Samstag, 13. März 2010, 17:20 Uhr im Berliner Olympiastadion. Die nicht gerade wehrhafte Phalanx von Sicherheitspersonal wird von einer kleinen Gruppe unzufriedener Hertha-Fans durchbrochen. Ein Bild, das vor allem deshalb durch die Medien geistern wird, da die handelnden Akteure hier mit Stangen bewaffnet sind und so die skandalgeilsten unter den Reportern und Medienschaffenden neues Futter haben.
So breitet sich eine Welle der Entrüstung über Deutschland aus! Doch was genau ist neu an den Szenen nach dem Abstiegsgipfel? Wer die Fanszenen landauf landab beobachtet, den wird dieser Vorfall sicherlich nicht erfreut, aber eben auch in keinem Fall überrascht haben. Schon seit 1-2 Jahren gibt es diese Tendenzen, dass es immer wieder - und zuletzt immer häufiger - in den Stadien und außerhalb kracht. So wurden gerade erst Hamburger Fans mit Stadionverboten bedacht, da sie gemeinsam mit Bielefeldern und Hannoveranern den Bielefelder Bahnhof zerlegten. So wurden vor kurzem erst Teile der Münchner Fanszene (soweit vorhanden) mit Stadionverbot bedacht, da sie auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel auffällig wurden. Noch vor wenigen Tagen kam es in Rostock zu in ihrem Ausmaß viel beängstigerenden Szenen als man versuchte die Geschäftstselle nach verlorenem Spiel zu stürmen. Und auch in Kaiserslautern und Karlsruhe wurde man mit Geldstrafen bedacht, da ein paar Unverbesserliche es beinahe schafften durch Schneeballschlachten Spiele zum Abbruch zu bringen.
Doch wo liegen die Gründe für dieses neuerliche Aufkommen von Gewalt im Fußball? Geht es nach der DFL liegt das Problem darin, dass Stadionbesucher per se einem Sicherheitsrisiko gleich kommen. So verwundert es nicht, wenn Holger Hieronymus als Reaktion fordert, die Stehplätze aus den Stadien zu entfernen. Aber Herr Hieronymus: Ist es nicht genau diese Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen und Wünschen der Fans, die seit Jahren für ein enormes Aggressionspotenzial selbst unter den friedlichsten der Kurvengänger sorgt? Aber der Fan im Stadion rechnet sich eben nicht. Ökonmie schlägt hier Kulturgut!
Zum Glück hat auch Herr Wendt von der Polizeigewerkschaft ganz schnell einen goldenen Vorschlag zur Hand. Personengebundene Eintrittskarten zur schnelleren Identifizierung von potenziellen Straftätern, also Fußball-Fans! Aber Herr Wendt: Gibt es nicht auch in unseren Städten ähnliche Auswüchse an sinnloser Gewalt? Haben wir es hier nicht vielmehr mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun? Gilt es nicht zunächst einmal Lösungen zu finden, bestimmten abgehängten Gesellschaftsschichten wieder Perspektive zu geben, um so auch eine latente Gewaltbereitschaft, die unter anderem in den Stadion zum Ausdruck kommt, herunter zu fahren?
Die Vorfälle in Berlin sind nicht gutzuheißen! Jedoch erwecken die Reaktionen darauf den Anschein, dass unter den Offiziellen, die für die Veranstaltung von Bundesliga-Spielen Sorge tragen, ein eklatanter Mangel an Feingespür und Kompetenz besteht.
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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