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13.01.2010 | 17:14

Cicero lesen! Nein, nicht die Zeitschrift!

 

O tempora o mores! Wie wäre es in diesen traurigen Zeiten der politischen Bankrotterklärungen mit etwas Eskapismus? Wie wäre es mit Robert Harris grandiosem Buch Titan? Mit etwas polithistorischem Thrill - ausgerechnet aus der Römerzeit. Und ausgerechnet  mit dem uns Schülern damals als Tugendbold verkauften Cicero.

Zu Beginn der Lektüre fragte ich mich noch, wen der Autor denn spiegelt. Welcher aktuelle Politiker ist denn nun Cicero? Wer Caesar? Crassus? Wer ist die streitsüchtige Terentia, Ciceros Gattin? Mrs. Blair? Dass Aktualisieren gab ich sehr schnell auf, um in die römische Geschichte einzutauchen. Es ist nämlich diese Geschichte selbst, die uns die Charaktere so "aktuell" erscheinen lässt, aber Charaktere mit Niveau! Was für eine Zeit, dieser Übergang von der Res publica zur Caesarenherrschaft! Und mitten drin der politisch hyperaktive Cicero, der bei aller Redlichkeit ständig in Intrigen steckt, am liebsten in mehreren gleichzeitig, ein Simultanintrigant. Es ist sein gebildeter Sklave Tiro, den Harris in der Rückschau die turbulenten Ereignisse erzählen lässt, dabei die historischen Quellen geschickt einbauend.

Cicero ist Erster Konsul und versucht quasi als politischer Sisyphus die auseinanderbrechende Republik   zusammen zu halten. Bürger- und Sklavenkriege stecken den Römern in den Knochen. Im fernen Asia macht sich Pompeius magnus einen Namen und steinreich. In Roma eterna selbst bereitet Caesar geduldig seinen Aufstieg vor. Die Legionäre und Plebeier sind unzufrieden. Aufstände kündigen sich an. Der machtgeile Senator Catilina spielt den Populisten und Konspirator. Ciceros Leben ist bedroht. Es kommt zum rhetorischen Showdown im Senat: Quo usque tandem abutere, Cailina, patientiua nostra? Wie lange noch, Catilina, wirst du unsere Geduld missbrauchen?

Harris zeigt uns Lesern alle Politikertypen in Aktion - vom altrömischen ungewaschenenTugendbold Cato über den dummschlauen Haudrauf Pompeius bis zum verkommenen überparfümierten "Spieler" Clodius dem Schönen. Er verfällt dabei nicht zu sehr ins Klischeehafte. Da ist die solide Quellenbasis vor.

Ein historischer Politthriller also, der Lust macht: auf römische Geschichte - und auf den letzten Band der Cicero-Trilogie. Eins ist leider sicher. Es wird traurig enden.

 

 

 
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