Politik

Chávez forever? | 16.02.2009 13:00 | Lutz Herden

Das Tor weit aufgestoßen

Präsident Chávez hat mit dem gewonnenen Verfassungsreferendum Mut und Entschlusskraft bewiesen, wie man sie sich auch von Kanzlerin Merkel derzeit wünschen würde

Politische Courage als Berufung, Hartnäckigkeit als Tugend  – Venezuelas Präsident hat mit diesem Credo wieder einmal triumphiert. Seine neue Bolivarische Verfassung hat sich im zweiten Anlauf durchgesetzt, und das keine vier Wochen, nachdem sich auch in Bolivien Präsident Evo Morales einem vergleichbaren Votum bestätigt fand. Der Triumph für Chávez mit mehr als 54 Prozent Zustimmung fällt in die Zeit des 10. Jahrestages der Bolivarischen Revolution. Ihre Protagonisten können es sich als Verdienst anrechnen, als erste an der Schwelle des Wandels in Lateinamerika gestanden zu haben, der heute – bis auf Kolumbien und Peru – fast alle Staaten des Subkontinents erfasst hat. Man kann es wahrhaben oder sich darüber hinweg lügen: Hugo Chávez ist der informelle Wortführer der neuen linken Regierungen. Es ist es auch dank seines Charismas, seines Sendungsbewusstseins und seines Mutes, diesen Aufbruch dem Kuba Fidel Castros zu widmen.

Venezuela zeigt, eine Politik gegen Armut, Korruption und chronische Instabilität ist erfolgreich und glaubwürdig, weil sie im Interesse einer Mehrheit stattfindet, die sich dann auch als politische Mehrheit artikuliert, wenn sie – wie bei diesem Referendum – gefragt wird. Von welcher Regierung in Europa ließe sich sagen, dass sie derzeit soviel Anstand besitzt, einer Politik im Interesse der Mehrheit zu folgen? Es geschieht genau das Gegenteil, wenn Volksvermögen mit vollen Händen verschleudert wird, um ein marodes Bankensystem zu retten, als Rückgrat einer Wirtschaftsordnung , die dazu selbst nicht mehr in der Lage ist. Man hört schon, wie sich die Tugendwächter der salonlinken PC-Community von Roth über Kuhn bis Nahles an Chávez abarbeiten werden. Man kennt ihre Sprüche zur Genüge: Vom „autoritären Durchmarsch des Caudillo“, dem „linken Diktator“ oder vom „Revival alter Mythen a la Castro“. Sie kommen von Leuten, die hierzulande den Nachweis ihrer politischen Existenzberechtigung schuldig bleiben: Weil sie außerstande sind oder sein wollen, eine Widerstandsfront gegen eine Regierung zu formieren, die den freigiebigen Konkursverwalter einer Diktatur des Finanzkapitals gibt.

ANZEIGE

Denn was erleben wir derzeit eigentlich Anderes als einen Zustand, in dem eine morbide Finanzoligarchie Gesellschaft und Staat als Geiseln vorführt. Plötzlich redet die Kanzlerin von einer vielleicht doch unausweichlichen Verstaatlichung des Bankrotteurs Hypo Real Estate, nachdem ihr wochenlang Wille und Entschlusskraft fehlten, gegen die beinharten Marktideologen aus Union und Unternehmerverbänden durchzusetzen, was Gebot der Stunde ist. Stattdessen wurden 100 Milliarden Euro an staatlichen Kapitalhilfen und Kreditbürgschaften im HRE-Sumpf versenkt, knapp vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Man wünschte sich, Merkel hätte nur einen Hauch der Autorität und Gestaltungskraft eines Hugo Chávez, um die politischen Entscheidungen zu treffen, zu denen sie ihr Amtseid verpflichtet: Schaden vom deutschen Volk abzuwenden.

Der venezolanische Präsident sucht mit seinem Sozialismus des 21. Jahrhunderts nach Antworten auf Herausforderungen, wie sie sein Land geben kann. Noch steht dies für kein Modell, aber für ein Beispiel auf jeden Fall: Die Bolivarische Revolution bezeugt, welche Kraft ein Bewusstseinswandel auszulösen vermag, der nicht nur über die Grenzen des kapitalistischen Systems hinausweist, sondern dieselben sprengt. Möge das dieser Revolution auch künftig die Überlebenskraft verschaffen, die sie braucht.

 
Senden Bookmarken Drucken
Document Actions
Kommentare
blunez schrieb am 16.02.2009 um 14:52
momentan wird überall das ende von chavez aufstieg mit fallenden ölpreisen vorhergesagt. damit wird ohne jeden zusammenhang dessen wirtschaftspolitik kritisiert. riesige gewinne fließen seit verstaatlichungen ins inland, was ihm wohl nicht vorzuwerfen ist. von links betrachtet läuft alles nach plan?
mir als wenig studiertem schüler fehlt eine objektive betrachtung der wirtschafts- und sozialpolitik.
insgesammt kann ich dem beitrag gut und gerne zustimmen. die vorgehensweise der kritiker hierzulande wird an diesem beispiel deutlich: man wirft populismus vor, wo die bevölkerung gestärkt wird und nutzt dies zur absicherung gegen bemühungen, die der eigenen bevölkerung dienen.
marsborn schrieb am 16.02.2009 um 15:28
Jemanden, der, wie Chavez im April 2002, ihm nicht genehme Demonstranten von Dächern herab auf der Straße niederschießen und später in Schauprozessen die Täter freisprechen lässt, jetzt so unreflektiert als Helden zu feiern, nur weil der seine Machtsphäre geschickt auszuweiten versteht, ist zumindest fragwürdig. Ob uns geholfen wäre, wenn Frau Merkel es ihm, wie dieser Artikel fordert, gleichtäte und ihre Wählbarkeit um Jahrzehnte verlängerte, ich wage es zu bezweifeln. Die Diagnose dieses Kommentars ist teilweise treffend, aber einseitig. Und sie hilft uns nicht weiter. Denn was Deutschland angeht, wird hier wie immer feuilletonistisch gegreint und gejammert, was die doofen Anderen alles wieder nicht tun, aber eine vernünftige Therapie wird nicht vorgeschlagen. Stattdessen werden die anderen ("Salonlinken") dafür beschimpft, dass sie nicht tun, was der Kommentator sich für sich selbst wünscht. Wer, lieber Lutz Herden, hindert Sie und uns denn daran: "...eine Widerstandsfront gegen eine Regierung zu formieren, die den freigiebigen Konkursverwalter einer Diktatur des Finanzkapitals gibt"? Wieso sollten wir das ausgerechnet Claudia Roth überlassen?
derfreitagsmaler schrieb am 16.02.2009 um 16:32
Als deutscher Staatsbürger bin ich ausgesprochen froh, dass die Bundeskanzlern nicht mal einen "Hauch der Autorität und Gestaltungskraft eines Hugo Chávez" besitzt. Wie kann man sich nur ernsthaft zu einer solchen Aussage hinreißen lassen? Wollen Sie wirklich eine massive Einschränkung der Demokratie und Meinungsfreiheit von der Bundesregierung fordern? Einen Staatschef, der Gesetze nach eignen Bedürfnissen zusammenstellt und solange wählen lässt bis die Wahlergebnisse stimmen? Ich nicht!
Lutz Herden schrieb am 17.02.2009 um 16:54
Leider kann ich nicht nachvollziehen, weshalb Sie Hugo Chavez eine "massive Einschränkung der Demokratie und Meinungsfreiheit" vorwerfen. es handelt sich um einen durch und durch demokratisch legitimierten Staatschef, der sich bisher bei drei Präsidentenwahlen durchsetzen konnte - 1998, 2000 und 2006 -, deren regulären Verlauf weder seine Gegner noch internationale Wahlbeobachter bestritten. Das Votum vom Dezember 2006 gewann Chavez sogar mit 62, 8 Prozent der Stimmen. Außerdem hat er sich durch Referenden legitimieren lassen, nicht zuletzt im August 2004 durch eine Volksabstimmung über die Frage: Verbleiben im amt oder vorzeitige Demission. Hierzulande geht das Demokratieverständnis nicht einmal soweit, ein Plebiszit über einen derart gravierenden Vorgang wie den Beschluss einer EU-Verfassung zuzulassen.
Geben Sie doch zu, dass Ihnen die Politik von Chavezc nicht passt, weil er die Privilegien einer bürgerlichen Elite beschneidet, die einfach abgewirtschaftet hat.
derfreitagsmaler schrieb am 19.02.2009 um 15:32
@ Lutz Herden: Ich lehne die Politik von Chávez aus dem gleichen Grund wie die von Wladimir Putin. Ein wirklicher Demokrat fürchtet nicht die Medien so sehr, dass er kritische Sender und Redaktionen wegen fadenscheiniger Gründe schließt. Dies sollte gerade für Sie als Journalist ein entscheidender Grund sein, Lobeshymnen auf einen solchen Politiker zu lassen.
derfreitagsmaler schrieb am 19.02.2009 um 15:33
@ Lutz Herden: Ich lehne die Politik von Chávez aus dem gleichen Grund wie die von Wladimir Putin ab. Ein wirklicher Demokrat fürchtet nicht die Medien so sehr, dass er kritische Sender und Redaktionen wegen fadenscheiniger Gründe schließt. Dies sollte gerade für Sie als Journalist ein entscheidender Grund sein, Lobeshymnen auf einen solchen Politiker zu lassen.
w.Smith schrieb am 19.02.2009 um 15:51
@freitagsmaler: falls sie auf die angebliche Schließung von RCTV anspielen, die hier in den Medien überall groß posaunt wurde. So muss ihnen klar sein, dass es sich hierbei um eine falsche Darstellung der Tatsachen handelt (ob bewusst oder unbewusst, will ich hier gar nicht diskutieren). Jedoch wurde RCTV nur die Sendelizenz nicht verlängert, für die Funkübertragung (hier in Deutschland laufen da ja fast nur die öffentlich rechtlichen). Und dass diese nicht verlängert wurde, nachdem der Sender wohl offensichtlich den Putsch gegen eine demokratisch legitimierte Regierung unterstützt hat, ist ja wohl vollkommen legitim. Stellen sie sich doch mal vor, jeder hier in Deutschland könnte einen Privatsender mit Zimmerantenne empfangen, der einen Putsch gegen die Regierung unterstützt. Würden sie es da nicht als legitim ansehen, dass dieser Sender nicht mehr per Zimmerantenne empfangbar ist, geschweige denn würden sie nicht sogar eine Schließung in diesem Fall befürworten?
RCTV über dessen angebliche Schließung hier in den Medien groß und breit berichtet wurde, sendet immer noch über Satellit und Kabel!
chapultepec schrieb am 19.02.2009 um 16:19
man stelle sich vor Iran, China, Rußland, Nordkorea oder irgendeiner der offiziellen Feinde des Westen hätten versucht einer der demokratisch gewählten Regierungen in Europa oder Nordamerika zu stürzen. Man stelle sich vor, die Zeitungen wie Die Zeit, Die Welt u.ä. hätten dies begrüßt. Man stelle sich vor N24 oder NTV hätten sich geweigert darüber zu berichten und stattdessen "Die Sendung mit der Maus" ausgetrahlt.

Jetzt stellen wir uns vor sie hätten das vor ein paar Jahren gemacht und versucht Bush oder Blair zu stürzen. Ich sag Ihnen etwas, der dritte Weltkrieg wäre ausgebrochen. Iran, China oder Rußland oder Nordkorea würden nicht mehr existieren, denn sie wären augenblicklich ausradiert worden.
chapultepec schrieb am 19.02.2009 um 16:33
es erübrigt sich natürlich die Überlegung was mit N24 et. al. passiert wäre...
w.Smith schrieb am 16.02.2009 um 16:46
Auf was beziehst du dich marsborn, wenn du schreibst, dass "ihm nicht genehme Demonstranten von Dächern herab auf der Straße" niedergeschossen worden seien? Soll das im Zusammenhang mit dem Putschversuch gestanden haben, oder wie? Und was für "Schauprozesse" meinst du? Ich dachte, dass die Gerichte doch noch unabhängig seien in Venezuela?!
Was die Wählbarkeit auf Jahrzehnte von Angela Merkel angeht, so scheinst du wohl etwas von den deutschen Medien vereinnahmt worden zu sein. Denn die Reform die nun in Venezuela zum Referendum stand, handelte von der Begrenzung der Ämter auf zwei Amtszeiten! In Deutschland gibt es so etwas nicht. Kohl war 16 Jahre an der Macht, er wurde 4 mal wiedergewählt. Ebenso kann also nun Chavez wiedergewählt werden, nicht mehr und nicht weniger!

Was die Wirtschafts- und Sozialpolitik von Chavez angeht, wie blunez schreibt, so fehlt mir ebenso wie dir auch ein differenzierter Blick darauf. Von der rechten Seite wird immer nur von "Öl-Sozialismus" u.ä. gesprochen, von linker Seite muss ich sagen habe ich auch bisher noch keine wirklich überzeugende Analyse gelesen. Die kamen mir meist auch genauso wenig differenziert vor wie von rechts, nur dass eben alles gelobt wurde!
Celsior schrieb am 16.02.2009 um 17:46
Ich glaube bei unseren Medien wird viel falsch dagestellt oder nicht berichtet. Auf einem Südamerika Blog wurde z.B.letzt Berichtet das Chavez gegen die Links extremen Kräfte Gerichtlich vorgeht. Das ist meines erachtens ein Zeichen das es dort Rechtsstaatlich zugeht aber davon liest mann in unserer Presse fast nichts. Deshalb Daumen hoch für diesen Artikel.
Oblomow schrieb am 16.02.2009 um 17:50
@ marsborn: Zu den Vorgängen während des Putschversuchs 2002 gibts eine sehr informative Doku, die mal auf Arte ausgestralt wurde: "The revolution will not be televised" link: http://video.google.com/videoplay?docid=6646932769349258745&hl=en
marsborn schrieb am 16.02.2009 um 19:17
Mir scheint, Chavez ähnelt in vielem eher Wladimir Puntin als Fidel Castro! Der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa hat 2007 die Bevölkerung Venezuelas zum Widerstand gegen Präsident Hugo Chavez aufgerufen. Vargas Llosa drängt die Venezoleaner, sich gegen die „gefährliche Entwicklung der Politik Hugo Chavez aufzulehnen.“
„Chavez sei ein Demagoge mit einem gefährlichen Zug zum Totalitarismus“, sagte er in einem Interview des brasilianischen Nachrichtendienstes Agencia Estado. Vargas Llosa kritisierte in dem Interview vor allem die Schließung des oppositionellen Rundfunksenders RCTV durch den Präsidenten. „Das Wichtigste für alle Venezolaner ist sich zu wehren“, sagte er weiter. „Die Schließung RCTVs wird hoffentlich die Opposition stärken“, die dann „gegen die Entfaltung der totalitären Politik in Venezuela und den anderen Ländern Lateinamerikas aufbegehren wird.“ „Chavez trägt zur Destabilisierung der Demokratie in der Region bei. Die Opposition Venezuelas sollte gegen einen solchen Demagogen immer ernsthafter reagieren. Denn er könnte Venezuela zerstören“, sagt Llosa weiter.
w.Smith schrieb am 16.02.2009 um 20:32
wenn du hier aber Llosa zitierst, musst du auch wissen, dass dieser ein konservativer "Liberaler" ist. Der eher marktliberale Position bezieht. Ich halte die Meinung von Llosa nicht wirklich für objektiv.
Zudem ist es eine der eindeutigen Falschmeldungen die hier in Deutschland verbreitet werden, dass RCTV von Chavez geschlossen würde! Der Sender sendete, wie bei uns eigentlich nur die öffentlich rechtlichen über das staatliche Funknetz. Nachdem dieser Sender durch sein Handeln während des Putschversuches 2002 sich diskreditiert hatte. Nun stellen sie sich mal vor, ein deutscher TV Sender würde einen Putschversuch unterstützen, der dürfte danach auch nicht mehr über das staatliche Funknetz laufen und würde so wie ich das einschätze sogar verboten!!
In Venezuela ist es jedoch trotzdem noch möglich RCTV einfach über Satellit oder Kabel zu empfangen!
chapultepec schrieb am 16.02.2009 um 22:47
@ marsborn

ich möchte auch den Film "War on Democracy" von John Pilger wärmstens empfehlen

http://video.google.de/videoplay?docid=-3739500579629840148

Herr Vargas Llosa wünscht sich natürlich für Venezuela eine demokratische Regierung wie in Kolumbien, was sonst. Ein Land, wo am meisten Gewerkschaftsmitglieder umgebracht werden (74 von 103 in 2005 weltweit, s. S. 7 aus http://www.justiceforcolombia.org/upload_resources/JFCissue_11.pdf), wobei Coca-Cola bereits selber einige Morde im Auftrag gegeben haben (http://www.killercoke.org/crimes.htm).

Kolumbien hat übrigens 4 Millionen interne Vertriebene (schlappe 10% der Bevölkerung, s. http://www.colombiasupport.net/actioncenter.html). Wie viele hat Venezuela?

Fairerweise muss man allerdings sagen, dass Uribe nicht der erste ist der Paramilitärs einsetzt. Im Jahr 1962 hat Kolumbien von Gen. Yarborough bekommen (geschickt wurde er von Kennedy, aka JFK). Hier ist was er der Regierung damals empfahl: "...[A] concerted country team effort should be made now to select civilian and military personnel for clandestine training in resistance operations in case they are needed later. (...) This structure should be used to pressure toward reforms known to be needed, perform counter-agent and counter-propaganda functions and as necessary execute paramilitary, sabotage and/or terrorist activities against known communist proponents. It should be backed by the United States..." (s. http://statecraft.org/chapter9.html)

Seitdem bringt fast jede Regierung Kolumbiens jährlich so viele Menschen um wie Argentinien während der Diktatur. Die Zahlen lassen sich hier sehr gut vergleichen, da Argentinien und Kolumbien fast die gleiche Bevölkerungszahl haben. Also Argentinien: 30.000 politische Morde (1976-1973) -laut Müttern der Plaza de Mayo. Kolumbien 28332 zwischen 1988 bis Mitte 1995 (s. http://web.archive.org/web/20030101033719/www.commoncouragepress.com/colombia/18.html).

Uribe tötet jetzt zusammen mit den Paras (aka "the sixth Division", s. http://www.hrw.org/legacy/reports/2001/colombia/) nur doppelt so viele wie die Guerrilla. Sein Vorgänger schaffte sogar das 4-fache (ein echter Demokrat!). Uribe ist allerdings flexibler mit der Vergabe von EU-Geldern: Militärs kriegen 1.7 Millionen Euro (für ein großes Guerrilla-Tier) und 1.300 Euro für die ganz normalen (http://www.publico.es/internacional/180598/uribe/financio/guerra/sucia/fondos/internacionales). Dafür werden einfache Bauern entführt und anschließend ermordet (s. http://colombiasupport.net/news/2008/10/chilling-testimony-of-colombian-soldier_28.html). Damit die angehenden Paras ihr Handwerk lernen werden Bauern entführt und nach anweisung zerstückelt (s. http://jmospina.googlepages.com/01.pdf)

Chavez, Du hast noch viel zu lernen...
cms schrieb am 16.02.2009 um 19:19
Ich halte es für äußerst fragwürdig Personenkult auch noch zu fordern. Politiker sollen im sinne der Bürger handeln, richtig. Politiker sollen aber nicht durch ihr Charisma die Bürger dazu bringen, etwas zu wollen, was sie, wenn sie sich reflektiert informieren würden, eigentlich nicht wollen. Wo Chavez hier steht kann ich, wenn ich ehrlich bin, nicht reflektiert beurteilen. Gefühlsmäßig würde ich ihn aber eher zweiterem zuordnen.
Oblomow schrieb am 16.02.2009 um 19:42
Dann solltest Du aber auch reflektieren warum du Chavez "gefühlsmäßig" eher zweiterem zuordnen würdest. Ein solches Gefühl kommt ja nicht von ungefähr, sondern ist widerum ein Produkt etlicher (Des)Informationen
cms schrieb am 16.02.2009 um 19:44
Da hast du recht und ich habe auch durchaus vor das zu tun.
Lutz Herden schrieb am 19.02.2009 um 13:11
Ich glaube, man muss hier auch die anderen politischen Traditionen, die es in Südamerika gibt, beachten. Die Streitkräfte sind dort seit jeher stärker politisiert und gelten zudem als Garanten eines teils vehementen Patriotismus, so dass auch ihrer Führer - und Chavez kommt aus der Armee -, wenn sie an der Staatsspitze eine Rolle spielen, ganz anders wahrgenommenen werden als zivile Präsidenten.
Baszlo schrieb am 16.02.2009 um 20:00
Ich würde mir ebenso wünschen, dass es deutsche Politiker mit Vision und Gestaltungskraft gäbe, die zB ein Verfassungsreferendum zum EU-Vertrag anstreben würden. Chavez hat den Mut das Volk zu fragen und es entscheiden zu lassen. Von soviel Demokratie sind wir in der EU doch weit entfernt – hier gibt es kein Referendum zum EU-Vertrag!
Lutz Herden schrieb am 20.02.2009 um 13:09
Für Baszlo, dem, was Sie schreiben, kann ich nur zustimmen, in Deutschland gibt es leider keine plebiszitäre Kultur und die Chance, etwas in dieser Richtung per Verfassung zu verankern, wurde 1990 leider vertan. Es gab mit der Wiedervereinigung - wobei ich diesen Begriff nur äußerst ungern gebrauche, weil ich ihn einfach als Euphemismus empfinde - die Chance, sich zu einer neuen Magna Charta durchzuringen, wie das nach Artikel 146 des alten BRD-Grundgesetzes durchaus legitim gewesen wäre. Dort hätte man endlich nicht nur das Recht, sondern die Pflicht zu Volksabstrimmungen verankern können.
Was haben sich die Wortführer des alten Westens, die politischen wie die publizistischen, am kurzen Herbst der Demokratie in der DDR ergötzt. Wie viel Gefallen fanden sie daran, dass ein "Volk auf der Straße" ein System wanken lässt. Und dann will man diesem im Herbst 89 wegen seiner Mündigkeit so gelobten Volk den Weg zur Wahlurne verbieten, wenn z.B. eine EU-Verfassung beschlossen werden soll? Und dann wird mit Fingern auf Chavez gewiesen, nur weil der einem kulturell und politisch nicht in dem Kram passt? Das ist nicht nur Heichelei, das ist schlichtweg Kulturchauvinismus gegen an anderen politischen Kultur.
Ramon Schack schrieb am 23.02.2009 um 17:45
Sehr geehrter Herr Herden,

mit Verlaub, Ihr Artikel klingt etwas schwülstig, als wäre Ihnen eine altes Nachrichtenblatt- der Aktuellen Kamera-beim Schreiben in die Hände gefallen.

"Venezuela zeigt, eine Politik gegen Armut, Korruption und chronische Instabilität ist erfolgreich und glaubwürdig, weil sie im Interesse einer Mehrheit stattfindet, die sich dann auch als politische Mehrheit artikuliert, wenn sie – wie bei diesem Referendum – gefragt wird. "

Liefern Sie bitte doch einmal einen Beweis für Ihre kühne These. Diese angeblich erfolgreiche Politik ist bei der rekordverdächtigen Kriminalitätsrate in Venezuela nicht zu erkennen. Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen.

Was ist eigentlich das Interesse einer Mehrheit? So etwas wie das "Gesunde Volksempfinden"?

"Sie kommen von Leuten, die hierzulande den Nachweis ihrer politischen Existenzberechtigung schuldig bleiben: Weil sie außerstande sind oder sein wollen, eine Widerstandsfront gegen eine Regierung zu formieren, die den freigiebigen Konkursverwalter einer Diktatur des Finanzkapitals gibt"

Ich bitte Sie. Man wird doch noch einmal Ihr politisches Idol kritisieren dürfen, ohne gleich die politische Existenzberechtigung zu verlieren,oder?

"Man wünschte sich, Merkel hätte nur einen Hauch der Autorität und Gestaltungskraft eines Hugo Chávez, um die politischen Entscheidungen zu treffen, zu denen sie ihr Amtseid verpflichtet"

An was haben Sie hierbei gedacht? An eine Art Merkelsche Prätorianer-Garde, als "Kampfreserve der Partei"?An Fackelzüge durch das Brandenburger Tor, einen Staatsstreich? Persönlich kann ich auf die politische Methodik des Hugo Chàvez gerne verzichten.

"Die Bolivarische Revolution bezeugt, welche Kraft ein Bewusstseinswandel auszulösen vermag, der nicht nur über die Grenzen des kapitalistischen Systems hinausweist, sondern dieselben sprengt. Möge das dieser Revolution auch künftig die Überlebenskraft verschaffen, die sie braucht."

Also das klingt nur wirklich etwas zu pathetisch, um nicht zu schreiben, Ihre Worte sind von einer gewissen religiösen Heilserwartung getragen..

Vielleicht hoffen Sie auch, dass Chavez, 20 Jahre nach deren Zusammenbruch, die "poststalinistischen Regime" Europas nachträglich legitimiert, um der eigenen Biographie einen tieferen Sinn zu verleihen?

Wenn ja, dann wären die psychologischen Motive für diesen Artikel erkennbar. Eine journalistische Motivation, im besten Sinne dieses Wortes, kann ich in Ihrem Artikel leider nicht erkennen.

MfG
Ramon Schack

www.ramon-schack.de
chapultepec schrieb am 25.02.2009 um 13:41
"...Diese Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen..."

Könnten Sie bitte noch ein paar nennen? Ich wäre Ihnen auch für entsprechende Quellen dankbar.

MfG


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
MIssbrauchsdebatte

portlet_missbrauch.png

Aktuelle Ausgabe bestellen
Freiwillige vor!

Ausgabe 11/10
18.03.2010

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 2.90 €

>> bestellen

probeabo260x120.jpg

Buch der Woche

11bdw.png

Freitag unterstuetzt

portlet_polit_camp01.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG