Das ist eine Dose. Und keine doofe Dose. Also eine Kulturrevolution. Denn kaum eine Getränkeverpackung ist seit den Nullerjahren derart „out“ wie die Dose an und für sich. Schuld ist Jürgen Trittin, damaliger grüner Umweltminister, der ihr mit dem Dosenpfand jede Attraktivität nahm. Neues Jahrzehnt, neues Glück, dachte sich da wohl der Getränkehersteller Calidris und versucht seither sein neues, ökologisch korrektes Produkt in einer coolen Dose am Markt zu etablieren. Und wie immer, wenn etwas Grüngutes noch etwas schlechter dasteht, ist dies ein Fall für die Werbeagentur „Zum Goldenen Hirschen“ (die auch Joschka Fischer nach diversen Kriegseinsätzen wieder ins rechte Licht rückte: „Außen Minister, innen grün“). Jetzt also: Außen Dose, innen grün.
Denn in der Dose befindet sich ein neuartiger Energydrink, der ganz natürlich ohne Stier-Taurin auskommt und sich aus der Açai-Beere (zu deutsch: die Früchte der Kohlpalme) speist. Außen ist die Dose so schwarz, wie sie cool sein soll, wie sie auch auf Plakaten und im Kinospot inszeniert wird. Die Kamera umschmeichelt das Produkt, die Musik begleitet mit Pathos, wie man es sonst nur aus Hollywooddramen kennt, und dazwischen gibt es Statements eingeblendet. „Es ist eine klare Frage von Haltung. Eine Frage von Charakter ... Reduktion aufs Wesentliche: Der Tag hat 28 Stunden“.
Warum ein Tag, aufs Wesentliche reduziert, eigentlich 28 Stunden braucht? Das fragt sich nicht nur so mancher Konsument, auch der Hersteller selbst: Wer auf Facebook die Frage beantwortet, nimmt an einem feinen Gewinnspiel teil. Die häufigsten Antworten dort: Arbeiten bis zum Burn-Out. Und danach ab ins coole Partyleben. Eine echte Marktlücke ist also geschlossen: Das perfekte Getränk für den schwarz-grünen Lifestyle ist da.
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