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Iran | 15.06.2009 18:30 | Pedram Shahyar

Ahmadinedschad hat geputscht

Sollte Ahmadinedschad mit seiner Wahlfälschung durchkommen, wäre der Pluralismus der iranischen Eliten am Ende und eine Reformperspektive auf lange Sicht verstellt

Noch nie waren die Wahlergebnisse im Iran so sehnsüchtig erwartet worden. Im Iran zeigte eine Rekordbeteiligung an den Wahlen von über 80 Prozent das Maß der Hoffnung an. Schon in der Woche vor dem Urnengang war Teheran Schauplatz von Massendemonstrationen der verschiedenen Lager. Oppositionelle Demonstrationen gehören im islamischen Staat nicht zur Tagesordnung – seit der blutigen Niederschlagung der politischen Opposition Anfang der achtziger Jahre hatte es nur einmal, nämlich 1999 große Proteste und sogar Ausschreitungen von Studierenden in der Hauptstadt gegeben. Nun marschierten Hunderttausende Anhänger der Reformkandidaten unter den Parolen "Nieder mit der Diktatur" und "Freiheit" durch die Straßen. Junge Menschen tanzten im Angesicht der ohnmächtigen religiösen Sittenpolizei in grünen Farben der Mussawi-Kampagne. So groß die Hoffnungen gewesen waren, so heftig war der Schock, als das Innenministerium Ahmadinedschad mit einem unglaublichen Zwei-Drittel-Ergebnis zum Sieger erklärte.

Dass Wahlen im Iran gefälscht werden, ist keine Neuigkeit. Vor vier Jahren lag in den frühen Morgenstunden Karrubi vor Rafsandschani und Ahmadineschad – und war nur zwei Stunden später auf Platz 3 gelandet. Viele wussten seinerzeit von den Manipulationen und beklagten sich – hielten sich aber zurück. Diesmal aber hatte man es nicht mehr nur mit normalem Betrug zu tun. Das angebliche Wahlergebnis ist eine politische Demütigung der innerstaatlichen Opponenten durch die Fraktion um Ahmadinedschad.

Das Wort "Sieg" sollte vermieden werden

Der renommierte Regisseur Machmalbaf, der gerade in Paris eine Art inoffizieller Sprecher Mussawis geworden ist, hat beschrieben, wie am Freitagabend relativ kurz nach der Wahl das Innenministerium Mussawi über seinen Sieg informiert hatte. Darauf hin ist der geistliche Führer Chamenei informiert worden, der das Ergebnis akzeptierte und den Reformkandidaten zu ruhigen Siegesfeiern aufrief. Das Innenministerium informierte auch die reformorientierte Presse und verlangte von dieser, keine reißerischen Schlagzeilen zu produzieren. Das Wort "Sieg" sollte vermieden werden. Vor diesem Hintergrund erklärte sich Mussawi zum Sieger der Wahl.

Kurz darauf kamen die öffentlichen Hochrechnungen und nun wurde Ahmadinedschad zum Gewinner erklärt. Seither gehen immer mehr Iraner auf die Straße – sie glauben den öffentlichen Beteuerungen nicht mehr. Der Protest gegen die Wahlfälschung hat historische Ausmaße angenommen – ebenso wie die gewaltsame Reaktion der noch amtierenden Regierung. Doch der Betrug ist so offensichtlich, dass das Leitmedium der Reformer, die Zeitung Djebheye Moshakerat inzwischen von Putsch spricht. Ein Ruf, der sich längst auch auf die Straßen übertragen hat: "Dolate Kudetah – Estefah! Estefah!, rufen dort die Menschen: "Putschregierung – Rücktritt".

Dieser Putsch ist eine Zäsur im politischen System des islamischen Staates. Der Reformprozess, der unter Chatamis Präsidentschaft begann, scheiterte zunächst im Establishment. Der zivilgesellschaftliche Geist war aber nicht zu brechen und die sozialen Bewegungen und Proteste sind nicht eingeschlafen. Unter diesem Druck sind die iranischen Eliten längst in viele Lager zerfallen. Teile der Konservativen, wie etwa der Oligarch Rafsandschani oder der Superfunktionär und Atomunterhändler Laridschani haben sich hinter Mussawi gestellt. Dies stärkte die Ressourcen der Reformer, schwächte aber ihre Legitimität.

Soziale Frage gegen politische Freiheit

Ahmadinedschad stützt sich auf die zweite Generation im Staatsapparat des islamischen Staats, die sich noch nicht so bereichert hat. Mit einem scharfen Profil gegen die korrupten Oligarchen der ersten Revolutionsgeneration, für die symbolhaft Rafsandschani und seine Familie stehen, und mit einer Sozialpolitik der direkten Verteilung von Lebensmitteln, konnte er sich eine gewisse soziale Basis in den armen und ländlichen Bevölkerungsschichten aufbauen. Er stand für einen sozialen und religiösen Autoritarismus und brachte die soziale Frage so gegen die Forderung nach politischen Freiheiten in Stellung.

Daraus ergibt sich die größte Schwäche der aktuellen Herausforderer. Auch wenn Mussawi ein neo-keynesianisches Programm und Karrubi bereits bei der letzten Wahl ein Grundeinkommen für alle Iraner versprachen: Ihre alten und neuen Verflechtungen mit den mächtigen Hintermännern der Vergangenheit störten von Anbeginn ihre Glaubwürdigkeit, stellten die Wahlprogramme – politische Emanzipation des Landes und Bekämpfung der sozialen Nöte der ärmeren Schichten – immer auch ein wenig in Frage.

Natürlich ist Iran keine Demokratie, und die politischen, kulturellen Freiheiten sind sehr begrenzt. Das islamische Regime ist aber bisher politisch relativ modern in dem Sinne, dass die Funktionseliten plural waren und pluraler wurden. Der gegenwärtige Putsch ist ein Schlag gegen diesen Pluralismus. Sollte Ahmadinedschad durchkommen, meint Chatamis früherer Vizepräsident, der heutige Promi-Blogger Abtahi, dass in diesem Fall jegliche Möglichkeit von Reformen auf Jahre hinaus blockiert wäre.

Zur Stunde gehen in Teheran und anderswo die Demonstrationen weiter – trotz Verbote und trotz der gewaltsamen Übergriffen von Schlägertrupps und Milizen. Es gibt nun kein Zurück mehr – entweder festigt eine Fraktion der Eliten ihre Machtperspektive und begräbt jegliche Reformperspektive auf längere Zeit. Oder dieser Putsch wird durch eine sanfte Revolution verhindert. Die Iraner sind darin nicht unerfahren.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Baszlo schrieb am 15.06.2009 um 20:11
@"Ahmadinedschad hat geputscht"

Ziemlich heftige Behauptung, ohne die Spur eines Beweises vorzulegen. Ist das vielleicht wieder so so eine Sache wie mit den Massenvernichtungswaffen in Saddam´s Irak? Und müssen wir demnächst Deutschlands Freiheit im Iran verteidigen?? Fragen über Fragen....
outnumber schrieb am 15.06.2009 um 23:13
zu diesem thema findet gerade eine interessante diskussion statt:

www.freitag.de/community/blogs/outnumber/was-ist-bloss-los-mit-den-iranern
Joss Fritz schrieb am 15.06.2009 um 23:12
Habe gerade beim Spiegelfechter gelesen, dass das Wahlergebniss
"ziemlich genau die Umfrageergebnisse wider gibt, die das unabhängige amerikanische „Center for Public Opinion“ Anfang Mai in Iran durchführte."

www.spiegelfechter.com/wordpress/556/there-will-be-blood#comments

mfg
Streifzug schrieb am 15.06.2009 um 23:56
Ein Interview mit dem Nahost-Experte Flynt Leverett im Spiegel.
www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,druck-630331,00.html

Flynt Leverett
en.wikipedia.org/wiki/Flynt_Leverett

Momentan geht es wohl weniger um genaue Berichterstattung als darum sich von Twitter, YouTube und Bloggern nicht vollends den Rang abkaufen zu lassen. Ist das hier der viel gepriesene "Qualitätsjournalismus", für den man Geld bezahlen soll? Mir wäre so ein Artikel keinen Pfifferling wert, da ich ihn an jeder Bloggerecke nachgeworfen bekomme.

"... diesem Fall jegliche Möglichkeit von Reformen auf Jahre hinaus blockiert wäre." Was soll uns das sagen? Wie unmündig die Iraner sind? Ach ich vergaß, Ahmadinedschad ist ja "Hitler" und und Diktator.

Die Wahllokale waren am Freitag kaum geöffnet, da hatte Mussawi seinen Anhängern öffentlich bereits den Sieg verkündet. Sein Londoner Wahlkampfberater nimmt keine Stellung dazu.

Aber munter weiter. Der Ölpreis steigt wieder wie zu Zeiten akuter Kriegsdrohungen gegen den Iran. Vielleicht bekommen diesmal ja die Iraner freundliche Bomberunterstützung, zur Stimmauszählung. Irgendeiner muss ihnen doch zur Seite stehen. Ob sie die Bomber wohl per Twitter anfordern? Ach ja, die Atomkraftwerke nicht vergessen. Feste druff. Dann klappt es auch mit Freiheit und Demokratie.

Ich persönlich hoffe die Iraner kommen mit heiler Haut da raus, ohne einem weiteren Kreuzzug zum Opfer zu fallen. Dann werden sie bestimmt ihre Dinge so regeln, wie es zu ihnen passt.
outnumber schrieb am 16.06.2009 um 08:36
mussavi wird hier als der engel gegen den teufel Ahmenidejad hochstilisiert, der mann ist berechnend und hat alles andere als eine weisse weste, aber eignet sich trotzdem bestens, um ihn gegen ahmenidejad ausspielen. die konservativen medien und sehr enttäuschend auch der freitag haben scheinbar ihn adoptiert, für die westlich zivilisierten demokratischen gouvernanten sowieso nichts neues, mussavi würde nur in guter gesellschaft mit saddam, shah reza etc stehen, die alle leidlich von europäischen staaten und den usa unterstützt wurden. auch wenn noch so viele kampagnen in twitter, youtube oder leider auch hier bei freitag (ahmenideschad hat geputscht) betrieben dann, dann auch ohne jegliche quellenangaben, geschweige denn quellenkritik, dadurch wird mussavi weder zu dem guten iraner noch ahmenidejad zu dem ungeliebten diktator. sowohl die umfrage vom center for public opinion vom mai als auch die wahlen zeigen, dass herr ahmenidejad vom volk unterstützt wird, auch wenn es vielen nicht in den kramm passt. sind wir hier bei wünsch dir was? :-)) die anderen medien, nun gut, aber von freitag, von dem ich doch viel halte, bin ich ziemlich enttäuscht über so einen unreflektierten und lauten BILD-Ton Artikel ohne vernünftige Quellenangaben solche klossalen Behauptungen in Raum zu brüllen. nichts für ungut. wir alle üben ja, scheinbar auch die journalisten.
mKlenk schrieb am 16.06.2009 um 09:45
Ich bin jetzt auch keinen riesen Ahmadinedschad- Fan, aber Behauptungen aufstellen ohne irgendwelche Quellen anzugeben das ist echt hart. Also der liebe Freitag sollte gut daran tuen einen Blog nicht als Redaktionsbeitrag zu veröffentlichen. Oder zumindest aufzeigen, dass das hier der Peydram Shahyr von ATTAC schreibt oder in welcher Funktion er das tut...Denn der Beitrag hier is ja fast noch schlimmer, als das was ich im Spiegel lesen durfte.
Wie hier von oben bzw. westlichen Ländern ständig Diskurse geschaffen und die dann unhinterfragt, auch von "Linken", übernommen werden ist unglaublich heftig. Da wird dann einfach die Mainstream- Meinung übernommen, ohne sie wenigstens zu überprüfen. Die Motive sind da wohl unterschiedlichster Natur. Darüber möcht ich mich auch gar nicht weiter auslassen. Nur sollte eine gewisse Reflektion von angeblichen Fakten doch gegeben sein. Aber irgendwelches Hören- Sagen als Fakt zu veröffentlichen ist echt hart. Und wenn dann im Fernsehen Menschen in den Straßen von Teheran interviewt werden (obwohl angeblich keine Bilder das Land verlassen!) und dann zitiert werden mit: "Na ich hab doch Mussawi gewählt, es kann also nur Wahlbetrug sein", dann ist das echt mehr als an den Haaren herbeigezogen oder zeugt zumindest von nem interessanten Demokratieverständnis!
elgreco schrieb am 16.06.2009 um 13:44
Wie begannen die „Revolutionen des Volkes“ noch in Albanien. Chile DDR, Jugoslawien, Georgien, Ukraine?
Demonstrationen „wir sind das Volk, „weg mit der Diktatur“ und als allverbindene Fahne eine Orangene.
Deshalb heißen diese „spontanen Befreiungsdemos“ auch „Orangene Revolutionen“ und führen die „Revolutionäre brav in das „Freiheitslager“ made in USA! CIA sei Dank!
elgreco
nasserfahami schrieb am 17.06.2009 um 12:06
Der Vorwurf eines Putsches ist seitens der Opposition schnell gemacht, und leider ist dies eine traurige Wahrheit unseres Landes, daß sowohl Regierung als auch Opposition in der Manipulation der öffentlichen Meinung schnell zur Sache gehen. Leicht ist es vergessen, daß der heutige "Freiheitskämpfer" zwischen 1980 und 1988 Hinrichtungsorgien feierten, die in unserer Geschichte beispiellos bleiben. Die Wandlung vom Saulus zum Paulus mag wohl historisch vorkommen , im Iran wird es kaum möglich sein, erst recht weil es keinerleri Debatten darüber in Reformerlager darüber geführt wird. Genauso wahrscheinlich scheint es mir, daß ein Putsch seitens Moussawi und Rafsandjani im Gange ist. Schon einmal im 88 haben sie in Gesellschaft des jetztigen geistlichen Führers einen Putsch gegen Aytollah Montaseri und der Sohn des Khomeini durchgeführt. Der erstere sitzt verstummt in Dauerhaft, der letztere wurde ins Jenseits befördert.
die Tatsache . daß Herr Makhbalbaf renommiert ist macht ihn noch lange nihct glaubwürdig, es ist schwer zu glauben, daß ein High-tech-Büro, wie das Wahlbüro des Herrn Moussawi solch ein Telefonat nicht aufgezeichnet hat. Die Strategie des Reformerlagers spricht auch dafür. Als noch die Wahllokalen offen waren, jubelten ihren Sieg, und stets haben sie nur ihre Version des Sieges akzeptiert. Auch jetzt äußern zweifel ob eine Nachzählung ordnungsgemäß laufen wird. Alles spricht dafür, daß Hintermänner das Model eines "orangen Putsches" oder Revolution- je nach Blickwinkel des Btreachters- erfolgreich übernommen haben.
Aus leidvoller Erfahrung habe ich gelernt, daß man falsche Propheten wenig glauben schenken sollte, erst recht wenn sie jungen, meist politisch unerfahrenen Menschen, was in einem demographisch jungem Land viele davon sind, für ihre Machtgelüste missbrauchen und instrumentalisieren.
In den Städten wird die Realität auf dem Lande nicht wahrgenommen. In ihrer kulturellen Haltung haben die bürgerlichen nur Verachtung für die Menschen zweiter Klasse Irans. In Ihrer politischen Haltung ignorant und respektlos. Darum denke ich persönlich, daß Mangel an Freiheit nicht eine Frage der Person, und nicht mal eine Frage des Systems ist. sonder die innere Haltung jeden einzelnen. Wenn wir Iraner anfangen die meinung des anderen zu respektieren, die Wünsche und Hoffnungen anderer genauso wichtig wie unsere wahrzunehmen, dann werden wir auch solche Katastrophen nicht mehr fürchten müssen.
An Schreiber appelliere ich, die vielen Menschen nicht zu ignorieren , die für dieses System auf Schlachtfelder gefallen sind und weiterhin die Republik mit all seinen Mängel wie Augapfel schützen. Es hilft wenig wenn man gebetsmüllenartig die leseart der einen wie der anderen Partei wiederholt.
Mit leibem Gruss
Nasser Fahami
outnumber schrieb am 17.06.2009 um 12:13
Sehr geehrte Frau Fahami,

vielen Dank für diesen Beitrag, der einen eigenen Blog wert ist und den kommentierten Artikel sogar weit in den Schatten stellt. Ihre Aussagen kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Für Iran wünsche ich persönlich durch eine innere Bewegung mehr bürgerliche Freiheiten und hoffe dieses künstlich herbeigeführte Propaganda-Schlacht gegen die große Nation hat bald ein Ende.
outnumber schrieb am 17.06.2009 um 12:18
Tut mir Leid, ich habe eine weibliche Anrede genommen. Entschuldigung, peinlich :-((
Streifzug schrieb am 17.06.2009 um 12:21
Das ist wirklich einen eigenen Artikel wert.
Tania schrieb am 17.06.2009 um 19:53
Sehr geehrter Herr Nasser Fahami (ich hoffe die Anrede ist so richtig?!),
ich beglückwünsche Sie für ihren Artikel,denn er ist genau der casus cnaktus.
Besonders gefällt mir der Satz:
...das Mangel an Freiheit nicht eine Frage der Person,und nicht mal eine Frage des Systems ist;sondern die Haltung jeden einzelnen.

Richtig!-Aber denken wir weiter,so erkennen wir,das das Sein das Bewußtsein bestimmt!

Darum bedarf es aller Anstrengungen die möglich sind,um den Menschen-auch und insbesondere,wenn ich das sagen darf,in Deutschland-Bewusst-Sein (Bewußtsein mit Betonung auf Sein) zu vermitteln,damit die Lebensumstände erkannt und bekämpft werden,zum hoffentlich Besseren!

Man soll sich immer vor Augen führen,das die wissentschafliche/mathematische Komponente sowie die Naturwissenschaftliche im Prinzip und Ursprung aus dem Islam kommt!
Etwas übertrieben kann man sagen,wären die Mauren nicht in Spanien gewesen,hätte "Westeuropa" heute keine Kultur in dem Sinne.
P.S.:Man soll bitteschön auch nicht die -vorwiegend-katholischen Fundamentalisten vergessen,ich denke dabei nur an meine Eltern,und der Loslösungsprozess war bestimmt icht einfach!
Vielen Dank für deinen Bericht,die Gedanken sind mit mir mal wieder etwas "Schlitten"gefahren,aber ich hoffe doch,nicht zu arg.
Bei Bedarf kannst du mich unter molinero1966@web.de oder hier unter Tania erreichen.
Auf eine bessere Zukunft für alle,
Norbert
derDonnerstag schrieb am 17.06.2009 um 21:29
@nasserfahami

Dass Mussawi sich nicht wirklich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat, befürchte ich auch. Obama hat ja recht deutlich durchblicken lassen, dass er das auch nicht glaubt. D.h., dass es kaum einen Unterschied machen würde, wenn er der neue Staatspräsident würde.
Angesichts seiner Vergangenheit und seiner jüngeren Aussagen, wüsste ich auch nicht, warum die USA ein Interesse daran haben sollten, ihn zu unterstützen. Was sollten sie sich von ihm erhoffen? Ein wirklicher Systemwechsel, d.h. hin zu einer echten Demokratie, würde der Westen sicher unterstützen - aus eigenem Interesse. Es wäre natürlich auch im Interesse der Iraner. Solche Übereinstimmungen sollen vorkommen.
Im Interesse der Ahmadinedschad-Anhänger wäre es natürlich nicht. Wer so jemandem seine Stimmung gibt, kann ja nur entweder völlig verbohrt und ungebildet sein oder aber, er profitiert persönlich davon. A. hat ja nicht umsonst vor der Wahl großzügig Geschenke aus dem Staatshaushalt an seine Klientel verteilt.
Die übertriebenen Hoffnungen, die von der iranischen Protestbewegung in Mussawi gesetzt werden, scheinen mir aus der Verzweiflung heraus geboren. Was will man machen, wenn die Geistlichen, die eigentlichen Machthaber, nur 4 von 400 Kandidaten zur Wahl zulassen, natürlich nur solche, die nichts Wesentliches ändern wollen. Im Grunde ist die Wahlfreiheit auch nicht viel größer als in der DDR, wo man die SED oder eine der Blockparteien ankreuzen konnte.
Dass die Intellektuellen in den Städten die Haltung der Landbevölkerung nicht nachvollziehen können und diese teils verachten, mag stimmen. Andererseits ist aber wohl auch klar, dass ein durch und durch korruptes Regime seine Macht nur erhalten kann, wenn es einen Großteil der Bevölkerung dumm hält. Vielleicht wäre das ja ein Ansatzpunkt: die Massen aufklären. Ist aber sicher nicht so einfach in einem Land ohne Presse- und Meinungsfreiheit, islamistischen Schlägertrupps und einer parteiischen Justiz. Womit klar wäre, dass Freiheit eben auch eine Frage des Systems ist und nicht nur des Einzelnen.
Zum letzten Absatz: Ganz abgesehen davon, dass Menschen, die auf Schlachtfeldern gefallen sind, niemanden mehr schützen können ... Welche Republik schützen sie und gegen wen? Als sie gegen den Irak für das Fortbestehen des "Gottesstaates" kämpften, war Mussawi Premierminister, A. kannte noch niemand. Wenn sie schließlich dieses System "mit all seinen Mängeln" schützen, mangelt es ihnen dann nicht an Freiheit im Denken? Da sind mir die Demonstranten jedenfalls lieber, die diese Mängel erkennen und unter Einsatz ihres Lebens dafür kämpfen, die Republik zu einer besseren zu machen.
Tania schrieb am 17.06.2009 um 19:29
Lieber Pedram,
deinen Zorn in Ehren,aber analysiere bitte die Lage etwas genauer!
Teilweises Zitat von Külbel:
"Es ist kein Geheimnis das George Bush ,bereits 2002 vom Kongreß 20 Mill.Dollar für das "Vorantreiben von Demokratie in Iran "locker" machen ließ.
2006 sind 75 Mill. Dollar nachgeschoben worden,wovon ein Teil an "Vertraute"im Iran und diverse NGO's und Menschenrechtsorg's ging.Ob Mussawi davon was erhielt,ist nicht bekannt!
Allerdings ist Mussawi seit ende der 8oger Jahre ein "Freund" des US Konservativem Ledeen,der 2001 die "Koalition für Demokratie im Iran"gegründet hat.
Er ,sowie Woolsey,ex Direktor des CIA wollten und wollen auf einen "Regimewechsel"im Iran hinarbeiten.
Beide sind übrigens seit der Iran Contraaffäre bestens bekannt,ebenso wie der Iraner Manuchehr Ghorbanifar,der eine Schlüsselposition eingenommen hatte.
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