Wochenthema

Eine Frage der Freiheit. Blogger und Verlage müssen gemeinsame Sache machen

Medien | 19.11.2009 07:00 | Jakob Augstein

Öffentlichkeit 2.0

Eine Frage der Freiheit. Blogger und Verlage streiten um die Zukunft der Meinungsfreiheit und der Medien. Aber sie können sie nur gemeinsam gestalten

In der vergangenen Woche trafen Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, und Arianna Huffington, Gründerin und Chefredakteurin der Huffington Post, auf einem Podium aufeinander und stritten über das Netz, die Nachrichten und die Frage, wo künftig das Geld herkommen soll. Also über alles. Es ist inzwischen üblich, wenn über die Medien geredet wird, über das Netz und die Zeitungen, dass es dann immer gleich um alles geht. In kleinerer Münze wird da kaum noch gehandelt. Schon gar nicht in Monaco, wo das Gespräch stattfand, im Rahmen des Monaco Media Forums, einer Konferenz, die man wohl hochrangig nennen sollte, weil da Leute wie der Medien-Tycoon Rupert Murdoch eingeladen werden oder der russische Milliardär Alexander Lebedev und natürlich die mächtigen Abgesandten des alles überragenden Google-Imperiums. In Monaco nimmt man automatisch die planetare Perspektive ein. Dieses Gespräch war also geradezu archetypisch für die zeitgenössische Diskussion über Wesen und Zukunft der Medien, ein hübsches Kaleidoskop aller denkbaren Urbilder, die derzeit unsere mediale Vorstellungswelten bevölkern. Wer macht Nachrichten? Wer konsumiert sie? Und wer zahlt dafür? Man kann aus den Antworten, die in Monaco auf diese Fragen gegeben wurden, und auch aus denen, die nicht gegeben wurden, alles über die Zukunft der Medien ablesen.

Auf der einen Seite der sanftgesichtige Schöngeist Döpfner, der Machtmann der alten Medienindustrie, hinter sich ein Konzern, der 10.000 Mitarbeiter beschäftigt, jährlich über 2,7 Milliarden Euro umsetzt und dabei einen Gewinn von annähernd 500 Millionen erzielt. Man muss diese Zahlen vor Augen haben, um zu verstehen, worum es hier geht: Die Medien als Maschine für Geld und Macht. Und ihm gegenüber die kühl-ironische, vor Selbstbewusstsein strotzende Frontfrau einer neuen Zeit, hart an der Grenze zur Arroganz, manchmal auch jenseits davon, die ihren Polit-Blog im Jahr 2005 gegründet hat und vom Time Magazine schon zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt gezählt wird. Fröhlich sagt Huffington, dass sie jetzt 80 Leute beschäftigt, über ihre Geld-Zahlen will sie aber lieber nicht reden. Auch das sollte man vor Augen haben: Die neuen Medien sind vor allem eine Bedeutungsindustrie, und Geld und Größe sind da nicht entscheidend.

Web-Kommunisten

Döpfner gab ein schönes Beispiel dafür ab, wie fassungslos das die Verleger immer noch macht: „Als Sie im Jahr 2005 gestartet sind, haben wir in Polen eine Zeitung gegründet, die hatte nach zwei Jahren break even erreicht und erzielt heute mehr Gewinn, als Sie Umsatz haben.“ Es ist, als habe er sich in diesem Moment gefragt: Was mache ich hier eigentlich? Eine einzige Springer-Zeitung im abgelegenen Polen lässt die vielgerühmte Huffington-Post locker links liegen – wenn es ums Geldverdienen geht. Und den Verlegern der alten Welt ging es immer auch ums Geldverdienen. Sie fühlen sich vom Netz geradezu enteignet: „Web-Kommunismus“ schimpfte Döpfner in der Hochburg der Reichen.

Aber das ist ja das Problem mit diesem Strukturwandel, den die Medien durchmachen: „Aus analogen Dollars werden digitale Pennies“, hat Chris Anderson geschrieben, Chefredakteur des US-Magazins ­Wired. Er ist der Prediger der „Freeconomics“, einer Wirtschaftstheorie, die besagt, dass man Geld mit Geschenken verdienen kann. Es gibt dafür auch Beispiele aus der Welt der anfassbaren Waren: Funktelefone gibt es für einen Euro. Und bezahlen muss man dann fürs Telefonieren. So richtig zur Geltung kommt das Prinzip aber im Digitalen, wo – wie Ökonomen es formulieren – der Grenzkosten für jede zusätzlich produzierte Einheit gegen Null geht. Es kostet fast nichts, ein Musikstück zu kopieren und übers Netz zu versenden. Aber, siehe da, man kann damit verdienen: Der US-Musiker Moby erlebte im Sommer, wie sich von seiner neuen Platte ausgerechnet das Stück beim Apple-Ladedienst iTunes am besten verkaufte, das auf seiner eigenen Netzseite seit Monaten kostenlos zu haben war. Es hatte sich im Netz so weit verbreitet, dass eine immer größere Nachfrage entstand, die auch zu höheren Verkäufen führte. Arianna Huffington hat den Mechanismus in Monaco so beschrieben: „Die neue Exklusivität liegt in der allgemeinen Verfügbarkeit. Wenn Sie Geld für Ihren Inhalt haben wollen, machen Sie ihn im Netz so weit verfügbar, wie es überhaupt nur geht. Dann werden Sie auch daran verdienen.“

Daran haben die großen Verlage schwer zu kauen. Zumal nicht alle von ihnen den Weg in die neue Zeit überleben können. Denn – und das ist die Kehrseite des hübschen Netzparadoxons von Erlösen und Gratiskultur – das Spiel funktioniert nur für die wenigen Großen und für die, die zuerst gekommen und bekannt geworden sind. Für den Rest ist es tödlich.

Die Säulen sind ins Wanken geraten, auf denen die Medien, der Journalismus, die Verlage für Bücher und Magazine und Zeitungen, auf denen all das ruhte, was man früher unter Öffentlichkeit verstand. Überall Versuche der Ortsbestimmung, der Abgrenzung, der Selbstfindung: Allein dieses Jahr hat es die Münchner Erklärung gegeben, (Verlage gegen Netzaktivitäten von ARD und ZDF), die Hamburger Erklärung (Verlage gegen Google), den Heidelberger Appell (Autoren gegen Google) und das Internet-Manifest (Blogger gegen alle).

Dabei ist natürlich der Vorwurf, den auch Döpfner in Monaco wiederholte, das Netz bediene sich kostenlos und gegen den Willen der Verleger, unsinnig. Von den Unterzeichnern der Hamburger Erklärung liefert niemand so viel Nachrichtenmaterial an den News-Dienst von Google wie Burda und Springer – und zwar vollkommen freiwillig. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hat sich einmal den Spaß gemacht, von den Verlagen einen Beleg für ihre Behauptung zu erlangen, dass im Netz massenhaft teuer produzierte journalistische Inhalte geklaut werden. Es geht nicht. Es gibt keinen Beleg. Der Vorwurf ist ausgedacht. Die Verlage stören sich schon daran, wenn der Kulturdienst Perlentaucher ihre Feuilletons fleddert. Dem soll ein neues Leistungsschutzrecht vorbeugen, wie es bei Musik und Filmen lange üblich ist: Schon das Zitieren ist dort verboten. Wenn das auf Texte übertragen wird, könnte Alltag werden, was bislang peinliche Ausnahme ist: Dass einem Blogger ein Anwalt auf den Hals gehetzt wird nur weil er aus einem journalistischen Text zitiert hat. Ausgerechnet eine Autorin der taz, Eva Schweitzer, hat das neulich mal vorgemacht. Ihr Name wird dafür, das ist die Strafe des Netzes, noch lange Zeit in Googles Gedächtnis mit diesem Fauxpas assoziiert bleiben.

Welle von Prozessen

So wie die Verlage um ihre Einnahmen fürchten, fürchten die Blogger um ihre Freiheit. Auf freitag.de gab es zu diesem Thema eine breite Diskussion. Der Blogger Streifzug schrieb da: „Eine Welle von Prozessen wird durch die Bloggerszene schwappen. Blogger werden Gesetzen unterworfen, die es ihnen verbieten, so weiterzumachen wie bisher. Ihr Status wird massiv geändert, die Kosten drastisch erhöht. Gesetze, beschlossen hinter verschlossenen Türen, wie gehabt. Das öffentliche Feld wird sich lichten. Ziel ist es, Bloggerwildwuchs auszureißen, damit Zeitungspflanzen wieder in altbekannter Pracht erblühen.“

Es sind nicht wenige Blogger, die meinen, es gehe um mehr als den Streit um Erlöse. Blogger Streifzug fällt gar die Parallele zur neuen Öffentlichkeit der französischen Revolution ein: „Nach Schätzungen sind in der Zeit von 1789 bis 1800 mehr als 1350 Zeitungen erschienen. Alleine in Paris entstanden zwischen Februar und Mai 1848 rund 200 Journale und 450 Klubs.“ Ein breiter Debattenstrom, der aber bald zum Versiegen gebracht worden sei. Ab 1819 musste bei Eröffnung einer Zeitung eine Kaution hinterlegt werden, um den Wildwuchs der Meinungsfreiheit wieder zu beschneiden.

Ob man die Verlage heute eher als Handlager des herrschenden Meinungsmonopols auftreten sieht oder doch nur als Wahrer ihrer wirtschaftlichen Interessen, ist vermutlich eine Frage der persönlichen Prädisposition. Döpfner und Huffington waren sich jedenfalls einig, dass in Zukunft Blogger und Journalisten zusammenarbeiten werden. Nach selbstgewählten Spielregeln. Auch dieses Szenario mag nicht jedem behagen. Blogger Streifzugs bittere Befürchtung: „Verlage bieten Bloggern Unterschlupf, rechtliche Sicherheit. Kleine Bloggerküken finden Unterschluft bei Henne Zeitung. Sie dürfen von diesem flauschigen Plätzchen aus zwar nicht mehr nach Herzenslust schreiben, aber nette kleine Wunschlisten der Redaktion abarbeiten kann auch Freude bereiten.“ Was dagegen hilft? Glaubwürdige und transparente Medien in Netz und Print, die den Bloggern auf Augenhöhe begegnen.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
SexPower schrieb am 19.11.2009 um 11:12
Lieber JA,

Ihr Artikel hat mich sehr interessiert.

"(...) Arianna Huffington hat den Mechanismus in Monaco so beschrieben: „Die neue Exklusivität liegt in der allgemeinen Verfügbarkeit. Wenn Sie Geld für Ihren Inhalt haben wollen, machen Sie ihn im Netz so weit verfügbar, wie es überhaupt nur geht. Dann werden Sie auch daran verdienen...“

Ist das wirklich "die Lösung"?
Einen Inhalt "so weit verfügbar machen, wie es überhaupt nur geht?" Hieße das nicht (in letzter Konsequenz) u.a. Texte, die in deutscher Sprache verfasst wurden, auch auf englisch zu posten (wg. der "möglichst weiten Verbreitung")? :-)

Und andererseits, bezogen auf den "Freitag"
Wie können Texte dieser deutschen Wochenzeitung ihre "Berliner Nische":-) verlassen und auch nur deutschlandweite Relevanz erlangen? Vielleicht durch eine überragende Qualität, in Sachen Recherche und Aussage? Also, sich abheben durch bestechende Qualität.

Ich bin absoluter Laie im Medienbereich (aber interessiert) und vermute, dass ich noch längere Zeit elektronische und Print-Medien, als sich ergänzende und weniger als konkurrierende Akteure erleben werde. Was mir übrigens sehr angenehm wäre, nicht nur aus Gründen der "Gewöhnung."

Gruß
SP

P.S. Das Nebeneinander von Profis (Publizisten, Autoren, Journalisten) und Laien-Bloggern sehe ich weiterhin als "Problem" an, besonders wenn die einen damit auch berufliche Ziele verfolgen und evtl. sogar Honorare kassieren (wie Magda jüngst andeutete), während die anderen "just for fun" drauflos schreiben. Im Vergleich der Beiträge zeigt sich dann sehr schnell, wer sein Handwerk gelernt hat und Erfahrungen einbringen kann und wer nicht ... Ich sage voraus:
Die Laien-Blogger werden sich auf Dauer zurückziehen, weil sie einem derart "unfairen" Wettbewerb nicht standhalten können.
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 11:41
@ SP ...deutscher Sprache verfasst wurden, auch auf englisch zu posten...
Zumindest ohne englische "keywords" geht nix. Wer dann den Text lesen will kann ihn ja selbst übersetzen, - und da trennt sich dann die "Spreu vom Weizen", da wird es erst interessant, eben und vor allem für Journalisten, da bilden sich erst die Netzwerke die nötig sind Google & Co effektiv zu nutzen.
jfricke schrieb am 19.11.2009 um 11:27
Liebe JA, muss es nicht Grenzkosten anstatt Grenznutzen heißen? (Für irgendetwas muss mein angebrochenes VWL-Studium doch einmal gut sein)
Jakob Augstein schrieb am 20.11.2009 um 09:00
Lieber JF,
Sie haben vollkommen Recht.
Danke für den Hinweis.
Daran sieht man wieder mal, dass ich VWL eben nur als Zweitfach bei meinem Politikstudium hatte.
Sacklzement!
Ich hab's korrigiert.

JA
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 11:28
Während man in Monaco die "planetare Perspektive" sucht, denken in Deutschland Heidelberger Appelle laut über die Nachteile von Google. Noch kurzsichtiger ist die Hamburger Erklärung, denn nach jahrelangem Preiskampf gegenüber freien, unabhängigen Journalisten sind die Realitäten nun bei den Verlagen selbst angekommen. Für viele freie Journalisten hat sich die Situation, eben dank Google, gebessert und hat zu grösserer Unabhängigkeit geführt, weil sie der Sklerose des Urheberrechts und Taschenspielertricks, von z.B; Ganser, Jahreszeitenverlag, oder DPA, nicht mehr mittragen konnten. Ausserdem ist es langfristig wirtschaftlich nachhaltiger etwas umsonst ins Internet zu stellen, als alles einem einzigen Verleger/Herausgeber zu überlassen. Es ist schliesslich nur sein Geschäft Deinen Content zu vermarkten.

Im Interview mit Jörn Kabisch hier im Freitag sagt Jeff Jarvis es sei selbstmörderischer Wahnsinn Google zu blockieren. Aber bis die Verleger in Deutschland sich zu dieser Erkenntnis durchleben, werden viele ihrer Produkte einfach eingestellt, während andere, kleinere Verlage wie z.B. "Mare" mit sehr hoher Qualität und nicht mit Gossip Geschichten a la Spiegel überzeugen.

In vielen Blog-Beiträgen hier beim Freitag ist bereits ein Niveau erreicht das für "glaubwürdige und transparente Medien in Netz und Print (steht und), die den Bloggern auf Augenhöhe begegnen", auch wenn JA offen zu gibt das es ihm Spass bringt Blogger zu ärgern :-)). Die Vorleistungen sind beachtlich, auch finanziell. Aber ich kann mir vorstellen das Autoren zu Kompromissen bereit sind. Nur, um das Informations-Chaos, die Info-Favelas, zu überleben muss Bereitschaft auf beiden Seiten bestehen. Nur aus Diskurs entsteht nun mal Vertrauen. Auf Dauer zahlt sich das aus.
data-meining schrieb am 19.11.2009 um 13:18
"die Strafe des Netzes" ist eine schöne Formulierung, die behalte ich im Hinterkopf.
mh schrieb am 19.11.2009 um 14:40
wer hat denn die illustration gemacht?

ich find, die info sollte man immer dazu stellen.

mfg
mh
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 14:59
MH: GLÜCKWUNSCH!!!
heute hast Du wieder ein scharfes Auge...
Nouveau Cologne schrieb am 19.11.2009 um 16:28
schöne illu!
Streifzug schrieb am 19.11.2009 um 14:55
Hallo JA,

ein spannender Artikel.

Als Bloggerküken muss ich noch etwas nachdenken, dann kommt mehr.
Streifzug schrieb am 19.11.2009 um 15:41
Eine Frage der Freiheit finde ich sehr treffend.

(Freiheit - nicht im FDP-Sinn)
Christiane Schulzki-Haddouti schrieb am 19.11.2009 um 15:02
"Blogger auf Augenhöhe" - das hat mich gleich an meinen gleichlautenden Beitrag in der M erinnert, der ein paar mögliche weitere Ansätze vorschlägt: schulzki-haddouti.de/index.php?option=com_content&task=view&id=76&Itemid=53
Adam Ant schrieb am 20.11.2009 um 00:39
"'Blogger auf Augenhöhe' - das hat mich gleich an meinen gleichlautenden Beitrag in der M erinnert ..."

Die Sache mit der "Augenhöhe" im letzten Satz erinnerte mich zuallererst an die Karriere einer Floskel.
Magda schrieb am 20.11.2009 um 09:21
Ja, klingt ähnlich, wie "Auf Sicht fahren".
ed2murrow schrieb am 19.11.2009 um 16:07
Sehr geehrter Herr Augstein,
nach der Ankündigung hatte ich Ihren Aufmacher, wie Sie ihn in einem Kommentar bezeichneten, mit Spannung erwartet. Und, fast prophylaktisch, zwei Tage vorher meine eigenen Gedanken zur Thematik zu „Papier“ gebracht, zur Vermeidung von Wiederholungen verweise ich dort hin www.freitag.de/community/blogs/ed2murrow/out-of-journalism.

Es ist so gekommen, wie ich befürchtet habe: „Öffentlichkeit 2.0“ befasst sich ausschließlich mit der Autorenschaft, zu der Sie naturgemäß auch Blog(g)er, mE. insoweit völlig zu Recht, hinzu zählen. Sie stellen dabei den Krieg „Jeder gegen Jeden“ mit den diversen Deklarationen samt Fundstellen treffend ins Licht. Aber was ist mit der Leserschaft, ist sie nicht auch oder gerade DIE Öffentlichkeit? Geht man davon aus, dass in Deutschland nicht einmal eine Million Menschen regelmäßig in einem Blog schreiben und vergleicht man diese Zahl mit denen der IVW, wonach Tageszeitungen in Deutschland gesamt eine Auflage von 23,25 Mio und Wochenzeitungen eine von 1,91 Mio für das dritte Quartal 2009, Online-Medien hingegen eine Nutzung, gemessen in PageImpressions, von 55 Milliarden (!) für Oktober 2009 ausweisen (die Analyse lässt sich im übrigen auch auf den user-generierten Content verfeinern, Freitag inkl.), wird zahlenmäßig belegt, was ohnehin eine Selbstverständlichkeit ist: Man, wer auch immer, womit auch immer, schreibt nicht in den leeren Raum, sondern um gelesen zu werden. Was darf sich also der Leser erwarten und womit muss er rechnen?

An einiges hat er sich bereits gewöhnen dürfen. Vor etlichen Jahren wurde dem Leser versprochen, er würde näher an die Quelle der Nachrichten (Fakten, Fakten, Fakten) herangeführt werden, er könne aktiv partizipieren, die „größte Community im deutschsprachigen Raum“ war die Folge. Als das alles zu teuer wurde, nicht nur wegen der Gestehungs- sondern vor allem wegen der laufenden Kosten und der nicht realisierten Werbeeinnahmen, wurde alles still und heimlich eingedampft. Die „Rest“-Community von heute wird von Usern verwaltet, die seitens der Redaktion mit „besonderen Rechten“ ausgestattet sind, vor allem dem des redaktionellen Eingriffs in Beiträge. Vorkenntnisse irgendwelcher Art oder gar deontologischer Natur sind dafür nicht erforderlich. Gipfel der Regression ist die mittlerweile schon berüchtigte „Blauverschiebung“ © by User Tycho de Brahe, ebenda, bei ZEIT-online, wo der Community-Ansatz seine höchste Vollendung in einer schwer aufzufindenden Leserbrief-Ecke gefunden hat. Diese Entwicklung im online-Bereich, für die die obigen nur als Beispiele unter vielen stehen, hat durchaus ihr Pendant zum Kiosk um die Ecke. Schon vor einigen Jahren, also weit vor der sog. Wirtschaftskrise, begannen in Spezialmagazinen, von Technik bis hin zur Lebensart, die Qualitätsmaßstäbe zu sinken. Der Spartenjournalismus war der erste, der lernen musste, dass Wachstum endlich ist. Schlechteres Papier, miesere Fotos, von der Qualität von Artikeln ganz zu schweigen gaben bereits da dem Leser beredetes Zeugnis davon, dass irgendwas nicht stimmt. Heute liest man in den üblichen Tagespublikationen (gleich ob paper oder online) die Artikel, die früher eine ganze Sparte füllten. Nur sind in vielen Fällen, die dokumentiert sind, die Mitteilungen entweder guten Autoren abgetrotzt, denen man, nachdem sie in die Scheinselbständigkeit geschickt worden waren, auch noch die Zweitverwertung außerhalb der Sparte vorenthalten hat. Oder sie sind gleich solchen überlassen, die ihr Wissen aus „Copy & Paste“ beziehen. Und das sind keine Blog(g)er, sondern schlichte Gemüter mit journalistischer Grundausbildung und einem befristeten Vertrag, bereits jetzt der Idealtypus des Online-Journalisten. Mag es den Leser etwa einer SZ oder ZEIT verwundern, dass ihm dort mittlerweile die Vorzüge von „Mercedes S vs. BMW 7 vs. Porsche Panamera 4S“ um die Ohren gewedelt werden, die sich als schlecht kaschierte Werbeinfos präsentieren? Oder gar, dass er wohl als Zielgruppe der Publikation empfunden wird, obwohl das spezifische Publikum eher selten die Auswahl zwischen diesen Produkten haben wird?

Die Vermittelmäßigung droht im Lichte dieser sehr wohl von der Leserschaft wahrgenommenen Befindlichkeiten nun auch das Kerngeschäft zu erfassen, das der Nachrichten und der Meinungen. Die im Artikel zitierte Bilanz des Springerverlags ist die von 2008. Weltweit rechnet man für 2009 mit einem Einbruch bei den Werbeeinnahmen von bis zu 35%. Ob sie sich je erholen werden, steht in den Sternen. Nicht umsonst sind einige der verlagsbasierten Diskussionen just zu der Zeit begonnen worden, als die Halbjahreszahlen auf den Tischen der Vorstände ankamen. Schlecht geht es derzeit allen, nicht nur dem Papier. Zoomer und netzeitung haben bereits dicht gemacht, andere werden folgen. Wie schlecht muss es dann erst denen gehen, die auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen, für die gleiche Nachricht also gleich zwei Strukturen und evtl. sogar gesonderte Aufbereitungen bereit halten? Wie schlecht wird es dann erst für den Leser werden?

Wir sind allerdings auch schon da angekommen, was ich als „selbstgestellte Falle des Verdrängungswettbewerbs“ bezeichne: Bei der Systemfrage. Der Journalismus insgesamt, also vom Verlag bis hin zum HiWi, suchte in den 90er Jahren händeringend nach einem Ausweg für das Problem des Überangebotes an medialer Information. Das Netz schien da genau richtig zu sein, etwas Neues, faszinierendes, das man gleich mit einer neuen Berufsgruppe besetzen konnte, dem sog. „Online-Journalisten“. In der Tat absorbierte dieser „neue Markt“ ganz schnell anderweitig überflüssig gewordene Ressourcen, baute aber fatalerweise gleichzeitig eine nun als Konkurrenz empfundene Intelligenz im Netz auf: Die des Lesers, der sich hierdurch nicht nur eine Meinung bildete, sondern auch anfing, sie teilweise sehr schlau und auf seine Weise professionell kund zu tun. Nun sitzt der Journalismus zwischen allen Stühlen: Journalisten selbst, weil sie sich in angeblich heterogene künstliche Berufsgruppen haben aufteilen lassen; Verlage, weil einerseits alle Journalisten zusammen anfangen, aufmüpfig zu werden und andererseits weil die Konkurrenz nicht schläft; Alle zusammen gegen den Leser-Autor und dieser gegen sich selbst und die Zeit, die er aufwenden muss, um sich Zugriffe zu sichern. Da erscheint der Krake Google als Feindbild gerade recht, um trefflich von den selbst eingebrockten Problemen abzulenken: Der hat Geld wie Heu, scheint irgendwie illegal zu handeln und ist überhaupt ganz ganz böse, weil er Gesetze schlau nutzt. Wo aber wirklich ansetzen, wo diesen Teufelskreis nun durchbrechen?

Nicht ganz von ungefähr habe ich, in meinem oben angedeuteten Beitrag, auf „L’Espresso“ in Italien verwiesen. Und auf das Mäzenatentum. Beides ist miteinander durch die Figur von Adriano Olivetti verbunden. Er hatte eine Vision: Ein Unternehmen sei nicht nur eine Produktionsstätte, „sondern auch der Hauptmotor für die ökonomische und soziale Entwicklung und trage somit eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der eigenen Umgebung“. „Corporate Design“, bevor der Begriff überhaupt entstanden war, Urbanistik als Verzahnung von Industrie und Lebensraum, damit einhergehend Architektur und natürlich die geistige Nahrung des Journalismus waren Gebiete, die von ihm nachhaltig geprägt wurden. Tiziano Terzani, der auf der legendären „Lettera 22“ sogar seine Doktorarbeit in Jurisprudenz (!) schrieb, und hierzulande als einer der großen Auslandskorrespondenten des „Spiegel“ bekannt wurde, meinte dazu rückblickend: „Die größten italienischen Intellektuellen kamen dorthin, nicht etwa von einem kleinen Gehalt angezogen, sondern wegen der Überzeugung zu einem großen Entwurf beizutragen.“ Auch wenn die Marke „Olivetti“ mittlerweile zersplittert, eingedampft und überwiegend abgewickelt ist, das vom Gründervater ins Leben gerufene Magazin „L’Espresso“ gibt es heute noch. Es war die publizistische Wiege von Eugenio Scalfari, dem Doyen des italienischen Journalismus, der seinerseits die Tageszeitung „La Repubblica“ gründete. Beide zusammen sind heute die einzigen veritablen öffentlichen Stimmen wider die geballte Medienmacht des Tycoons Berlusconi. Als täglicher Leser bieten nur sie mir wirklich fundierte Nachrichten über das, was jenseits des Berlusconismo liegt.

Als Olivetti sich von „L’Espresso“ zurückzog, verkaufte er seine Anteile nicht etwa, sondern schenkte sie Scalfari und dem Mitherausgeber Caracciolo. Man wird einwenden können, in der Zeit war das einfacher, nach dem Krieg gab es kaum Konkurrenz. Ich sage: Im Gegenteil, an allen Ecken und Enden sprossen Zeitungen und Magazine, ähnlich wie in der von User Streifzug beschriebenen Zeit der franz. Revolution und das mit einem europäischen Intellekt, der zu mehr als nur zur Hälfte auf den Feldern, in den Lagern und in Umerziehungsanstalten geblieben war. Die Fernwirkung dieses Mannes sollte zu denken geben und gleichzeitig die Provokation erlauben: Muss ein Dietmar Hopp immer nur in einen Fußballclub investieren oder solche wie die Guggenheims nur in Museen?

Vielleicht bin ich nur zu verwöhnt und zu privilegiert, mich in mehreren Sprachen informieren zu können, nicht sklavisch und gezwungenermaßen am Tellerrand einer nationalen (so leid es mir tut, das offenbart sich mir immer wieder, auch hier) Optik festkleben zu müssen. Aber ich erlaube mir den Gedanken, dass „Globalisierung“ nicht nur etwas bedrohliches hat, sondern die Chance birgt, eine neue Stufe auch im Journalismus zu betreten. Das würde ich gerne miterleben dürfen: Dass mir aus Indien nicht nur der umgekippte Bus oder der Zugunfall gezeigt wird, sondern die Unternehmensgründungen wie auch die Philosophie, die dazu geführt hat; Dass Australien nicht nur abseits jeden Verkehrs liegt, sondern dank (trotz?) seiner gnadenlos kosmopolitischen Urbanität einem Murdoch den Aufstieg erst ermöglichte; Warum die immer wieder scheel angeschauten USA die Stellung haben, die sie haben, und ob das auch damit zu tun haben könnte, dass dort „Think Big“ nicht nur für Werbebranchen gilt, sondern, trotz Bible Belt, ein tief verwurzelter Konsens ist?

In Zeiten der Krise, sagen echte Haie, muss man antizyklisch denken und handeln. Einen entfernten Verwandten solcher Knorpelfische haben Sie, geehrter Herr Augstein, bereits im Bassin. In diesen Zeiten der Selbstkastration sollten Sie ihn um des lieben Symbols willen Kane nennen. Und selbst ein bißchen mehr Citizen sein, das schulden Sie Ihrer Leserschaft.

Mit freundlichen und reichlich erschöpften Grüssen, e2m
Friedland schrieb am 19.11.2009 um 16:38
@ e2m: Der angegebene Link funkioniert nicht, dieser hier sollte es tun:
www.freitag.de/community/blogs/ed2murrow/out-of-journalism
ed2murrow schrieb am 19.11.2009 um 17:00
@ Friedland: Vielen herzlichen Dank, ich hatte es nicht bemerkt.
Jakob Augstein schrieb am 19.11.2009 um 21:27
Lieber e2m,

das ist ein so interessanter, vielseitiger Text, dass ich mir erlaubt habe, ihn als Artikel zu produzieren.
Wenn Sie mit der Fassung nicht einverstanden sind, legen Sie bitte Protest ein.

Danke für diesen Debattenbeitrag!

Ihr JA
ed2murrow schrieb am 19.11.2009 um 22:16
Sehr geehrter Herr Augstein,
"Man ... schreibt nicht in den leeren Raum, sondern um gelesen zu werden." Ich werde mir nicht gleich selbst widersprechen, und Ihre Fassung akzeptiere ich.
Mit freundlichen Grüssen, e2m
Streifzug schrieb am 19.11.2009 um 22:30
Es ergibt sich ein interessants Muster.
mh schrieb am 19.11.2009 um 22:38
was meinst du damit, streifzug?

mfg
mh
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 22:38
„Lettera 22“, meine beste Freundin 1983 in Mogadischu, was war das für eine Zeit! Von Entwürfen und Papiermangel will ich nix schreiben, aber es war eine haltungs-prägende Zeit. Ohne Frage und ohne den Kraken Google, der wegen seiner Verträge mit ... & web3 ohnehin so einfach nicht zu stoppen ist. Es ist offensichtlich, der "citizan-journalism" ist eine treibende Kraft die nicht mehr mehr mit autoritärem Gerede weggeredet werden kann. Ich finde das richtig weil ich spezialisiere und nicht alles wissen kann.
ed2murrow schrieb am 19.11.2009 um 23:42
Sehr geehrter Streifzug,
würden Sie das ggfs. präzisieren und dann bitte die Gummiente aus der Wanne nehmen?
Herzlichen Dank, e2m
ed2murrow schrieb am 19.11.2009 um 23:51
@ sachichma: C’était l’enfer, mais c’a valu la peine, n’est-ce pas?
Streifzug schrieb am 20.11.2009 um 00:12
Zuerst: Es ist positiv gemeint.

Das Muster nimmt in Gedanken interessante Formen an. Hinschreiben ist recht schwer ohne es zu verfremden. Ich bastel dran.

Wer, welche Kreise, wann was wie aufgebaut haben, die Vernetzung, historischen Linien, ...

Kleine Anregung ;)

Mark Lombardi

ed2murrow schrieb am 20.11.2009 um 00:38
Das wird interessant. Darf ich anregen?
Hans Bellmer, und da ich nicht weiß, wie man Bilder im Kommentar einfügt, nur der Link:
www.famsf.org/imagebase_zoom.asp?rec=3329201308550026
Streifzug schrieb am 20.11.2009 um 08:09
Ach so, einfach nur auf das Bild klicken, dann sieht man es größer.

Warum Bellmer?

Zu Lombardi:
Dass der Mann kein Verschwörungstheoretiker war, sondern im Gegenteil detektivisch genau recherchierte, beweist die Wirkung seiner Bilder. Ein Journalist des Wall Street Journal, der über die Bush-bin-Laden-Connection recherchierte, soll geschlagene vierzig Minuten vor einer Grafik Lombardis verbracht haben und immer wieder »Oh, mein Gott« gemurmelt haben.
sachichma schrieb am 20.11.2009 um 08:53
@ ed2murrow
Oui 1983 a été plus facile de comprendre les relations. ? "Lohnen", la compréhension, oui.
Heute sind die Mainstream-Medien noch mehr abhängig, das macht vieles komplexer.
Jakob Augstein schrieb am 20.11.2009 um 09:16
Lieber Streifzug,
diese Soziogramme finde ich sehr spannend. Ich kannte den Mann bislang nicht.
Ich stelle mir vor, dass es schwierig ist, die äußere Grenze zu bestimmen.

Ich glaube übrigens nicht, dass sich irgendwo Leute zusammensetzen und sagen, wir hebeln jetzt die Blogger aus, weil sie zu viel Meinungs- und Öffentlichkeitsfreiheit haben und darum eine Gefährdung für die Stabilität des Herrschaftssystems sind.

Es wird nicht so sein, dass Zensursula sich mit Döpfner hinsetzt und die überlegen gemeinsam, wie man das Netz stillegt.

Solche Koordinationen sind aber auch gar nicht notwendig. Ich stelle es mir so vor, dass die alten Strukturen in den Medien, in der Politik, bei den Sicherheitsbehörden jeder für sich langsam erwachen für die Veränderungen, die das Netz mit sich bringt und sich dann beginnen zu wehren. Weil sie in ihrer Macht bedroht sind. Unkoordiniert. Aber gleichgerichtet. Und das kann dann in der Tat die öffentliche Stimmung prägen, umsteuern, Begriffe umwerten ... Und es führt zu dem Ergebnis, das ich bei Ihnen herausgelesen habe - nämlich dem Verlust von Freiheit. Ich sehe das also im Grunde wie Sie. Ich glaube nur nicht, dass "die" das mit Absicht machen. Sondern weil es ihrem institutionellen Wesen entspricht. "Die" können gar nicht anders. Und die Frage ist, ob die von Ihnen beschriebene Bürgergesellschaft im Netz und auch außerhalb stark genug ist, sich dagegen zu wehren.

JA
mh schrieb am 20.11.2009 um 09:39
ja, genau.

streifzug macht den fehler, den menschen in solchen situationen gerne tun. er versucht in all dem ein gezieltes wirken zu sehen in der hoffnung, dass irgendjemand diesen wust an bewegung denn steuern möge und somit die kontrolle über die welt habe.

gibts nicht. alles chaos, alles zufall.

wer sich in zeiten eines social webs allerdings noch von solchen grafiken beeindrucken lässt .. dem kann wohl auch nicht mehr geholfen werden diesen glauben abzulegen.

in einer wirtschaftlich verknüpften welt agiert jeder wirtschaftlich aktive mensch mit jedem. ebenso wie es im social bereich so ist. verknüpfungen entstehen zwangsläufig.

das alles dient bestenfalls der darstellung, warum ein internet-überwachungsstaat zur zeit gar nicht erst möglich ist .. denn er kann keine realistischen ergebnisse liefern. das problem besteht dann, wenn er sich wirklich bildet .. denn es ist reiner zufall, ob man "in etwas rein gerät" oder nicht .. und wer sich dagegen schützen will, der muss gegen gesetze verstossen.

wer spricht denn darüber? ja, genau.

mfg
mh
Magda schrieb am 20.11.2009 um 10:03
"In Zeiten der Krise, sagen echte Haie, muss man "antizyklisch denken und handeln. Einen entfernten Verwandten solcher Knorpelfische haben Sie, geehrter Herr Augstein, bereits im Bassin. In diesen Zeiten der Selbstkastration sollten Sie ihn um des lieben Symbols willen Kane nennen. Und selbst ein bißchen mehr Citizen sein, das schulden Sie Ihrer Leserschaft."

Bravo cavaliere. Das nenne ich einen opernhaften Einstieg.
Madonna, wollen Sie jetzt der Leporello werden? Ich bin schwer beeindruckt.
Streifzug schrieb am 20.11.2009 um 10:40
Hallo JA,

Mark Lombardi habe ich mit einem Augenzwinkern angeführt. Der Untertitel meines Artikels lautet doch: Verschwörungstheoretikerfutter.

Ähnliche Strukturen gibt es allerdings in jedem Unternehmen. Alleine aus der Notwendigkeit Verantwortlichkeiten zu benennen (Organigramme).

Die Verbindung von Firmen- Interessen- und Machtstrukturen mit einzelnen Personen mach Sinn, da es bis zum heutigen Tag noch kein Unternehmen geschafft hat, von sich aus ohne letztendlich verantwortlichen Menschen Entscheidungen zu treffen.

Sie haben Rupert Murdoch als wichtige Einzelperson ins Spiel gebracht:
" Es geht darum, dass er als Einzelfigur einen Schritt getan hat, der für die Branche als Signal bedeutsam ist. Alle scharren mit den Hufen, keiner traut sich und dann geht der alte Mann eben voran. Ich kann einfach nicht glauben, dass Ihnen die Bedeutsamkeit dieser Handlung entgangen ist - ich meine auch die Symbolik, die darin liegt, dass in dieser konzernbeherrschten Welt am Ende in so einer wichtige Frage ein einzelner Greis eine so wichtige Entscheidung fällen und umsetzen kann ... "
Es ist eine interessante Aufgabe etwas Licht in so einen Dschungel zu bringen. Denn es gibt eine gewisse Unterschiedlichkeit bei Bezahlung und Verantwortung. Bei der Bezahlung rufen alle laut: hier. Beim Thema Verantwortung wird es wesentlich leiser und man verweist gerne auf die unsichtbaren Zwänge eines chaotischen Marktes.

Nicht ganz uninteressant ist auch die unterschiedliche rechtliche Stellung. Auf der einen Seite entziehen sich Manager fast jeder Verantwortung, (Managerhaftung ist ein Thema, Unterschied Manager / Privatperson - Haftung) auf der anderen Seite haben wir die Persönlichkeitsrechte von Unternehmen.

Das schweift aber nun wohl zu weit vom eigentlichen Thema ab.
ed2murrow schrieb am 20.11.2009 um 12:39
@ Streifzug: Weil Knotenpunkte und Bezugslinien bei dada Bellmer eine Rolle spielten. Das mag abseitig klingen, ist aber sehr menschlich. Diesen Aspekt vermisse ich in dem Organigramm. Namen werden zwar genannt, wie gestalten sich aber die Beziehungen, die Maîtressen und Gigolos, die alleine wegen ihrer Körperlichkeit "durchregieren"? Gier, Fortpflanzungstrieb, dynastisches Denken sind doch nicht nur Attribute der Vergangenheit. Ihnen wird ein Organigramm nicht gerecht, es selbst halte ich "nur" für einen Teil des Puzzles.
Bildungswirt schrieb am 20.11.2009 um 18:34
Lieber MH,
lieber JA,
"Solche Koordinationen sind aber auch gar nicht notwendig. Ich stelle es mir so vor, dass die alten Strukturen in den Medien, in der Politik, bei den Sicherheitsbehörden jeder für sich langsam erwachen für die Veränderungen, die das Netz mit sich bringt und sich dann beginnen zu wehren. Weil sie in ihrer Macht bedroht sind. Unkoordiniert. Aber gleichgerichtet. Und das kann dann in der Tat die öffentliche Stimmung prägen, umsteuern, Begriffe umwerten ... Und es führt zu dem Ergebnis, das ich bei Ihnen herausgelesen habe - nämlich dem Verlust von Freiheit."
Das hängt an der rhizomatischen Struktur moderner Gesellschaften. Die Teilung in Zentrum und Peripherie ist obsolet. Viele Zentren und Peripherien und das im Fluss. Da niemand die komplexe Dynamik durchschaut, scheitern oft genug Machtstrategien der direkten Einflussnahme. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass sie nicht ständig versucht werden und auch immer wieder funktionieren.
MH hypostasiert das zum "Zufall". So weit würde ich nicht gehen, da dadurch indirekt ökonomische, politische und kulturelle Machtzentren mit nachweisbaren Erfolgen der Interssendurchsetzung geleugnet werden.
Streifzug macht m.E. keinen "Fehler", er legt nur den Analysewinkel etwas anders.
Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 20.11.2009 um 18:39
Lieber ed2murrow,
beim mehrfachen Kommentieren ganz vergessen, deutlich zu sagen: Dein differnzierter Kommentar zur Eröffnung der Debatte - erste Sahne!
Gruß BW
Eva Schweitzer schrieb am 19.11.2009 um 22:25
Na, da möchte ich doch meinen Kommentar dazu nicht vorenthalten.

Apropos fake, ich stelle gerade fest, Jakob Augstein erregt sich darüber, ich hätte einen Fauxpax begangen, indem ich Leute, die meine Texte klauen, zur Kasse bitte, offenbar in der irrigen Ansicht, ich hätte meine Meinung darüber geändert. Jakob Augstein ist der Sohn und Erbe von Rudolf Augstein, dem verstorbenen Spiegel-Herausgeber, der seinerseits den Freitag herausgibt, dessen Onlineautoren entweder gar nicht oder furchtbar schlecht bezahlt werden. Er ist also ein Millionärssöhnchen, das sein Ego damit aufbürstet, dass es Autoren ausbeutet, und nun möchte, dass es zum Standard wird, sich kostenlos zu bedienen. Also, ich würde mal sagen, herunter vom hohen Ross. Ein Esel tut es auch.

blogs.taz.de/newyorkblog/2009/11/19/are_you_talking_to_me/
mh schrieb am 19.11.2009 um 22:34
warst du nicht die, die ihre artikel für 80 euro verkauft?

mfg
mh
Streifzug schrieb am 19.11.2009 um 22:38
-
sachichma schrieb am 19.11.2009 um 22:55
Liebe Eva, was in diesem Zusammenhang wichtig ist hat MH schon gefragt. Ich hatte das Vergnügen einige TAZ Journalisten zu beherbergen, gefüttert und unterstützt, nur einen doppelten Wohnsitz als Kostenfaktor zur Begründung von aberwitzigen Forderungen geltend zu machen hat juristisch kaum bESTAND. Das ist "Joschkaritis"
ed2murrow schrieb am 20.11.2009 um 00:27
Sehr geehrte Frau Schweitzer,
trotz der angedeuteten persönlichen Differenzen, die mich nichts angehen, aber wohl auf eine schon weiter zurück liegende Ranküne schließen lassen, haben Sie eine Sache ganz richtig angesprochen: Die Bezahlung.

Zu www.freitag.de/community/blogs/jaugstein/zukunft-und-moeglichkeiten-fuer-den-freitag-und-die-community , in meinem allerersten Kommentar auf diesen Seiten, sprach ich das auch an. Aus gutem Grund: Diese Bewerbung des Gratis, des Abkupferns erinnerte mich ganz fatal an focus.de und die dortige Community, in der ich das online-Laufen erlernte. Herr Augstein verwendete in dem Beitrag ganz ähnliche Worte wie der vormalige Redaktionschef der virtuellen Ausgabe des damals in jeder Hinsicht hoch im Kurs liegenden Magazins. Aus Erfahrung, nicht aus dem theoretischen Modell, weiß ich, dass das ganz furchtbar in die Hose gehen kann, vor allem, wenn von Seiten der Leser, die gerne Autoren wären, nicht erfüllbare Erwartunghaltungen aufgebaut werden. Ein Phänomen, das auf seiten von Lyrik & Prosa auch zur Auflösung der Gemeinschaft von literaturcafe.de führte. Trotz dieser Erfahrungen wieder das gleiche Rad erfinden zu wollen, ist nicht nur eine Eselei, wie Sie meinen. Es ist nun, da es an die wirkliche Substanz einer etablierten Kultur geht, die ich bei aller Kritik als bereichernd empfinde, ein wirklicher Rückschritt in das Klein-Klein, sogar in den veritablen Scheckbuchjournalismus. Das will mir, als hauptsächlichen Konsumenten, ganz und gar nicht gefallen.

Welche Hühnchen Sie auch zu rupfen haben, es ist schade, dass Sie richtige Sätze derart ungeschickt in linkslarmoyante "j'accuse" samt unverhohlener Sozialneidsemantik kleiden. Wundern Sie sich bitte nicht, dass man Sie dann eben da, links, liegen läßt.
Magda schrieb am 20.11.2009 um 09:14
Lieber ed2murrow,
Sie schreiben, das Problem, dass Leser gern Autoren wären, habe - ähnlich dem Niedergang des focus-Magazins - auch bei der Gemeinschaft des literaturcafe.de zur Auflösung geführt.

Ich habe dort bis zum Schluss mitgeschrieben und teilweise moderiert und habe es anders in Erinnerung. Wolfgang Tischer hat erklärt, das Forum sei ihm zerhackt worden und Ende und aus.

Meiner Ansicht nach war es aber so, dass Tischer keine Lust mehr auf allerlei Aufwand hatte. Das Forum dort war eines der lebhaftesten und interessantesten, die ich kenne - einschließlich der unglaublichen Streitereien und Ärgereien, an denen ich mich damals noch hochvergnügt beteiligt habe, bis ich - in die Pflicht genommen - auch zahmer wurde.

Sicher gab es immer Autoren, die sich überschätzt haben, darin besteht ja der Gag. Es gab Texte, die manchmal sogar zu germanistisch-professionell zerpflückt worden sind, es gab fiese Trolle, es gab aber auch Schreiber, hinter deren Albernheiten ein ziemlicher Genius steckt - daran denke ich noch heute mit allergrößtem Vergnügen.

Wenn also das stimmt, was Sie sagen, dann war die Schließung des Forums nichts als ein mieser Trick von Tischer. Hatte ich mir manchmal schon gedacht. Kann natürlich sein, dass ein Hackerangriff ihm höchstwillkommen war.

Es gibt ein kleines Nachfolgeforum, dem ich diesen Kommentar mal verlinken werde. Dahin sind einige "geflüchtet", weil solche Gemeinschaften ja auch reale Folgen haben.

Das ist natürlich nur ein Randthema in diesem allgemeinen Streit um die Zukunft des Internets. Es würde mich nur interessieren, woher sich Ihre Meinung über die Gründe für das Ende des Literaturcafe-Endes speist.

Magda
ed2murrow schrieb am 20.11.2009 um 12:23
Sehr geehrte Madge,
wenn ich mich recht entsinne, wurden Sie vom Publikum beim literaturcafe so angesprochen. Woher ich das weiß? Dort schreibend, allerdings unter einem anderen Pseudonym, ebenfalls eine ganze Zeit lang, um gewisse Fähigkeiten auszuloten. Mir wurden, auch von Ihnen, auf beeindruckende Weise und sehr sachlich, Grenzen aufgezeigt, die ich beherzigt habe. Aber das war die Ausnahme. Die Kraftmeierei, die zum Finale hin immer präpotenter wurde, sowohl auf Seiten derer, die sich anmaßten, Autoren in spe zu sein als auch die teilweise rotzige Überlegenheitsattitüde der virtuell gewordenen Ranicki-Emulanten, führte zu einem schlicht untragbaren Klima.
Über die Motive Tischers kann ich nichts sagen. Aber mich haben simple Mechanismen und ihre Parallelität bei focus und cafe erstaunt, obwohl sie sich von Zielrichtung und Corpus her so sehr unterscheiden: Plattform für eigene wirtschaftliche Tätigkeit; Aufruf an das Publikum, mitzuwirken; Versuch der Einbindung dieses Publikums durch Herstellung einer Verbindung zwischen Produkt und Publikumsplattform (beim cafe: Auswahl von Texten zur professionellen Analyse; beim focus: Forensystem unmittelbar mit redaktionellem Inhalt verlinkt); Ausufernde Selbstbespiegelung der Publikumsplattform, damit einhergehend die zunehmende Bedeutungslosigkeit des eigentlichen Zwecks, dem der Bindung an das Produkt; Hackerangriffe oder Invasion von 88ern, jedenfalls exogene Gründe als Grund (Vorwand?), die Sauce einzukochen. Und, le grand final: Wehgeschrei des Publikums, „ich kann hier nicht mehr schreiben.“ Ist das vielleicht einer der Gründe, warum Blogs heute so populär sind?
Diese Plattformen, wie auch die, auf der wir gerade schreiben, sind nicht verächtlich zu machen, nur weil man sich in der Findungsphase einer für die Menschen kulturell neuen Kommunikationsform befindet und dabei unvermeidbar Fehler macht. Es ist die Fadenscheinigkeit des dem Politikersprech angepassten Duktus‘, mit dem in der Vergangenheit und leider auch im Präsens etwas „verkauft“ wird. Der Eine, wie Blau, macht es so: „Auch Sie laden wir herzlich ein, sich auf ZEIT ONLINE Ihre eigene Profilseite einzurichten und dort mit anderen Lesern und unseren Redakteuren Kontakt aufzunehmen.“ Andere machen es ein wenig volkstümlicher, ich bin versucht zu sagen, anbiedernder, und doch nicht weniger gekünstelt werbend.
Diener bin ich, geehrte Madge, nicht. Eher Narr mit Marotten. Als altertümliche Sprachjongleurin wissen Sie, was ich meine.
Mit freundlichen Grüßen, e2m
rolfmueller schrieb am 20.11.2009 um 12:40
Ich habe weniger ein Problem damit, dass Frau Schweitzer möglicherweise 80 Euro Honorar zustehen, als dass sie sich dabei einer Mafia bedient, die in ihrem Namen 2000 Euro verlangt.
Magda schrieb am 20.11.2009 um 15:30
lieber ed2murrow - Sie haben mich neugierig gemacht. Aber gemäß den Regeln des Internets fange ich jetzt nicht an mit Mutmaßungen.

Wenn unter meinen postings nicht Matsch stand, sondern Madge, dann war ich meist freundlich und sachlich.
Na gut, das sind tempi passati. Auf jeden Fall vielen Dank für Ihre Auskünfte und Überlegungen.

Ich schreibe das alles ja auch deshalb, weil ich hier durchaus ähnliche Probleme sehe. Leute gewinnen ist einfach. Aber was dann?

Und wie Sie schreiben: Der Leser ist völlig draußen. Angesprochen werden ja auch bei den finanziellen Sachen hier immer nur die Blogger .

Grüße
Magda
Bildungswirt schrieb am 19.11.2009 um 23:07
Bitte keine Illusionen!
"Die Medien als Maschine für Geld und Macht" - das ist der Kern - wenn auch mal mit "Aufklärung" Geld verdient werden kann - gut, angenommen.
Ansonsten im 'mainstream' mit mittelmäßiger Unterhaltung, Boulevard, Inszenierung, Skandalisierung, Lügen, Gerüchten, Intrigen, Sex, Sozialklatsch und Sport.
Dennoch: ein informativer geistreicher Artikel - nur was haben wir zum Schluss in Händen? Was heißt das für den Freitag? Blogger-Selbstausbeutung, schön, dass ihr da seid? Kreativität und Innovation für lau?
Gleiche Augenhöhe? Das Bild wird in der Politik schon bis zur Unkenntnlichkeit mißbraucht.

Der Freitag überlebt, wenn:
a) min. 10.000 neue Abos verkauft werden, neue Printleser gewonnen werden
b) alternativ (und ergänzend) der Mäzen Augstein regelmäßig Kapital zuschießt
c) die Blogger bei der Stange bleiben

Alles andere sind Illusionen. Aber warum auch nicht?

Gruß BW
Nous Poetikos schrieb am 20.11.2009 um 00:09
Lieber Bildungswirt,

All das muß es geben, was wäre eine Welt ohne "mittelmäßige(r) Unterhaltung, Boulevard, Inszenierung, Skandalisierung, Lügen, Gerüchte(n), Intrigen, Sex, Sozialklatsch und Sport"
Die Medien sind auch nur ein Spiegel der Gesellschaft, die sie wiederum prägen.
Dabei verhält es sich aber wie bei der Henne und dem Ei, die boulevardisierte Gesellschaft und die Medien schöpfen sich gegenseitig.
Was willst Du denn stattdessen, gute Unterhaltung, Fakten, Wahrhaftigkeit, Ernsthaftigkeit, Gemeinsinn, keinen Sex, keinen Sozialklatsch und keinen Sport zum Beispiel?
Einen Teil davon will ich auch und all dies gibt es auch, für jeden der es will. Nicht genug vielleicht, aber es gibt all dies für den der es sucht, der findet es auch.
Ohne "mittelmäßige(r) Unterhaltung, Boulevard, Inszenierung, Skandalisierung, Lügen, Gerüchte(n), Intrigen, Sex, Sozialklatsch und Sport" könnte es aber all das später genannte auch nicht geben, oder man würde es nicht als solches erkennen und würdigen.
Die Medien befriedigen mit diesem Angebot Bedürfnisse, die bei den meisten Menschen vorhanden sind, um damit Geld zu verdienen und Macht zu erlangen, die Macht zu manipulieren und Meinung zu steuern. Und die Mächtigen nutzen diese Macht. Aber wären diese Bedürfnisse nicht vorhanden und das einzige Thema an dem Menschen interessiert wären wäre zum Beispiel Modellbau oder Naturschutz so würden die Medien als Ganzes dieses Bedürfnis genauso befriedigen und auch für Macht und Manipulation nutzen.
Mein Eindruck ist durchaus, das durch die neue mediale Vielfalt im Internet viel mehr Information, auch internationale Informationen wenn man Fremdsprachen beherrscht, verfügbar ist, das die Qualität und der Umfang der politischen und weltanschaulichen Diskussion wieder deutlich angestiegen sind in den letzten Jahren (wenn sie denn gesamtgesellschaftlich je so groß waren).
Und jetzt muß ich mich an dieser Stelle als hoffnungsloser Optimist outen.
Ich bin sicher, das diese Entwicklung anhalten wird, von Gegenwehr und Rückschlägen begleitet, aber das entstehen einer neuen Kommunikationskultur ist nicht mehr aufzuhalten. Neue Formate, die neue Formen der Kommunikation ausprobieren entstehen ständig, von "oben" und von "unten". Der Freitag des wagemutigen JA stellt ein lobenswertes Beispiel solcher Experimente dar.
Deswegen ist es auch richtig, daß hier viele Autoren
vor einer Einschränkung der Rechte und Möglichkeiten des Internets warnen, denn die Freiheit muss immer wieder aufs neue erkämpft und erhalten werden.
In der "alten" Medienwelt vor dem Internet war sie jedenfalls weitestgehend erstorben oder nie geboren.
Und diese neue mediale Welt ändert auch die Gesellschaft, aber es ist ein evolutionärer Prozess.
Ich habe z.B. noch nie so viele Menschen über Verschwörungstheorien reden hören, wie in den letzten Jahren. Nun könnte man dies als Ausdruck einer Irreführung durch selbst irregeführte oder willentlich verwirrende Quellen im Internet halten, aber die meisten dieser Menschen haben vorher fast nie über politische Themen gesprochen.
Sie befinden sich also am Anfang einer Entwicklung zum politisch denkenden Menschen, und das allein empfinde ich schon als Fortschritt. Denn eine entpolitisierte, kulturarme Gesellschaft, wie wir sie gerade in Deutschland vorfinden (in anderen Ländern kenne ich mich noch weniger aus) kann sich nur Schritt für Schritt vom Boulevard emanzipieren. Aber dieser Prozeß findet statt.

Gruß NP
Jakob Augstein schrieb am 20.11.2009 um 08:55
Lieber Bildungswirt,
also c.) fällt leider aus :)
JA
Magda schrieb am 20.11.2009 um 10:19
"also c.) fällt leider aus :)"

Wie darf man das verstehen?
Jakob Augstein schrieb am 20.11.2009 um 12:05
Liebe Magda,
ich Schussel.
b.) meine ich natürlich.
Auf c.) ruht doch die ganze Hoffnung!
:)
Bildungswirt schrieb am 20.11.2009 um 17:43
@Magda
@Jakob Augstein

Die Verwechslung b) und c) hätten wir ja geklärt. Bei a) scheint Einigkeit zu bestehen.
Dennoch wird c) das ökonomische Problem nicht lösen (ich freue mich, wenn ich mich in der Sache irren würde)
und , lieber JA, wer wie Sie mit so viel Engagement und Kapital den Freitag entwickeln will, wird bei b) nicht so schnell aussteigen (können). Das gehört eben auch zur Illusion.
Gruß BW
Bildungswirt schrieb am 20.11.2009 um 18:22
Lieber Nous Poetikus,
zur wechselseitigen Verwobenheit und Dynamik von Medien und Gesellschaft sind wir uns einig.Es geht zunehmend weniger um Ursache und Wirkung, sondern um komplexe Funktionszusammenhänge (deine Henne-Ei-Metapher). Wie Ausbruchversuche, Umwertungen, Neubestimmungen aussehen können, darüber streiten sich die Geister und Gelehrten. Sicher ist nur: wer soziökonomische Zusammenhange meint ausblenden zu können, wird scheitern.
Einig sind wir uns auch bei: -"denn die Freiheit muss immer wieder aufs neue erkämpft und erhalten werden." Wie wahr! Der Kampf für Bürgerrechte und gegen Tendenzen des autoritären Staats mit Kontrollwahn ist grundlegend für jedes politische Engagement.

Bei den sog. "Bedürfnissen" lege ich die Akzente jedoch anders. Die empirisch feststellbaren Bedürfnisse sagen fast nichts über Authentizität und Wahrhaftigkeit.Der freie Bürger reduziert auf den "freien" Konsumenten, ist eben ein Homunculus.
(Hier wäre neu an Erkenntnissen und Kategorien der Kritischen Theorie wie "Ich-Identität" und "Entfremdung" anzuknüpfen.Ebenso an "Quellen des Selbst"(Charles Taylor) oder auch an heitere anarchistische Erkenntnistheorien --komplexes Thema, würde dieses Rahmen hier sprengen ...)
Die Themen "mittelmäßiger Unterhaltung, Boulevard, Inszenierung, Skandalisierung, Lügen, Gerüchten, Intrigen, Sex, Sozialklatsch und Sport" wurden von mir angedeutet als Schmierstoffe der medialen Produktions-Kapital-Maschine.
Du fragst: "Was willst Du denn stattdessen, gute Unterhaltung, Fakten, Wahrhaftigkeit, Ernsthaftigkeit, Gemeinsinn, keinen Sex, keinen Sozialklatsch und keinen Sport zum Beispiel?"
Na, "gute Unterhaltung, Fakten, Wahrhaftigkeit, Ernsthaftigkeit, Gemeinsinn" im "mainstream" , das wär doch was, das wäre eine andere Gesellschaft. Und aktiv Sporttreiben von 60 Millionen würde den Einzelnen und der Gesellschaft gut tun - körperlich, geistig, seelisch.(Im Unterschied zum Sport als Massenbefriedung und Sublimierung).

Kommen wir zum Sex, besser noch zur Liebe.
Je mehr die Medien die Bevölkerung mit Sex bombardieren (es gibt kaum ein entrinnen), desto schlechter ist der reale Sex bei den meisten. Kein Sex? Undenkbar!(Von einigen überzeugten Asketen abgesehen). Viele Millionen Sexausgeschlossene sind tief Leidende, ständig auf der Suche nach Ersatzbefriedigung.Surrogate des Konsumkosmos winken an jeder realen und virtuellen Ecke.

Hoffnung? Ja, die gibt's immer, da wir die Zukunft nicht vorhersehen können. Und die Liebe? - die bedeutenste Produktivkraft der Menschheit! Sie ist Nous und Poesie zugleich.Da landest du beim Einzelnen und dem Gemeinsinn - und bei deinen Namen.
Gruß BW
mh schrieb am 20.11.2009 um 18:54
kann ich nicht so ganz nachvollziehen.

sicher, sex ist immer ein guter aufmacher, es zieht.man schau da gerne hin und frönt seinen betrachtungslastern. dadurch lässt sich werbung und musik wunderbar platzieren.

aber mehr ist das nicht. jeder weiß, dass die realität mehr unebenheiten hat als in der darstellung .. selbst bei den darstellern. und für die meisten menschen ist sex auch heute noch ein akt der fortpflanzung. denn selbst wenn verhütungsmittel sie verhindern, so ist sex doch die kundgetane bereitschaft sein genmaterial mit dem gegenüber zu vereinen und zu mehren. entsprechend achtet man auf die kompatibilität des gegenüber ..

.. das macht auch sinn. meinen studien zu folge sind menschen die der wahllosigkeit frönen im späteren verlauf besonders unzufrieden.

nicht umsonst gilt auch in der werbung, dass zufriedenheit und geborgenheit viel mehr zieht, wenn man ein produkt langfristig am markt halten will. bei trendprodukten ist das anders .. die sind auch nur ein quicky und vergammeln dann im schrank, mehr bedauert als genossen.

mfg
mh
Magda schrieb am 20.11.2009 um 20:16
@ JA - gemäß den luziden Ausführungen von ed2murrow müssen Sie dann nur noch einen zweiten Mäzen finden, der leidenschaftlich gern bloggen würde und jeden Pfennig dafür geben würde, wenn man ihn lässt
Den nehmen wir dann aus und fertig ist die Bloghütte.
Titta schrieb am 22.11.2009 um 16:28
@Nous Poetikos (wunderschöner Nickname übrigens)

"Und jetzt muß ich mich an dieser Stelle als hoffnungsloser Optimist outen.
Ich bin sicher, das diese Entwicklung anhalten wird,..."

Ja wunderbar, endlich mal ein "Bruder im Geiste" hier beim Freitag.
Was ich bei den Diskussionen hier oft nicht verstehe, wie aus einer negativen Grundhaltung, aus einer nur auf das Defizitäre gerichteten Betrachtungsweise, letztendlich eine positive Veränderung der Verhältnisse hervorgehen soll, sich entwickeln kann. Diesen Widerspruch haben die entsprechenden Vertreter/Protagonisten hier im Forum aber auch noch nicht ansatzweise in den Blick genommen. So mündet/endet vieles in einer Jammerkultur, die doch zu nichts führt, die nichts Positives hervorbringt, außer der Vergewisserung des eigenen Standpunktes, der eigenen Weltsicht.

In der Hinsicht freue ich mich zukünftig auf entsprechend anregende wie produktive Diskussionen mit Ihnen hier.

Liebe Grüße
Titta
Joachim Petrick schrieb am 23.11.2009 um 16:02
Lieber JA,
war der haarige Ausfall von "c) die Blogger bei der Stange bleiben"
vielleicht doch ein freudscher Lapsus, nämlich Blogger/innen, Uswr/innen gar nicht erst auf die Augenhöhe der Eigenkapitalseite bringen?

tschüss
JP
ruhrrot schrieb am 20.11.2009 um 11:54
Lieber Jakob Augstein,

ich finde den Artikel sehr interessant und überschaubar sowie gut zu lesen. Das hat mich erst einmal auf den Stand der Diskussion gebracht. Danke dafür! Allerdings sehe ich mich dezeit noch nicht in der Lage eine qualifizierte Einschätzung zu diesem Thema abzugeben, dass mir aber als außerordenlich bedeutsam erscheint.

Herzliche Grüße

por
Joachim Petrick schrieb am 21.11.2009 um 16:40
Lieber JA,
wie heißt es doch im Volksmund so schön:
“Nur dumme Kälber wählen sich ihre Schlachter selber!“.

Sind die Printmedien die dummen Kälber, die sich ihre Schlachter nicht nur selber aussuchen, sondern wie die Lemminge diese auch noch im Gleichschritt aufsuchen?

Während Banken, Versicherungen erst eine Krise der Krisen als Mutter aller monetären Schlachte nähren, päppeln, ausrufen mussten, um im gesellschaftlichen Rang als systemrelevant unersetzlich zu gelten, ist es mit dem Internet genau umgekehrt.
Das Internet begann systemimmanent blockübergreifend, Berliner Mauern und Block schleifend im militärisch- industriellen Komplex systemrelevant, wird nun selektierend von monetärer Krise zu Krise getrieben, als immer weniger systemrelevant im Rang kommuniziert anerkannt und wird gerade dadurch für ganz wenige der wenigen Übriggebliebenen die schönste aller Welten, für den Rest der Vielen „Das verbotenen Global Village“ werden auf Erden!?

Hoffentlich kommt alles anders, als man/frau denkt, nämlich kommt es so, dass sich Internet, Web 2, 3 u. u.,lokal und global. als Treiber, als Gründer neuer Gemeinschaften, Gemeinden, Communities, Kommunen der Gleichen unter Gleichen formieren?

tschüss
JP
André Rebentisch schrieb am 21.11.2009 um 22:16
Bin ich eigentlich der einzige, dem es gleichgültig ist, wie viel der Verlag oder Journalist mit einem Medium verdient, was mir nicht gehört? Ist die Sueddeutsche für mich besser als die FAZ, wenn sie mehr Gewinn macht? Ist denn - um im Bild zu bleiben - eine polnische Zeitung nützlicher für mich als die Huffington Post? Wohl kaum. Erstens verstehe ich die polnische Sprache nicht, zweitens lese ich in der Huffington Post häufig die Artikel eines amerikanischen Bekannten, über ein spezielles Thema, das mich interessiert. Ob er die Artikel in der Huffington Post oder anderen Ortes online veröffentlicht, das ist mir ganz egal.
Jakob Augstein schrieb am 22.11.2009 um 16:03
Liebe Magda, lieber ed2murrow,
da scheinen im Hintergrund ja interessante Geschichten durch ... Ihre gemeinsame Vergangenheit bei diesel Lyrik-Portal klingt spannend. Erzählen Sie doch mal. Vor allem die düsteren Andeutungen von e2m interessieren mich natürlich - dass solche Portale zusammenbrechen können, wenn den Mitgliedern falsche Hoffnungen gemacht werden und wenn die Selbstbezüglichkeit überhand nimmt.

Das mit den Hoffnungen verstehe ich nicht.

Die Gefahr der übergroßen Selbstbezüglichkeit sehe ich auch. Ich hoffe, dass es sich da um Wachstumsphänomene handelt. Je länger wir unterwegs sind, desto seltener müssen wir uns grundlegende Fragen stellen. Jetzt ist noch so vieles ungeklärt.
Aber in der Tat: Mehr Inhalt, mehr Debatte über Inhalt, das wünsche ich mir auch!

Das italienische Modell von ilcannocchiale.it, das e2m am 7.11.09 hier an anderer Stelle vorgestellt hat, kenne ich nicht.

Ich kann als Nichtkenner der italienischen Medienszene nicht beurteilen, ob ein solches Portal dort eine Funktion übernehmen kann, die hierzulande von traditionellen Zeitungen bereits erfüllt wird.

Aber ich würde mich freuen, darüber von Ihnen zu lesen.
JA
ed2murrow schrieb am 22.11.2009 um 18:24
Geehrter Herr Augstein,

ich postete gegen Mittag einen Aufruf von "Le Monde" zum Schriftsteller Tabucchi. Das ist ein vielschichtiges Ding und hat immanent mit Zeitungswesen, Blog(g)erei, Verantwortung im Spannungsfeld mit Politik zu tun. In unserem Zuckergußdeutschland habe ich keine Erinnerung an etwas vergleichbares und die ganz ollen Kamellen à la Strafighter will ich hier um unser Aller willen nicht ausgraben, nicht nur weil es damals noch keine Blog(g)s gab.

An dem Ganzen gibt es jedoch einige Pferdefüße: Zum einen würde es mE. nicht ausreichen, die Artikel (woraus sich der gesamte Sachverhalt ergibt, es sind meiner Rechnung nach 8, 2 kann man einkochen) nur im Auszug zu servieren, sie müssten komplett übersetzt werden und stehen zudem im © von drei verschiedenen Publikationen (Repubblica, Unità jeweils online und dem Blog voglioscendere). Ob deren Inhalte trotz der Transformierung durch einen (noch dazu nicht geprüften und vereidigten ) Dolmetscher abgebildet werden dürfen, ist also eine erste Hürde (auch wenn ich die Mentalität kenne, nicht unähnlich der im Freitag). Noch problematischer dürfte die Übernahme des betreffenden Artikels der Unità sein, weil der ja Auslöser für eine Klage über 1,3 Mio € ist, wer weiß, in welche Kehle solche „übernommenen Nachrichten“ fließen. Allerdings, und deswegen juckt es mich so in den Fingern, ist es ein lebendes Beispiel im Gegensatz zu den hier teilweise reichlich akademisch geführten Diskussionen zu Medien und ihrer Entwicklung: TV öffentlich wie privat, Verlegertum, Journalisten, Scheckbücher, Blog(g)erszene .., Meinungsfreiheit und Erpressung, bitte glauben Sie mir, das sind nicht nur Stichworte, das alles ist dort drin, in einem ausgesprochen interessanten Streitgespräch zwischen drei ganz realen Akteuren, die von vielen als journalistische Leitwölfe angesehen werden. Nicht etwa in Caracas oder Nigeria, sondern grad hinterm Brenner. Ihre Frage zu Strukturen würde damit gleich mit abgearbeitet. Ist Ihnen das eine Überlegung wert, Herr Augstein?

Zu Tischers Ding kann und will ich nicht mehr schreiben. Wie Magda bemerkte: Tempi passati.
Mit freundlichen Grüssen, e2m
Magda schrieb am 22.11.2009 um 20:08
Hallo, ich will das gern tun, in einem kleinen Blog. Vielleicht kann ich ja auch noch einige "Ehemalige" zu einer Stellungnahme bringen, wenn ed2murrow nicht will. Den Tischer können Sie ja auch selbst mal nachfragen, Sie hatten sich doch auch mal auf ihn bezogen oder irre ich mich da?

Denn meine persönlichen Erfahrungen sind ja nur eine Sache.

Wobei: Technisch lief das Forum - von wenigen Ausnahmen - abgesehen hervorragend. Das kann durchaus damit zu tun haben, dass es viele aufwändige Anwendungen gar nicht gab, die hier den Betrieb schwerfällig machen. Der Anspruch war nicht so hoch.

Also - ich werde mich mal kurzschließen und dann was schreiben dazu.

Bis dahin
Magda
Brunopolik schrieb am 22.11.2009 um 17:11
Wie immer und überall geht es auch hier vor allem ums Geld. Das Internet ist eine neue Technik, die zunächst mal alles bisherige durcheinander wirbelt und ein Chaos entstehen lässt, aus dem eine neue Ordnung gefunden werden muss.

Für Dinge, die mich interessieren und es mir Wert sind, bin ich bereit zu zahlen. So zahle ich gerne die € 5 pro Monat, um meine Blogs werbefrei zu halten. Ich bezahle auch gern die Abogebühr für den Freitag, um gemütlich am Wochenende die Printausgabe zu lesen. (In der Online-Ausgabe bin ich ganz selten zu Gast) Und ich würde auch gern einen kleinen Aufschlag berappen, wenn ich dafür wieder ganz einfach und bequem mir einzelne Artikel daraus in meine Doku-Datei laden könnte, wo ich dann nach Lust und Laune anmerken, kommentieren, vergrößern usw. kann. Das ist seit dem Start der Online-Ausgabe nur noch mit Mühen möglich und bei weitem nicht mit allen Artikeln der Printausgabe. Weiterhin bin ich bereit, für meine örtliche Tageszeitung einen Obolus zu zahlen, damit ich zum Frühstück über große Politik sowie Tratsch und Kultur vor Ort mich in Ruhe informieren kann.

Fazit: wie bei allen technischen Umwälzungen, zuletzt war es das Fernsehen, davor der Rundfunk, das Auto und vor Jahrhunderten der Buchdruck, wird auch nach 10 Jahren Internet weiterhin Bedarf nach Printmedien sein, für die die Macher eine ausreichende Finanzierung finden werden. Ob mir Twitter und MySpace, die noch kostenlos sind, einen Betrag X wert sind, wird sich zeigen - wahrscheinlich ja, wenn ich erst mal an sie gewöhnt bin. Also werden Murdoch & Co. erstmal längere Probezeiten anbieten, um die Nutzer zu binden und sich unverzichtbar zu machen, aber dann plötzlich zuschlagen. Insofern ist bei MySpace demnächst mit Gebühren zu rechnen. Der Markt wird wie immer jedoch das noch unübersichtliche Feld bereinigen. Journalisten und Blogger werden sich in Zukunft das Feld der Aufmerksamkeiten teilen müssen. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft - heißt es schon immer.

Die Debatte um die Freiheit der Netze wird auf einer anderen Ebene geführt. Es ist nur zu hoffen, dass ihnen, nämlich denjenigen, die bestimmen, das Geld wichtiger ist. Die Oberaufsicht bekommen sie nämlich je nach Bedarf wie immer als Dreingabe.
misterL schrieb am 23.11.2009 um 22:38
Ich lese hier gerade: "Glaubwürdige und transparente Medien in Netz und Print, die den Bloggern auf Augenhöhe begegnen." und denke mir ja, das wäre ein wunderbares Ziel und dann "blättere" ich zu Spiegel Online und lese über die (vermeintlichen) Absichten von Murdoch und Microsoft vs. Google und frage mich nach der Augenhöhe und wie man dahin kommen will? Dies ganz besonders in einer Web-Ausgabe einer Wochenzeitung die "irgendwie links" ist und demnach eins auf gar keinen Fall ist: "Mainstream", so schön das auch wäre.

Ich stimme wahrscheinlich einigen zu - gutes geblogge ist am Ende besser als handelsüblicher Journalismus und dann lese ich den Kommentar eines mässigen Journalisten in einem der lokalen Werbeblättchen hier, frage mich nach dessen Tiefenwirkung in der Region, vergleiche das mit der Tragweite (sorry Reichweite der Topblogger hier) und im Grunde stellt sich dann fast Verzeifelung ein.

Augenhöhe?!? Zwischen Milliardären, Millionenauflagen und Weltmedienkonzernen und dem Bloggerbiotop wird es immer ein oder genauer mehrere Bergketten an unterschieden geben. Vorausetzung: man versteht geblogge als inhaltliche Qualität und Tiefe und nicht Mainstreamgeplapper. Vielelicht liegt es am Alter. Für mich gehört zum Preis der Freiheit auch der Preis der wirtschaftlichen/finanziellen Bescheidenheit. Der Versuch auf Augenhöhe mit den Murdochs dieser Welt zu kommen, schließt die Aufgabe dieser Freiheit ein. Die Wahrscheinlichkeit das sich die Murdochs dieser Welt freiwillig bücken werden ist amSdD tendentiell unwahrscheinlich. Das man dazu irgendwann zwingen kann, glaube ich nicht. Google ist auch "nur" ein Wirtschaftsimperium und keine soziale Einrichtung.

LG
misterL

PS und leicht OT
Die Diskrepanz dürfte JA an sich (auch) am Sonntag erfahren haben, als Frau "Handelsblatt" (Name entfallen) zum Schluß meinte, dass in Deutschland die ErzieherInnen nicht mal Abitur haben müssen und deshalb die lieben Kleinen gar nicht sachgerecht erziehen können. Diese Augenhöhe auf vergleichbar eher wenig exklusivem Niveau, bzw. dessen Abwesenheit soll als Analogie dienen, wo und wie man in bestimmten Regionen zu denken gewohnt ist.
MrKnister schrieb am 04.12.2009 um 12:38
Werte Leserinnen & Leser,

ich mache gerade eine punktuelle Feldstudie zu dem Thema "Traditioneller Journalismus und Blog". Dazu habe ich zwei Beiträge zum gleichen Thema gegenübergestellt. Der eine ist von einem Berufsjournalisten, der andere von einem Blogger:

gunzenhausen.blogspot.com/

Wer Lust hat, kann abstimmen welcher Artikel ansprechender ist. Ich freue mich auf zahlreiche Klicks. Merci!

Euer Claus Eutin alias Mr Knister
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