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Die Auslese der Tüchtigen.
Gemeinhin herrscht die Auffassung, Engagement sei gut, vor allem während dem Studium. Jeder Professor singt das hohe Lied der Zivilcourage, des Studentenprotests, des sozialen Engagements. Man braucht es auch dringend im Lebenslauf, das Ehrenamt. Und nicht selten lautet die Frage: Was schreib ich da nur rein? Reicht es, wenn ich kostenlos meinen Kommilitonen Gitarrenunterricht gegeben hab? Zählt Babysitten? Oder muss ich irgendwann zwischen Seminaren, Klausuren, Vorlesungen und ECTS-Punkten die Welt gerettet haben?
Für die meisten Arbeitgeber ist das Engangement wichtiger als die Note, viele Mittelständler stellen ungern Absolventen mit 1,0 ein. Hatten die kein anderes Leben? Haben die nie jemandem widersprochen, sich mit keinem einzigen Dozenten angelegt? Sind die nie für etwas eingestanden, was ihre Note trüben könnte? Man möchte keine Bummelstudenten mit Ach- und Krachabschluss, aber auch keine stromlininenförmigen Karrieristen. Bei der fachbezogenen Qualifikation wird viel mehr darauf geschaut, ob die Projekt- und Abschlussarbeit zum Firmenprofil passen als auf die Ziffer nach dem Komma. Es gibt in der Gesellschaft offenbar das Bewusstsein, dass sich Engagement und 1,0 nicht vertragen.
Gestern beim neu ins Leben gerufenen Fakultäts-Stammtisch hörte ich, dass es ihn früher schon mal gab, regelmäßig und sehr gut besucht, aber dann "war er weg", der studentische Initiator und über viele Jahre gab es den Stammtisch nicht mehr. "Dann war er weg" ist ein Euphemismus für: er hat das Studium nicht geschafft. Das finden wir kollektiv schade.
Und während ich freundlich angetüdelt durch Nacht und klirrende Kälte nach Hause laufe, erinnere ich mich an studentische Sprecherinnen der Fakultät, die trotz hervorragender Noten plötzlich "weg sind", an Studentenprotestler, die mit einem Einserschnitt plötzlich die Studienzeit verlängern müssen, weil sie "es" nicht mehr packen. Es gibt keine Erhebungen dazu, wie sich studentisches Engagement auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, das Studium abzuschließen. Mir erscheint die Korrelation hoch und negativ. Schon bei den jüngsten Studentenprostesten hab ich, wenn ich gefragt wurde: "Ich möchte gerne mit demonstrieren, aber ich hab Angst, dass ich dann das Studium nicht mehr schaffe" geraten, im Zweifel die Uni für sich selbst sorgen zu lassen. Die wird vom Staat finanziert und die Studierenden zahlen dafür. Noch ungerechter als die Verhältnisse ist es, wenn die Mutigen, Tüchtigen, Engagierten ohne Abschluss von der Uni gehen. Ich kenne in der Fachschaft hoch engagierte Studierende, die während dem Bachelor sogar in Elitekollegs aufgenommen wurden, aber den angestrebten Masterstudiengang nicht bekamen, denn da fehlte am Schluss eine Kommastelle. Recht muss Recht bleiben. Recht ist an der Uni auschließlich die in der Note erfasste Leistung.
In dem Licht erscheint es unverantworlich, Studierenden zu raten sich zu engagieren in einer Institution, die sie dafür bestraft.
Wenn wir eine gute Universität wollen, muss man kritische Stellen, die Studierendeninteressen vertreten (ähnlich wie ein Betriebsrat) von Staats wegen einrichten und nicht die Studenten als Kanonenfutter verheizen. Jeder Protest kostest sie Note und Semester, kostet sie ein bisschen Zukunft.
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Ja, so isses. Die Kuh dreht sich auf dem Eis. Am besten 1,4 und sieben Großaktivitäten, die von der freiwilligen Feuerwehr, über die Demenzbetreuung bis zur persönlichen Walrettung an neuseeländischen Stränden gehen.
Es gibt doch schrecklich viele Runde Tische zu allem möglichen. Warum nicht einer zwischen Wirtschaft und Lehre und NGOs, wo man sich den optimalen Abschlussgänger bastelt. Jeder muss eine Zutat hinzu tun: Die Unis sind bei den Notenvergaben ein wenig "großzügiger" bei jenen, die sich aktiv auch noch anders am Leben beteiligen (ich weiß, ist auch nicht ganz gerecht - aber ich suche halt kurz mal gedankliche Kompromisse). Die Wirtschaft kommt vom Notenwahn ab und macht vielleicht auch mal andere Vorstellungstests, die nicht nur auf Papier stattfinden, sondern als Rollenspiel im Raum (Schauspieler anheuern, es gibt genug Arbeitslose unter ihnen!) - und die NGOs spielen mit, stellen auch eine Art Zeugnis aus... es wäre doch gelacht, wenn wir da nicht den zukünftigen mustergültigen Absolventen auch ohne klonen hinbekämen! |
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walrettung und demenzbetreuung ^^. witzig :)
ich glaub das mit der großzügigkeit mit den noten für engagement würde nicht funktionieren, weil es zu willkürlich wäre. aber man könnte die studierenden für das engagment bezahlen. fändest du das gut? |
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ja. fände ich. in irgendeiner angemessenen Art. Ok die Vorschläge kamen witzig daher, waren aber im Kern ernst gemeint. Ich glaube tatsächlich, dass man sich ernsthaft zusammensetzen sollte und sich fragen sollte, was man eigentlich wirklich will.
Ich zum Beispiel finde es unerträglich, dass so viele Absolventen dann anschließend jahrelang sogenannte "Praktikanten" zum Nulltarif sind, vera--t werden und auch anschließend zumindest in Forschung und Lehre dann existenzbedrohend schlechte und kurzfristige Zeitarbeitsverträge erhalten. Dafür das ganze Studium. Nicht einmal Familiengründung (Hallo, Frau Schröder!) ist da mit ruhigem Schlaf noch drin! Es läuft vieles falsch. Und das eben auch in dem von dir aufgezeigten Bereich! |
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Danke, ein interessantes und wichtiges Thema.
Auch ich habe mich während des Studiums engagiert und habe schlußendlich viel länger für den Abschluß gebraucht als alle anderen. Das lag aber z. T. daran, dass das Engagement auch den Horrizont erweitert hat und ich einfach Zweifel hatte an dem eingeschlagenen Weg. Ich hab am Ende des Studiums Zeit gebraucht, um mich zu orientieren und am Ende das Studium zwar noch abgeschlossen, aber nie in dem Fachbereich gearbeitet. Ich kenne noch einige von den alten Mitstreiterinnen und Mitstreitern, denen es so ähnlich ging und - in der Tat - nicht alle haben das Studium abgeschlossen. Nachdenkliche Grüße Ismene |
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was mich daran wütend macht, ist, dass es oft die guten studierenden zu sein scheinen, die sich sehr engagieren, die dann nachteile wegen längerer studienzeiten oder kommastellen in kauf nehmen müssen. wenn sie nicht plötzlich abspringen.
und ich wüsste nicht, was beispielsweise dagegen spricht, denen, die die in der fachschaft oder sonst einem studentischen gremium sind, ein semester voll zu finanzieren. flammende grüße ^^ |
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Hallo Zeitwechslerin,
wenn ich jetzt mal so in meinen trüben Erinnerungen an die Zeit als stud. Mitglied im BaFög-Ausschuß herauskrame, dann war es - seinerzeit - so, dass für zwei Semester Engagement in den Uni-Gremien ein Semester länger BaFög bewilligt wurde. Natürlich nicht unbegrenzt, aber immerhin. Natürlich weiß ich nicht, ob das immer noch so ist, aber es hat solche Ansätze gegeben. Darauf kann man zucükgreifen. |
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Mich hat jetzt gewundert, dass in einem Artikel zu dem Thema solche Worte wie 'Studienreform', 'Bologna' usw. so gar nicht vorkommen. Die geschilderte Misere ist doch hochschulpolitisch herbeiorganisiert - wirtschaftsverwertbare Ausbildung vs. Persönlichkeitsbildung. Letztere rechnet sich nicht mehr bzw., dass sie sich nicht 'rechnet' (noch nie 'gerechnet' hat), ist seit den späten 90ern zum Kriterium der Bildungspolitik geworden. Auch ein Aspekt der neoliberalen 'Konterrevolution'...
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Müssen in einem Artikel obligatorisch die gängigen Schlagworte fallen, sonst ist er schlecht? Ich hab beide Studiensituationen erlebt und würde sagen, dieses spezifische Phänomen gab es davor und ist stabil durch die Reform geblieben. Auch der Anlass, meint der Student, der früher die Stammtische organisiert hat, studierte noch im alten Diplomsystem. Hier schreiben u.a. Leute, die vor Bologna studiert haben, es sei mglw. was dran und dabei beziehen sie sich ja auf ihre alten Erfahrungen.
Ich glaub die Bolognareform ist nicht der entscheidende Faktor für das Phänomen. Dass es dennoch im System liegt ist sehr wahrscheinlich und zwar besonders im System der Universitäten, das glaub ich allerdings auch. Und dass man es dort ändern muss und nicht über den Aufruf zum Engagement der einzelnen Studierenden, die es teuer bezahlen. |
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Wo steht in meinem Kommentar, dass ich den Artikel schlecht finde?
Ein deutlicher Unterschied ist es schon, wenn durch 'Bologna' der Druck zur Einhaltung der Regelstudienzeiten stark erhöht wurde und dazu auch noch die Arbeitsbelastung der Studierenden pro Semester gewachsen ist. |
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"Ein deutlicher Unterschied ist es schon, wenn durch 'Bologna' der Druck zur Einhaltung der Regelstudienzeiten stark erhöht wurde und dazu auch noch die Arbeitsbelastung der Studierenden pro Semester gewachsen ist."
Wenn man gezwungen ist, neben dem Studium zu arbeiten, kann es manchmal tatsächlich etwas knapp werden mit der zeit. Aber auch hier ist es sicher eine Frage des Lerntyps und der Motivation. Wer nur studieren will, weil es nach dem Abi "so üblich" ist, oder Mama und Papa es so wollen, hat dann sicher ein Problem. |
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An Tagen und Jahren meines Engagements wurde mir immer entgegengeworfen: "Faulheit schafft Freizeit!"
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Ja diese Sprüche ^^
Mich hat als Junge ein Professor entsetzt aufgefordert, sofort mit der ehrenamtlichen Gremienarbeit aufzuhören, ich solle das doch bitte den restlichen 99 Prozent überlassen, die würden eh nie die Leistungen bringen. Wir haben uns furchtbar deswegen gezofft (war schlimm für mich, weil ich ihn bis dahin sehr bewundert hab), er ist mir nach dem Streit noch nach, um auf mich wie auf einen alten Karrengaul einzureden, aber da ging bei mir nichts. Ich hab nicht verstanden, dass ers echt gut mit mir gemeint hat. Jetzt versteh ichs. |
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Ja, ja und ja! Danke für diesen Beitrag.
Ich sitze nun seit drei Semestern an meiner Masterarbeit und war zwischendruch schon kurz davor alles hinzuschmeißen! Uni, Job, Engagement....Ich breue jedoch nicht einen Tag, den ich für mein politisches und soziales Engagement genutzt habe, denn das hat mich mehr gelehrt als es jeder Professor hätte tun können. Für mich habe ich beschlossen, dass ich die Masterarbeit zum Selbstzweck (es ist für mich ein spannendes Thema mit hohem Erkenntnisgewinn) beende und die Note mir egal ist. Und ob nun ein Semester mehr oder weniger....I don't care! |
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Und ich bin dagegen, dass es Abstriche an der Note gibt. :)
Ich hab das so oft gehört, dass wirklich gute Studierende dann verzichten (müssen), neben ihrer Großzügigkeit im Engagement auch noch Verzicht bei der Kommastelle und den Semestern lesiten, also bezogen auf ihre Zukunft großzügig sind. Wohingegen die Angepassten, von denen nicht alle, aber doch die Mehrheit intellektuell gar nicht die hervorragenden Leistungen bringen können die "Gewinner" sind (zumindest nach den Maßstäben, die die Uni vergibt: Zeit und Note). In Anbetracht dessen, dass die Engagierten oft für Verbesserungen der Uni die Nachteile haben, finde ich das reichlich pervers. *toi toi toi* für deinen Abschluss und wenns dir irgend möglich ist, krall dir noch die 1,0. Das hat auch was mit Gerechtigkeit zu tun, ebenso wie die Ziele deines Engagements. |
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Zur Beruhigung: die Note ist zwar nicht egal, aber lange nicht so wichtig, wie immer vermutet. In vielen Arbeitsfeldern ist sie sogar eher untergeordnet, solange keine 3 oder 4 vorne steht. Wichtiger ist das Persönlichkeitsprofil, also die Frage auf die Antwort, was diese Person für das Unternehmen leisten kann, ein interessanter Lebenslauf, eine Sprachbegabung oder ungewöhnliches Engagement. Die Note sagt ja erstmal nichts über soziale Kompetenz, Problemlösungskompetenz oder Führungskompetenz aus.
Was wirklich wichtig ist, ist nur eins: den eigenen Weg finden und konsequent weitergehen. |
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@ Zeitwechslerin
Wenn wir eine gute Universität wollen, muss man kritische Stellen, die Studierendeninteressen vertreten (ähnlich wie ein Betriebsrat) von Staats wegen einrichten... Es ist wie im richtigen Leben: Von nix kommt nix. Seit wann hat die Wirtschaft Interesse daran, an den Unis kritische Stellen einzurichten, die den Studierendeninteressen dienen? Guck mal an die Uni-Spitze und schau nach, wer dort mitzureden hat. Wenn es bspw. um die Einwerbung von Drittmitteln geht, spielt das Befinden des studentischen Azubis keine Rolle. Oder doch? |
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@ Goedzak "Mich hat jetzt gewundert, dass in einem Artikel zu dem Thema solche Worte wie 'Studienreform', 'Bologna nicht vorkommen"
Das stimmt allerdings und könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Situation von denen, die aktuell studieren, schon als 'alternativlos' empfunden wird. Und viele kennen es ja leider eben auch nicht anders (ohne dass ich jetzt - für den Westen - das Magistermodell verklären möchte). |
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@Achtermann: nach meiner Erfahrung spielt das Befinden des studentischen Azubis bei schlichtweg nichts eine Rolle (muss aber sagen, dass ich vor allem Erfahrung mit sogenannten Eliteunis und- Studiengängen hab). Da geht es um Geld und Renomme. Ich hab auch schon von studentenfreundlicheren Universitäten oder Studiengängen gehört, aber das ist eben diese Willkür: Der Studiernde hat kein Recht auf das er sich berufen kann. Wenn er Glück hat, ist die Prüfungsordnung okay, wenn nicht, muss er trotzdem durch. Irgendwie funktioniert an Universitäten die Gewaltenteilung nicht ^^. Also die Legislative und Exekutive liegen an der Uni in einer Hand, da muss man sich über die Verhältnisse nicht wundern :)
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@Michael Angele: Vielleicht war es ja im Magisterstudiengängen anders und Engagement hat sich gelohnt, aber ich erinnere mich schon noch, dass eine Doktorandin die andere zusammengestaucht hat (beide Magister), sie solle endlich aufhören sich politisch-sozial zu engagieren, sondern ihre Diss fertig kriegen, sie bliebe sonst auf der Strecke (wir waren alle drei in einem Senatsausschuss).
Dass die jetzigen Jungen es nicht anders kennen und von einem Standard aus diskutieren, der als Diskussionsgrundlage völlig ungeeignet ist, seh ich auch so. Da hat man den Effekt von Zivilprozessen, die eine Seite muss nur möglichst absurde Forderungen stellen, dann verschiebt sich jedes Ergebnis zu ihren Gunsten. Ich seh die Auswirkungen von den Reformen sehr negativ (hab sie hier in dem Blog "Blöd gemachte Eliten" unter dem pädagogischen Aspekt aufgegriffen), aber ich sehe nicht, dass das hier angesprochene Phänomen durch Bologna gekommen ist (es hat sich auch sicher nicht dadurch gemildert). |
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Mir scheint der Artikel schlecht gedacht. Es geht hier eine Menge durch einander und ich würde mir eine bessere Argumentation wünschen.
Hier nur ein Beispiel: "Noch ungerechter als die Verhältnisse ist es, wenn die Mutigen, Tüchtigen, Engagierten ohne Abschluss von der Uni gehen." Warum sollte das ungerecht sein? Jeder hat die Freiheit zu gehen. Schreckliche wäre es, man würde gezwungen ein Studium in jedem Fall fertig zu machen. Auch sehe ich nicht, dass man einen Studienabbruch negativ bewerten MUSS. Wir wissen doch, dass viele gute Leute ihr Studium abgebrochen haben: Mark Zuckerberg, Steve Job, Bill Gates .... so, don't complain ... ;-) |
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sicher gibt es alternativen zum studium, aber die sollten doch diejenigen wählen, die keinen spaß am studium haben und es sollten nicht die nachteile im studium haben, die sich FÜR die universität engagieren.
danke für die kritik. an welchen stellen hast du eine schwache argumentation entdeckt? |
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Mit dem Spaß ist es so eine Sache. Manchmal staunt man, wie viele Studies es gibt, die nur über ausreichende Grundbildung verfügen und dennoch an den Unis verweilen. Dies beginnt bei sehr schlechter Rechtschreibung und endet bei oberflächlichen mathematischen Kenntnissen. Ich denke, das zieht sich durch alle Arten von Studis, egal, ob sie nebenbei arbeiten müssen oder sich sozial engagieren oder nicht.
Die vermeintlichen "Ansprüche" an Schulabschüsse sind gestiegen und für einige Berufe, für die jemand früher lediglich einen Realschulabschluss brauchte, soll man heute (mindestens ein schlechtes) Abi haben. Die Menschen haben Angst, auf der Strecke zu bleiben - ohne Abi und Studium. Was zählt: viel Diskutiererei und sich gut verkaufen, nach oben schleimen und nach unten treten, usw.. Immerhin können sich die "sozial engagierten" Studis für Stipendien und weitere Förderung bewerben, denn dabei sind nicht immer sehr gute Noten gefragt. Andererseits verhält es sich ähnlich wie mit Almosen: Wohlhabende sollen freiwillig an die Anderen abgeben…. |
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Studieren und Engagement schließt sich doch aus. Heutzutage soll man doch via Studium, Marktreife, ähm eine Berufsbefähigung erlangen. Nicht mehr und nicht weniger.
Studenten die im univeritären Millieu ihr gerne verhaftet sind, sind durch die Reformen der letzten Jahre benachteiligt. Nur wer sein Studium als Vollzeitjob begreift hat eine Chance BA/MA zu werden. Das ist doch Scheiße. |
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"Nur wer sein Studium als Vollzeitjob begreift hat eine Chance BA/MA zu werden."
Das sollte zwar in jedem Fall so sein, das das Engagement hoch ist, aber was viel schlimmer ist, dass nur noch auswendig gelernt wird für Prüfungen. Das Fachwissen wird dabei so stark verschult abgespeichert, dass es den Studierenden zum Teil nicht möglich ist, Problemlösungsstrategien zu entwickeln, die vom gelernten Schema abweichen oder sich Fachwissen außerhalb der vorgezeichneten Wege anzueignen. Ein Horror. Auch in der Indurstrie begreift man sehr schnell, dass ein gute Note nicht das ausschließliche Kriterium für einen guten und erfolgreichen Mitarbeiter darstellt. |
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"Das sollte zwar in jedem Fall so sein, das das Engagement hoch ist, aber was viel schlimmer ist, dass nur noch auswendig gelernt wird für Prüfungen."
Welche Studiengänge betrifft das denn? Es ist übrigens auch eine Frage des Lerntyps. Die da auswendig lernen sind doch auch meistens diejenigen, die von ihren Eltern bereits zum Abi gezwungen wurden und gleichzeitig genau wissen, wie man sicht verkauft, also wie sie von "schlechter" Leistung in Notenform ablenken müssen. Diskutieren und (sich) präsentieren wird ja schon in der Grundschule bis zum erbrechen geübt. Hauptsache große Klappe und selbstsicheres Auftreten. Abi muss heute jeder haben. Eltern geben sehr viel Geld für Nachhilfe aus, weil sie nicht wollen, dass ihre kinder mit den "Schmuddelkindern" einen "niederen" Abschluss machen. |
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Hallo Zeitwechslerin,
ich gebe dir, als gewerkschaftlich engagierter Ex-Studi mit deiner Forderung "Wenn wir eine gute Universität wollen, muss man kritische Stellen, die Studierendeninteressen vertreten (ähnlich wie ein Betriebsrat) von Staats wegen einrichten und nicht die Studenten als Kanonenfutter verheizen. Jeder Protest kostest sie Note und Semester, kostet sie ein bisschen Zukunft" Tatsächlich ist der Gedanke, dem Asta als Gremium einen Studentenrat an die Seite zu stellen durchaus nicht abwegig und wird von den Berufsverbänden schon ein paar Jahrzehnte diskutiert. Das Problem ist, dass sich darin die Einzelgewerkschaften - die sich ja in ihrer Mitgliederwerbung auf den jeweiligen Studiengang bzw. Abschlußstatus der AbsolventInnen beziehen - uneinig sind und viele den Aufwand scheuen eine echte studentische Interessenvertretung zu realisieren oder die Chancen dafür als zu gering einschätzen. Die staatlichen Aufsichtsbehörden und die Uni-Führungen haben jedenfalls kein Interesse an einer starken Studentenschaft, im Sinne einer auf Mitbestimmung dringenden polit. Kraft, klare Sache. Wenn überhaupt ließen sich Studentenräte nur flächendeckend einführen, wozu es eine ziemlich breite studentische Bewegung geben müsste, die entsprechend gewerkschaftlich organisiert und reichlich Druck in den Unis und auf der Straße ausübt - die ist nicht in Sicht, fürchte ich. Das liegt sicher auch am veränderten Charakter und der engeren Taktung vieler Studiengänge, die in einer letztlich verkürzten Regelstudienzeit für Engagement kaum noch Raum bzw. Zeit lassen - womit die Fluktation der Studierenden zunimmt bzw. deren Verbleib a.d. Uni abnimmt. Eine individuelle Lösung gibt es für verbandlich organisierte AktivistInnen allerdings noch: die Berufsverbände und Parteien halten in ihren Stiftungen (bspw. Hans-Böckler) für besonders engagierte Studenten einige Mittel bzw. Stipendien bereit. Außerdem gibt es an jeder Uni unter den Lehrenden Vertrauensmenschen, bei denen man um Unterstützung ersuchen kann - die könnten jemanden wie dir u.U. weiterhelfen, oder einfach mal den Rücken stärken. I.d.R. haben diese Multiplikatoren auch Schnittstellen zum Personalrat und damit zu den Beschäftigten der jeweiligen Uni. Manche Forderungen von Studierenden lassen sich durch die Zusammenarbeit mit diesen und übergeordneten Gremien auf den Weg bringen. Nicht selten ergeben sich aus diesen Zugängen auch Kontakte, die im weiteren Berufsleben hilfreich sein können. Insoweit sich dein Engagement auch mit deinen Studieninhalten verbinden lässt, würdest du von dieser Kontaktebene sicher auch schon im Studium profitieren können. Ein Hauptproblem beim studentischen Engagement neuerer Tage ist meiner Ansicht auch, daß sich viele Studiengänge ziemlich unverbunden zur Berufstätigkeit zeigen und die Lehrenden wenig Interesse daran haben, das zu ändern - man möchte sich da vielfach lieber abgrenzen, nicht selten aus Statusdünkelgründen.. Leider beschränkt solche Denke durch die abgegrenzte Vermittlung der Inhalte auch oft den Horizont der Lernenden, die ihr Engagement zwischen Sachzwängen, evtl. Benotungsnachteilen und Zeitnöten eingeklemmt sehen, wohl wahr. Es wäre dabei schon hilfreich, die eigenen Initiativen etwas langfristiger und nicht nur auf die Uni bezogen zu betrachten, meine ich - was denkst du? Grüße vom Ideefix |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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