wwalkie

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07.03.2010 | 14:57

Von der ZEIT lernen, heißt ...

Große Klasse der Kulturteil des FREITAG diese Woche! Die Aktualisierung des deutsch-griechischen Verhältnisses aus der Geschichte heraus durch Jessen - kenntnisreich! Das Interview mit Grass - interessant! Noch interessanter der Abdruck des Berichts  eines Staatssicherheitsoffiziers zu einem Grassbesuch in der DDR. Man ist perplex angesichts des kleinbürgerlichen Minderwertigkeitskomplexes des DDR-Bonds, versteht plötzlich mehr. Die Auseinandersetzung Assheuers mit dem akribisch angelegten Versuch, aus dem Thomas Mann der "Betrachtungen" einen Demokraten zu machen - fulminant! Die Rezension des neuen Romans von Roth durch Greiner - grandios! Und: lange Texte! Und: keine übergroßen Fotos, die den LESER überfallen!

Natürlich (?) erschienen die Beiträge nicht im FREITAG, sondern im ZEIT-Feuilleton dieser Woche. Ich habe sie am Donnerstag gelesen - von der ersten bis zur letzten Zeile. Ich habe am selben Tag auch den Kulturteil des FREITAG gelesen, jedoch nur überflogen (wie so oft) und kann  mich heute an keinen Artikel mehr erinnern.  Umgekehrt wäre mir wahrlich lieber.

Ich weiß, ich weiß! Das fehlende Kapital, der gesättigte Markt, der nur eine Nischenexistenz erlaubt,  die heterogene "Zielgruppe". Ich weiß, die sinkenden Verkaufszahlen. Und dass der FREITAG einen Preis für Schönheit, sogar einen Award bekommen hat, ist auch zu mir durchgedrungen. Mir ist auch bekannt, dass die ZEIT nicht immer eine solche Häufung guter Texte hinbekommt.

Aber: hmm, wie soll ich's sagen? Damit es nicht FALSCH verstanden wird. Auch wenn ihr, liebe FREITAGredakteure mit - wie drücke ich es aus ? - "höher" gelegten Texten nicht mehr Leser gewinnt (aber auch keine verliert), was Jessen, Assheuer und Greiner können, könnt ihr doch schon lange! Oder?

 

 

 

 
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Kommentare
Zachor! schrieb am 07.03.2010 um 15:07
Wo du Recht hast, da hast du Recht, wwalkie!
Die Zeit ist (fast) immer lesenswert und enthält (fast) immer etwas zum Lesen!
Dreizehn schrieb am 07.03.2010 um 16:22
Nein das ist nicht fair, wwalkie. Für den FREITAG geht es darum, sich am Markt zu etablieren, mit schwarzen Zahlen. Das kannst Du nicht mit dem alternden Elefanten ZEIT vergleichen, der "fast" beweglich und "fast" lesenswert ist.

Der FREITAG ist, im Bilde zu bleiben, jung und bahnt sich den eigenen, unverwechselbaren Weg. Mit viel Enthusiasmus, mit einem, erm, erm, innovativen Ansatz.
wwalkie schrieb am 07.03.2010 um 19:49
Ich gehe, um die old speech zu verwenden, vom Gebrauchswert für den Konsumenten aus - in dem Fall für einen Leser wie mich (von denen es vermutlich mehr gibt, als die FREITAG-Macher glauben). Und da kommt mir der "alternde Elefant ZEIT" einfach sportiver, intelligenter und ja, jünger vor. Ich beziehe mich "nur" auf den Feuilletonteil - und der war in der letzten Ausgabe einfach GUT. Gut in dem Sinne, dass er mich als Konsument anregte,die Hellenendebatte in der Paulskirche nachzulesen, die Rolle der Literatur in der DDR zu überdenken, eine Verunsicherung in Bezug auf Thomas Mann abzulegen und doch noch den neuen Kurzroman von Roth zu erwerben.

Das ist viel. Und das gibt mir der FREITAG eben nicht - obwohl mir die Autoren ohne Zweifel politisch näher stehen als die der ZEIT (Assheuer inklusive, dem ich heute noch das Bloch-Abwatschen zu dessen Hoffnungsjubiläum "nachtrage", dessen Manntext aber simply perfekt ist).

Und da ich in unserer ach so individualisierten Gesellschaft gelernt habe, dass meine "Konsumbedürfnisse" von vielen anderen geteilt werden, wünsche ich mir ähnliche Qualitäten im mir viel sympathischeren FREITAG (trotz all dem Be- und Erkannten). Ich sehe jedoch, wie die "Macher" des FREITAG den alten Fehler vieler Pädagogen begehen: den Leser/Lerner da abholen zu wollen, wo diese sich befinden. Dort bleiben dann in der Regel beide, der Abgeholte und der Abholende.

"Fair", besser ehrlich und vielleicht hilfreich erscheint es mir, die übrigens auch nur manchmal auffackelnden Stärken der übermächtigen Konkurrenz zu zeigen: konkret: locker und antizyklisch die Themen Hellenophilie, Thomas Mann, Philip Roth, Grass statt: fast ausschließlich(!) Missbrauch in katholischen Internaten, Westerwelle,Gender gestern
heute und morgen,Sexindustrie, Zukunft der Medien (bitte sinngemäß ergänzen).
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