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550 Reporter, Redakteure und Techniker der Fernsehsender MTV und Duna, des Rundfunks und der Nachrichtenagentur MTI erhielten Ende Juni Kündigungsschreiben. Beim Fernsehen wurde die gesamte Abendnachrichtenredaktion entlassen und ganze Teams, die Kultursendungen produzierten. Im Herbst sollen weitere 400 Mitarbeiter gefeuert werden, um die "Effizienz der durch Steuergelder finanzierten Einrichtungen" zu erhöhen. Die Opposition sieht politische Säuberung und Gleichschaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Das staatliche Fernsehen und das ebenfalls staatliche Kossuth Rádió erwähnte die Massenentlassungen in ihren Nachrichtensendungen nicht.
Abgewickelt wird der Abbau von einem Journalisten, der mit einem manipulierten Beitrag zum Besuch von Daniel Cohn-Bendit in Budapest von sich reden machte und dem er seine Ernennung zum Chefredakteur des staatlichen, pardon, nationalen Medienfonds MTVA verdankt.
Die Süddeutsche Zeitung berichtete:
(…) eine dieser Geschichten, die man erstmal gar nicht glauben mag und die pars pro toto zeigen, was in dem Land, das momentan die EU-Präsidentschaft inne hat, mittlerweile normal zu sein scheint: Als Daniel Cohn-Bendit an einer Pressekonferenz der ungarischen Grünen teilnahm, fragte ihn ein Journalist, warum er es schlimm finde, dass die neue Verfassung die Nationalhymne zitiere und ob die sexuelle Belästigung von Kindern für ihn zu den demokratischen Grundwerten zähle.
Cohn-Bendit antwortete souverän, ruhig und fundiert. Die Fragerunde ging danach noch lange weiter, es ging um die neue Verfassung und das Mediengesetz, um Europa und Fukushima, eine halbe Stunde später verließ Cohn-Bendit den Saal. Die Abendnachrichten des staatlichen Senders M1 machten dann mit ihrer Version des Besuchs auf: Sie warnten, der Beitrag sei jugendgefährdend, schnitten die Frage nach der Pädophilie mit den Bildern von Cohn-Bendits Abgang zusammen und texteten dazu, der Politiker habe auf diese Frage fluchtartig den Raum verlassen. Dániel Papp, der Journalist, der den Beitrag zu verantworten hatte, wurde kurz darauf zum Chefredakteur der zentralen ungarischen Medienredaktion ernannt, die ab sofort für alle öffentlich-rechtlichen Radio- und TV-Sender sämtliche Nachrichten produziert. Papp ist Gründungsmitglied der rechtsextremen Jobbik-Partei.
Mit der Kündigungswelle wartete man, sicher nicht zufällig, bis zum Ende der ungarischen EU-Präsidentschaft. Kommentatoren sprechen von einer Säuberungsaktion und Schaffung von Arbeitsplätzen für Mitglieder der Regierungspartei. MTVA drohte jedem Gerichtsverfahren an, der dem Vorgang öffentlich politische Motive unterstellt.
Auf Facebook wird zum Boykott der staatlichen Medien aufgerufen.
Die Staatsmedien seien verschuldet und personell überbesetzt und auch die Programmgestaltung könne eine Reform vertragen, sagen Branchenkenner. Der Personalabbau gefährde den gesetzlichen Auftrag der staatlichen Medien schreibt der STANDARD und fährt fort:
MTVA habe keinerlei Umstrukturierungsplan vorgelegt. Die betriebswirtschaftlichen Pläne, ebenso wie die neuen Programmschemata würden geheimgehalten. Die private Internetzeitung index.hu mutmaßt, dass das Staatsfernsehen verstärkt Produktionsaufträge für Sendungen an Privatfirmen vergeben wird, die zur Klientel der Regierung gehören.
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hi zusammen,
in diesem zusammenhang will ich nochmal auf gewisse entwicklungen aus der letzten zeit in ungarn hinweisen. "Ungarns Rechtspopulisten wollen eine neue Verfassung beschließen. Nichtchristen, Nichtungarn, Alleinerziehende und Homosexuelle kommen darin schlecht weg." www.welt.de/politik/ausland/article13002319/Opposition-bezeichnet-neue-Verfassung-als-Diktatur.html "Die ungarische Regierung will die Arbeitslosenhilfe drastisch kürzen und nur noch 90 statt 270 Tage zahlen. Viktor Orban erhofft sich davon 300.000 neue Arbeitsplätze." www.welt.de/politik/ausland/article13169936/Ungarn-kuerzt-Arbeitslosenhilfe-von-270-auf-90-Tage.html "Ungarische Regierung führt Zwangsarbeit für Arbeitslose nach deutschem Vorbild ein – inklusive Arbeitslager und Polizeibewachung. Vor allem Roma sind betroffen." www.hintergrund.de/201107071640/politik/politik-eu/zwangsarbeit-in-ungarn.html sonnige grüße glaubdir ;-) |
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Das mit dem "deutschen Vorbild" ist leicht daneben. Die Bundesregierung schrammt immer noch an der von der europäischen Menschenrechtskonvention verbotenen Zwangsarbeit vorbei. Dienstverpflichtete, die "nicht zusätzliche Arbeiten" ausführen mussten, können anschließend zum Sozialgericht gehen und Klage auf ausstehenden Lohn einreichen. Maßstab ist hier der Tarifvertrag der entsprechenden Branche, die diese Leistung regulär anbietet. Im Prinzip könnten das die ungarischen "Dammbauer" auch, da sollten die Eurokraten mal ein Auge darauf werfen.
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@zusammen, wichtig ist, hinter die grpße globale fassade zu gucken um zu erkennen. ;-)
www.youtube.com/watch?v=i8diHkvDDQM |
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Lieber zinkhund,
was Sie beschreiben, ist die logische und konsequente Fortsetzung aus „Ungarns ansteckende Krankheit“ www.freitag.de/politik/1116-blogentry-redirect-22382 vom 24. April. Nachdem die rechtlichen Rahmen modifiziert worden sind, konnte der personelle Umbau nicht ausbleiben. Fatal ist dabei die Reaktion derjenigen, die es unmittelbar angeht, des Berufsstandes der Journalisten. Vor allem aus Deutschland, das mit seinen Mediengruppen überproportional in Ungarn vertreten ist, ist kaum etwas zu hören. Was nicht weiter verwunderlich ist, denn auch in Bezug auf eine andere Persönlichkeit, die Gleiches (allerdings etwas langsamer) in ihrem Land eingeführt hat, wurde ähnlich verfahren: Silvio Berlusconi wurde vom Boulevard wahrgenommen, aber kaum von den Meinungsseiten und Leitartikeln, obwohl er de facto einen Teil der Medien durch Bündelung faktisch gleichgeschaltet hat. Ich fände es toll, wenn von Ihnen, der Sie angeben, in Ungarn zu leben, mehr käme, denn es ist publizistisch hier ein ziemlich unbeackertes Feld. Beste Grüße, e2m |
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Werde in Zukunft öfter über die politischen Ereignisse in Ungarn berichten.
Gruß an alle KS |
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@zinkhund,
interessant sind die Kommentare zum Artikel von Axel Rühle in der Süddeutschen www.sueddeutsche.de/kultur/ungarn-muskelspiele-an-der-donau-1.1097340 Axel Rühle hat mit der Philosophin Agnes Heller gesprochen, gegen die eine Kampagne läuft, ihr wird vorgeworfen, EU-Gelder falsch verwendet zu haben. www.hagalil.com/archiv/2011/03/06/heller-3/ www.tagblatt.de/Home/nachrichten/kultur/regionale-kultur_artikel,-Agnes-Heller-mit-Daeubler-Gmelin-und-Wertheimer-im-Pfleghof-_arid,135796.html www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Alte_und_neue_Heimat/2011/03/Manuskripte/03_06_ferenczi_agnes_heller.I.pdf Schweizer Antroposophen haben einen Artikel von Attila Ertsey, er ist Redaktionsmitglied der anthroposophischen Vierteljahreszeitschrift "Szabad Gondolat", im Perseus Verlag veröffentlicht www.perseus.ch/PDF-Dateien/Ertsey.pdf Warum schreiben Schweizer Steiner Anhänger so etwas? |
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Ohne ein großes Maß an Zustimmung für diese haarsträubende Propaganda hätten sie es sicher nicht veröffentlicht.
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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