Alltag

Medienwandel | 11.05.2009 16:10 | Jan Pfaff

Blick in die Glaskugel

In den USA stirbt eine Zeitung nach der anderen, und auch hierzulande leiden die Print-Medien. Im Netz wird dafür um so energischer über die Zukunft der Medien diskutiert

Das SZ-Magazin hat sein ganzes Heft freigeräumt, um sich mit der aktuellen Medienkrise zu beschäftigen. Und ja, die Lage scheint dringlich. In den USA stirbt eine Traditionszeitung nach der anderen. Zuletzt konnte die Schließung des 137 Jahre alte Boston Globe nur verhindert werden, indem die Gewerkschaften Einsparungen bei der Belegschaft in Höhe von 20 Millionen Dollar zustimmten. Medienexperten bezweifeln jedoch, dass dies den Globe dauerhaft retten kann. Die Obama-Regierung ließ unterdessen verlauten, dass man das amerikanische Zeitungssterben zwar "besorgniserregend und traurig" finde, aber anders als etwa in der Auto-Branche hier kein Hilfspaket schnürren könne.  

Die Angst in deutschen Verlagen ist groß, dass die Entwicklung in den USA nur vorwegnimmt, was auch hierzulande bevorsteht - ein Strukturwandel, an dessen Ende Zeitungen, wie wir sie bisher kennen, nur noch im Museum zu besichtigen sind. Das SZ-Magazin hat deshalb von A wie Auflage bis Z wie Zwanzigjährige in Kurz-Beiträgen verschiedene Stimmen zur Krise der "klassischen Medien" zusammengetragen. (Wobei Stefan Niggemeier zu Recht darauf hinweist, dass man in München unter den "klassischen Medien" ganz selbstbezüglich nur die Zeitung meint.) Herausgekommen ist dennoch ein interessantes Kaleidoskop zum Medienwandel. Unter P wie Papier feiert Willi Winkler die Zeitungsberge in seiner Wohnung, die noch so viele ungelesene Schätze bergen könnten.

Mehr zum Thema:

Der Preis der Freiheit: Viele traditionsreiche US-Zeitungen verlagern ihre Berichterstattung ins Netz

Thementod aus Zeitungsnot: Bei vermeintlich sperrigen Themen wie Entwicklungspolitik sparen die Zeitungen zuerst

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Als nüchterne Antwort auf Winklers Loblied des Gedruckten kann man unter G wie Google den Ratschlag von Internet-Guru Jeff Jarvis lesen: "Jedes Zeitungshaus sollte sich einen Termin setzen, zu dem es seine Druckerpressen abstellt. Nicht weil ich gegen Printprodukte wäre, sondern weil es die Verantwortlichen zum Nachdenken zwingt: Worin besteht der eigentliche Mehrwert der Arbeit von Journalisten? Wie lässt sich dieser Mehrwert auf das Internet übertragen?"

Für viel Diskussionen im Netz haben bisher die provokanten Thesen von Felix Salmon geführt, der unter B wie Blog zehn Punkte aufgeführt hat, warum "Blogs in Deutschland nicht funktionieren". (Wobei Salmons Text sich im englischen Original mit der Frage beschäftigte, warum es in Deutschland keine Wirtschaftsblogger gibt, was man in der deutschen Übersetzung großzügig zu "Blogs in Deutschland" erweiterte.) Allerdings kommt Salmon bei seinen Erklärungen meist nicht über nationale Stereotypen hinaus ("Die Deutschen nehmen ihre Ferien extrem ernst. Der Blogger kennt keine Ferien."), weshalb manche deutsche Blogger wie etwa Stefan Niggemeier die Thesen für schlicht nicht satisfikationsfähig erklärten.

An der Diskussion um die Zukunft der Medien beteiligt sich auch der Spiegel in seiner aktuellen Print-Ausgabe. Der Freitag und der Guardian werden dort als Beispiele für die weitestgehende Verzahnung von Netz- und Printkultur angeführt. Allerdings bleibt man im Spiegel-Hochhaus eher skeptisch und sorgt sich um den guten Ruf: "Darin könnte eine Gefahr für den Profi-Journalismus liegen. Zeitungen genießen bei den Deutschen eine hohe Glaubwürdigkeit. Laut einer Umfrage von TNS Emnid vertrauen rund 60 Prozent der Bundesbürger der Tageszeitung. Internet-Beiträge dagegen finden nur gut 19 Prozent vertrauenswürdig. Wenn man beides miteinander mischt, dürfte das bald der eigenen Reputation schaden." 

Die skeptische Haltung zeigt sich auch daran, dass man den Spiegel-Text noch nicht online lesen kann. Da ist man beim SZ-Magazin dann doch schon einen Schritt weiter im Umgang mit dem Netz. Alle Texte sind frei zugänglich - und als Stefan Niggemeier auf einen Fehler bei der Vorstellung von Blogger Felix Salmon hinwies, korrigierte man diesen online schnell. Für eine Korrektur in der Print-Ausgabe war es da allerdings schon zu spät.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
cheers schrieb am 12.05.2009 um 16:11
political correctness has killed the paper-star.

wenn nun alle zeitungen ihre informationen von den gleichen agenturen beziehen und nur wenige details bekannt sind also jeder mit dem gleichen wasser seine suppe kocht, und gleichzietig die ARD zB. interviews wie das mit putin in der ausstrahlung um jegliche brisanz beraubt, ja wer in gottes namen soll das dann noch interessieren.

der spiegel, einst ein intellektuelles blatt, muss sich doch jetzt verantworten zur ver-people-isierung des politischen magazin sektors beigetragen zu haben.

solange der schulterschluss : politische inhaltslosigkeit medial vertuschen aufrecht erhalten wird, solange werden zeitungen sterben.

lets name it ! die pravda-isierung der printmedien ?

es hies doch mal die dritte kraft im staate in form von unabhängigen medien ?

rückschluss : sind die medien nicht mehr unabhängig in ihrer berichterstattung ?

der ganze oben angeführte blog-käse erledigt sich selbst ! wer interessantes material hat, der kann es veröffentlichen wie er will, blog, zeitung, video bei youtube, er wird gefunden, verlinkt, promoted und dadurch verbreitet. wichtig finde ich dagegen die zahl 60% der bundesbürger vertrauen den zeitungen. 60% ?

das hiesse doch im umkehrschluss, das es eine 60%ige mehrheit für die von den zeitungen verbreiteten realität gäbe. emnids telefonpool ist ja ausgewiesenermassen eher konservativ, daher würd ich die zahl vielleicht nochmal um 10% kürzen. hier haben wir ein potential ! 50% der deutschen wollen eine andere welt oder ?

;-)


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