WORTlieb

[PoetenBlog] - Intermezzo

05.09.2009 | 23:53

Auf der Suche nach der unperfekten Liebe - ein Abriss.

"FastFoodPoetry" war eine Radiosendung beim werbefreien Radio Bern, welche der Autor des [Poetenblogs] jeden Donnerstag moderierte. Das äussere Konzept der Sendung ist einfach und wurde jedoch limitiert auf 7 Jahre. In der dreistündigen Poesiesendung wurde Musik in deutscher Sprache oder in deutschen Dialekten gespielt, von österreichischen Bands über deutsche Liedermacher oder schweizer Musikkabarettisten bis hin zu jiddischen Chansons oder bayrischen Protestsongs, aber auch  die Klassiker unter den Literaturvertonungen wie Brecht, Jandl, Heine fanden Platz. Der Hauptteil der Sendung bestand aus einem Text, den der Autor des [Poetenblogs] - der, welcher sehr gerne in der dritten Person von sich selbst spricht - in der jeweiligen Woche geschrieben hatte und den der Autor des [Poetenblogs] - der, welcher sehr gerne immer wieder ausgiebig abschweift -  persönlich über Äther in "FastfoodPoetry" akustisch inszenierte. Die gelesenen Texte wurden mit Musik, Geräuschen oder wortverspielten Effekten begleitet. Das Konzept der poetischen Texte belief sich darauf, die unschönen Seiten der Liebe aufzeigen zu wollen. Die ganze Welt wirbt um Liebe und niemand denkt an ihre Folgen und Konsequenzen. Die Liebe, so schön wie sie ist, birgt aber mehr. Die Liebe ist im Grunde genommen sehr zynisch. Sie lässt uns hochschweben und dabei tun wir Dinge, die man dann erst einmal dem Herrn Polizisten beibringen muss. Noch nie wurde aus einem anderen Grund so viel Dummheit getan wie aus dem Grund der Liebe. Geht es um Liebe, wird ein Jeder dumm. Verliebte sollte man in das Irrenhaus stecken und erst wieder rauslassen, wenn sie verheiratet sind. Da ist nichts auszusetzen an einer schönen Hochzeit im Klinikpark mit einer Gästeliste, die von Napoleon bis hin zu George W. Bush reicht (bis man merkt, dass es tatsächlich der echte Bush ist)...
Eifersucht folgt meist auf Liebe, was die Liebe wiederum sarkastisch macht. Kaum hat sie, was sie ein Leben lang suchte, muss sie sich auch schon wieder fürchten, dass sie es verliere. Und um dies zu verhindern ist der Liebe alles recht, was schlecht ist. Ohne Eifersucht und Liebe wären Dichter arbeitslos. Weiter geht es mit den Kompromissen. Nicht jeder Kompromiss, den man der Liebe wegen eingeht, ist gut. Jemand ist immer im Unrecht, was die Liebe widerum sardonistisch macht und schmerzerfüllt. Damit man dies nicht auf Anhieb merkt, schüttet der Körper gleich wieder ein paar Schmetterlinge aus, die dann in deinem Bauch tanzen und du denkst, dass es ein schöns Gefühl sei, wenn man für die Liebe devot und untertänigst alles tut und aufgibt. Natürlich spielt Sex auch eine grosse Rolle, wenn es um Liebe geht, sowie der Rausch, ähnlich wie bei Drogenerfahrungen; - und genau das ist die Ironie an der ganzen Sache.
Auch dies war Thema der Radiosendung. Sex, Drugs und die Suche nach der unperfekten Liebe, gespickt mit schrägen Sprüchen und poetischen Intermezzi, scherzhaften Ernst-Telefonaten, Hörspielen oder Literateninterviews.
Dieser Poesieteil stiess und eckte aber bei einigen Mithörern an, bei anderen rief es ein Verständnisgefühl hervor, so dass die gesamte Sendung polarisierte. Entweder man liebte sie oder man hasste sie. Es gab nichts dazwischen. Auch aus diesem Grunde ist "FastFoodPoetry" in einen kleinen Kultstatus gerückt worden. Lange Rede, kurzer Sinn: "FastFoodPoetry" wurde in der Hälfte, nach dreieinhalb Jahren, von dem freien Radiosender zensiert ("3 Strafanzeigen", "Jargon" und "beinhaltet zu viel Sex") und der Autor des [Poetenblogs] - der, welcher gerade vor dem Computer sitzt und schreibt - durfte nichteinmal mehr das Studio betreten ("einstweilige Verfügung").

Soweit die nette Anekdote zum Autoren des [Poetenblogs] - der, welcher seither einen guten Ruf geniesst. Seither ist einige Zeit vergangen und soviel Gras darüber gewachsen, dass man sich erlauben kann, den Sendungsnamen "FastFoodPoetry" als Twitter-Titel zu verwenden. Vergeben, aber nicht vergessen wurde "FastFoodPoetry" und zur Auflockerung des [Poetenblogs] zwitschert der ehemalige Moderator - der, welcher nun den [Poetenblog] schreibt - nun eben aus dem "FastFoodPoetry"-Nähkästlein. Zu sehen in der linken Spalte auf dieser Seite oder direkt und komfortabel unter :

www.twitter.com/FastFoodPoetry.

Da ich es aber nicht mag, wenn man mich verfolgt, klicken Sie doch lieber öfters auf den [Poetenblog], als auf "Follow!", um die Tweets im "FastFoodPoetry-Twitter" zu lesen.

In diesem Sinne: "Follow me!"

 
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WORTlieb
Poet, sarkastischer Zyniker, philosophischer Theaterautor, ironischer Sardonist und gedanklicher Schwelger.
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