Zweifel

"Einfach" - Die neue Partei

27.11.2011 | 16:07

UN-Treuhandrat wiederbeleben

(Foto: NASA Earth Observatory)

Die Welt ist ungerecht. Immer schon. Aber so ungerecht wie der­zeit war sie lange nicht. Das sollten wir ändern. Jetzt. Auch ge­gen Widerstände. Denn viele wollen, dass es so bleibt. Und noch mehr können sich nichts anderes vorstellen. Hier entwickele ich kurz, warum Änderungen zwingend sind und wie diese ausse­hen können.

Die meisten kulturellen Gruppen in der Geschichte nahmen an­deren weniger weg als wir. Derzeit lebt eine Milliarde in Saus und Braus. Der Rest darbt. Alle sieben Milliarden hinge­gen be­treiben – unterschiedlich intensiv – eine Ausbeutung, Verskla­vung und Vernichtung anderer Arten, die ebenfalls historisch neu ist. Durch zentralisierte Energiegewinnung mittels Hoch­technologie leistet sich die eine Milliarde einen Energiever­brauch, der Luxus und Macht, aber auch allen eine Frist von we­nigen Jahrzehnten beschert, nach der das so nicht mehr mög­lich sein wird. (Von Staatsschulden soll hier keine Rede sein.) Diese drei gewaltsamen Aneig­nungsphänomene setzen militäri­sche Hierarchien, hochdiffe­renzierte Arbeitsteilung und Rück­sichtslosigkeiten voraus, denen durch kulturelle Zerstreuungs- und Kompensationsin­dustrien – u.a. durch Theater, Musik, Kino und Profisportver­anstaltungen – der An­strich von Zivilität und einer prinzipiell auf alle ausdehnbaren Kultur des Friedens gegeben wird. Ge­gen die kombinierten In­teressen von 193 bei den Vereinten Nationen organisierten „Staaten“, militärisch verfassten In­teressenverbänden mit Grundbesitzansprüchen, ist praktisch kein Widerstand möglich. Unsere militärischen Uniformen ha­ben keine Schulterstreifen, Baretts und Orden mehr, sondern Anzüge und Kostüme, Kra­watten und Blusen, Uhren, Autos, Handys und Fernurlaube. Das Problem: Gut gemeinte Appelle oder Kaufboykotts ändern daran – nichts.

Das Jahrzehnt nach dem ersten 'Tag der Erde' [1970],“ schreibt Alan Weisman 2010, drei Jah­re nach seinem Bestseller „Die Welt ohne uns“, mit einer Prise Zynismus, „wird nicht so sehr in Erinnerung bleiben durch das gestei­gerte Be­wusstsein über die bedrohte Umwelt, sondern viel­mehr durch den Anstieg des plötzlich unerhört homogenen Weltmarkthan­dels auf der Welle neuer Welthandelsabkom­men. Die unbeab­sichtigte Antwort auf die Botschaft, dass die Ressourcen der Erde begrenzt seien, war ein Sturm freier Unternehmer auf al­les das, dessen sie noch habhaft werden konnten, solange es diese Ressourcen noch gab.“

Wir sollten daher statt auf Einsicht und Vernunft lieber auf „Gier und Selbstsucht“ setzen, provo­ziert Weisman weiter in seinem Beitrag zu einem Sammelband von 80 Umweltaktivis­ten unter dem Titel: „Moralische Begründungen: Ethische Handlungen zu­gunsten ei­nes bedrohten Planeten“, der im vergangenen Jahr erschienen ist. „Es dauert einfach zu lan­ge um die Auffassun­gen von hin­reichend Menschen zu än­dern und sie aus Respekt für einen Wert handeln zu lassen, der den ihrer individuellen Existenz übersteigt. Nicht, dass der Ver­such es nicht wert wäre. Wenn wir aber alle unser Hauptaugenmerk darauf richten, die Bewusst­seine der vielen über ihre Umweltsünden zu verändern, wird der Planet sehr wahrscheinlich zerstört sein, bevor wir eine Mehr­heit zu uns herüber ziehen konnten. Wo aber die Umwelt betrof­fen ist, entscheidet die Mehrheit.“ US-Autor Richard Manning schilderte, dass die Erschließung agrarischen Netto-Neulands 1960 geen­det habe. Seither müsse der Zugewinn neuer Flächen durch Ro­dung mit Erosion anderer bezahlt werden.

Die Alternative: „Wachstum“ (An­stieg der Men­ge verkaufter Güter und Dienstleistungen) ver­meiden, Werbung, internationalen Handel und Verkehr ein­schränken, Bevölkerung reduzieren statt vermehren, Indus­trieanlagen und Gebäude kontrolliert abreißen und recyceln, Nach-Auto-Zeitalter einleiten, Versklavung aller Tiere been­den, militärische Machtpotenziale gleichzeitig abrüsten.

Noch stellen Indus­trienationen in UN-Gremien eine kritische Masse, im Sicherheits­rat die Mehrheit. Mein Vorschlag: Revi­talisierung des Trus­teeship-Council, des Treuhandrats. Einge­richtet nach dem Ers­ten Weltkrieg, um besonders überseei­sche Kolonialgebiete mit zu Beginn 700 Millionen Menschen langsam in die Unabhängig­keit zu entlassen, ist dieses Gre­mium des Völkerrechts (Kap. 8 der UN-Charta) seit 1994 suspen­diert, aber nicht abgeschafft. Länder, die freiwillig Ge­biete unter UN-Treuhandschaft stellen wollen, können dies seit 1945 nach Art. 77c der UN-Charta tun. Hat bisher aber keiner. Deutschland sollte damit anfangen, um seine landwirt­schaftlichen Flächen systematisch zu reduzieren und um zu­gleich andere, größere Ländern zu demselben Tun auffor­dern zu können. Dazu müsste der 2011 gewähl­te Vorsitzende des UN-Treuhandrates, ein im Bankensektor sozialisierter britischer Diplomat, abgewählt und ersetzt werden durch einen vielsprachigen Macher etwa aus Bolivien oder Venezuela.

Die Landfreigabe könnte durchaus eine ja jetzt offenbar aus­stiegsfreundliche Bundesregierung be­schließen und dann durch die Ausru­fung einer Rückbauwirt­schaft stützen: „Inver­se Erschließung!“. Abbruchprämien wie in ostdeutschen Plat­tenbaugebieten auf 100 Prozent der Fläche anbieten, Grund­steuern erhöhen, Wohnungsmindestbeleg­schlüssel wie in der Nach­kriegszeit ausgeben, Grenzen für ALLE öffnen und ab­gabeunwilligen Eigentümern ihrerseits die mittellose Flucht nahelegen. Jährlich fünf Prozent der Staatsfläche frei räumen und unter UN-Treuhandschaft stellen. Derzeit stehen 0,54 Prozent der deutschen Landfläche als Wildnis-(entwicklungs)gebiet in Nationalparks unter Schutz. Bisher soll laut Nationaler Strategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt (2007) diese Fläche bis 2020 nur vervierfacht werden. Demontage- und Recyclingaktivitäten könnten aber problemlos vier Millionen bisherige Arbeitslose sowie weitere Flüchtlinge an sämtlichen Orten dieser Republik beschäftigen.

Werbung sollte sofort eingestellt werden, Profisport und des­sen Berichterstattung sowie grenzüberschreitender Touris­mus nach und nach eingeschränkt werden. Einer Schließung der Zoos könnte ein Reproduktionsverbot für Haus- und Labortiere folgen und dann der „Nutztiere“. Nach dem Tod der letzten Tiergenerationen in Gefangen­schaft würden Wertschätzung und Kochideen für lokale Ge­müse ansteigen. Langfristig reduzierte sich weltweit die Be­siedelungsdichte bis zur Jäger- und Sammlerkapazitätsgren­ze (unter 0,01 Person pro Quadratkilometer). Attraktive Lebensbeendigung für Hochbetagte (z.B. durch Totla­chen, s. Foto) und die Wiedereinführung des legalen Waffenbe­sitzes für alle.

Wo die staatliche Flächenreduktion nicht ausreicht, können von privat Flächen der üblichen Nutzung entzogen werden durch die Anlage ausgedehnter Friedfhofsneuflächen in ge­ring bevölker­ten Landstrichen. Die Legalität und Wirtschaft­lichkeit dieses Kon­zeptes wurde untersucht. Seit 1995 können Privatgrundbesitzer mit einem progressiven Bestattungsunternehmen bei Genehmigung auf Fried­hofsneuflächen mittels eigener Bestattung auf großen Flächen diese staatlicher Nutzung entziehen.

Liberale Freitod-Gesetzgebungen und non-reproduktive neue Familienzusammenhänge könnten eine Staateninitiative z.B. Deutschlands, Spaniens und Italiens stützen (mit schrumpfender Bevölkerung), nur noch schrumpfendenden Staaten Kredite zu gewähren. Die weltweite mittlere Temperatur ist durch den Klimawandel ge­stiegen, jetzt ist auch für politisch Aktive die Aufräumtem­peratur errreicht: Aufräumen°! Haben Sie ein Wald-, Wiesen- oder „Un­land“-Grundstück? Spenden Sie es doch für die neuen Fried­hofsflächen, um darauf Interessierte je nach Ge­schmack stilecht ableben und sich bestatten lassen zu kön­nen für eine Bevölke­rungsreduktion!



 

 
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