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Wie soll man diese WM nun aus deutscher Sicht einordnen? Schaut man in die Medien oder auf die generelle Stimmung im Volk so ist es doch eigentlich klar. Die Superlative scheinen nicht aufhaltbar. Von einem weiteren Sommermärchen hört man immer wieder. Bei Public Viewing-Besuchern waren die etwas plakativeren, jedoch in dieselbe Richtung gehenden, Worte geil, cool und saustark des Öfteren zu hören.
Also muss es wohl ein fantastisches Turnier gewesen sein. Oder fallen wir hier nur auf Oberflächlichkeiten herein?
Fragen wir doch die Statistik: Deutschland trat bisher 17 mal bei Weltmeisterschaften an. Dabei schaffte es das deutsche Team 11 mal unter die ersten Drei zu kommen. Bleiben nur 6 Weltmeisterschaften, bei denen wir schlechter abschnitten. Also im Prinzip nur Durchschnitt?
Zugeben, unsere Statistik jammert auf extrem hohem Niveau. Aber genauso extrem schlägt die öffentliche Meinung in die andere Richtung aus. Was also bleibt hängen?
Positiv zu bemerken ist auf jeden Fall das technisch gute Spiel des Teams. Selten sah man solch flüssige Kombinationen. Und selten demontierte man Weltklasse-Teams in bedeutenden Spielen so wie es gegen England und Argentinien gelang.
Zu tun hat dies auch mit der – aus meiner Sicht - wichtigsten Erkenntnis der WM. Wir nehmen uns endlich als das Einwanderungsland wahr, das wir sind, und akzeptieren die Özils, Khediras und Cacaus als „Deutsche“, anstatt wie bisher üblich zu hinterfragen: „Der ist doch Türke, oder?“ Nein, was das Thema Integration betrifft war diese WM sicherlich hilfreich.
Doch zurück zum Ergebnis und dem Spielstil des neuen Teams. Auch wenn wir tollen Fußball gesehen haben, so waren wir dennoch nicht wie 7 mal zuvor im Finale. Das lag v.a. daran, dass wir im Halbfinale gegen Spanien zu sehr gespielt haben wie Spanier und Holländer und ganz vergessen haben, dass diese Teams in der Geschichte eben immer deshalb so früh scheiterten, weil sie nicht die bekannte deutsche Fähigkeit hatten das Spiel des Gegners erst einmal zu zerstören – und damit Schaden zu verhindern – ehe man dazu übergeht selbst produktiv zu werden. Diesmal vergaß auch das deutsche Team diese wichtige Fähigkeit im entscheidenden Spiel. Oder war es womöglich dazu nicht in der Lage? Auch 2008 holten wir den Titel nicht aus denselben Gründen. Entgegen vielen anderen Meinungen sah ich Spanien in beiden Aufeinandertreffen nicht als stärker, sondern Deutschland als schwächer. Im faktischen Ergebnis tun sich beide Ansichten zwar nicht viel, wohl aber in der Frage nach alternativ möglichen Ausgängen.
Aus meiner Sicht war diese WM eine Art Umbruch für den deutschen Fußball. Das Team ist definitiv jünger geworden und zeigt neue spielerische Ansätze, bietet auch sozial wichtige Elemente. Wollen wir aber nach 16 Jahren in Polen mal wieder einen Titel gewinnen, so sollte das Team noch lernen die „guten deutschen Tugenden“ mit dem neuen Spielwitz zu verbinden.
Vielleicht sagen dann auch bald öffentliche Fanmeilenmeinung und Statistik wieder dasselbe aus!!!
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Wer die Gesamtbewertung eines Fußball-Turniers auf Zahlen und Statistiken aufbaut, hat meiner Meinung nach vergessen, dass Fußball immer noch ein "Spiel" ist. Die rein ergebnisorientierte Betrachtungsweise trägt sehr wenig zur Attraktivität desselben bei, wie man an der deutschen Nationalmannschaft jahrzehntelang beobachten durfte. Die Sponsoren, Manager, Anteilseigner und nicht zuletzt die Spieler selbst dürften sich natürlich freuen, wenn endlich akzeptiert wird, dass nur das Ergebnis (und somit letztlich der materielle Gewinn, der hinten rauskommt) zählt.
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Wer aus den Spass suchenden Fanmeilenbesuchern, eine bestimmte Kultur oder sonst etwas herauslesen will, begeht einen Irrtum. Das zeigte sich durch gähnende Leere an den Tagen wenn Dtsch. nicht spielte und an der Leere beim kleinen Finale. Die Leute wollen nur preiswerten Spass. Bleibt der aus, bleiben sie weg. Mit dazu beigetragen und auch noch in Zukunft wirken, wird die Weigerung der Spieler, sich durch Anwesenheit zu bedanken. Hier zeigte sich einmal mehr das der angebliche Fan, vor allem der nichtzahlende Fan, den Wirtschaftsunternehmern Fußballprofi völlig egal ist. Gerade dies ist eine der wichtigsten Erkenntnisse, die die abgelaufene WM auch international vermittelt.
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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