Markus

Blog von Markus

18.04.2010 | 20:38

Vulkanasche, Flugzeuge und kognitives Versagen

Es gibt diese Zeiten, in denen man unweigerlich das Gefühl bekommt, dass ein korrektes Zusammenspiel von Ursachen und Wirkungen auf diesem Planeten in weite Ferne gerückt ist. Zumindest in den Sphären seiner menschlichen Bewohnerschaft. Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull bringt dieses Gefühl wieder ans Tageslicht.

Lässt man den verständlichen Unmut der betroffenen Reisenden einmal beiseite (auch wenn Unmut gegenüber Naturgewalten dazu verdammt ist sinnlos zu verpuffen), so erschreckt zur Zeit die Häufigkeit mit der man Mitmenschen sagen hört, dass dies ja mal gar nicht so schlecht sei, da ja jetzt die Airline-Branche weniger CO² produziere. Wo auf den ersten Blick ein Umweltgewissen erkennbar ist, verbirgt sich aber vielmehr ein fehlendes Nachdenken. Denn der Grund für den Ausfall des Flugverkehrs ist für unseren Planeten deutlich schädlicher als ein jahrelanges Umherfliegen von Lufthansa, British Airways und Co. In der Vergangenheit gab es Vulkanausbrüche, die als Einzelereignis einen Einfluss auf das Klima weltweit hatten.

Nun sind Flugzeuge sicher auch kein Transportmittel, denen man den Umweltengel auf die Flügel malen sollte, dennoch soll zur Verteidigung gesagt werden, dass sich ihr CO²-Ausstoß global bei „nur“ 2-3 % befindet und auch schon seit geraumer Zeit an Konzepten gearbeitet wird diesen Anteil weiter zu reduzieren. Dies wird auch gerne in der öffentlichen Diskussion als dramatischer dargestellt, da die Kondensstreifen am Himmel ein so plakatives Beispiel für Umweltbelastung darstellen.

Für diese Aufklärung wären bei uns eigentlich die Medien verantwortlich, doch man hört, sieht und liest relativ wenig fachlich fundierte Beiträge. Während die Blöd-Zeitung wie gewohnt mit Weltuntergangstheorien gekonnt am Thema vorbei“fliegt“ (um im „Bild“ zu bleiben), so bedienen sich auch andere Medien, denen man üblicherweise mehr Niveau als dem Springer-Spross zuschreibt, lieber der Pflege unseres guten Gewissens, da ja die hausgemachte Umweltverpestung aktuell durch eine viel schlimmere, aber eben von der Natur selbst stammende, ersetzt wird. Befremdlich an dieser Darstellung ist lediglich, dass oftmals nicht darauf verwiesen wird welche Auswirkungen die Vulkanasche hat.

Nochmal: Vulkanausbrüche haben stärkere Auswirkungen auf das Klima als alles vom Menschen produzierte, sind aber auch kein Grund zur Panik. Die Erde hat das schon mehr als einmal ausgeglichen.

 

Doch ganz absurd wird unser menschliches Dasein, wenn man betrachtet, wie ein gewöhnliches Naturereignis plötzlich die Wirtschaft lahm legt. Fallende Kurse an den Börsen aufgrund eines Ereignisses, dass es schon länger gibt als die Menschheit selbst. Aber ein Vulkanausbruch bietet eben keine Planungssicherheit. Blöde Sache! Und so beweisen uns die Vertreter des globalen Handels nur 2 Jahre nach dem Beginn der großen Krise auf ein neues, dass sie sich selbst ein System geschaffen haben, das nicht nur der gemeine Bürger, sondern auch sie selbst nicht verstehen, geschweige denn verständlich vermitteln können. Wie sonst soll man es deuten, dass der Mensch nicht mehr mit dem umgehen kann, mit dem schon unsere in Höhlen lebenden Vorfahren umgehen mussten und konnten? Wie kann es sein, dass Asche über Europa zu Verlusten einer amerikanischen Bank führt?

 

Doch wenn wir schon diese Zusammenhänge nicht mehr verstehen, die wir uns selbst geschaffen haben, wie soll man dann auch erwarten Zusammenhänge zu verstehen, die uns die Natur vorgibt, sprich zu verstehen, dass viele Tonnen Asche aus einem Vulkan größeres Unheil bringen als „Asche“ aus Flugzeugen?

 

 
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Kommentare
jayne schrieb am 18.04.2010 um 21:32
guter beitrag, und zu den geschehnissen an der börse - was da jetzt in folge des vulkanausbruchs ausbricht: auch nur wieder kriminelle energie ...
Hermanitou schrieb am 18.04.2010 um 22:36
Mit Verlaub - das ist ein kleiner, örtlicher isländischer Vulkan. Ein großer Vulkan war der Krakatau in Indonesien - als der explodierte, kamen 36000 Menschen ums Leben und der Knall wurde von einem Zwölftel der Menschheit gehört. Die Sonne verdunkelte sich und die globale Temperatur sank um 0,5 Grad.

Das war eine Katastrophe. Wir erleben eine europaweit gesteuerte Panikmache, bei der - laut Tagesschau heute abend - auch die Fluglinien zu meutern beginnen. Ein Fake, sonst nichts. Im buchstäblichen Sinn: Nichts.
Markus schrieb am 18.04.2010 um 22:50
Richtig! Dass auch dieser Vulkanausbruch uns jetzt noch nicht an den Rande des Untergangs bringt schreibe ich ja auch. Wichtig war mir nur die fehlende Einstufung des "Übels" in Medien und Bevölkerung: Flugverkehr, dann "normale" Vulkanausbrüche, dann Weltuntergang :-)!
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tlacuache hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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