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Gotcha, Trauma! Gotcha!

11.05.2009 | 18:02 Andreas Kemper
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13.05.2009 | 13:15 yüo
hallo andreas, deine artikel machen mir freude, sei es zum thema "nordamerikanische grippe" oder hier die ballerei mit farbkugeln. wenn du schreibst, unsere gesellschaft sei von gewalt und nochmals gewalt gezeichnet, kann ich nur zustimmen und ergänzen, von wahn & gewalt. zum geplanten gotchaverbot hab ich erst heute einen artikel geschrieben, nicht hier, sondern auf meiner wortplus.com website, auf der ich ganz nebenbei das große wörterbuch und seine rechtschreiber angehe. damit du nicht herumklicken musst, hole ich den text mal eben hierher: das lemma taucht in den älteren wörterbüchern der 70er jahre noch nicht auf. aber neududens dokumentieren es (ende der 90er): "[engl.-amerik. gotcha, nach der Slangaussprache von: (I) got you! = (ich) hab dich (gekriegt, getroffen)!]: Spiel, bei dem die Teilnehmer im freien Gelände mit Farbmarkierungswaffen auf Personen, Tiere u. Sachen schießen: Beim »Gotcha«, das in den Siebzigerjahren in den USA aufkam, werden militärische Auseinandersetzungen nachgespielt. Die Teilnehmer beschießen sich mit Farbkugeln. ((taz 2.6.93, 17)." offiziell und international heißt die kampfsportart "Paintball". sie ist plötzlich in den fokus der öffentlichkeit geraten, weil die bundesregierung im zuge einer angeblichen verschärfung der waffengesetze paintball verbieten will. hintergrund sind die amokläufe mit waffen an mehreren deutschen schulen (und das wahljahr '09). die paintball-organisationen wehren sich gegen das geplante verbot mit dem hinweis auf frühere versuche eines verbots, aber auch mit dem argument, dass genauso gut das fechten als kampfsport zu verbieten wäre, weil es dabei auch um das simulieren des tötens des gegners gehe. das wirft ein helles licht auf so manche andere kampfsportart wie etwa das boxen, bei dem alles darauf ankommt, den gegner zu beschädigen oder kampfunfähig zu schlagen, gelegentlich mit todesfolge. vorsätzliche körperverletzung kommt bei etlichen kampfsportarten regelmäßig vor, wird aber juristisch kaum einmal geahndet. ganz genau so wie das töten im auftrag der regierenden auch gewöhnlich zu keiner anklage führt. so sind nun mal die regeln des spiels. ob die zusammenhänge den beteiligten bewusst sind oder nicht: der krieg, der seit jahrtausenden das gesellschaftliche leben bestimmt, hat die arbeitswelt so geprägt wie die freizeit. was als hehre kulturveranstaltung daherkommt wie die olympischen spiele, ist unverkennbar ursprünglich im alten hellas und noch heute ein kampfritual, das die gewalt des kriegs widerspiegelt und verherrlicht. die gar nicht so seltenen todesfälle und die alltäglichen verletzungen gelten als unvermeidliche begleiterscheinungen, die als kollateralschäden bezeichnet und in kauf genommen werden. nur weicheier und wahlkämpfer kommen auf die idee, den leuten den spaß am spiel zu verderben durch verbote und strafandrohungen. > alkohol, alleinseligmachend, amboss, kampfkultur, krieg, olympische spiele
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Macht macht sexy!

07.05.2009 | 10:13 Anna Dorothea
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11.05.2009 | 18:09 yüo
Mit Klara: Wenden wir uns Wichtigerem zu! Bei "Macht" fällt mir nicht 'Potenz' ein, sondern Jacob Burckhardt: "Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen."
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Säulen im Sturm

Positionen | 26.04.2009 | 09:20 Ulrike Baureithel
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28.04.2009 | 22:30 yüo
ulrike baureithel erinnert im letzten absatz ihres kommentars zur lage des sozialstaats an das bild, das sie zu anfang gebrauchte, um die verheerungen metaphorisch ins bewusstsein zu heben, die durch die finanzkrise ausgelöst werden. dabei kritisiert ub sich selbst, wenn ich lese, "dass Naturmetaphern, auf soziale Verhältnisse überstülpt, ideologisch sind." mein nachbar im rentenalter (wie ich selbst) sieht keine guten zeiten auf sich zukommen, wenn die angekündigte inflation ihm das bisschen rente wegnimmt. für den einzelnen/die einzelne hat das geschehen wirklich etwas vom wirbelsturm oder erdbeben, dem man hilflos ausgeliefert ist. aber im weltgeschichtlichen betrachter löst der finanztsunami doch ganz andere assoziationen aus. die parteipolitischen lakaien des systems der reinen unvernunft sind dabei nur ameisen im sand. sie tun, was sie können und nicht lassen können. aber beim flächenbrand spielen kokelnde kinder keine rolle. vom wegweiser erwarte ich, dass er nicht, wandalisch verdreht, ins feuer weist. ossip flechtheims letzter buchtitel hieß: Ist die Zukunft noch zu retten? und darüber sind inzwischen zwei jahrzehnte zukunft hingegangen. aber jetzt erst bekommt seine frage das schwergewicht, das ihr von anfang an zugeschrieben war. genau wie bertrand russells buchtitelfrage: Has Man a Future? fragen, die jetzt ganz bald beantwortet werden müssen. beide denker waren sich darin einig, dass die menschheit keine zukunft hat, wenn es ihr nicht gelingt, den krieg ein für allemal abzuschaffen. das ist ein wink. sipri rechnet jedes jahr vor, wie viel geld verbrannt wird. aber natürlich ist die altehrwürdige tradition der gewaltausübung nicht per dekret aus der welt zu schaffen. wahn & gewalt treten nicht aus freien stücken ab. und doch wäre eine revolution die reine zeit- und ressourcenverschwendung. das kann mensch sich gar nicht mehr leisten. was also tun? die einsichtigen und denkfähigen müssen die weisen befragen. nicht die banker, nicht die machtkranken. das ist doch eigentlich ganz logisch und auch nicht besonders schwierig. die alten rezepte haben jedenfalls ausgedient. jammern und beten oder bestechen und erpressen sind was für geschichtenerzähler. zum zeitvertreiben aber ist keine zeit mehr. unüberhörbar kracht es im gebälk. die medien könnten wegweise(r) sein.
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Säulen im Sturm

Positionen | 26.04.2009 | 09:20 Ulrike Baureithel
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28.04.2009 | 22:29 yüo
ulrike baureithel erinnert im letzten absatz ihres kommentars zur lage des sozialstaats an das bild, das sie zu anfang gebrauchte, um die verheerungen metaphorisch ins bewusstsein zu heben, die durch die finanzkrise ausgelöst werden. dabei kritisiert ub sich selbst, wenn ich lese, "dass Naturmetaphern, auf soziale Verhältnisse überstülpt, ideologisch sind." mein nachbar im rentenalter (wie ich selbst) sieht keine guten zeiten auf sich zukommen, wenn die angekündigte inflation ihm das bisschen rente wegnimmt. für den einzelnen/die einzelne hat das geschehen wirklich etwas vom wirbelsturm oder erdbeben, dem man hilflos ausgeliefert ist. aber im weltgeschichtlichen betrachter löst der finanztsunami doch ganz andere assoziationen aus. die parteipolitischen lakaien des systems der reinen unvernunft sind dabei nur ameisen im sand. sie tun, was sie können und nicht lassen können. aber beim flächenbrand spielen kokelnde kinder keine rolle. vom wegweiser erwarte ich, dass er nicht, wandalisch verdreht, ins feuer weist. ossip flechtheims letzter buchtitel hieß: Ist die Zukunft noch zu retten? und darüber sind inzwischen zwei jahrzehnte zukunft hingegangen. aber jetzt erst bekommt seine frage das schwergewicht, das ihr von anfang an zugeschrieben war. genau wie bertrand russells buchtitelfrage: Has Man a Future? fragen, die jetzt ganz bald beantwortet werden müssen. beide denker waren sich darin einig, dass die menschheit keine zukunft hat, wenn es ihr nicht gelingt, den krieg ein für allemal abzuschaffen. das ist ein wink. sipri rechnet jedes jahr vor, wie viel geld verbrannt wird. aber natürlich ist die altehrwürdige tradition der gewaltausübung nicht per dekret aus der welt zu schaffen. wahn & gewalt treten nicht aus freien stücken ab. und doch wäre eine revolution die reine zeit- und ressourcenverschwendung. das kann mensch sich gar nicht mehr leisten. was also tun? die einsichtigen und denkfähigen müssen die weisen befragen. nicht die banker, nicht die machtkranken. das ist doch eigentlich ganz logisch und auch nicht besonders schwierig. die alten rezepte haben jedenfalls ausgedient. jammern und beten oder bestechen und erpressen sind was für geschichtenerzähler. zum zeitvertreiben aber ist keine zeit mehr. unüberhörbar kracht es im gebälk. die medien könnten wegweise(r) sein.
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