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Merkwürdige Zeiten sind das. Unerträglich erscheint uns die Leere des Jetzt, sein Warten auf Ziele, Konzepte... Zwischen der Programmschematik der Techniker und der Verdattertheit der Politiker gibt es längst keine Sinnbeziehung mehr. Diese Zeilen wurde 1958 geschrieben. Ihr Autor meinte das für ihn alt gewordene 20. Jahrhundert. Das sollte dann auch historisch 1989 sterben. Aber fällt denn die Diagnose für unser demgemäß auch nicht mehr so junges 21. Jahrhundert so ganz anders aus?
Es geht um die Aktualität des kritischen Philosophen Ulrich Sonnemann (1912 - 1993), vor allem um dessen 1963 erschienene Aufsatzsammlung mit dem starken Titel: "Das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten. Deutsche Reflexionen." (1). Das Buch war - obwohl (?) philosophisch grundiert und sprachlich kompliziert - ein Bestseller und heute von doppeltem historischen Interesse: als Dokument eines "heimatlosen Linken" in der frühen BRD, das aber gleichzeitig Erkenntniswert für die politische Theorie und Praxis unserer Tage haben könnte - gerade durch zeitbedingte Fehleinschätzungen.
Verstörungen
Der Untertitel "Deutsche Reflexionen" ist wörtlich zu nehmen. Dies überrascht uns, a-national, wie wir geworden sind (Gott sei Dank!). Überrascht um so mehr, als Sonnemann vor den Nazis fliehen musste, in Belgien interniert wurde, bevor er nach einer abenteuerlichen Odyssee in den USA Asyl bekam. Und trotzdem ist er "Patriot", kritisiert scharf den Versailler Vertrag, dessen Akzeptanz für ihn "moralische Feigheit" gewesen sei. Den "Verlust der Oder-Neisse-Gebiete" betrauert er regelrecht: Waren Schlesier und Ostpreußen verantwortlicher als Hessen, Rheinländer, Bayern? Wie selbstverständlich spricht er von der "satanischen Verbrennung Dresdens", Katyn und Budapest sind für ihn Chiffren des Bösen. Sogar im Antikommunismus scheint er unübertreffbar. Die DDR ist "Sowjetdeutschland", ist "russifiziert". Selbst vor der Zelebration des Sachsenspiegels als Dokument "germanischer Freiheit" schreckt er nicht zurück. Kurz. Ansichten und Begriffe, die uns heute befremden.
Doch sollten wir Auf- und Abgeklärten von heute nicht übersehen, dass der Patriotismus nach mit seinen fragwürdigen Implikationen) gerade in der damaligen linken Opposition verankert war. Es war Adenauer, der als "Kanzler der Alliierten" galt (Kurt Schumacher). Sonnemanns Buch war "deutsch", urteilte Böll bei Erscheinen, fügte aber hinzu: Was es wirklich ist: sensationell.
Radikalität
Sonnemann geht tatsächlich an die Wurzel und fragt nach den Konstellationen der Kategorie der (unbegrenzten) Zumutbarkeit in den beiden Deutschländern. Sie erst gibt den Zumutungen Raum. Das Zumutbare ist zum Ersatz geworden - für das freie Menschsein. Es steht so zu sagen für ein kompensatorisches Leben. Sonnemann - das mag manche mit Recht irritieren - lässt nicht ab von Heidegger. Er stellt fest: Selbst Gott wird landesüblich ersetzt durch die andern, die Nachbarn, jenes ehrfürchtig umschlichene Man, das den freien Deutschen in die immer noch zu offenen Fenster des Gemüts sieht. "Drüben" - in der DDR, die meisten sagten damals "Zone" (auch Sonnemann, auch Adorno) spricht die Linie der Parteidialektik jedes Vierteljahr frisch aus dem Plüsch der Amtsstelle, ein kleinbürgerliches ex cathedra eines Niemand.
Aktiver Konformismus allenthalben also, im Land verdrossener Kopisten. Zu Eichmann urteilt er: Eichmann ist nicht zunächst ein Massenmörder, sondern er wird es, weil er unfrei ist, und darf es werden, weil es die anderen sind. Die Marxleser werden hier Anklänge finden ("Die freie Entwicklung eines jeden..."). Sonnemann sieht den Menschen dazu verdammt, als geschichtliches Wesen ... in seinen eigenen Situationen zu handeln, ihre Verhältnisse zu verbessern, nach den Bestimmungen seiner Vernunft die Welt, wie er sie findet, zu verändern.
Denn die "deutschen Zustände" der Zeit sind andere. "Unfassbare" Dinge werden zugemutet: Sonnemann sieht die Betten auf den Krankenhausfluren, beschreibt den Exodus deutscher Wissenschaftler, analysiert, wie Hausfrauen mit Abitur als "pädagogischer Volkssturm" dem Bildungsmangel abhelfen sollen, erregt sich über das Ertragen von Warteschlangen nicht nur im Postamt, über die permanente Verletzung des in dubio pro reo, über Renten für Naziwitwen und die "Vertrostlosung der Landschaft".
Warum - um modern zu fragen - "empört" sich in den fünfzigern und frühen sechziger Jahren keiner über diese Zustände?
1) Sonnemann verweist auf die "Innerlichkeit". In Deutschland fehle die "Öffentlichkeit". Der SPIEGEL sei nur ein Provisorium, das nur dem Namen, nicht dem Wesen nach eine Beziehung zur Reflexion trägt. Überaus klug beurteilt er den "Enthüllungsjournalismus": Die Wahrheit ist nicht hinter, sondern über dem Schein.
2) Die Deutschen beiderseits der damals noch frischen Betonmauer kennzeichnet ihre arbeits- und konsumwütige Verdinglichung. Sonnemann spricht von "Besinnungslosigkeit", obwohl die Gymnasiasten der Zeit doch dauernd Besinnungsaufsätze zu schreiben hatten. Es ist die "Tüchtigkeit", die so oft mit dem "gesunden Menschenverstand" daher kommt. Der "muntere Betriebstraum" erhält den Menschen im Gleichgewicht.
3) Sonnemann konstatiert die noch heute konsternierende Geschichtsvergessenheit, die sich in bewusstseinsstarrer Mimikry an den Westen äußere. Man entsinnt sich mit Schaudern des enthemmten Verhaltens der Rotarmisten, nicht aber des Grauenhaften deutscher Herrschaft. Interessant die vorweg genommene Antwort auf Nolte: Asien ist von Bonn aus gesehen nie in einem selber zu finden, sondern immer im östlichen Nachbarn.
4) Sonnemann geht von einem "deutschen Charakter" aus. Linke wie Rechte haben kein normales Verhältnis zu Freiheit und Macht. Nie werden beide verbunden. Man verharrt demgemäß in der Ohnmacht wie die Sozialdemokraten (1963), oder man klebt an der Macht, wie die allerchristlichsten alten Herrn (Adenauer). Und der heimatlosen Linken ist die Macht sowieso unheimlich.
Angesichts dessen: Wie kann die Reflexion das Wagnis lernen, über ihren Schatten zu springen?
Exotisch wirkt Sonnemann heute. Er will Heidegger mit Brecht zusammen denken. Gegen die Tendenz, dass der Mensch Mittel, und die Mittel Zweck werden, gilt es die Wand zwischen Betrieb und Traum einzureißen. Sonnemann heideggert links: Das Eigentliche ist das politische Handeln aufrecht gehender Kreaturen (Bloch hatte sich gerade in den Westen begeben) ... Das Abstrakte der Verhältnisse in Deutschland und die Unfreiheit der Menschen sind voneinander bedingt und füreinander gewachsen. Der öffentliche Vernunftgebrauch ist von Nöten: Die Menschen müssen aufhören zu richten und anfangen zu urteilen. Oder: Um Freiheit zu haben, muss man frei sein.
Sonnemann will eine Art kollektive individuelle Revolution. Das Problem der Massengesellschaft (ein Topos der fünfziger Jahre) kann nur vom Einzelnen gelöst werden. Allerdings hat auch jeder ein Recht auf Irrtum, aber vor der Öffentlichkeit. Hier liegt auch ein Unterschied zu den bekannten ehemaligen Stalinisten der Zeit, die sich so gern und so unschwer verwandeln (nach) den Gesetzen des pfiffig gewordenen Knechtsinns, der wiederum andere daran hindere, sich von der "russifizierten Revolution" abzuwenden. Ich übersetze: Wer im Osten konterrevolutionär ist, müsse im Westen revolutionär werden. Die Revolution von morgen beginnt in den Menschen von heute, die Revolution von gestern aber ist der von morgen im Wege. Und das ist "misslich", schreibt Sonnemann. In der Tat.
Das Rettende
Und doch ist Sonnemann - wie er noch 1991 in einem langen Interview darlegt, und im Unterschied zu Adorno - Optimist. Das liegt - etwas überraschend - am provokativen (hervor rufenden) Charakter der Technik, mit Marx: der produktiven Kräfte. Mit Heidegger: das Zeug ist wesenheft um zu ... Heidegger bricht hier ab, Sonnemann nicht: um den Menschen zu befreien. Freiheit von der allgeschichtlichen, freudlosen, verdummenden Dumpfheit der Fron. Das "Automationsexamen" gelte es zu bestehen, "die Prüfung schlechthin". Die notwendige Arbeitszeit muss für Sonnemann gegen Null reduziert werden, um die große Frage erst zu ermöglichen: Was macht der von der Fron befreite Mensch mit dem "Überfluss verfügbarer Zeit", die dann eben keine von der Arbeit geprägte "Freizeit" mehr ist?
Dies alles zu bewältigen braucht es Menschen mit Zivilcourage, Ungehorsam, Mut und Lust zum Widerspruch gegen die Zumutungen, Selbstartikulierung des Affekts in treffender Rede. Dies wiederum braucht Schulen, in denen man dies "lernt" (?), doch (ich möchte hier nicht auf meinen Lieblingssatz Sonnemanns verzichten): Wie der Justizmord schlimmer ist als die Ungesühntheit eines Mordes, so ist der Dichtermord, den der Philologe als Lehrer verübt weit schlimmer als eine Pädagogik, die, da sie dem Dichter nicht gerecht werden kann, ihn ungeschoren lässt.
Schon in den frühen 60ern setzt Sonnemann seine Hoffnung nicht mehr aufs Proletariat, sondern auf die Jungen, die gar nicht skeptische Generation. Deren falsche Bindungen, so argumentiert er kritisch gegen Schelsky, sind schwächer geworden. Die Jugend will "privat" sein, will ihr Leben leben. Voller Empathie schreibt er: Man tanzt. Darin ist eine große Vernunft. Man tanzt, wie man in Europa in Jahrtausenden nicht getanzt hat ... Könnte ein Rausch aus Nüchternheit gemacht sein - und dennoch ein Rausch?
Sonnemann konnte nicht wissen, dass seine Frage einige Jahre später beantwortet werden sollte. Die "Jugend" wollte sogar die Verhältnisse zum Tanzen bringen - und einige älteren Herren tanzten mit. Sonnemann zögerte, denn einige Tanzschritte waren ihm wiederum zu deutsch.
Sonnemanns volle Zustimmung fanden die DDR-Demonstrationen 1989: die Revolution wurde schließlich "entrussifiziert", mit weitgehend selbständiger Verbindung von Vernunft und Tat. In dem erwähnten Interview von 1991, zwei Jahre vor seinem Tod, sieht er allerdings die Gefahr, dass die BRD mit ihren unveränderten Mängeln die DDR "einfach frisst". Also doch wieder eine halbe Revolution, eine Bestätigung des für deutsche Revolutionäre so typischen Narzissmus des verfrühten Feierns.
Aktualität
Die oben beschriebenen hsitorischen "Verstörungen" sind zum großen Teil ad acta gelegt. Sonnemann wäre wohl der erste gewesen, diese Art Patriotismus abzulegen. Allerdings könnte man auch heute von ihm lernen, dass das ständige Schauen auf die Nazizeit (mit dem korrelierenden Vernachlässigen anderer historischer "Linien") den Blick ängstlich und starr machen kann. Die Nazis bekommen quasi posthum Macht über uns. Aber wie steht um das Dispositiv der Zumutbarkeit? Dazu einige notwendig knappe Überlegungen:
1) "Öffentlichkeit" im Verständnis Sonnemanns findet immer noch nicht statt. Das Nonplusultra des kritischen Journalismus ist weiterhin der "Enthüllungsjournalismus". Und den gibt es eher an der Oberfläche. Öffentlichkeit findet in den neuen Medien statt. Aber wird hier wirklich weniger "gerichtet" als "geurteilt"? Selbst fortgeschrittene Communities wie die des Freitag entgehen der Versuchung nicht.
2) Die Bereitschaft zur Selbstausbeutung in sich verdichtenden und verlängernden Arbeitsprozessen nimmt zu - trotz aller vernünftigen Forderungen etwa der Memorandum-Gruppe. Leitbild ist das "unternehmerische Selbst", das "serielle Unikat" (Bröckling). Sonnemann hatte sich das freie Individuum anders vorgestellt. Der "Betriebs(alb)traum" wird weiter geträumt. Ein Ende ist nicht abzusehen.
3) Die Geschichtsvergessenheit nimmt zu - trotz (oder wegen) zahlreicher Dokus, Diskussionen, Gedenkstätten. Zugespitzt: Man vergisst durch Gedenken. Die Feierlichkeit verdrängt den Vernunftgebrauch. Dabei ist alles - per Wikipedia - präsent. Und das ist das Problem.
4) Wir haben - verglichen mit den sechziger Jahren - eine hohe Zahl auch hoher Bildungsabschlüsse. Sind wir deswegen auch gebildeter? Was lernen die Menschen in den oft "verwüsteten" Bildungsanstalten? Den Sonnemannschen zivilen Ungehorsam, Vernunftgebrauch, öffentliche Rede und Widerrede? Rhetorische Frage. Employability ist das Ziel jedes (Lebens-)'Curriculums. Die wird durchgesetzt. Und zwar "nachhaltig".
Natürlich sind wir "freier", auch angstfreier als die Menschen, die Sonnemann beschrieb. Die (deutschen) Zustände sind nicht mehr so "versteinert", manchmal "tanzen" die Menschen ein wenig, setzen sich aber dann ganz schnell wieder - und puzzeln die Verhältnisse wieder zurecht.
(1) Ulrich Sonnemann, Das Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten. Deutsche Reflexionen. Reinbek 1963 (Neuauflage 1985, Syndikat Verlag)
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Das liest sich ziemlich ambivalent, was ich jetzt positiv meine. Interessante Figur, die ich nicht kenne, bei der ich z.B. eine geharnischte Russophobie vermute, und einen 'redlichen' Nationalismus, den man akzeptieren, mit dem ich persönlich aber nichts anfangen kann.
Danke für den Text! |
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Schöner, anregender Text! Danke.
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Sehr gerne gelesen, weil toll geschrieben. Sonnemann war mir nicht bekannt.
Ihre, wwalkie, "notwendig knappen Überlegungen" wären einige Blogs wert, ca. 4. Ich bitte darum. Danke. |
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In dem erwähnten Interview von '91 gibt es eine Passage, die Sonnemanns "Denke" illustriert: Er berichtet von seiner Mitarbeit bei der Schöneberger KPD in der Weimarer Republik. Die Genossen besuchten ihn öfter. "Die gingen dann immer die Hintertreppe für Dienstboten und Lieferanten hinauf. Ich versuchte ihnen verzweifelt beizubringen, dass ... sie die Vordertreppe heraufkommen sollten. Das war ihnen aber nicht beizubringen. Da habe ich dann bald wieder entfernt, weil ich mir sagte, mit solchen Leuten kann man keine Revolution machen." Einerseits fast unerträglich arrogant und erfahrungsfern, andererseits ist die Beschreibung deutscher Revolutionäre wohl nicht ganz falsch.
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@wwalkie
Benutzten die Genossen die Hintertreppe, weil sie aus der Arbeiterklasse waren? |
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Selbstverständlich. Und sie hatten ihre Erfahrungen mit der Bourgeoisie gemacht, auch wenn deren Sprösslinge ihre "Fraternité" suchten. Sie hatten ihre Gründe, die Hintertreppe zu nehmen. Sonnemann verlangt von Kommunisten, sich gefälligst nicht wie bescheidene Proleten zu benehmen. Die klassische Doublebind-Situation (Sei frei! Sei spontan! Sei nicht feige!).
Und die setzte sich fort, als die Achtundsechziger in die Betriebe gingen, um den Proleten das richtige Bewusstsein zu verklickern und auf dem "langen Marsch" - bei sich selber anzukommen. Und später, um den Text wieder aufzunehmen, als die Demonstranten der DDR in der BRD "ankamen". War's das mit dem freien Sein, dem öffentlichen Gebrauch der Vernunft, der Autonomie? Müssen wir uns mit der Zumutbarkeit abfinden? Vielleicht kann man bei den alten Herren à la Sonnemann - sagen wir - in die "Lehre" gehen, als autonomer Azubi. |
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Sehr interessantes Zitat. Es ist von '91 und erzählt was aus den 30ern! - Vielleicht ist das der Unterschied zwischen praktischem und symbolischem politischen Handeln.
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@wwalkie
Danke, das wollte ich wissen. Ich denke in letzter Zeit auch viel über die Zumutbarkeit nach. Vereinfacht gesagt: was wird uns Menschen durch die Finanzkrise (das ist jetzt nur ein Platzhalter, allerdings ein greifbarer) alles zugemutet und die meisten beugen sich dem Zugemuteten. |
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Was ich in meinem politphilosophischen Furor übersehen habe - das Naheliegende:
"Sozialgesetzbuch (SGB) Zweites Buch (II) - Grundsicherung für Arbeitsuchende - Kapitel 2 Anspruchsvoraussetzungen §10 Zumutbarkeit (1) Dem erwerbsfähigen Hilfebedürftigen ist jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass 1. er zu der bestimmten Arbeit körperlich, geistig oder seelisch nicht in der Lage ist, 2. die Ausübung der Arbeit ihm die künftige Ausübung seiner bisherigen überwiegenden Arbeit wesentlich erschweren würde, weil die bisherige Tätigkeit besondere körperliche Anforderungen stellt, 3. die Ausübung der Arbeit die Erziehung seines Kindes oder des Kindes seines Partners gefährden würde; die Erziehung eines Kindes, das das dritte Lebensjahr vollendet hat, ist in der Regel nicht gefährdet, soweit seine Betreuung in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege im Sinne der Vorschriften des Achten Buches oder auf sonstige Weise sichergestellt ist; die zuständigen kommunalen Träger sollen darauf hinwirken, dass erwerbsfähigen Erziehenden vorrangig ein Platz zur Tagesbetreuung des Kindes angeboten wird, 4. die Ausübung der Arbeit mit der Pflege eines Angehörigen nicht vereinbar wäre und die Pflege nicht auf andere Weise sichergestellt werden kann, 5. der Ausübung der Arbeit ein sonstiger wichtiger Grund entgegensteht. (2) Eine Arbeit ist nicht allein deshalb unzumutbar, weil 1. sie nicht einer früheren beruflichen Tätigkeit des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen entspricht, für die er ausgebildet ist oder die er ausgeübt hat, 2. sie im Hinblick auf die Ausbildung des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen als geringerwertig anzusehen ist, 3. der Beschäftigungsort vom Wohnort des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen weiter entfernt ist als ein früherer Beschäftigungs- oder Ausbildungsort, 4. die Arbeitsbedingungen ungünstiger sind als bei den bisherigen Beschäftigungen des erwerbsfähigen Hilfebedürftigen. (3) Die Absätze 1 und 2 gelten für die Teilnahme an Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit entsprechend." Es ist "jede Arbeit zumutbar". Grundsätzlich. |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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