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Kinder betreffend geht das Gerücht um, sie seien dumm geboren und müßten nun von uns Erwachsenen darüber belehrt worden, was Sache sei, damit sie eines Tages genau so klug sind wie wir selbst.
Es gibt Leute, die dies bezweifeln und ich gehöre dazu. Beobachtungen von Erwachsenen haben mich gelehrt, daß Kinder gar nicht ausreichend Phantasie haben, sich all den Unfug auszudenken, den Erwachsene so gerne vor sich hin plappern, den etwa, daß Geld arbeite, wenn man es nur lange genug auf der Bank liegen läßt.
Vor vielen Jahren, es kurz nach Schulbeginn, war ich mit meinen beiden Söhnen gerade im Ort unterwegs, als mein Ältester (er war damals 8 Jahre alt) plötzlich lachte und rief: "Und bei rot soll man den Kindern kein Vorbild sein?"
Irritiert fragte ich nach, was seine Bemerkung bedeuten solle und Sebastian zeigte auf ein Schild, das an der Fußgängerampel hing. Ich begriff immer noch nicht (bei Erwachsenen dauert das etwas länger), bis ich das Schild ein zweites Mal las und dann machte es "klick": Sebastian hatte recht.
Auf dem Schild stand tatsächlich:
"Nur bei GRÜN den Kindern ein Vorbild." Nach den Regeln deutscher Grammatik und Zeichensetzung konnte dies nur heißen, daß man entschieden davon abriet, auch bei Rot ein Vorbild für die Kinder zu sein.
Ich habe daraufhin einen Brief [1] an die Verkehrswacht geschickt, in welchem ich die subtile Sprachkritik des Achtjährigen schilderte und anregte: "Vielleicht können Sie, wenn Sie nächstes Jahr zum Schulbeginn Ihre Verkehrssicherheitskampagne wieder starten, drauf achten, daß die Kinder ihre in der Schule - mehr oder weniger mühsam - erworbenen Kenntnisse der deutschen Sprache im Alltag nicht wieder einbüßen.
Nur bei GRÜN! Den Kindern ein Vorbild" [2]

Weder habe ich damals eine Antwort bekommen noch wurde meine (eigentlich Sebastians) Anregung aufgegriffen. Die Schilder sehen immer noch so aus wie damals (das obige Bild ist aus dem Internet und scheint jüngeren Datums), nur bei der Verkehrswacht Lauf arbeitet anscheinend ein Mensch, der Deutsch kann.
[1] Ja, Brief. E-Mail war damals eine Sache, mit der einige wenige Andere kommunizierten.
[2] Was ein anders gesetztes Satzzeichen alles anrichten kann, dafür hat Brecht (oder wer?) mal ein schönes Beispiel gegeben:
Der Mensch denkt, Gott lenkt.
Der Mensch denkt: Gott lenkt.
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Dann aber ganz schnell berichtigt
Von Kindern lernen, heißt Deutsch lernen! Sonst sprachen Du und Brecht mir aus der Seele. Einen lieben Gruß auch an Deinen Sohn Uwe |
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@Uwe Theel
Dann aber ganz schnell berichtigt: "Von Kindern lernen, heißt Deutsch lernen!" Der Text ist korrigiert. Einen lieben Gruß auch an Deinen Sohn Er macht, wen wundert's, zur Zeit eine Ausbildung zum Journalisten. Ciao Wolfram |
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Wie kamen Sie auf die Idee, dass Kinder unvernünftig, Erwachsene vernünftig seien? Es gibt doch nur ein Alter der Vernunft, das der 0 bis etwa 9jährigen. Dann fängt das Leben an als Schauspiel ichsüchtiger Exkinder. Lesen Sie bitte von Schopenhauer "Über die (strukturellen) Unzulänglichkeiten des menschlichen Intellekts" - da steht geschrieben, was man in diesem Zusammenhang wissen sollte.
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@Zeitleser
Wie kamen Sie auf die Idee, dass Kinder unvernünftig, Erwachsene vernünftig seien? Wozu gibt es Wörter, wozu Sätze? Wozu füge ich Wörter zu Sätzen und schreibe diese dann hin? Ich schrieb eingangs meines Beitrags: "Kinder betreffend geht das Gerücht um, sie seien dumm geboren und müßten nun von uns Erwachsenen darüber belehrt worden, was Sache sei, damit sie eines Tages genau so klug sind wie wir selbst." Mit dem Wort "Gerücht" distanziere ich mich also von dieser Meinung. Aber ich weiß aus leidvoller Erfahrung, daß Lesen eine Kunst ist, die nur wenige beherrschen, also füge ich, meine Distanzierung bekräftigend, hinzu: "Es gibt Leute, die dies bezweifeln und ich gehöre dazu." Und dann fragen Sie mich, wie ich auf die Idee käme, Kinder seien unvernünftig, Erwachsene dagegen vernünftig! Der ganze Beitrag von mir dreht sich um den Umstand, daß ein achtjähriges Kind den Unfug erkennt, den eine ganze Horde von Erwachsenen erdacht und genehmigt und obergenehmigt hat. Und Sie fragen mich... Lesen Sie bitte von Schopenhauer "Über die (strukturellen) Unzulänglichkeiten des menschlichen Intellekts" - da steht geschrieben, was man in diesem Zusammenhang wissen sollte. Aber ganz bestimmt werde ich das nicht tun. Vielleicht bin ich nur etwas altmodisch, aber ich erwarte, daß man mir gegenüber argumentiert und nicht einfach einen Namen in den Raum wirft. Ciao Wolfram |
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Zitat war nicht richtig. Es steht dort "Nur bei Grün - den Kindern ein Vorbild". Der Spruch arbeitet also damit, dass gewusst wird, was der Leser mitliest / -denkt. Nur bei Grün rübergehen, daher den Kindern ein Vorbild sein. Dieses Weglassen des jedermann verständlichen, ist ja eigentlich eine alte Methode der Sprachnutzer. Im Japanischen lässt man alles konjugieren, deklinieren, Vergangenheits- und Zukunftsformen einfach weg, weil man weiß, im Zusammenhang weiß der Gesprächspartner warum es geht und sortiert somit richtig ein.
Warum also redundante Nebengeräusche zum Grauen der Sprachnutzer - nichts ist so schön, wie in einer fremden Sprache mit noch dazu geringem Vokabelwissen ein Buch zu lesen - man ist doch herausgefordert, das nichtbekannte selbst zu ersetzen, das geht ziemlich gut und macht Spass. Die Intelligenz liegt im Weglassen - und da sind Kinder auch ziemlich gut. r |
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@Zeitleser
Zitat war nicht richtig. Es steht dort "Nur bei Grün - den Kindern ein Vorbild". Das Schild , auf dessen Text sich mein Beitrag bezieht, ist jenes, das auf dem ersten Photo zu sehen ist. Dieses Schild enthält keinerlei Satzzeichen. Der Aufkleber mit dem von Ihnen zitierten Text, der einen Bindestrich enthält und von der Verkehrswacht Lauf verantwortet wird, wird von mir so kommentiert: "...nur bei der Verkehrswacht Lauf arbeitet anscheinend ein Mensch, der Deutsch kann." Dieses Weglassen des jedermann verständlichen, ist ja eigentlich eine alte Methode der Sprachnutzer. Motto: Schreib einfach irgendwas hin, die Leut werden schon verstehen, was du meinst. Die Intelligenz liegt im Weglassen Alsdann bin ich jetzt halt intelligent und kommentiere den Spruch nicht. Ciao Wolfram |
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Nett, aber Wittgenstein meinte doch: die Bedeutung seines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache. Oder so.
Jedenfalls ist dieser Satz so gesehen falsch. Das ist richtig. Wenn man ihn jedoch verstehen will, muß man sich halt einen Doppelpunkt oder ein Komma vorstellen. Dies ist erweiterte Hirntätigkeit, kann auch von Kindern gefordert werden und verunsichert sie nicht in der deutschen Sprache, sondern erzeugt Zusatzverstehen: ein Text muß nach Zusammenhang interpretiert werden. Wie gesagt, ganz nett, aber unerheblich und siebengescheit, wie man in Bayern sagt: ein bischen wichtig machen mit Nebensächlichkeiten. |
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Erinnert an den Leberkäse-Skandal: diese Bayern nannten da ein Konglomerat aus irgendwelchen Schlachtteilen Leberkäse, obwohl weder Leber noch Käse dirn war. Um die wohl eher preußischen Käuferinnen nicht zu überfordern, sich merken zu müssen, daß kein Käse drin ist, wurde er in Fleichkäse umbenannt, obwohl er auch kein Käse ist: aber dann war der korrekten Kleinlichkeit Genüge getan.
Es konnte aufgeatmet werden. |
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@Richard der Hayek
Jedenfalls ist dieser Satz so gesehen falsch. Das ist richtig. Wenn man ihn jedoch verstehen will, muß man sich halt einen Doppelpunkt oder ein Komma vorstellen. Dies ist erweiterte Hirntätigkeit, kann auch von Kindern gefordert werden und verunsichert sie nicht in der deutschen Sprache, sondern erzeugt Zusatzverstehen: ein Text muß nach Zusammenhang interpretiert werden. Diese "erweiterte Hirntätigkeit" wird immer wichtiger in einer Zeit, in der selbst professionelle Schreiber dir irgend was hinrotzen und das Einsortieren und Verstehen dann dir überlassen. Grunz ist Trumpf. Wenn du dir meinen kurzen Beitrag nochmal durchliest, wird dir auffallen, daß mein damals achtjähriger Sohn lachte, als er mich auf das Schild hinwies. Er hatte sehr wohl verstanden, was das Schild sagen wollte , er hatte aber auch gemerkt, daß der Satz, so wie er dastand, Unfug war. Ciao Wolfram |
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Ja schon. Aber gleich einen Brief an die schreiben ?!
Diese Verkehrsfritzen sind ja keine Schriftsteller. Da gebe ich Ihnen allerdings recht. Auch die billigen Übersetzungen. Im Film erst ! Meine Freundin war lange in USA und spricht sehr gut englisch, bei manchen Filmen sagt sie, daß sie den Originaltext aus der schlechten Übersetzung erkennen kann: da hätte der Translator kurz nachdenken oder echte Ahnung haben müssen. Ave ! |
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@Richard der Hayek
Ja schon. Aber gleich einen Brief an die schreiben ?! Diese Verkehrsfritzen sind ja keine Schriftsteller. Das sind sie nicht, deswegen ja der Brief. Das Schild richtet sich ja an die Eltern der Schulanfänger und an die Kinder der ersten Klassen. Warum sollten nicht auch bei der Grammatik die Großen den Kleinen ein Vorbild sein? Warum sollte man achselzuckend zuschauen, wenn die Kinder falsches Deutsch lernen? Ciao Wolfram |
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@Zeitleser
In den Staub mit allen Feinden Brandenburgs! Was sagen Sie dazu? Wenn ich jetzt wüßte, was mir der Satz sagen soll. Ob hinter dem falschen Zitat tiefere Absicht dahintersteckt oder bloße Schlamperei? Kleist jedenfalls versagte sich das "den" und begnügte sich mit "In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!" Abgesehen davon kann ich als Baier nichts Schlechtes denken von den Feinden Brandenburgs. Ciao Wolfram |
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Und ich dachte, es geht um Wahlplakate der Grünen. Tja, wenn man das Kleingedruckte nicht liest...
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Wesentlichen Zuspruch erhalten die Grünen, weil man bei der Ampel dann fahren darf.
Die SPD und die Linken wollen das angeblich ändern. |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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