In soldiarischer Selbstverantwortung
Viele dieser Initiativen sind als Genossenschaften organisiert. Über die gesellschaftliche Integrations- und Innovationskraft von Genossenschaften gibt es allerdings kaum Informationen. Ihr vorrangiges Ziel ist, durch gemeinschaftliche Anstrengung in solidarischer Selbstverantwortung und Selbstverwaltung Lösungen für Probleme ihrer Mitglieder zu finden. Dies ist eng mit Prinzipien der Mitgliederförderung, Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung verbunden. Aktuell werden überall im Land neue Genossenschaften gegründet. Diese Organisationsform hat in Deutschland und in Europa eine lange Tradition, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Häufig entstanden Genossenschaften aus einer Notlage heraus. Vor allem die durch die Industrialisierung gefährdeten Wirtschaftszweige griffen zu dieser Organisationsform, so gründeten beispielsweise Handwerker und Einzelhändler Kreditgenossenschaften oder aber Wohnungssuchende gründeten Wohungs(bau)genossenschaften. So bildeten Genossenschaften lange Zeit eine Möglichkeit, sich gemeinsam unternehmerisch zu betätigen und gleiche oder ähnliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Interessen gemeinsam zu verfolgen. Mit der Einführung eines Europäischen Genossenschaftsgesetzes 2006 und der gleichzeitigen Novelle des Deutschen Genossenschaftsgesetzes wurden außerdem die möglichen Handlungsfelder ausgeweitet: Seitdem steht es eingetragenen Genossenschaften (eG) frei, neben wirtschaftlichen auch soziale oder kulturelle Ziele, einschließlich ökologischer Ziele, zu verfolgen oder gar transnationale Genossenschaften zu gründen.
Klimaschutzgenossenschaften sind die Zukunft
Kürzlich wurden erst Energiegenossenschaften in Stuttgart, Voralb und Teningen/Baden gegründet. Und auch die Diskussion um die Übernahme der Thüga durch Genossenschaftler und Genossenschafterinnen ging vor einigen Monaten quer durch die deutsche Presse.
Seit einigen Jahren wird das genossenschaftliche Modell aber auch verstärkt für Klimaschutzinitiativen entdeckt, so entwickelt die Genova eG in Freiburg seit 1997 das Vauban-Quartier, und seit 2000 sind mehrere Genossenschaften damit befasst, den neuen Stadtteil München/Riem unter anderem nach nachhaltigen, sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zu gestalten. Die Möckernkiez-Genossenschaft (i. G.) in Berlin plant in zivilgesellschaftlicher Eigenregie den Bau eines modernen und zugleich nachhaltigen Stadtquartiers am Rand des neu entstehenden Gleisdreieck-Parks.
Es gibt also vielfältige Möglichkeiten, sich gemeinsam für den Klimaschutz zu engagieren. Trotz oder gerade wegen festgefahrener Verhandlungen auf höchsten politischen Ebenen. Gemeinsames Handeln im Zeichen des Klimaschutzes ist eine gute Möglichkeit, un-konventionelle, solidarische Ideen von Ressourcennutzungen und Zusammenleben umzusetzen. Diese können auch in breit wirksamen gesellschaftlichen Veränderungen, hin zur Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz, münden. Keiner und keine muss das alleine tun!
Dr. Heike Walk und Dr. Carolin Schröder arbeiten am Zentrum Technik und Gesellschaft.
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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