9
]
Historisch betrachtet, ist Geld als Tauschäquivalent für Waren und Dienstleistungen entstanden. Wenn es einen Eigenwert hatte, dann den des Gold- Silber oder Kupfergehaltes. Es ist noch nicht sehr lange her, da war der Silbergehalt des 5 DM-Stückes kurzfristig sogar mehr Wert als 5 DM. Heute ist Geld das meistgeschätze und nachgefragte „Wirtschaftsgut“ der Welt, obwohl es fast keinen Eigenwert mehr besitzt. Wie bei allen Wirtschaftsgütern erhöht die Nachfrage, u.a. auch die eines BGE, den Preis. Das akkumulieren von Geld entzieht dieses dem Wirtschaftskreislauf, erhöht den Preis und bremst damit den Austausch von Waren und Dienstleistungen.
In einer arbeitsteiligen Gesellschaft sind wir alle aufeinander angewiesen. Der Chirurg braucht den Fabrikarbeiter genauso wie den Bäcker und den Bauunternehmer und umgekehrt. Der Austausch von Waren und Dienstleistungen beruht also darauf, das Tauschmittel Geld so einzusetzen, dass das gegenseitige Überleben gesichert ist. Darüberhinaus sollte die Bezahlung einer Dienstleistung oder eines Produktes durchaus als Wertschätzung und Würdigung(Honorar) für den Leistungserbringer betrachtet werden. Schlechtbezahlte Leistungen sind entwürdigend. Das Kapital, das wir daraus schöpfen und akkumulieren können besteht also aus „einbehaltener Menschenwürde“, im Grunde genommen besteht alles Kapital der Welt daraus.
Marx hat das erkannt, Gesell hat das erkannt, doch die scheinen „verbrannt“ zu sein, obwohl es überhaupt nichts mit Kommunismus oder Gleichmacherei zu tun hat, dem Geld seinen Kapitalbildungsanteil wieder zu nehmen. Das ist durchaus mit Demokratie und Marktwirtschaft zu vereinbaren. Nicht das Geld ist unser Problem, sondern unsere Einstellung dazu. Jeder gesparte Cent ist auch ein Cent gesparter Menschenwürde.
|
|
Einige Formulierungen - vor allem das mit der Verbindung von schlechter Bezahlung und "einbehaltener Menschenwürde" ist echt gut! Vielen Dank! Sehr brauchbar!!!
AAAAAAAAAAAAABER - das steckt meiner Wahrnehmung nach noch ein ganz tückischer Verdreher mit drin, der einer immer noch viel zu positiven Grundhaltung gegenüber der Marktwirtschaft zu entspringen scheint!!! W A R U M ? Mensch braucht sich ja nur mal folgendes zu überlegen: Würde es dem Sinn und Zweck, also auch dem grundlegenden CHARAKTER des Kapitalismus entsprechen und gäbe es auch widerspruchsfrei(!) die Möglichkeiten innerhalb des Systems dazu, dass es weder wachsen muss, um zu bestehen, noch zu ungerechter Bezahlung führt, dann würden die Kapitalisten das nicht nur täglich im Einflussbereich ihrer Unternehmen praktizieren, sonder als Profiteure innerhalb des Gesamtsystems aus Eigeninteresse permanent Druck auf die Politik ausüben, damit die Gesetze und Regeln diesem CHARAKTER und Vorteil im Gesamtsystem auch entsprechen. Genau das passiert aber, wie wir täglich erleben, nicht. Warum? Na weil es eben einen anderen Charakter hat. Es basiert nicht auf Kooperation, sondern GNADENLOSER KONKURRENZ! Alle hängen an einem völlig abstrakten Verwertungsprinzip mit dran, in dem Kooperation und Zusammenarbeit (z.B. Joint Venture) nur der Verbesserung der eigenen Konkurrenzposition dient. Umsatz und Gewinne über alles, über alles in der Welt!?! Menschen treten da in der Masse nur als "Arbeitskräfte" auf, die man auf Märkten einkauft wie Gurken und Kloduftsteine oder auf der anderen Seite als "Käufer" und "Konsumenten". "Der Kunde ist König" und dann doch wieder bloß ein „Kostenfaktor“. Na sowas... Mit der Einstellung hat das auf dieser Ebene also rein GAR NICHTS zu tun! Mit der Grundeinstellung zum Gesamtsystem hingegen schon. Solange jemand noch nicht erkannt hat, was "Märkte" sind und wie sie funktionieren, hat er meines Erachten auch den Charakter des Systems noch nicht adäquat verstanden. Dass der Chirurg auch auf den Fabrikarbeiter (Prinzip der Fremdversorgung) angewiesen ist, heißt außerdem nicht, dass es deshalb die Warenform, die Geldform und sowas wie „Arbeit“ geben müsse. Ganz im Gegenteil!!! Es gab hochgradig arbeitsteilige Kulturen (z.B. in Indien und Südamerika, da ist sowas wie Geld gar nicht entstanden. Und „gearbeitet“ haben stets nur Leibeigene und Sklaven. Alle anderen waren stolz darauf, frei für sich selbst zu sein. Seine „Arbeitskraft“ an jemanden verkaufen zu müssen, galt lange Zeit bis ins 18.Jahrhundert hinein noch als Prostitution, also sozial geächtet. Erkennt man übrigens in vielen Sprachen sogar noch am Wortstamm (z.B. im Slavischen/Russischen: Sklaventum = rabstwo, Sklave = rab, Tätigkeit des Sklaven = rabota = zu deutsch: Arbeit.) Nur die auf der Warenform basierende Logik führt außerdem langfristig überhaupt dazu, dass Millionen arbeitslos sind, währen die anderen Überstunden knüppeln müssen oder mit Burn Out umfallen. Selbst die BILD konnte neulich nicht die Augen davor verschliessen, dass inzwischen allein in Deutschland 9 Millionen Menschen davon betroffen sind. Soviel zum Charakter der ganzen Veranstaltung. Bedenkt man dann noch, dass wir heute die höchste Arbeitsproduktivität der ganzen Menschheitsgeschichte vorzuweisen haben und trotzdem 100 bis 150% länger arbeiten müssen als die Menschen im eher produktiv noch unterentwickelten Mittelalter, dann müsste es doch langsam mal auffallen, dass hier irgendwas GANZ GRUNDSÄTZLICH nicht stimmen kann mit der Arbeitswelt, oder? Das liegt eben nicht (allein) an Fehlern im Geldsystem, sondern an der Art und Weise, wie gesellschaftliche Reproduktion überhaupt von uns betrieben wird - nämlich in der Form von Marktwirtschaft - übrigens mit dem Ziel der Kapitalakkumulation!!! Dem liegt historisch gesehen ein irreversibler Prozess zugrunde. Das lässt sich nicht auf einfachen Warentausch mit Gold-, Silber oder Kupfermünzen zurückdrehen - auch so eine beliebte Illusion, genau wie es kein zurück zur DM mehr geben wird. Allein die Umstellung auf den EURO hat Milliarden gekostet. Und so viel Edelmetalle gibt es auf der Erde nicht. Ich könnte noch jede menge mehr Gründe aufzählen dazu. Lesst am besten mal eine richtige historische Analyse dazu, welche die Reihenfolge mal wieder ins Gedächtnis ruft, in der das alles entstanden ist, dann wird einem das sofort klar. Empfehlen kann ich: 1. Kollaps der Modernisierung 2. Schwarzbuch Kapitalismus 3. Das Weltkapital ...alle drei vom deutschen, in der modernen Wertkritik führenden Autor Robert Kurz. Geld ist ein Fetisch, an den wir uns krampfhaft klammern!!! Es gibt deshalb nur noch ein nach vorn und darüber hinaus! Viva la Revolution! Eine Revolution unseres Bewusstseins! Die Lösung steckt in uns selbst, nicht in einer anderen Art Geld... Das ist es, was ein Karl Marx bereits erkannt hatte. Ein Silvio Gesell hingegen nicht. Übrigens eine Sahra Wagenknecht eben sowenig - und das heute im Jahr 2011. Echt gruselig - siehe auch: www.hh-violette.de/2011/05/die-hohe-kunst-der-selbsttauschung/ Eine weitere, sehr detaillierte Aufarbeitung der Geldreformer-Argumente folgt dort in Kürze! |
|
|
mal grundsätzlich: über allen meinen ausführungen schwebt die vorstellung einer globalen sichtweise und solidargemeinschaft.
wachstum ist global betrachtet nur verdrängungswettbewerb und deshalb passé. marktwirtschaft ist nicht gleich kapitalismus, sondern beruht in meiner vorstellung auf dem historischen markt(platz) wo noch menschenwürdige tauschgeschäfte getätigt würden. ich nenne diese transaktionen, bei denen es nicht darum geht dem anderen etwas vorzuenthalten um daraus kapital zu bilden, sondern seinen wertschöpfungsbeitrag ohne profitdenken angemessen zu BElohnen "symmetrische" transaktionen. unangemessene ENTlohnung, die der kapitalbildung durch profit dient, führt zu asymmetrischen transaktionen. wenn geld keinen kapitalbildungsanteil mehr hat, haben wir auch keinen kapitalismus mehr. über "entkapitalisiertes" geld als tauschäquivalent und die zinskritik gesells diskutiere ich deshalb nicht, alle erfahrungen zeigen, das komplementärwährungen funktionieren und das geld den tausch vereinfacht. nach dem system von gesell sind wir ja geradezu gezwungen fair zu bezahlen, weil angesammeltes geld durch entwertung sinnlos ist. wo ist dein problem ? |
|
|
schrieb am
29.10.2011 um 09:42
@xtnberlin
ich finde deinen text auch gut gebe aber zu bedenken das gesell nicht nur eine geldreform sondern ZWINGEND auch eine Landreform gefordert hat. Der Boden sollte , da er ja sozusagen der gesamten Menschheit gehört in öffentliches Eigentum überführt werden. Freigeld und Freiland das is übrigens ganz gut im Wikipedia Artikel zusammengefasst: de.wikipedia.org/wiki/Silvio_Gesell#Bodenreform und man sollte es auch immer zusammen erwähnen. Nicht für dich sondern für die Mitleser hier: Man kann sich die natürliche Wirtschaftsordnung von Gesell auch als pdf aus dem Internet ziehen: userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/ Was Gesell meiner Meinung nach etwas unterbewertet hat sind die Eigentumsverhältnisse. Genossenschaftliche Organisationen funktionieren sicher besser als Organisationen im Privatbesitz aus dem einfachen Grund weil Demokratische Systeme besser funktionieren als diktatorische. Ich wohne z.B. bei einer Baugenossenschaft.Sie funktioniert auch ohne Freigeld deutlich besser als private Immobilienfirmen (die ihre Wohnhäuser hier im Ruhrgebiet restlos verkommen lassen, logisch Gewinnmaximierung und zwar kurzfristige, erinnert mich teils hier im Ruhrgebiet schon an Moskau) Die Baugenossenschaften halten ihre Häuser überall gut in Schuss, investieren überall im Stadtgebiet gleich viel, bezahlen ihre Leute gut, wenn ich die Servivce nummer anrufe habe ich KEIN call center an der Strippe sondern einen Mitarbeiter,Handwerker kommen noch am gleichen Tag. Die Miete ist günstig. Warum: Baugenossenschaften machen keinen Gewinn. Was ich inzwischen über Gesell denke: Manchmal denke ich man sollte in vielen Bereichen vom Geld ganz weg kommen. Warum muss ÖPNV etwas kosten? Warum Wohnen? |
|
|
liebe(r) rheinhold,
danke für deinen kommentar. das mir dem eigentum steht hier: www.freitag.de/community/blogs/xtnberlin/warum-funktioniert-kapitalismus-nicht- in diesem beitrag geht es ja (nur) ;-) ums geld. ansonsten bin ich 100%ig bei dir, auch bei der vision ganz ohne geld auszukommen und alles zu teilen anstatt zu tauschen ich denke bewusstseinsveränderung geht immer nur scheibchenweise, zuviel auf einmal fordert häufig widerstand heraus und zu lange beiträge, die dann möglicherweise auch noch zu viele links enthalten, werden nicht gelesen, nur überflogen, die links nicht angeclickt und ruckzuck verstrickt man sich in sinnlose diskussionen, die dann häufig auch noch unerfreuliche züge annehmen. danke nochmal und schönes we |
|
|
@xtnberlin
Um etwaige Verständnisprobleme auszuschließen - benötigte ich Deine Definition von Kapital. Kapital: |
|
|
ich hab's zwar schon geschrieben, s.o., aber noch einmal: "In einer arbeitsteiligen Gesellschaft sind wir alle aufeinander angewiesen. Der Chirurg braucht den Fabrikarbeiter genauso wie den Bäcker und den Bauunternehmer und umgekehrt. Der Austausch von Waren und Dienstleistungen beruht also darauf das Tauschmittel Geld so einzusetzen, dass das gegenseitige Überleben gesichert ist. Darüberhinaus sollte die Bezahlung einer Dienstleistung oder eines Produktes durchaus als Wertschätzung und Würdigung(Honorar) für den Leistungserbringer betrachtet werden. Schlechtbezahlte Leistungen sind entwürdigend. Das Kapital, das wir daraus schöpfen und akkumulieren können.( anm. vielleicht besser: "könnten"), besteht also aus „einbehaltener Menschenwürde“, im Grunde genommen besteht alles Kapital der Welt daraus."
im klartext: der chirurg, der seine ausbildung, wie jeder andere auch, von einer solidargemeinschaft finanziert bekommt( ->CHANCENGLEICHHEIT), ist keinen cent einkommen mehr wert als jeder andere schöpferische, produktive oder dienstleistende mensch innerhalb dieser solidargemeinschaft und hat deshalb keinen anspruch auf mehr wertschätzung , ergo einkommen, als jeder andere mensch auch ? im idealfall läuft das natürlich auch auf teilen(der individuellen begabungen bzw. schöpferischen potenziale) statt tauschen hinaus. aber davon ist unsere gesellschaft lichtjahre entfernt, also versuche ich die bewusstseinsschritte "scheibchenweise" zu vermitteln, und benutze gesell um das thema "kapital" zu thematisieren. menschen brauchen visionen und modelle, an denen sie sich festhalten können. alles und jeden zu kritisieren, so wie du es tust, ohne eine vision zu vermitteln, halte ich für sinnlos. ich habe mir deine beiträge bei den violetten durchgelesen und bin :-(((((((.............alles weitere diskret und unter uns. |
|
|
schrieb am
30.10.2011 um 21:13
@xtnberlin
...ich verstehe natürlich, wie Du das meinst. Die Absicht ist o.k. Dennoch kann man sich "Kapital" eben gerade NICHT irgendwie "Hinmoralisieren". Darauf will ich hinaus. Es gibt in der Marktwirtschaft keine "leistungsgerechte Bezahlung", weil - was sollte das sein? Das entscheidet doch kein Subjekt, sondern jegliche Entlohnung wird durch den abstrakten Mechanismus des Marktes, das Verhältnis von Angebot und Nachfrage (Saysche Theorem) bestimmt, unterliegt dabei aber gleichzeitig dem Arbeitswertgesetz (Mehrwertgesetz). Wer diese Doppelstruktur des Wertes verkennt, hat schlichtweg keine der Wirklichkeit entsprechende Vorstellung davon, was Kapital überhaupt ist. Warum bist Du nicht :o))))))))) wie ich ob meiner Analyse?????? Meine Selbstkritik enthält und ermöglicht doch der Anfang einer Erneuerung!!! Man darf einfach nicht dem Fehler unterliegen, den Überbringer "schlechter Nachrichten" mit dem "Inhalt der Nachricht" selbst gleich zu setzen. das die Analyse nicht besser ausfällt, liegt ja nicht an mir, sondern am System, so wie es konstruiert ist. Wenn ein Arzt eine schlimme Krankheit diagnostizieren muss, kann man doch auch nicht den Arzt dafür schelten, sondern sollte dankbar sein, denn erst jetzt kann man sich auf die Suche einer geeigneten Medizin machen. Wo diese "Medizin" zu finden sein wird, hab ich schon angedeutet. Warte mal ab, bis ich die ganze Aufarbeitung inkl. des Aufzeigens von Auswegen fertig habe. Wir arbeiten hier in Hamburg am AK Wirtschaft daran, ein richtiges Konzept vorzulegen, welches eine reale Perspektive aufzeigt. Sich immer nur an Rettungsringen auf dem Ozean der Hoffnungslosigkeit zu klammern - SORRY - das haben wir jetzt 40 Jahre lang gemacht. Nun ist auch mal gut damit. Jetzt muss ein großer, grundlegender Schritt kommen!!! Übrigens werden morgen am 31.Oktober 2011 im Stil von Luther 95 Thesen zum Zustand unserer Gesellschaft angeschlagen: www.jungewelt.de/2011/10-29/026.php |
|
|
wie kommst du auf die idee, dass ich kapital hinmoralisiere ?????????????? kapital als "unterlassenene wertschätzung" hat für mich den rang einer menschenrechtsverletzung, es verstößt gegen das gebot der nächstenliebe. liebe deinen nächsten wie dich selbst und hör damit beim geld nicht auf. hast du irgendwelche scheuklappen ?
du machst ja keine selbstkritik, sondern diffamierst einfach alle ansätze, die wenigstens schon einmal eine verbesserung der situation ermöglichen könnten und das auch noch mit einer, nach meinem geschmack, ziemlich üblen rhethorik voller überheblicher selbstgerechtigkeit. ohne gesell und marx wäre ich nie darauf gekommen wie schwachsinnig kapitalismus ist und was mit der entwicklung des geldes schiefgelaufen ist. wer sich so über andere auslässt hat m.e. von "der macht der gedanken" nichts verstanden, du bist einem dualitären richtig/falsch, gut/böse denken verhaftet, jeder deiner gedanken ist eine "bestellung beim universum". viel spass beim auslöffeln der suppe. komm mal wieder runter von deinem egotrip. ich bin kein dogmatiker, sondern das was ich schreibe soll den lesern einfach nur denkanstösse geben wie unsinnig unser system ist, von verschiedenen standpunkten aus betrachtet. |
|
|
p.s. die kleinbürgerliche krawatte passt gut zu dir
|
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 3.60 €
>> bestellen