade aus dieser (!) Sprachwelt hinaus treten können.

Gutes Nächtle P
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 06:56
@P Schnee
Filtert man nun diese Sprache, reduziert man sie auf das wesentliche, erhält man vielleicht nicht gerade eine "Plattheit", eine Trivialität, aber das Ergebnis könnte sein, dass der "Ur"- Text aufgebläht wirkt und einige Formulierungen (um es diplomatisch auszudrücken) unfreiwillig komisch wirken.

Ich glaube nicht, daß eine Übersetzung des zitierten Textes von Sloterdijk in normales Deutsch zu einer Kondensierung führen würde. Ganz im Gegenteil, die Übersetzung würde länger werden. Ich gebe zu, meine Übersetzung von Sloterdijks zwei Sätzen läßt den Eindruck von Verkürzung entstehen, aber diese Übersetzung ist natürlich nicht wirklich präzise, sie ist provozierend lakonisch.

Ciao
Wolfram
P Schnee schrieb am 11.11.2011 um 13:16
Jeder Text kann meines Erachtens verkürzt werden, wenn man unwesentliches streicht und Argumente, die teilweise über mehrere Zeilen, gar über Seiten verlaufen, in Argumentationsmuster konzentriert. Erst dann zeigt sich oft erst der Wert eines Textes.

Ciao Peer
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 19:38
@P Schnee
Jeder Text kann meines Erachtens verkürzt werden, wenn man unwesentliches streicht und Argumente, die teilweise über mehrere Zeilen, gar über Seiten verlaufen, in Argumentationsmuster konzentriert. Erst dann zeigt sich oft erst der Wert eines Textes.

Wohl wahr. Aber ein philosophischer oder sonstwie wissenschaftlicher Text richtet sich zunächst mal an Leute, die diese Anschauung noch nicht teilen oder auch nur verstehen. Ihnen muß ich schön langsam, Schritt für Schritt, das Problem und seine Lösung erklären. Danach kann ich die gefundene Lösung in einem kurzen, knackigen Satz zusammenfassen. Argumentiere ich nur mit kurzen, knackigen Sätzen, dann nehme ich meinen Gesprächspartner nicht wirklich ernst.

Ciao
Wolfram
P Schnee schrieb am 12.11.2011 um 00:15
(a) Nein. Ein "philosophischer oder sonstwie wissenschaftlicher Text" richtet sich nicht "zunächst" an Leser oder Hörer, die mit dem Thema unbekannt sind. "noch nicht teilen" impliziert nicht: damit unvertraut sein.

(b) Es geht nicht um eine "knackige" Zusammenfassung. Es geht darum, dass mit klaren Sätzen mehr erreicht werden kann als mit einem Duktus, einem Stil, der nur einer kleinen Gruppe Eingeweihter, bekannt mit dem "Decodierungsschlüssel", zugänglich ist.

(c) Es handelt sich um eine Zusammenfassung, was ich im Sinne hatte. Es handelt sich um eine klare Darstellung des Inhalts, der Gedanken, der zentralen Punkte eines Textes, einer Rede etc. Das ist keine "Übersetzung", keine Interpretation, sondern eben eine Zusammenfassung.

(d) Es geht nicht um "Lösung" eines Textes - zumindest im Kontext meines Kommentars. Es geht darum, Menschen jeder Provinienz mit einem Text vertraut machen zu können. [siehe (d) und (c)
P Schnee schrieb am 12.11.2011 um 00:17
entschuldigung ich meinte (b) und (c)
Vaustein schrieb am 11.11.2011 um 11:28
Lieber Herr Heinrich,
zunächst einmal herzlichen Dank, dass Sie Ihren Beitrag veröffentlichten und den Inhalt im Laufe des Thrads auch vertieften.

In meinen Augen ist Sloterdijk ein Schwadrosoph (Mix aus Svhwadroneur und Philosoph). Diese Sorte gab es schon immer.

Jean de la Bruyère schrieb darüber in seinem Werk "Die Charaktere" fplgendes:
"Bezahlt man dem Schriftsteller das, was er denkt und schreibt" und wenn er Bedeutendes denkt, zahlt man ihm entsprechend mehr? wird er reich, wird er adlig durch treffliches Denken und Schreiben? Die Menschen brauchen Kleidung, sie müssen sich rasieren lassen; sie benötigen eine Tür, um ihr Haus zu verschließen; ist aber bildung unentbehrlich? Narrheit, Einfalt, Unsinn, fährt Antisthenes fort, das Schild eines Schriftstellers oder eines Philosophen auszuhängen! Wenn möglich, ein einträgliches Amt haben, das ein behagliches Leben sichert, das einem gestattet, seinen Freunden Geld zu leihen und denen zu schenken, die es nicht wiedergeben können; dann zum Spaß schreiben, zum Zeitvertreib, wie Tityrus pfeift oder Flöte spielt; dies oder nichts; unter dieser Bedingung will ich schreiben und dem Drängen derer nachgeben, die mich an der Kehle packen und sagen: "Du mußt schreiben". "

Man sieht, La Bruyère war Visionär...er sah die Sloterdijks vorher.,-))
rago42 schrieb am 11.11.2011 um 11:39
Wolfram Heinrich schrieb:
"Wenn ein Vortrag so beginnt, dann ist es Zeit, aufzustehen und in die nächste Kneipe zu gehen. Hohleres Geschwätz werdet ihr dort auch nicht hören, die Gäste mögen so besoffen sein, wie sie nur wollen."
Genau so sieht es aus!
Wer hätte das gedacht, dass wir nochmal einer Meinung sein würden?

"Denn, machen wir uns nichts vor, kompliziert zu formulieren ist eine schnelle Sache für einen mit allen Salben geriebenen Akademiker, so etwas wird ihm zumindest in den Sozial- und Geisteswissenschaften antrainiert."

Sicher, aber wenn man gute Dozenten hat, lehren sie eine aber auch gutformulierte Scheiße von gutformulierten Texten zu unterscheiden.
In meinem ersten Semester Germanistik gab uns unser Dozent Dr. Heinrich Detering einen unglaublich kompliziert formulierten Text, den wir lesen sollten. Danach fragte er, was denn in dem Text drin steht. Nachdem sich viele zu Wort melden wollten, war er so fair niemanden ins offene Messer laufen zu lassen und erklärte uns, dass in dem Text absolut gar nichts drin steht. Wir sollten uns nicht vom "Uni-Bluff" blenden lassen.
(der Ehrlichkeit halber sei erwähnt, dass diese Lektion bei mindestens einem meiner Kommolitonen in die Hose ging. der hielt fortan jeden kompliziert formulierten Text für inhaltsleer.)
rago42 schrieb am 11.11.2011 um 11:45
Und wer mir nun wegen obiger Orthographie nicht glaubt, das ich Germanistik studiert habe, den kann ich gut verstehen. :-)
Wolfram Heinrich schrieb am 11.11.2011 um 18:16
@rago42
Wer hätte das gedacht, dass wir nochmal einer Meinung sein würden?

Tja, die Welt ist voller Wunder.

Sicher, aber wenn man gute Dozenten hat, lehren sie eine aber auch gutformulierte Scheiße von gutformulierten Texten zu unterscheiden.

Genau das hatte ich geschrieben. Wer Glück hat, gerät an solche Lehrer. Die meisten aber haben Pech.

In meinem ersten Semester Germanistik gab uns unser Dozent Dr. Heinrich Detering einen unglaublich kompliziert formulierten Text, den wir lesen sollten. Danach fragte er, was denn in dem Text drin steht. Nachdem sich viele zu Wort melden wollten, war er so fair niemanden ins offene Messer laufen zu lassen und erklärte uns, dass in dem Text absolut gar nichts drin steht. Wir sollten uns nicht vom "Uni-Bluff" blenden lassen.

Ich hätte die Leute ja in die Falle laufen lassen. Nicht, um die Leute bloßzustellen und auszulachen, sondern um sie eine wichtige Erfahrung fürs Leben machen zu lassen. Vielleicht hätte ich die Seminarteilnehmer, um den Einzelnen zu schonen, gebeten, ihre Interpretation schriftlich abzugeben und hätte dann die Auswertung anonym gemacht.
Ich habe mal im Usenet, in der Philosophie-Gruppe, einen ganz merkwürdig verrätselten Text gelesen. Es handelte sich dabei nicht um einen ambitionierten Philosophen, sondern offensichtlich um einen französischen Muttersprachler, der zwar leidlich Deutsch konnte, aber bei weitem nicht so gut, um auf Deutsch über Philosophie diskutieren zu können. (Ich kann das auf Italienisch auch nicht, obwohl ich mich ansonsten ganz gut verständlich machen kann.) Es könnte natürlich auch sein, daß er seinen ursprünglich französischen Text nur durch Babelfisch oder sonst ein Übersetzungsprogramm gejagt hat.
Der Gedanke in ihrem Gebrauch begrenzt hat die Seele (oder das, was Sie wollen), das Mittel gefunden, es zu verlängern und es durch das Mittel der Überlegung zu vervollständigen. Das konditionierte Gehirn hat ein begrenztes Feld; man verlängert es im Sinn der Entfernung durch das auch tierische oder Gehirn reptilien im Sinn der Kleinheit durch das komparative Gehirn oder matérialisme mit seinen Axiomen genannt, der Marxismus oder die positive Einstellung im Sinn des Volumens durch das vergrößernde Instrument, das limbische Gehirn. Dieselben Fortschritte wurden für den Gedanken gemacht, der den Menschen durch die Erfindung der Versuchsmethode charakterisiert. Durch den bewußten Gedanken hält man Vermerk schnellsten und der der delikatesten Ideen. So werden die Gedanken durch die Überlegung verhundertfacht und können zur letzten Genauigkeit gelangen; außerdem kann sich jeder an sich selbst der neuen Ideen für den besonderen Befehl der Gedanken schaffen, daß er sich vorschlägt.
Was für den Gebrauch der Ideen sind die Hauptregeln diese: 1° muß der Beobachter seine Ideen kennen zum Beispiel, genau zu wissen, welches der Einfluß seines Gehirns ist reptilien; 2° muß er versuchen, sich sie den bequemsten zu machen, indem er sie durch einige Verbesserungen für den Gebrauch anpaßt, für den er bestimmt; 3° muß er sie prüfen; 4° muß er schließlich kennen und die Fehler schätzen, von denen sie empfänglich sind."

Es hat sich damals tatsächlich einer gefunden (und es war nicht mal ein Dummkopf, im Gegenteil), der anschließend auf Deibel komm raus versucht hat, einen Sinn in diesen Text hineinzulesen. Ich mein, der Text enthielt höchstwahrscheinlich einen Sinn, aber der arme Franzose war nicht in der Lage, diesen Sinn auf Deutsch zu formulieren.
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört,
Es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.

Solange es Leute gibt, die bereit sind, in jedem Wortgemenge einen Sinn zu vermuten, nur weil ein ausgewiesener Philosoph als Autor drunter steht, wird gegen diesen Uni-Bluff nicht viel zu machen sein. Nicht zuletzt deshalb, weil dunkle Texte - wie ich an anderer Stelle hier angemerkt habe - bei berufsmäßigen Hermeneuten naturgemäß beliebter sind als klare Gedanken.
Benimm dich wie ein Dummer, und du wirst undurchschaubar für alle Ewigkeit. Abrakadabra, Mene Tekel Upharsin, Pape Satan Pape Satan Aleppe, le vierge le vivace et le bel aujourd'hui - jedesmal, wenn ein Dichter, ein Prediger, ein Potentat oder Magier irgendein bedeutungsloses Gekrächze von sich gegeben hat, verbringt die Menschheit Jahrhunderte damit, seine Botschaft zu ergründen. Die Templer bleiben unergründlich wegen der Konfusion, die in ihren Köpfen herrschte. Deswegen werden sie von vielen verehrt.
Umberto Eco "Das Foucaultsche Pendel", S. 127

Ciao
Wolfram
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.11.2011 um 10:32
Liebe/r rago42

in dem kleinen Land, in dem ich u.a. aufgewachsen bin spricht man drei Sprachen und das verfassungsmäßig verbürgt!
Ich schreibe hier auf Deutsch. Warum nicht anders? Ich will ja verstanden werden.

Orthographiefehler, Kommata hin oder her: Konrad Duden wurde Ende des 19. Jhd. vom Preußischen Staat auf den Sockel gehoben. Bis dato konnte man in diesem Land zumindest orthographiemäßig schreiben, wie man wollte. Inhaltlich sah das natürlich anders aus. Der Zensor hat in Deutschland Tradition.

Inzwischen, ich erwähnte das andernorts, bekomme ich regelmäßig Schützenhilfe in Sachen deutsche Orthographie von, wenn auch anonymen, dFreitag-Gut-Menschen. Ordnung muss sein! Machen Sie sich also keine Sorgen. Sollten Sie künftig durch Eingaben auffallen, wird man Ihnen unter die Arme greifen.

Salut
Ihre
Helena Neumann
zelotti schrieb am 11.11.2011 um 21:28
Der Sloterdijk ist ein Hühne. Sein sakraler Vortragsstil hat etwas Komisches. Ich habe den gern. Es ist alles so altmodisch.

Was er da über "kulturtragende Überzeugungspotenziale" und "höhere Kultur" redet und "Ergriffenheit", das ist sozusagen neokonservative Modequatsche und gespreiztes Elitengewichse.

Odysseus sollte mal vorbeikommen und das Schwert ziehen.
goedzak schrieb am 12.11.2011 um 13:37
Hühne? Du meinst 'Hahn'?
Wolfram Heinrich schrieb am 12.11.2011 um 14:59
@goedzak
Hühne? Du meinst 'Hahn'?

Begraben wir den Tippfehler in einem Hüh... äh, Hünengrab.

Ciao
Wolfram
Wolfram Heinrich
Der Franze hat gsagt, der Xaver wenn das noch hätt erleben können, sagt er, der hätt sich totgelacht.
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