Politik

Soffin | | Jens Berger

Die Krise des Krisenmanagers

Finanzstaatsekretär Asmussen, unser Bankenretter, hat mehr als eigenwillige Methoden. Er gab offenbar doppelt Geld für PR aus und holte sich einen Ex-HRE-Manager ins Haus

Hinter dem sperrigen Namen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) verbirgt sich ein schlankes Gremium, das - abseits jeglicher parlamentarischen Kontrolle - über die Vergabe von 480 Milliarden Euro an kriselnde Finanzinstitute entscheiden darf. Noch nie entschieden so wenige Männer über so hohe Summen. Der Lenkungsausschuss, der letztendlich über die Vergabe entscheidet, besteht aus drei Staatssekretären und einem Vertreter der Länder. Rechenschaft über die Milliardenhilfen für das Bankensystem muss das Gremium dem Steuerzahler nicht ablegen. Ein Kontrollgremium des Bundestags darf zwar in geheimer Sitzung Fragen stellen, die Antworten müssen aber geheim gehalten werden – bei Missachtung drohen den Parlamentariern sogar Haftstrafen.

Da ist es verständlich, dass die Aktionen des SoFFin von allen Seiten kritisch beäugt werden. Besonders für Jörg Asmussen, den Vertreter des Finanzministeriums, dürfte es langsam eng werden. Nachdem der Staatssekretär bereits im Untersuchungsausschuss über die Rettung der Hypo Real Estate (HRE) ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist, belegen nun brisante Unterlagen, die dem Stern vorliegen, zwei weitere erklärungsbedürftige Vorgänge rund um die HRE.

Der Vorgang Lüpke

Thomas von Lüpke ist in Sachen HRE kein Unbekannter. Als die Bankenaufsicht im Januar 2008 bei der HRE Risiken in einer „möglicherweise erschreckenden Größenordnung“ anmahnte, stellte von Lüpke, damals Analyst der Ratingagentur Fitch, der Münchner Bank noch ein gutes Zeugnis aus. Die Kapitaldecke sei adäquat, die Risiken dürften jetzt abgedeckt sein. Dass von Lüpke mit dieser Einschätzung meilenweit danebenlag, ist heute kein Geheimnis mehr – für die „Rettung“ der HRE wurden bereits 102 Milliarden Euro Steuergelder aufgebracht. Ratingagenturen wie Fitch stehen allerdings nicht nur wegen ihrer Fehleinschätzungen in der Kritik – sie gelten aufgrund ihrer intransparenten und mitunter falschen Risikoanalysen für komplexe Finanzprodukte als Mitschuldige an der aktuellen Finanzkrise.

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Mit Fehleinschätzungen über das Bankensystem ist der „Bankenexperte“ von Lüpke bereits früher aufgefallen. Im August 2007 bescheinigte er den deutschen Banken starke Risikopolster und wollte von einer Krise nichts wissen. Das Weltfinanzsystem sei durch eine breite Verteilung der Risiken in den vergangenen Jahren sogar noch sicherer geworden. Ein Jahr später meldete die Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an und das weltweite Finanzsystem drohte zu kollabieren.

Viele Analysten waren derart blind für systemimmanente Risiken – von Lüpke wurde aber trotz seiner Fehleinschätzungen im April vom SoFFin eingestellt. Dort ist er als Referatsleiter für die Rettung der Banken zuständig, die er im Vorfeld der Krise noch für gesund hielt. Schlimmer noch – von November 2008 bis Februar 2009 war von Lüpke laut stern.de als Managing Director bei der HRE angestellt, der Bank also, die nun vom SoFFin gerettet werden soll. Auch Staatssekretär Asmussen muss von diesem Interessenkonflikt Kenntnis gehabt haben.

Warum gegen den ausdrücklichen Willen des zuständigen Abteilungsleiters im Finanzministerium an dieser Personalie festgehalten wurde, wird Asmussen im August neben anderen Fragen dem Untersuchungsausschuss zur HRE beantworten müssen. Ob von Lüpke überhaupt die Befähigung mitbringt, ein öffentliches Amt zu bekleiden, bei dem er über die Verwendung von Steuergeldern mitentscheidet, darf bezweifelt werden. In einem Aufsatz über Bad-Bank-Modelle für die Zeit machte er sich beispielsweise noch im Februar dieses Jahres für die Übernahme der Kosten der Banken für „Unsicherheit und Illiquidität“ durch den Staat stark. Wer derart großzügig Steuergelder an die Banken verteilen will, hat keine Legitimation, im Namen des Volkes auf dem Feld der Bankenrettung tätig zu werden.

Der Vorgang Brunswick

Ähnlich hohe Brisanz hat die Beauftragung der PR-Agentur „Brunswick Group“, die anscheinend auch Staatssekretär Asmussen selbst beraten hat, durch den SoFFin. Brunswick wurde beauftragt, um den SoFFin bei der Medienarbeit rund um die Verstaatlichung der HRE zu beraten. Wie die internationale Presse über die Verstaatlichung der HRE berichtete, bei der auch die Risiken auf den Steuerzahler abgewälzt wurden, lag im Aufgabenbereich von Brunswick. Asmussen und Co. machten sich offensichtlich Sorgen, dass der Finanzplatz Deutschland aufgrund der Enteignung der Altaktionäre kritisiert wird.

Das Stimmungsbild der internationalen Medien war allerdings eindeutig – Kritik am SoFFin gab es unter diesem Gesichtspunkt nie. Warum schaltete man also eine Agentur ein, deren monatliches Basishonorar bei netto 50.000 bis 75.000 Euro liegt, obgleich der SoFFin über eine eigene Presseabteilung verfügt? Auch wer über hunderte Milliarden Euro zu entscheiden hat, darf nicht derart fahrlässig mit Steuergeldern umgehen. Der SoFFin ist aber niemandem rechenschaftspflichtig und derlei Verschwendungen von Steuergeldern bleiben meist im Dunkeln.

 
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Kommentare
M1xP1yne schrieb am 01.07.2009 um 20:02
Ok, wer möchte ne Wette abgeben, wie lange "Assi" sich noch halten kann?
Aber spätestens zur Bundestagswahl ist er raus, so auch die ganze SPD (Oder was davon übrigblieb).
Frage mich allerdings, ob der Untersuchungsausschuss dahingehend was zustandebringt, um den Kerl aus dem Amt zu werfen und zur Verantwortung zu ziehen. Wenn das so ausgeht wie die letzten Male, dann spaziert der Mann da einfach raus, während sich die BEteiligten Politiker für ihre investigative Art selbst vor jeder KAmera loben, und die NIchtwähler neue Rekorde verzeichnen.
M1xP1yne schrieb am 01.07.2009 um 20:02
Ach ja, das muss noch sein:

"Erster!!!" (Wurde auch mal Zeit ;- )
Spiegelfechter schrieb am 01.07.2009 um 20:17
Hallo M1xP1yne,

bei der Wette halte ich nicht dagegen - ich denke auch mal, dass seine Zeit im Herbst abgelaufen ist. Den Untersuchungsausschuß würde ich aber nicht unterschätzen. Vor allen FDP-Obmann ist mächtig "angefixt", Asmussen einen an den Karren zu fahren. Im August werde ich mich um das Thema aber noch ausführliche kümmern.
born2bmild schrieb am 01.07.2009 um 20:31
Wenn Ackermann ihn in der Position haben will, wird er auch einen Regierungswechsel überstehen.
Spiegelfechter schrieb am 01.07.2009 um 20:36
@born2bemild

Ackermann wird wohl eher einen gut dotierten Fallschirm für Asmussen haben, der bereits vor Jahren ankündigte, er könne sich auch einen Wechsel in die Finanzbranche vorstellen.

Asmussen ist austauschbar - in CDU und FDP gibt es zig Asmussens, die den Posten nahtlos übernehmen würden. Aber Asmussen ist kein Bauernopfer - er ist zweifelsohne einer der Hauptverantwortlichen.
mh schrieb am 01.07.2009 um 21:04
diese pr agenturen haben nen vollkommen anderen zugriff auf die medien als ne pressestelle. das kann ich sogar noch nachvollziehen ... wobei die eigentliche frage doch lauten müsste, ob es legitim ist, dass die politik die reaktionen der medien überhaupt versucht zu steuern. aber die frage taucht in dem artikel nicht auf .. statt dessen wird etwas verklausuliert vetternwirtschaft angedeutet.

ansonsten find ich den artikel auch nicht sonderlich stark. die kompetenz des herren wird anhand seiner analysen angezweifelt. kann sich denn absolut gar niemand mehr vorstellen, dass diese analysen auch immer politischer natur sind? es hat weder in der wirtschaft noch in der politik jemand ein interesse daran, dass die ratingagenturen in gut laufende märkte mit gewetzten messern reinanalysieren. einer der vielen gründe, warum sie regelmäßig schiefliegen und in eigentlich allen erfolgreichen anlagefirmen der welt als gegenpool betrachtet werden. sprich sind die positiv, ist das ein negatives zeichen.
die leute fliegen raus, wenn sie gegen den mainstream und unternehmenseigene interessen analysieren.

der skandal ist da vollkommen anders gelagert als hier abgezielt wird.

der artikel zu der bad bank war ansonsten gar nicht mal so schlecht. er hat nur ein entscheidende sache verschwiegen: bei einer bad bank hat niemand interesse daran, dass schrottpapiere den banken zu den niedrigen marktpreise abgekauft werden da diese sonst abwerten müssen. in den bilanzen sind die alle wesentlich höher drin. hier liegt das risiko, für die bad bank, beim hohen einkaufspreis. daran ändert auch das konstrukt nichts, welches hier angedacht wurde.

mfg
mh
Spiegelfechter schrieb am 01.07.2009 um 21:31
Lieber mh,

Sie schreiben: "... wobei die eigentliche frage doch lauten müsste, ob es legitim ist, dass die politik die reaktionen der medien überhaupt versucht zu steuern."

Es ist schon etwas naiv, das Gegenteil anzunehmen. Selbstverständlich betreibt die Politik nicht nur passive sondern auch aktive Medienarbeit. Die Frage, ob so etwas legitim ist, erinnert eher an eine Meta-Diskussion, die mit dem konkreten Thema nicht viel zu tun hat.

Weiterhin schreiben Sie: "die kompetenz des herren wird anhand seiner analysen angezweifelt. kann sich denn absolut gar niemand mehr vorstellen, dass diese analysen auch immer politischer natur sind?"

Wenn dem so wäre, säße er wahrscheinlich im Gefängnis. Ratingagenturen sind der Neutralität verpflichtet.

weiter: "es hat weder in der wirtschaft noch in der politik jemand ein interesse daran, dass die ratingagenturen in gut laufende märkte mit gewetzten messern reinanalysieren."

Das ist der Kern des Problems. Wenn die Politik einmal das Interesse des Volkes wahrnehmen würde, so müsste sie ein Interesse daran haben, dass Rating Agenturen vor Blasen warnen, bevor sie zerplatzen. In den ersten Phase einer Blase, sind diese immer "gut laufende Märkte".

weiter: "einer der vielen gründe, warum sie regelmäßig schiefliegen und in eigentlich allen erfolgreichen anlagefirmen der welt als gegenpool betrachtet werden. sprich sind die positiv, ist das ein negatives zeichen."

Quatsch mit Soße - die Kosten für Fremdkapital sind direkt mit dem Rating verbunden. Vor allem Banken haben durch Basel II ein großes Interesse daran, dass ihre Investments möglich hoch geratet werden, da sie dann weniger Eigenkapital vorhalten müssen. Ihre flappsige Interpreation von Ratings trifft den Kern nicht.

weiter: "der artikel zu der bad bank war ansonsten gar nicht mal so schlecht. er hat nur ein entscheidende sache verschwiegen: bei einer bad bank hat niemand interesse daran, dass schrottpapiere den banken zu den niedrigen marktpreise abgekauft werden da diese sonst abwerten müssen. in den bilanzen sind die alle wesentlich höher drin. hier liegt das risiko, für die bad bank, beim hohen einkaufspreis. daran ändert auch das konstrukt nichts, welches hier angedacht wurde."

Ein Bad Bank Modell übervorteilt per se denjenigen, der die "faulen" Papiere kauft - oder es funktioniert nicht. Wenn die Papiere zu einem "fairen" Preis für den Käufer erworben werden, bringt das der Bank nichts, da die Substitute nicht mehr wert sind, als die Fair-Value-Bilanzierung. Ist der Preis zu hoch, wird der Käufer das Risiko tragen müssen. Sichert er sich per Risikoklauseln mit dem Verkäufer ab, hat der Verkäufer anstatt der "faulen" Papiere die Risikorückstellungen in der Bilanz, was ihm gar nichts bringt, da könnte er die Papiere auch selbst halten. All dies verschweigt von Lüpke.
mh schrieb am 01.07.2009 um 21:49
"Es ist schon etwas naiv, das Gegenteil anzunehmen. Selbstverständlich betreibt die Politik nicht nur passive sondern auch aktive Medienarbeit. Die Frage, ob so etwas legitim ist, erinnert eher an eine Meta-Diskussion, die mit dem konkreten Thema nicht viel zu tun hat."

ich nehme es nicht an, ich sehe nur die frage als eigentliche an. und sie stellt sich tatsächlich, wenn wahrheiten unterdrückt werden .. und in dem bereich weiß ich von aktiven unterdrückung.

"Wenn dem so wäre, säße er wahrscheinlich im Gefängnis. Ratingagenturen sind der Neutralität verpflichtet."

na das nenn ich nun aber mal naiv. :)

"Das ist der Kern des Problems. Wenn die Politik einmal das Interesse des Volkes wahrnehmen würde, so müsste sie ein Interesse daran haben, dass Rating Agenturen vor Blasen warnen, bevor sie zerplatzen. In den ersten Phase einer Blase, sind diese immer "gut laufende Märkte"."

tut mir ja leid das festhalten zu müssen, aber es gab genug warnungen vor dieser krise. es wollte nur keiner hören.

"Quatsch mit Soße - die Kosten für Fremdkapital sind direkt mit dem Rating verbunden. Vor allem Banken haben durch Basel II ein großes Interesse daran, dass ihre Investments möglich hoch geratet werden, da sie dann weniger Eigenkapital vorhalten müssen. Ihre flappsige Interpreation von Ratings trifft den Kern nicht."

da ging es mir um analysten, siehe chefstrate der west lb, nicht um die ratingagenturen. war meinerseits nicht sauber formuliert.

"Ein Bad Bank Modell übervorteilt per se denjenigen, der die "faulen" Papiere kauft - oder es funktioniert nicht. Wenn die Papiere zu einem "fairen" Preis für den Käufer erworben werden, bringt das der Bank nichts, da die Substitute nicht mehr wert sind, als die Fair-Value-Bilanzierung. Ist der Preis zu hoch, wird der Käufer das Risiko tragen müssen. Sichert er sich per Risikoklauseln mit dem Verkäufer ab, hat der Verkäufer anstatt der "faulen" Papiere die Risikorückstellungen in der Bilanz, was ihm gar nichts bringt, da könnte er die Papiere auch selbst halten. All dies verschweigt von Lüpke."

dachte ich gesagt zu haben.


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