Ein Bekannter von mir, der Historiker ist, war sehr angetan vom Westerwelle-Diktum der "spätrömischen Dekadenz". Das sei ein ganz passender Verweis für den Kenner antiker Geschichte. Er machte sogleich wilde Exkurse in die Geschichte des antiken Imperiums. In der spätrömischen Kultur gebe es einen alt-römischen Almosenstand. Für den gibt es die berühmten Brot und Spiele.
In meiner Stadt gibt es wahrscheinlich viele "spätrömisch Dekadente". Das Wort "dekadent" stammt wie wir wissen aus dem Agentenfilm. Wenn die herrische Politkommissarin Olga mit Mantel und Pelzmütze in eine Holzhütte eintritt, dann geschieht das niemals ohne ihren abfälligen Verweis auf die westlich-dekadente Einrichtung. So zu spotten lernen diese Frauen in Moskau bei der Ausbildung.
Ob Peter H. spätrömisch dekadent ist, das kann ich nicht beurteilen. Wenn unsere Dekadenz wirklich eine altrömische wäre, dann hätte sie in einer Demokratie einen sehr festen Stand.
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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