Entgegen Gerüchten, die sich seit der Aufklärungszeit hartnäckig halten, gibt es auch in Gesprächskreisen, Stammtischrunden, Seminaren und neuerdings sogar in Web-2.0-Foren eine Spezies, die ernsthaften Forschern wie interessierten Laien mi...>> mehr
Die am gefährlichsten aussehende Kreatur dieses Planeten ist zugleich die harmloseste: Der Besserwisser. Obwohl er beim geringsten Anlass zubeißt (weshalb er auch »Schnappmaul« genannt wird) verfehlt er doch regelmäßig sein Zi...>> mehr
»Es reicht nicht, dass ich gewinne, der andere muss auch verlieren!« war ein Standardspruch eines meiner Jugendfreunde. Wir waren eine Gruppe schmächtiger Kerlchen mit Pickeln im Gesicht, hatten gerade die Siebziger mit ihren Schlaghosen, Bund...>> mehr
Im Streit um die richtigen Lehren aus der aktuellen Misere der globalisierten Wirtschaft stehen sich, wenn man die liberal-konservativen Trompeter des »Weiter so!« einmal außer Acht lässt, eine gemäßigte Haltung, die mit volks...>> mehr
Allen Prozessen in dieser Welt ist etwas gemeinsam: Sie haben einen Anfang und ein Ende.
»Aber natürlich«, werden Sie sagen, »das ist doch trivial.« Je nach Charakter und Gemütsverfassung werden Sie dabei höhnisch,...>> mehr
Peinlich, peinlich! Habe keine 30 Sekunden ausgehalten. Aber was soll man auch von einem Land erwarten, in dem Gastfreundschaft und Höflichkeit keinen Stellenwert mehr haben und Respekt vor dem Anderen schlichtweg ein Fremdwort ist. Dass diese Art von 'Volksbelustigung' sich dann auch noch als kritische Haltung selbst gefällt, sagt über den geistigen Horizont der Macher wie des wohlmeinenden Publikums solcher 'Satiren' mehr als genug aus.
(Des Zurückblätterns müde, mache ich auf der übergeordneten Kommentarebene weiter.) Was Sie über Erkenntnis und Nietzsche schreiben, d'accord. Ich wollte mit dem Aristoteles-Zitat nur sagen, das Unend...
Danke für das Angebot, mir Ihr Schiller-Manuskript zukommen zu lassen. Meine Mailadresse habe ich Ihnen, wie vorgeschlagen, mitgeteilt.
Bei der Suche nach dem Nietzsche-Zitat bin ich noch nicht so recht weitergekommen. Teilweise sind seine Aphorismen ja auch ziemlich redundant. So bin ich in "Morgenröthe" auf einen ziemlich guten Kandidaten gestoßen, und zwar den 441. Aphorismus aus dem fünften Buch. Eine weitere Thematisierung des Problems findet sich im 355. Aphorismus aus dem fünften Buch von "Die fröhliche Wissenschaft".
Zur Zeit arbeite ich mich wieder durch "Menschliches, Allzumenschliches" und dabei bin ich auf einen interessanten Fund gestoßen, der sehr gut zum Thema Globalisierung passt. Ich zitiere:
"Seitdem der Glaube aufgehört hat, daß ein Gott die Schicksale der Welt im Großen leite und trotz aller anscheinenden Krümmungen im Pfade der Menschheit sie doch herrlich hinausführe, müssen die Menschen selber sich ökumenische, die ganze Erde umspannende Ziele stellen. Die ältere Moral, namentlich die Kants, verlangt vom Einzelnen Handlungen, welche man von allen Menschen wünscht: das war eine schöne naive Sache; als ob ein Jeder ohne weiteres wüßte, bei welcher Handlungsweise das Ganze der Menschheit wohlfahre, also welche Handlungen überhaupt wünschenswert seien; es ist eine Theorie wie die vom Freihandel, voraussetzend, daß die allgemeine Harmonie sich nach eingebornen Gesetzen des Besserwerdens von selbst ergeben m ü s s e." (MAM, 1. Buch 25. Aphorismus).
Diese "ökumenischen Ziele" bieten ein gutes Stichwort, um hier mit Kondylis einzuhaken: "Planetarische Politik nach dem kalten Krieg". Darin gibt es übrigens auch ein Kapitel "Was war der Kommunismus?". Vielleicht schreibe ich selbst mal etwas darüber, wenn es meine Zeit erlaubt.
Was die Sache mit meinem Jugendfreund angeht, so handelt es sich nicht so sehr um ein isoliertes Schlüsselerlebnis, denn die Einsicht, dass dort etwas stattgefunden hatte, stellte sich bei mir erst später ein. Wenn man das politische Umfeld betrachtet, handelt es sich ja genau um die Zeit der "Wende": Zuerst Thatcher in England, dann Reagan in den USA und schließlich Kohl bei uns. Dazu die Aenderungen in der Medienlandschaft: Privatfernsehen, die Einführung der Börsennachrichten - bis hin zur Umwandlung von Werner Höfers "Internationalem Frühschoppen" in den öden "Presseclub", in dem Woche für Woche die immergleichen eitlen Selbstdarsteller (Jörges, Joffe, Steingart und Konsorten) eine Bühne fanden, sich ihrer Bedeutsamkeit zu vergewissern.
Selbst auf dem Gebiet der Unterhaltung konnte man den Zeitenwechsel wahrnehmen: Der schlitzohrige, stets etwas zerknautschte, immer am Rande der Pleite entlang schrammende Detektiv Rockford wurde durch die Ferrari und Speedboot fahrenden Armanikleiderständer Sonny Crocket und Ricardo Tubbs abgelöst und prägten mit ihrer Mode die Vorlieben einer ganzen Teenagergeneration - was ich dann auch gleich an meiner Alma mater beobachten konnte, als die Wiwi-Erstsemster den Hörsaal überfluteten. Die Posen der kommenden Masters of the Universe beherrschten sie schon vor Bestehen der ersten Matheklausur.
(Komme leider gerade erst nach Hause.) @misterL - das ist eine hilfreiche Beantwortung meiner Frage, in der tatsächlich so etwas lag wie "Das hat doch nichts mit der FDP zu tun!". Es hat. D.h. über d...
Na ja, mein Pessimismus geht selbstverständlich nicht so weit, dass ich Hopfen und Malz für verloren hielte. Wäre das so, dann wäre ich wahrscheinlich längst auf irgendeiner Südseeinsel. Doch was das Bürgerbegehren angeht, hätte ich vielleicht erwähnen sollen, dass es von den Kaufleuten der Stadt initiiert wurde, die einfach die Konkurrenz fürchteten. So gesehen, war das eher ein Etappensieg in einem großen Rückzugsgefecht. Ich kenne einen Ladeninhaber ganz gut. Da herrscht große Ratlosigkeit. Man versucht nur noch, den Status quo so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Konzepte, wie man der Tristesse entgegenwirken könnte, gibt es zur Zeit noch nicht.
@ Michael Jäger, 26.7., 17:54 Ich denke, Aristoteles war der erste, der die Antinomie Endlichkeit-Unendlichkeit ganz „pragmatisch“ aufgelöst hat, indem er der Wirklichkeit des Seienden ein nur potenti...
Lieber Michael Jäger, was Sie über ihre Beschäftigung mit Schiller schreiben, finde ich faszinierend. Kann man die Essays noch irgendwo nachlesen? Nachdem ich eine Weile über die verschiedenen Positionen nachgedacht habe, bin ich zwar noch nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen, aber doch schon zu der Einsicht, dass dem Begriff der "Unendlichkeit" eine Schlüsselfunktion zukommt. Ob allerdings Aristoteles heute noch der richtige Gewährsmann ist, wage ich zu bezweifeln. Geht es denn wirklich primär um Erkenntnis? Durch diese Tradition hat doch bereits Nietzsche mit Verweis auf Schopenhauer einen dicken Strich gezogen. Gewiss war dieser Strich für manchen Geschmack zu heftig, die Pose des Durchstreichens im Nachhinein abgeschmackt (doch wohl eher durch die zahlreichen hirnlosen Nachäffer), aber kann man ihn wirklich einfach in den Giftschrank sperren - heute noch? Übrigens bezog sich auch meine Erwähnung des Nächsten, das uns das Fernste ist, auf ihn (leider habe ich die genaue Stelle nicht mehr im Kopf). Die Problematik, dass wir mit unserer Wissenschaft zwar den Lauf der Sterne berechnen könnnen, aber bezüglich unserer eigenen Antriebe und Leidenschaften nach wie vor im Dunkeln tappen, ist ja trotz Hirnforschung und Genanalyse leider immer noch aktuell. Was den Sog der kapitalistischen Verhältnisse angeht, will ich Ihnen gar nicht widersprechen. Vielleicht gibt es da weniger einen Dissens, der zu debattieren wäre, als vielmehr eine perspektivische Verschiebung. Meine Frage geht nicht auf Ursache und Wirkung, sondern darauf, wie sich der Mentalitätswechsel, der beispielsweise in meinem Jugendfreund (siehe meinen Blogbeitrag) offensichtlich stattgefunden hat, sich deuten lässt. Was damals, Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre stattgefunden hat, verstehe ich immer noch nicht so ganz. Aber ich fühle, dass in diesem Verständnis der Schlüssel für das Folgende liegt - bis hin zur Finanzkrise unserer Tage. Das mag einstweilen ein wenig unbefriedigend sein, aber ich bin sicher, dass es da noch fruchtbare Ansätze zum Weiterdiskutieren gibt.
Ich bin kein Chinese, sondern ein Kind er sozialliberalen Ära, das, von der Gegenwart zunehmend entfremdet, dennoch gerne der Zukunft zugewandt bleiben und sich nicht als "von gestern" abstempeln lassen möchte.
David Foster Wallace wurde 2005 darum gebeten, vor Absolventen des Kenyon College eine Abschlussrede zu halten. Diese berühmt gewordene Rede gilt in den USA mittlerweile als Klassiker und Pflichtlektüre für alle Abschlussklassen – eine kleine Anleitung für das Leben, die man jedem mit auf den Weg geben möchte
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