Kultur

Twitteratur (I) | 25.06.2009 16:20 | Kulturredaktion

140 Zeichen geballte Belletristik

Was früher der „abgeschlossene Roman“ war, heißt heute Twitteratur. 140 Zeichen geballte Belletristik. Eine Revolution im Literaturbetrieb

Bekanntlich liegt die Kunst des Romaneschreibens darin, nicht alles aufzuschreiben, was einem gerade durch die Birne rauscht. Kürzen, Streichen, Auslassen: das macht einen Roman  erst zu einem Kunstwerk. Das gute alte Buch als Medium der Literatur ließ hier viele Sünden zu: Marcel Prousts A la recherche du temps perdu umfasst in der deutschen Ausgabe über 5.000 Seiten. Schon Monthy Python riefen deshalb zu einem Proust-Kürzungswettbewerb auf.

Andere Romane wie Jan Graf Potockis Die Handschrift von Saragossa (959 Seiten) oder Franz Werfels Die vierzig Tage des Musa Dag (838 Seiten) wurden von der Kritik zwar hochgelobt, blieben aber aufgrund ihres Umfangs von der Welt unbeachtet. Das kann nicht im Interesse von Kunst und Künstler sein.

Twitteratur,  getwitterte Literatur also, sorgt hier für eine radikale künstlerische Disziplinierung. Ein "tweet" pro Werk. Maximal 140 Zeichen. Minus Autornamen. Zu wenig finden sie? Höchstens für eine Novelle gut? Ja, auch für eine Novelle. Hier ein Beispiel:

Als die Erde anfing zu beben, fassten sich Karl und Gudrun bei den Händen. Diese Schweißhände, dachte sie (105 Zeichen)

Aber natürlich lässt sich auch ein Reiseroman twittern:

Wie jeden Freitag griff er nach der grünen Umhängetasche und stürmte die Treppe herunter. War er zu spät? Wo blieben die anderen? (130 Zeichen)

Zugegeben, der Schluss spielt leicht ins Kriminalistische rein. Hier nun  ein lupenreiner Krimi:

Atem, Schritte, Geraschel im Gebüsch, wieder Atem. Ein Schrei, Stille, endlose Stille. Der Berg, immer. Dort, im ewigen Eis (104 Zeichen)

Sie bevorzugen den symbolistischen Roman, der auf kommende gesellschaftliche Katastrophen hinweist? Kein Problem:

Die wichtigsten Sätze werden im Spaß gesagt, dachte Ernst und beschloss zu schweigen. Als er aufhörte, hatte keiner mehr etwas zu lachen (136 Zeichen)

Gut, das ist schwere Kost, die man nicht immer erträgt. Dagegen hilft dann ein Schundroman:

Yves trat an die Marmorbrüstung und wies auf die Palmenhaine zu seinen Füßen. „Alles meins“, sagte er. Angélique erbebte. Jean Clé (137 Zeichen)

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Sie sehen: Twitteratur liest sich fast so leicht, wie sie sich schreibt. Im Grunde genommen existiert kein Genre, das sich nicht twittern lässt: Fortsetzungsroman, Bildungsroman, Nouveau Roman, das poème en prose... Jeder nach seinem Geschmack. Halt, ein Vorteil wurde ja noch gar nicht genannt. Hieß es früher ars longa vita brevis, also: die Kunst braucht Zeit, das Leben ist kurz, so darf man ab sofort sagen: ars brevis vita longa. Wer seine Romane twittert, hat mehr vom Leben. Und er hat mehr Leser. Machen Sie ruhig die Probe aufs Exempel. Am besten gleich hier in der Kommentarspalte oder twittern Sie einfach @derFreitag.

 
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Kommentare
Magda schrieb am 26.06.2009 um 13:35
Zu Menschen, die ich verachte, bin ich stets besonders höflich sagte der Bittsteller zum Beamten und machte eine tiefe Verbeugung. (112 Zeichen)

Haltet die Bilder schief, sprach der Meister der Metaphern zu seinen Schülern: Seid mutig, greift dem Schicksal in den Ausschnitt. (130 mit Leerzeichen)
Magda schrieb am 26.06.2009 um 13:40
Einmal warf ich ihm ein Buch an den Kopf, meinem damaligen Lover. „Haha“, grinste er, da hilft auch keine „Geballte Belletristik“ (130)
Michael Angele schrieb am 26.06.2009 um 14:48
@magda: ihren ersten beitrag sehe ich ganz klar in der tradition des bediensteten-romans (robert walser!)

Ingo Arend schrieb am 26.06.2009 um 14:58
die beispiele finde ich auch alle recht gelungen. vielen dank dafür magda! hinter dem drittem beispiel von userbasierter twitterature scheint mir eine satirisch-ironische absicht aufzuscheinen. mehr so richtung frankfurter schule?
Magda schrieb am 26.06.2009 um 21:19
Herrlich herrlich, ich werde interpretiert. Twitterhermeneutik oder wie das heißt.
Und dann noch als Text mit walseroidem Einschlag und oder Frankophon (ach nee, das ist was anderes).

Ja, sowas macht Spaß. Erstens weil es schön kurz sein darf und zweitens, weil man beim verdichten nicht die Regeln der Dichtkunst beachten muss.

Ich kenne einen Typen, der schreibt schon seit Jahren - leider schwer anonym und versteckt - verrückte Textanfänge, meist auf Twitterlänge. Immer hochlustig.

Einer von ihm könnte auch das Ende eines historischen Romans sein:

Der lautet kurz und bündig: "Wo ist Wenck".
Eine kürzere Fassung des "Zusammenbruchs" kann man nicht liefern.

oder er schreibt: "Ich ging nach draußen, um meinen neuen Mantel einzutragen". Wie gesagt, ich zitiere den nur, vielleicht bringe ich ihn her. Im Moment heißt er "Die Sau von Bottropp" und dichtet in einem obskuren Privatforum.
Sehr klandestin. Allerdings, wenn der erstmal da ist, twittert der hier alles kurz und klein. Den kann man dann nicht mehr künstlerisch einhegen, der ist wie ein Virus, der Knabe.

Na gut, genug geplaudert.
Magda schrieb am 26.06.2009 um 21:20
Herrlich herrlich, ich werde interpretiert. Twitterhermeneutik oder wie das heißt.
Und dann noch als Text mit walseroidem Einschlag und oder Frankophon (ach nee, das ist was anderes)

Ja, sowas macht Spaß. Erstens weil es schön kurz sein darf und zweitens, weil man beim verdichten nicht die Regeln der Dichtkunst beachten muss.

Ich kenne einen Typen, der schreibt schon seit Jahren - leider schwer anonym und versteckt - verrückte Textanfänge, meist auf Twitterlänge. Immer hochlustig.

Einer von ihm könnte auch das Ende eines historischen Romans sein:

Der lautet kurz und bündig: "Wo ist Wenck" Eine kürzere Fassung des "Zusammenbruchs" kann man nicht liefern.

oder er schreibt: "Ich ging nach draußen, um meinen neuen Mantel einzutragen". Wie gesagt, ich zitiere den nun, vielleicht bringe ich ihn her. Im Moment heißt er "Die Sau von Bottropp" und dichtet in einem sehr obskuren Privatforum.
Sehr klandestin. Allerdings, wenn der erstmal da ist, twittert der hier alles kurz und klein. Den kann man dann nicht mehr künstlerisch einhegen, der ist wie ein Virus, der Knabe.

Na gut, genug geplaudert.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 26.06.2009 um 21:30
'Wo ist Wenck!' - War das nicht Fritz Diez als AH in 'Befreiung' oder so?
Magda schrieb am 26.06.2009 um 22:11
Ja, wenn der Fritz Dietz den AH gespielt hat, dann hätte er diesen Satz gesagt haben können.
Vielleicht war es ja auch der neue AH - wie heißt er doch - Bruno Ganz im Bunker. Jedenfalls hammse gehofft auf den Wenck, dabei gabs den gar nicht mehr.

Aber ich habe hier noch aus meiner Notizentabelle - wo ich immer meine sprudelnden Einfälle niederlege - einen:

"Sie war ein ziemlich melancholischer Mensch - schon immer so gewesen, gewissermaßen naturtrüb"
Magda schrieb am 27.06.2009 um 08:56
Mal was Besinnliches.

Ein Treffen mit der netten kleinen P. und Familie. Einsicht: Nicht ich bin besonders kinderbegabt, sondern sie ist ein lieber Mensch.
rheinelbe schrieb am 27.06.2009 um 20:44
Als er vom Amt kam, war K. über und über mit schwarzen Stempeln bedeckt. Fortan hieß er nur "der Stempelmann".
Michael Angele schrieb am 27.06.2009 um 21:56
extrem kafkaesk!
Matthias Dell schrieb am 28.06.2009 um 09:34
und doch auch eine parodie, die den erfahrungen der realbürokratie (stempel), wer kennt sie nicht, eine nase dreht
Magda schrieb am 27.06.2009 um 22:07
"Alle Katastrophen der Welt haben in einem hohlen Zahn Platz. Aber nur, wenn der noch einen Nerv dafür hat", sagte der Dentist sorgenvoll.
Matthias Dell schrieb am 28.06.2009 um 09:38
finde den ironischen dreh interessant: die katastrophen der welt, also das großtmöglich unglück, werden am ende mit leichter hand zurückgenommen durch die bezeichnung dentist, die im französischen den zahnarzt bezeichnet, im deutschen allerdings einen eigenen beruf meint, der unterhalb des zahnarztes anzusiedeln ist
Magda schrieb am 28.06.2009 um 11:10
Ich glaube, mir ist der Dentist nur untergekommen, weil ich Zeichen sparen musste. Außerdem klingt es so schön altdeutsch-betulich und das passte zu sorgenvoll

(Magda - Selbstdeuterin)

Davon mal abgesehen, kann es bestimmt sein, dass sich da Kabarettisten dran versuchen. Ich verwende hier ja nur so olle Sprücheklopfereien. Oder versuche Bonmots unterzuschmuggeln. Aber der wahre Twitter müsste was Romanhaftes kriegen. Was Endgültiges "The Party is over"mässiges. oder so.
Gefällt mir jedenfalls, weil es die Illusion nährt, man könnte schnell mal was kreatives machen. Ist aber am Ende aufwändig. So - jetzt habe ich mich wieder viel zu lang entäußert.

Eigentlich müsste ja Müntefering der "Twitter aus dem Sauerlande" heißen. Mit seinem "Opposition ist Mist".

Was aber wird dann mit Regieren im Twitter-Stil? Das wird lustig.
Koalition ist Mist
Wir werden Kanzler
Kanzler ist Mist
Koalition macht weiter (Mist)

Oder so.
eifelpony schrieb am 27.06.2009 um 22:33
Es war nicht wie damals. „Warum bist Du verliebt?“ Damals war alles: Viel zu viel und viel zu sehr, die Muschel rauscht und träumt vom Meer
Matthias Dell schrieb am 28.06.2009 um 09:35
sehr schön.
rheinelbe schrieb am 27.06.2009 um 22:51
Ich dachte: "Denk am besten nichts." Da hatte ich gut gedacht, dachte ich noch.
Michael Angele schrieb am 27.06.2009 um 23:21
Twittern ist naturgemäß Dreck, Romanvernichtungsdreck, twitterst du, bist du hirntot, ganz klar, sagte er (Th. Bernhard feat. R. Goetz) (138 Zeichen)

Versuch über das Twittern. Jetztsüchtiger Schreiberling, rief er sich zu, tippte es, und ging weiter der Umgehungsstraße entlang (P. Handke) (140 Zeichen)
Matthias Dell schrieb am 28.06.2009 um 09:40
an der umgehungsstraße vor den zäunen unserer stadt steht ein einkaufscenter, wie es noch keiner gesehen hat (fortsetzungsroman; außerdem joachim witt ins festungeuropa/konsumkritische gewendet)
Michael Angele schrieb am 28.06.2009 um 11:16
fortsetzungsroman, zweiter teil:

geh hin! wir müssen mehr wissen, wir wissen einfach zu wenig, und du nimmst dir doktor tucha vor, tät-da-dädädädä (wirtschaftswunder: tod eines hippiemädchens (text und musik nach der gleichnamigen kommissar-folge)
rheinelbe schrieb am 28.06.2009 um 11:38
Holladibollah - da war ihm doch ein stinkender, gemeiner Furz entfahren und durchdrang die weiße Leinenhose. Neben ihm stand sein Chef...
Michael Angele schrieb am 28.06.2009 um 11:53
damit gewinnen sie nächstes jahr in klagenfurt!
Titta schrieb am 28.06.2009 um 11:50
Er twittert nur noch, sagst du? Sind ihm, neben dem tieferen Sinn, nun auch die Buchstaben ausgegangen?
eifelpony schrieb am 28.06.2009 um 11:51
Küss mich. Lass uns fort von hier. Es wäre besser als das. Her kiss was just a sigh. The years went bartleby. Belleville wollte lieber nicht.
Michael Angele schrieb am 28.06.2009 um 11:55
"the years went bartelby": wow, hier ist jemand vom fach
rheinelbe schrieb am 28.06.2009 um 12:35
Klagenfurt - ich will mir die Stirn aufschlitzen wie einst Rainald Goetz. Wo ist meine Rasierklinge? In der Hosentasche. Aua!
Michael Angele schrieb am 28.06.2009 um 12:36
bin verwirrt: ist das nun ein neuer roman?
Titta schrieb am 28.06.2009 um 13:06
"Twittern? Das hat Polgar doch schon vor 100 Jahren ohne Handy besser gekonnt." "Torberg, sei stad."
Michael Angele schrieb am 28.06.2009 um 13:34
Als Vater des Twitterns muss aber doch Kleist gelten:
"Ich höre ein Geräusch dort, wie mir deucht."
Titta schrieb am 28.06.2009 um 15:36
Und warum waren dann seine Stücke in der Schule immer so endlos lang?
Titta schrieb am 28.06.2009 um 15:37
Nein, nehme ich wieder zurück. Kleist war der, der mich noch mit am wenigsten gelangweilt hat.
rheinelbe schrieb am 28.06.2009 um 14:31
Arbeitslose singen Streiklieder!
Titta schrieb am 28.06.2009 um 15:34
"Sollen wir nun Twittern oder Essen?" "Was hast du denn gemacht?" "Buchstabensuppe."
Titta schrieb am 28.06.2009 um 15:51
In eineminutedreißig kann man angeblich nichts erklären, weshalb einhundertvierzig jetzt die Offenbarung scheint.
Tipps-Archiv schrieb am 29.06.2009 um 09:49
Auch mit 140 bzw 130 Zeichen kann man einiges ausdrücken
Jan Jasper Kosok schrieb am 29.06.2009 um 16:03
Er wankte wie ein Schiff auf hoher See. Nur mühsam konnte der Leichtmatrose der üppigen Blondine folgen. Sie war ein Mann im besten Alter.
piiter schrieb am 29.06.2009 um 17:48
Holla die Waldfee, erotische Literatur auf Twitter.
Matthias Dell schrieb am 30.06.2009 um 10:19
sehr interessant auch das raffinierte spiel mit unseren vorstellungen von sexualität und geschlecht. ein großer roman.
Magda schrieb am 30.06.2009 um 21:53
Ja, das ist was von der Queer-Front.
Aber bitte, bitte - auch beim Twittern - die Metaphern sauberhalten. Ein Schiff wankt doch nicht, es schwankt. Oder wolltest Du damit auch was Revolutionäres ausdrücken.

Auf jeden Fall: Dein Vergleich hinkt mit Riesenschritten.
piiter schrieb am 30.06.2009 um 23:27
@Magda, ich denke mal er/sie(so genau weiß mann/frau/kind im inet nie) wollte revoluzzern. Darauf deutet z. Bsp. das "Sie war ein Mann" hin. Leider, oder wenn man ABK G.S. nimmt, GottseiDank ist das Revoluzzertum im alten Jahrtausend mit AltaltBK H.K. ausgestorben.
Jan Jasper Kosok schrieb am 01.07.2009 um 13:38
@Magda Mein Schiff wankt. Wie auch knapp 7000 andere bei google. Was natürlich kein Argument ist. Nur so, als Wanknotiz.

@piiter Nein. Keine Revolution, reine Beobachtung, Wiederverwertung und Rekonstrunktion von Erlebtem. Mehr kann und will ich nicht.
Durchgangszimmer schrieb am 30.06.2009 um 11:57
Ich sehe "Twitteratur" durchaus als eine sehr interessante Kunstform mit viel Potential an, aber wer einen halben Satz mit 140 Zeichen Roman nennt, hat den Gattungsbegriff nicht verstanden und wird wohl auch "Feuchtgebiete" kanonisieren...
Matthias Dell schrieb am 30.06.2009 um 12:03
es geht um die verkleinerung der welt: der siegeszug der twitteratur, die wahrscheinlich hier ihren fulminanten anlauf nimmt, wird die gattungstheroetiker auf den plan rufen.
Magda schrieb am 30.06.2009 um 21:58
"Der große abgeschlossene Roman"
Na, das hat doch weniger als 140. Gattungsbegriff passt rein.

Die Verkleinerung der Welt: Nicht nur das. Twitter - das ist ein schwarzes Loch, in das die gesamte Belletristik reinrast, wie im Kosmos und verschwindet. Naja, das sind wieder Hassfantasien, weil auch ich mein epochemachendes Werk noch nicht aufgeschrieben habe. Aber es ruht in mir. Vielleicht wird es jetzt mit dem Twittern Realität. Da liegen Chancen.
piiter schrieb am 30.06.2009 um 23:34
Feuchtgebiete:

Die jungmännerbegeisternde ViVahr Kurzblüschen Sexyyyyyyy lustmolchte vaginalanale Gebiete bis zum Klorollen end. Happy Hemd.

140 Zeichen ?
Jan Jasper Kosok schrieb am 30.06.2009 um 13:09
Sonnengebräunt durchschnitt er die Gartenschläuche des Nachbarn. "Kleingärtnerei habe ich nicht verdient" dachte Frühpensionär Gerhard S.
Axel Henrici schrieb am 30.06.2009 um 16:10
Wer hat Lust, von dem hier angeweht zu werden? Stalder hielt schelmisch einen Ventilator in die Höhe. Es war ein verdammt heißer Juni-Tag
Titta schrieb am 30.06.2009 um 16:18
Da hör ich schon Hautkrebs Rache nehmen.
Axel Henrici schrieb am 30.06.2009 um 17:16
@Titta: Schön wär's. Die Helden dieser Geschichte sitzen in einem schattig-schwülen Dachgeschoss-Büro...;-)
Magda schrieb am 30.06.2009 um 22:03
Bleich wie Spargel nahte der Nachbar. Das Ende - eine Meldung unter der Rubrik: Kriminalreport.
Michael Angele schrieb am 01.07.2009 um 11:44
Kurz bevor seine Faust die Fliege zermatschte, hörte sie auf zu kriechen. So heiß wie in New York hier, dachte er, dann gab auch er auf.
Jan Jasper Kosok schrieb am 01.07.2009 um 13:32
Seine Augen waren verklebt. Neben ihm lag eine Frau. Der Schädel brummte, die Anlage ebenfalls. Er war 32, ledig und Produktdesigner.
Matthias Dell schrieb am 02.07.2009 um 11:02
das macht lust auf mehr. da fragt man sich, wird es teil 2, ein sequel geben?
Anna Dorothea schrieb am 02.07.2009 um 12:51
Hi Jan Jasper, this one`s one for you (Du kennst die Hamburger...)

Gartenparty an der feinen Elbchaussee. Alle gucken zu. Sie mit dem Kollegen im Tischfussball-Finale. Da fällt ihr der linke Busen aus dem Kleid.
Anna Dorothea schrieb am 02.07.2009 um 12:54
"this one`s for you" heisst es bloss. Und ich will noch mehr von dem wankenden Matrosen mit seiner blonden Liebe wissen... Deine Herkunft kannst Du aber nicht verleugnen, min Jung...
Anna Dorothea schrieb am 03.07.2009 um 09:01
Hi Jan Jasper;

"min Jung" - das sollte nicht plump vertraulich sein. Dachte nur, weil Du von Matrosen schreibst, das etwas Hamburger Idiom auch ganz hübsch passt.

Herzlich, Anna
Jan Jasper Kosok schrieb am 03.07.2009 um 10:01
"Fischmarkt, Digger!" schallte es aus der Ferne. Wieder einer, dachte Karl und rollte den Aal behutsam in Papier. Es war ein kalter Morgen.
Anna Dorothea schrieb am 03.07.2009 um 10:06
Du gibst mir Rätsel auf. "Wieder einer?!"
Wir wohnen nur eine Viertelstunde vom Fischmarkt, die Möwen segeln hier über den Häusern, die Schiffe höre ich jeden Tag tuten...alles so, wie Du es beschreibst... Nur dass es ein kalter Morgen ist, kann ich wirklich nicht behaupten.
Jan Jasper Kosok schrieb am 03.07.2009 um 10:21
@Anna Dorothea Das ist alles in Ordnung. Ich bin gern "min jung". So als Hamburger. ;)

Und zum Rätsel: Ein Mann hinter der Theke seines Fischmobils, auf dem Fischmarkt, Sonntag Morgen. Tausende Besoffene fallen ein, er hört sie kommen, denkt sich "wieder einer".
Anna Dorothea schrieb am 03.07.2009 um 10:35
Danke, kapiert! Scheint doch noch nicht solange her zu sein, dass Du auf dem Fischmarkt warst... Der Sonnengebräunte, der die Gartenschläuche des Nachbarn zerschnitt, hat mir auch gut gefallen. Fällt mir doch gleich dieser Mord vor kurzem unter Kleingärtnern ein...

Wenn Dein erster Roman/ Erzählband fertig ist, lass es mich unbedingt wissen!

Schöne Grüße aus HH, im Sommer unschlagbar

Anna
Jan Jasper Kosok schrieb am 03.07.2009 um 13:23
Ok, notiert. Roman ist in der Mache. Es kann sich nur noch um Jahre handeln.

Wünsche einen sonnigen Tag in der Hansestadt!

Herzlichst,

Jan Jasper
Streifzug schrieb am 03.07.2009 um 13:27
Hallo Jan Jasper,

ein Roman mit 140 Fragmenten, bestehend aus jeweils max. 140 Zeichen darf auch höchstens 140 Tage dauern ;)
Jan Jasper Kosok schrieb am 03.07.2009 um 13:32
Servus Streifzug!

Ok, das ist doch mal ein Ziel. Ein Roman mit 140 Kapiteln a 140 Zeichen, der in 140 Tagen fertig ist. Minus Wochenenden. Ich brauch ja auch mal Pausen zur künstlerischen Besinnung. ;)

Grüße,

Jan jasper
Streifzug schrieb am 03.07.2009 um 14:02
Hallo Jan Jasper,

hmmm, Wochenenden und künstlerische Besinnungslosigkeit ;) sind ein wahres Argument. Allerdings kann man 140 wunderbar in 7 Tage-Wochen einteilen. Würde sich auch gut im Vorwort machen.

Gibt es noch einen größeren Rahmen, an dem es zusätzlich aufgehängt werden kann?

1869:

In Eisenach wird auf Initiative von August Bebel und Wilhelm Liebknecht der Gründungskongress zur Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) eröffnet, aus der die deutsche SPD hervorgeht. Bebel wird zum Vorsitzenden gewählt.

Das Unternehmen Goldman Sachs Group Inc., oder auch kurz "Goldman Sachs (GS)" wird gegründet in Manhattan

Im schottischen Dumbarton läuft der bis heute erhalten gebliebene Klipper Cutty Sark vom Stapel

Uraufführung der Oper Das Rheingold von Richard Wagner in München

Beginn des ersten vatikanischen Konzils

Grigori Rasputin, russischer Mystiker († 1916)

Ich ahne Potenzial zum Bestseller :)
Matthias Dell schrieb am 17.07.2009 um 12:58
@anna dorothea
hier muss der lektor intervenieren: der linke busen kann nirgendwo rausfallen, weil der busen doch immer in der mitte und der einzahl ist zwischen den brüsten. oder haben wir's mit einem lsd-geschwängerten-dream-of-unconsciousness zu tun, der die pforten der wahrnehmung eintritt wie der fischhändler bei jj?
Anna Dorothea schrieb am 21.07.2009 um 10:22
Lieber Mattias Dell;

wow, ich bin beeindruckt, was der Lektor alles sieht :)

Tatsächlich benutzen Frauen - jedenfalls ich und einige die ich kenne - umgangssprachlich auch in der Einzahl. "Mein linker Busen ist größer als der rechte", "ich lasse mir den rechten jetzt vergrößern ;)" etc. Sie müssen zugeben, dass "Brust" auch nicht besonders klingt. "Mir fiel die rechte Brust aus dem Kleid" - brrr.

Ist nicht beim Dichten und in der Liebe fast alles erlaubt? Mehr (sprachliche) Freiheit wagen!

Herzlich, Anna
Magda schrieb am 02.07.2009 um 11:28
Bitte, Herr Doktor, was bedeutet denn bei diesem Wundermittel:
Langfristige Wirkung?
Tja. manchmal wirkt es nicht mehr zu Lebzeiten.
Streifzug schrieb am 02.07.2009 um 13:53
Deeisr Sadtelfan gnig ihm giweatlg auf den Getis. Alels veil zu enhcfia, vetnhäsrcild. Das msus ein Edne hnaeb. Gcshüeettlt, nciht gtherür.
m 1 schrieb am 02.07.2009 um 15:15
Ohne mich durch mehr als 2 Kommentarseiten durchzubeißen:

> "Maximal 140 Zeichen. Minus Autornamen.

Das ist falsch. Der Autorennamen zählt nur bei Replies oder im übertragenen Sinn bei Wiederholungen. Weswegen mein ja identi.ca/m1 auch wahnsinnig viel mehr Platz für Kommentierungen lässt :)
Jan Jasper Kosok schrieb am 04.07.2009 um 11:54
Paula trug skinny Jeans und ein blau-gelb kariertes Flannelhemd. Sie sah ihn an. Er konnte sich nicht erinnern und nippte an seinem Drink.
Jan Jasper Kosok schrieb am 06.07.2009 um 10:58
Er war verschwitzt und roch etwas streng. Die Fahrgäste starrten ihn verächtlich an. "Nach Erkner auf Pepp", dachte Sven und schlief ein.
Michael Angele schrieb am 06.07.2009 um 17:45
Aber Erkner war so gar nicht, was er sich erträumt hatte. Verdammter Mist, er musste es mit Wusterhasen oder Wusterhausen verwechselt haben.
Jan Jasper Kosok schrieb am 07.07.2009 um 16:25
"Ich liebe Dich einfach nicht mehr", sagte Susi und riss sich los. Erwins Blick war leer. Sein Herz ebenfalls, genau wie seine Brotdose.
Jan Jasper Kosok schrieb am 08.07.2009 um 18:12
"Im Zweifelsfall ist mir Wut näher als Liebe" schrie Tom, stieß den Kellner beiseite und verließ hastig das Lokal. Anne zahlte die Rechnung.
Anna Dorothea schrieb am 09.07.2009 um 11:17
Wie kam sie jetzt nach Hause? Ein Uhr nachts, mitten auf dem Land. Keine Busse, kein Geld fürs mehr. Und Tom war weg.
Jan Jasper Kosok schrieb am 09.07.2009 um 14:47
"So ein Quatsch", dachte Karl und sammelte die auf dem Boden verteilten Zähne ein. Sein Hemd war voller Bier, er selbst von Beamten umringt.
Anna Dorothea schrieb am 09.07.2009 um 18:40
Leise schloss der Chefredakteur die Tür. Dann öffnete er den Kosmetikkoffer. Puder, Lippenstift, alles da. Sein Herz klopfte vor Glück.
Jan Jasper Kosok schrieb am 10.07.2009 um 17:47
"Entweder man ist genervt oder geht nach unten und säuft mit", sagte Phil und zog seine Jacke an. Zum Abschied küsste er sanft Lisas Wange.
Anna Dorothea schrieb am 10.07.2009 um 18:00
Hein griff zum Fernglas. Da stand SIE, an der Pinne, im kleinen Schwarzen. Zum richtigen Zeitpunkt würde er sich zu erkennen geben.
Jan Jasper Kosok schrieb am 13.07.2009 um 18:10
Einsam stand die Blume als Geste tiefer Zuneigung in der Mitte ihres Zimmers. Toni saß auf dem Bett. "Ich hasse Lilien", dachte sie.
Anna Dorothea schrieb am 14.07.2009 um 16:56
"Hände hoch", schrie Ringo drohend. Kalle gehorchte, während ihm der kalte Schweiss den Rücken hinunterlief. Er hasste Jazzdance.
Jan Jasper Kosok schrieb am 14.07.2009 um 17:09
Als Social Media Veteran kenne ich mich aus, dachte er und betrat das "Crazy Horst". Der Scheitel saß. Es wurde ein unvergesslicher Abend.
Anna Dorothea schrieb am 15.07.2009 um 16:52
Wunderbare Kneipe, Jan Jasper: gibts schon 25 Jahre...!
Jan Jasper Kosok schrieb am 15.07.2009 um 17:42
Vor ihm lagen Trümmer eines Lebens, von dem er geglaubt hatte, es würde ihm zu Ruhm und Ehren verhelfen. Auf Papier. Guido hasste das Pult.
Anna Dorothea schrieb am 15.07.2009 um 17:53
Sie konnte fliegen! Sehr hoch und weit. Vielleicht war das doch zu schnell gegangen, vom Idiotenhügel gleich auf die Schwarze Piste.
Jan Jasper Kosok schrieb am 17.07.2009 um 16:24
Er wirkte müde, seine Augenlider hingen kraftlos herab. Sie schrie. Wann ist endlich wieder Liga, dachte er und nahm noch einen Schluck.
Titta schrieb am 17.07.2009 um 23:22
Himmel,
ihr beiden habt ja ein halbes Berufsleben verarbeitet.
Anna Dorothea schrieb am 18.07.2009 um 00:36
"Rauhe Schale, weicher Kern. Heute braun, bist Du doch bald schon rot", dabei streichelte sie ihn zärtlich. Hummer-Bärbel liebte ihre Tiere.
Anna Dorothea schrieb am 18.07.2009 um 00:38
@Titta:

Du weisst doch - Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden Personen und Orten sind rein zufällig...:)
Jan Jasper Kosok schrieb am 19.07.2009 um 20:46
Das Vinyl, auf dem sie tanzten, knirschte, als sie ihn zur Seite zog. Ich mag ihren Hintern, dachte er, als sie sich im Dunkeln küssten.
Anna Dorothea schrieb am 20.07.2009 um 14:57
Er war kurzsichtig, hatte Hasenzähne, eine Hühnerbrust und kaum noch Haare. Na und? Sie liebte ihn einfach.
Jan Jasper Kosok schrieb am 21.07.2009 um 10:11
Sie war ein derbe UBahn-Schönheit, die Schuhe löchrig, ihr Duft streng. Fiete wurde warm ums Herz, als sich ihre Blicke Höhe Schlesi trafen.
Jan Jasper Kosok schrieb am 22.07.2009 um 14:12
Barbara war Pädagogin. Dass ihr Sohn Janis jetzt Wirtschaftsrecht studierte, entzog sich ihrer Logik. Als Kind hatte er noch Röcke getragen.
Anna Dorothea schrieb am 22.07.2009 um 14:19
"Die Eierbecher hoch... und alle... auf ex!" lallte Heini. Dann fiel er kopfüber in den Teller mit Grünkohl. Und Pinkel.
Anna Dorothea schrieb am 22.07.2009 um 14:25
Schließlich besaß sein Alter zweitausend! Franz wußte: Als Sohn eines Schweinebauern im Münsterland konnte er sich die Bräute aussuchen.
Jan Jasper Kosok schrieb am 27.07.2009 um 17:05
Er saß mit seinem Bier auf der Rückbank und spürte den Fahrtwind auf der Haut. Paul war nackt und die polnische Grenze nicht mehr weit.
Jan Jasper Kosok schrieb am 29.07.2009 um 15:15
Sein Chef schrie ihn an. Herbert sah aus dem Fenster. Sehnsüchtig dachte er an den Flughafensee und das kalte Wasser. Dann stand er auf.
Jan Jasper Kosok schrieb am 01.08.2009 um 19:20
Sie ging. Karl sah aus dem Fenster und den Kindern beim Spielen zu. Wie unbeschwert sie waren, dachte er und strich durch sein lichtes Haar.
Anette Lack schrieb am 03.08.2009 um 10:56
"Nächste Saison steigt Pauli auf!" Dabei nahm sie einen Schluck aus der Astra-Flasche. "Sind Träume nicht Schäume?" antwortete er zweifelnd.
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 06.07.2009 um 17:47
Ja klar: "Twitteratur", und das noch als Belletristik bezeichnen – nicht viel mehr als Banalisierung einer Kunstform: erschreckend
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 06.07.2009 um 17:56
Oder wird hier sogar Kunst selbst in Frage gestellt. Literatur und ihre Macher werden zumindest verhöhnt und ausgelacht.
Jan Jasper Kosok schrieb am 06.07.2009 um 18:00
Nein, keine Bange. Es geht viel mehr um den spielerischen Umgang mit dem Medium Twitter und den Versuch, dabei eine halbwegs plausible Geschichte zustande zu bringen. Nicht mehr, nicht weniger.
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 06.07.2009 um 18:08
Aha. Ist wohl eher Spam als alles andere. 140 Zeichen und einen Furz auf alle Literatur. "Twitteratur"? - Ironie auf ihrer höchsten Stufe.
Jan Jasper Kosok schrieb am 06.07.2009 um 18:15
Woraus Sie hier einen Angriff auf Literatur herleiten, erschließt sich mir nicht. Aus der Namensgebung? Aus der Begrenzung auf 140 Zeichen?
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 06.07.2009 um 18:34
Ich würde literarische Ergüsse in der Kürze als Lyrik bezeichnen und nicht zur Prosa erheben. und für Lyrik benötige ich Twitter nicht. Zum Üben ... gern. Aber dann bitte in einem Büchlein, welches man unter Freunden herumreicht, um sich Meinung einzuholen. 140 Zeichen, die in manchen Büchern die ersten zwei Sätze ausmachen, als Literatur zu bezeichnen empfinde ich als geschmacklos und als Gelächter über all diejenigen, die sich manchmal über Jahre Gedanken machen und an ihren Werken unermüdlich feilen. Da soll ich feiern über die ach so tolle Errungenschaft einer so genannten Twitter-Literatur=Twitteratur? Nein danke, verschont mich.
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 06.07.2009 um 18:17
„Ich bin Bücherfreund“, sagte er zu P. „Ach so, du heizt nicht mehr mit Kohle?“ Ihm kam die Galle: diese Vagabunden, dachte er. Und noch 13.
Jan Jasper Kosok schrieb am 06.07.2009 um 18:18
Geht doch. ;)
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 06.07.2009 um 18:21
Als er die drei Ungepflegten auf sich zukommen sah, hatte er die Schnauze voll. „Weg da“, schrien sie und schmierten die Wände voll. Sechse.
Pjotr 'Petka' Pustota schrieb am 06.07.2009 um 18:24
Alles klar. Wenn jetzt jeder auf diese Weise seinen Darminhalt im Internet verewigen kann ... na dann gute Nacht gepflegte Kultur.
Jan Jasper Kosok schrieb am 06.07.2009 um 18:28
Niemand zwingt Sie. Und für eine Nische, die der "gepflegten Kultur" keinesfalls gefährlich wird, reicht es vielleicht doch. Mehr als ein Zwinkern will es ja nicht sein. In Anbetracht dessen finde ich "Twitterature" allerdings völlig legitim. Im Zweifelsfall eben einfach weggucken.
Magda schrieb am 10.07.2009 um 09:04
Mal was überirdisches:

Gott saß da auf dem Topf, den Daumen im Mund. Dicke Tränen rannen ihm die Wangen runter. Er hatte den Glauben verloren, den Glauben an und für sich.

(Forts. folgt)
Magda schrieb am 10.07.2009 um 09:08
Forts.

Bad Gateway 502 las er als er aufblickte. Freitags ist immer Weichenstellung. Da spielen sie Schicksal. Ach was solls, ich glaube wieder.
Friedland schrieb am 10.07.2009 um 09:25
Vor ihm lag wartend das leere Blatt Papier. Der erste Satz war äußerst wichtig. Schon allein, weil es der einzige blieb.
taschentiger schrieb am 10.07.2009 um 17:14
Zielsicher landete die Fliege auf dem Vorsprung Brunos hochgezogener Augenbraue. Unbeeindruckt setzte er die Wimperntusche ein zweites Mal an.
Beat Mazenauer schrieb am 11.07.2009 um 23:35
Wie die Texte zeigen: die kurze Form ist nicht gering zu schätzen. Dies bestätigt auch eine Erzählung von Peter Bichsel aus dem Buch "Zur Stadt Paris" - summa summarum 109 Zeichen, Titel inklusive !)

"Sehnsucht.
In Langnau im Emmental gab es ein Warenhaus. Das hiess zur Stadt Paris. Ob das eine Geschichte ist?"
Michael Angele schrieb am 12.07.2009 um 14:09
Wunderbar, danke Herr Mazenauer, ein "Stadt Paris" gibt es übrigens bis heute auch in dem Ort, wo ich herkomme. Das wäre auch mal eine schöne Reportage.
Friedland schrieb am 14.07.2009 um 22:36
Er schnaufte. Überall war Blut. Er hatte den Auftrag erledigt, die Sau lag geköpft und zerlegt vor ihm. Metzger zu sein war ein Knochenjob.
Friedland schrieb am 14.07.2009 um 22:47
Mit seinen feuchten Fingern malte er ihr ein salziges Herz auf den Bauch. Dreimal in einer Nacht, dachte er noch stolz, bevor er einschlief.
Tessa schrieb am 17.07.2009 um 12:02
Ich wünsche mir Geburtstagsliterturtweets für Angela Merkel. Nach unserem Meeting trage ich auch selbst einen bei ;)
Michael Angele schrieb am 17.07.2009 um 16:14
Die in der Jungen Union sprachen von ihr nur als der „Angie". "Deren Humor möchte ich haben", dachte sie, sagte es aber nie.
Tessa schrieb am 17.07.2009 um 16:21
Udo strahlte. Endlich ein kleines bißchen mehr Mut zur Farbe. Sascha hielt fest ihre Hand, während er ein leuchtendes Aschblond anrührte.
Streifzug schrieb am 17.07.2009 um 16:30
iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh
Jan Jasper Kosok schrieb am 17.07.2009 um 16:49
Zum Geburtstag gab es 4 iPhones und eine Frisur. "Diese SPD", dachte die Kanzlerin. "Immer muss ich mich mit deren Altlasten plagen."
Anna Dorothea schrieb am 18.07.2009 um 00:51
Es war ein Geheimnis. "Angie" hatte Mick Jagger damals nur für sie geschrieben. Verträumt holte sie die Levi`s-501 aus dem Schrank.
Friedland schrieb am 19.07.2009 um 15:13
Sie merkte, wie ihr Hose, Partei und Land nicht mehr passten. Hatte man doch ihre Kabarettnummern bis heute nicht erkannt. Müde lachte sie.
Magda schrieb am 20.07.2009 um 10:46
„Wozu das alles“, ächzte sie, „Ich führe ihnen persönlich die Krise des Kapitals vor, aber sie sind nicht zu bekehren. Morgen FDJ-Sitzung.“
Tessa schrieb am 20.07.2009 um 10:52
Ich bin entzückt. Wir führen diesen Thread einfach bis nächstes Jahr weiter, und schenken ihr ausgedrucktes Internet zum Geburtstag. Wenn wir richtig fleissig sind, auch schon zum Wahltag.
rheinelbe schrieb am 20.07.2009 um 21:02
Wozu aufstehen, wenn man doch wieder einschlafen muss? dachte er, drehte sich noch einmal herum und fiel aus dem Wasserbett. Der Teppichboden schmeckte nach Staub.
taschentiger schrieb am 29.07.2009 um 15:27
Tief im Bau zitterte die Füchsin Anita und beäugte sich kritisch im Spiegel. Das weiße Schnurrhaar war zu viel für sie zu so früher Stunde.
Tessa schrieb am 31.07.2009 um 11:44
Als auch Hartmut in Leggins das Haus verließ, starb Hildas Traum von der Umstandsmodenboutique. Sie tauchte die Nase tief in den Eierlikör.
Anette Lack schrieb am 05.08.2009 um 09:16
SÜSS! (im wahrsten Sinne des Wortes!) Danke, Tessa!
Magda schrieb am 21.09.2009 um 13:57
Das Militär besaß in meinem Leben immer eine große Bedeutung. Andere Kinder haben Fontanellen am Kopf, ich bin mit Epauletten geboren.


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