Rot-rote Kooperationen hat es in einem Viertel aller Bundesländer gegeben, beziehungsweise es gibt sie immer noch und selbst in den alten Bundesländern sind sie kein Tabu mehr. Für ähnliche Kooperationen auf Bundesebene werden innerhalb der Linken, aber auch bei der SPD und Bündnis 90/Die Grünen die außenpolitischen Positionen als Hinderungsgrund aufgeführt.
Auch Karsten D. Voigt formuliert hier „Vorbedingungen“. Für ihn ist die Einbindung Deutschlands in internationale Institutionen ein zentrales Moment. Dies bezieht er maßgeblich auf die NATO und die Europäische Union. Es geht ihm, wenig überraschend, um die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik im internationalen Rahmen, aber auch um Grundsätze der Westeinbindung und europäischen Integration. Aber ebenso wie Die Linke um die Veränderung der deutschen Außenpolitik zur Zeit der SPD-Regierungsbeteiligung weiß – eine Veränderung, die wir nicht gutheißen –, muss die SPD akzeptieren, dass Die Linke die deutsche Außenpolitik zu einer am Völkerrecht orientierten Friedenspolitik verändern will. Hierüber sollte man miteinander diskutieren, statt „Vorbedingungen“ zu formulieren.
Die Ursprünge prägen die Sicht
Die außenpolitischen Vorstellungen der Linken sind vor allem durch eine der Vorgängerparteien, die PDS, geprägt, aber sie sind auch durch den Fusionsprozess mit der WASG beeinflusst worden. Auf Bundesebene war hierfür die Oppositionsrolle maßgebend. Gleichwohl hat die PDS beispielsweise aus innerer Überzeugung eine europäische Integrationspolitik befürwortet, ohne jedoch auf Kritik an ihrer konkreten Umsetzung zu verzichten. Der Außen- und Verteidigungspolitik Deutschlands stand die PDS ablehnend gegenüber. Dabei ist zu berücksichtigen, dass besonders im Osten des Landes mit dem Ende des Kalten Krieges und des Warschauer Vertrags viel Skepsis gegenüber einer Fortexistenz der Nato herrschte. Die im Westen Deutschlands konstitutive Westbindung ist durch die Vereinigung Deutschlands nicht automatisch im Osten geteilt worden. Im Ergebnis entstand im günstigsten Fall ein „Nichtverhältnis“. Erfahrungen mit dem Golfkrieg, dem Kosovokrieg und der US-Politik unter George W. Bush verstärkten die Ablehnung, die auch in der Friedensbewegung der Bundesrepublik weitgehend getragen wurde.
Die daraus resultierende Positionierung der PDS und später der Linken wurde von Wählerinnen und Wählern als konsequent goutiert, selbst wenn sie zuweilen als undifferenziert oder pazifistisch wahrgenommen wurde. Innerhalb der Partei gab es hierfür flügelübergreifend große Unterstützung, gerade auch bei jenen, die in der täglichen Arbeit in Ländern und Kommunen durchaus kompromissbereit waren. Ähnlich den Grünen wurden viele Aktivisten vor Ort in den neunziger Jahren auch zu einem Teil der Friedensbewegung. In der Europapolitik nahmen nach 1999 die grundsätzlich europakritischeren Töne zu. Zum zentralen Begriff der PDS-Außenpolitik wurde der Parteitag von Münster, auf dem eine Mehrheit die Akzeptanz des Gewaltmonopols der UN nicht mit der Möglichkeit der Einzelfallprüfung von UN-mandatierten Militäreinsätzen nach Kapitel VII verbinden wollte. Diese grundsätzliche Ablehnung von UN-Einsätzen und damit auch jeglicher deutscher Beteiligung wirkt bis heute nach.
Strategische Konsequenzen
Die Grundsatzentscheidung von Münster, die auch durch die bisherigen Beschlusslagen der neuen Linken im Prinzip beibehalten wurde, hat natürlich strategische Konsequenzen. Zum einen wird die Partei als konsequente Friedenspartei wahrgenommen, die noch nie einem Bundeswehreinsatz im Ausland zugestimmt hat. Diese Position wird von einer breiten Mehrheit der Parteimitglieder und von einem relevanten Teil der Wählerschaft unterstützt. Zum anderen leiten sich von dieser Haltung auch weitreichende andere Positionierungen, so zur Rolle und Ausrüstung der Bundeswehr oder zur Gemeinsamen Europäischen Außen- und Sicherheitspolitik ab.
Eine innerparteiliche Debatte hierüber hätte natürlich Auswirkungen auf die Partei selbst und somit auch auf die Öffentlichkeit. Deshalb ist diese Frage sowohl bei der Diskussion um die programmatischen Eckpunkte als auch bei der Debatte um das Bundestagswahlprogramm umgangen worden. Gleichwohl: Eine strategische Linie, die Gewalt zur Lösung von Konflikten in diesem Ausmaß und auch in dieser Form ablehnt, muss in unserer Demokratie einen Platz haben, spiegelt sie doch reale Stimmungen wider und entfaltet somit auch Wirkung. Wer die internationalen Beziehungen solidarischer, gerechter und möglichst gewaltfrei gestalten will und diese Position ,wie es die Linke tut, auch zugespitzt darstellt, wirkt gerade durch den Mangel an differenzierter Darstellung auf die politischen Debatten und Verschiebungen im Kräfteverhältnis ein.
Untersetzt hat die Linke diese Linie mehr und mehr mit dem Begriff des Völkerrechts, das Gewaltanwendung über die UN-Charta ablehnt und auch Sanktionen mit sehr engen Restriktionen versieht. Im Kern wird eine militärische Lösung von Problemen dort schon weitgehend ausgeschlossen. Hinzu kommen für die Linke grundsätzliche Erwägungen zur gerechten Weltwirtschaftsordnung, die eine Grundlage für Ausgleich zwischen den Staaten darstellen. Es geht also mehr um das alternative Herangehen an Problemlösungen als um permanente Versuche, mit militärischen Mitteln Einhegungen zu versuchen, die – wie die Praxis leider zu oft zeigt –wenig erreichen und zugleich eine Fehlallokation von Ressourcen mit sich bringen.
Die gegenwärtige Debatte um die neue Afghanistanstrategie zeigt, dass aus einer als unsinnig beschriebenen Einzelposition der Linken zum sofortigen Abzug der Truppen aus Afghanistan nun doch eine nicht mehr weit vom Mainstream liegende Option geworden ist. Die Frage ist doch inzwischen auch bei anderen Staaten und bei allen Bundestagsparteien, wann das militärische Engagement gesichtswahrend beendet werden kann. Das haben die militärisch-humanitäre Lage, der öffentliche Druck und auch der Rückhalt für die Position der Linken erreicht. Einen kopflosen Abzug hat auch unsere Partei durch ihren Vorsitzenden Oskar Lafontaine ausgeschlossen und es ging auch nie darum, das Engagement für Wiederaufbau und Entwicklung zu beenden. Im Gegenteil, die Ressourcen sollten genau dorthin, in den zivilen Bereich umgeleitet werden. Und es ist die Haltung der Linken, dass die derzeitige starke und stärker werdende militärische Präsenz gerade ein zunehmender Teil des Problems geworden ist. Aus dieser Eskalationsspirale muss der Westen ausbrechen.
In Bezug auf die Europäische Union hat die Linke stets betont, dass sie eine Kraft ist, die für die europäische Integration eintritt, in zentralen Strukturelementen aber ein Problem sieht. Die fehlende Sozialunion ist ein solches Strukturproblem, das immer wieder konkret auftaucht und endlich behoben werden muss. Mit dem Lissabonner Vertrag passiert das aber gerade nicht. Im Übrigen stehen auch konservative Parteigruppierungen mit anderen Motiven und teilweise mit anderen Schwerpunkten kritisch zum Integrationsprozess. Insofern sollte eine kritische Position zu realen Defiziten der EU nicht gleich als Argument für mangelnde Regierungsfähigkeit herhalten. Im Gegenteil, nur eine wirklich funktionierende und den Interessen der Bevölkerungen demokratisch wie sozial entsprechende EU wird langfristig stabil und erfolgreich sein.
SPD und Grüne haben auch Hausaufgaben zu erledigen
Ich finde, dass die Linke in der Außen- und Sicherheitspolitik diskussionsbereit sein sollte. Nicht wegen einer Regierungsoption, sondern weil linke, am Völkerrecht orientierte Friedenspolitik auch in dieser heutigen Welt funktionieren muss und weil es tatsächlich Zielkonflikte gibt: zwischen Menschenrechten und Nichteinmischung, zwischen Gewaltablehnung und humanitären Schutzaufgaben, zwischen Prämissen der UN-Charta und Sanktionsdurchsetzung und vielen anderen mehr. Aber die Linke wird Alternativen zu den jetzigen Ansätzen vorschlagen und auch angesichts der deutschen Geschichte gerade in Fragen des Bundeswehreinsatzes sehr zurückhaltend bleiben. Sie wird mehr diskutieren, wie man sich aus komplexen Ist-Zuständen heraus bewegt, ohne das eigentliche Ziel einer friedlichen Welt aus den Augen zu verlieren. Maßstab wird dabei immer das Völkerrecht bleiben. Auch ideologisch aufgeladene Fragen, wie die des Übergangs von der Nato zu besseren Sicherheitssystemen unter der Berücksichtigung beispielsweise Russlands oder eine Entwicklung der Europäischen Union unter den realen vertraglichen Rahmenbedingungen bleiben mit Sicherheit schwierige Punkte in der Debatte.
Es ist aber auch einiges an Hausaufgaben durch Bündnis 90/Die Grünen und mehr noch von der SPD zu erledigen. Sie dürfen nicht – wie es im Beitrag von Karsten D. Voigt den Anschein hat – eine bloße Anpassung der Linken an ihre außenpolitische Linie erwarten. Eine Reflektion der sozialdemokratisch und auch grün verantworteten Außenpolitik im letzten Jahrzehnt erscheint mir durchaus angebracht.
Der Kurswechsel von der westdeutschen Sonderstellung im Kalten Krieg hin zur völkerrechtswidrigen Beteiligung am Krieg in Jugoslawien war falsch. Sich von den Vereinigten Staaten zum Werkzeug ihrer Strategie machen zu lassen war falsch. Und die Beteiligung Deutschlands an den vielen internationalen Einsätzen und die daraus resultierende Umrüstung der Bundeswehr – eine faktische qualitative Aufrüstung –war falsch. All dies muss wieder ein richtiges Maß finden. Dass SPD, Bündnis 90 / Die Grünen und Die Linke mit der Ablehnung des Mandats für den Einsatz im Rahmen der „Operation Enduring Freedom“ in dieser Frage erstmals gemeinsam entschieden haben, darf als ein ermutigendes Zeichen gewertet werden, mehr aber auch nicht. Denn schließlich wird es auch um die Fragen der Bündnisse gehen, die nicht zum unkritischen Mitmachen, sondern zum Gestalten im eigenen und gemeinsamen Interesse da sind. Hier sind nicht Vorbedingungen gefragt, sondern Gesprächsbereitschaft. Bei allen drei Parteien diesseits von CDU/CSU und FDP.
Stefan Liebich, 37, war bis 2005 Landesvorsitzender der PDS in Berlin, seit 2009 ist er Bundestagsabgeordneter der Linkspartei
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>>Einen kopflosen Abzug hat auch unsere Partei durch ihren Vorsitzenden Oskar Lafontaine ausgeschlossen und es ging auch nie darum, das Engagement für Wiederaufbau und Entwicklung zu beenden. Im Gegenteil, die Ressourcen sollten genau dorthin, in den zivilen Bereich umgeleitet werden.<<
>>Aber ebenso wie Die Linke um die Veränderung der deutschen Außenpolitik zur Zeit der SPD-Regierungsbeteiligung weiß – eine Veränderung, die wir nicht gutheißen –, muss die SPD akzeptieren, dass Die Linke die deutsche Außenpolitik zu einer am Völkerrecht orientierten Friedenspolitik verändern will.<< Ich will mich mal kurzfassen: Lieber Genosse Liebig, Wer in unserer Partei auf eine Rot-Rosarote-Grüne Koalition baut, sie erhofft und anstrebt, der muss folgende Vorbedingungen erfüllen und anerkennen: Die BRD bleibt in der NATO. Die BRD zieht erst aus Afghanistan ab, wenn der große Bruder USA fluchtartig das Land verlässt. Sie sind doch Realpolitiker, also wissen sie das auch! Schreiben tun sie aber so, als wüssten sie das nicht! Wenn ich die „Seeheimer“ ( FdS) in der Partei nicht kennen würde, spätestens dann würde ich angesichts ihrer Ausführungen misstrauisch werden. Vom "realistischen Fundi“ zum „Realo“: Der SPD Politiker Voigt hat recht, wenn er diese Vorbedingung an die Linke stellt. Die Linke muss sie erfüllen, will sie in die oben genannte „Traumkoalition“. Also mal Klartext: Ehrer löst sich die SPD auf, tauft ihre Ebert Stiftung in Karl Liebknecht Stiftung, als das diese -von den Amis gekaufte- Partei, jemals bereit wäre, aus der NATO auszutreten! Es wird sich in unserer Partei also bestimmt eine „Koalition der Willigen“ finden, die breit ist, sich zu bewegen! |
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"Lieber Onkel Wanja"-sagt man wohl zu Onkel wie Tante,
Mit deiner Analyse hast du vollkommen recht! Ergo:Wird es Zeit das sich deine Partei,sagen wir in den nächsten 2 Jahren,der Thematik eines Grundsatzprogramms stellt-ich weiß,das es bis heute auch aus Zeitgründen nicht realisierbar war-. Ich bin zwar kein Dogmatiker innerhalb des "wissentschaftlichen Marxismus" (Gänsefüßchen beziehen sich auf Wissentschaft,der allgem. Definition des Wortes wegen)aber wenn ich mir ein Grundsatzprogramm erarbeite,kann ich Rahmenbedingungen setzten die eine Richtschnur für mich sind und an der ich mich orientieren kann. Aber das brauche ich dir wohl kaum zu erklären. Danke für deinen Kommentar |
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Was man noch beachten muss: Die größten Kritiker der NATO sind die Vereinigten Staaten und sie sind sehr skeptisch über alles, was im EU-Rahmen geschieht. Sehr offen spricht man da von Koalitionen der Willigen, weil die interventionistisch denken und Interesse am eurasischen Raum haben. Eher treten die USA aus der NATO aus als die Europäer.
Austreten aus der NATO? Wieso soll das ausgerechnet Priorität haben? Wichtiger scheint mir der Verteidigungspolitik und dem Neointerventionionalismus parlamentarische und rechtliche Fesseln anzulegen. Deutschland will sein Militär gar nicht einsetzen. Afghanistan ist eine reine Solidaritätsaktion, die nichts mit europäischen Sicherheitsinteressen zu tun hat. Nachbarstaaten brauchen keine Angst vor uns zu haben. Wir haben auch keine Angst. Die NATO muss als technokratischer Apparat muss eigentlich nur stark verschlankt werden, und das Europaparlament mehr Gewicht erhalten. Das wird jetzt kommen. Sicherheitspolitik heisst für uns im Gegensatz zu den Amerikanern Stabilitätspolitik. Die robuste Komponente spielt dafür eine immer geringere Rolle. Die NATO versucht künstlich Einsatzmöglichkeiten zu erschliessen. Piraten vor Somalia, Afghanistan, Penetration der Russen usw. Letzten Endes aber ist sie obsolet. Wichtig ist nämlich nur, dass unsere Sicherheitspolitik "gemeinschaftlich" und "europäisch" ist. Im Bezug auf Parteipolitik und Koalitionen ist die Forderung des Austritts aus der NATO einfach gar nicht so wichtig, weil sich die Frage nach dem Delta stellt: Was ändert sich dadurch? Man kann auch anderweitig sein Engagement und Budget begrenzen. |
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Zunächst einmal möchte ich dir "wärmstens" die Rede des russischen Aussenministers Sergej W. Lawrows auf der 46. Münchner Konferenz zu Fragen der Sicherheitspolitik vom 06.02.10 empfehlen.Komischerweise ist seine Rede auf www.securityconference.de,was die offizielle webside ist,nicht zu finden (!).
Kannst sie aber in der Wochenendausgabe der jW nachlesen (www.jungewelt.de o.ä.(evtl. mit Bindestrich). Zu deiner Meinung,das Afghanistan nur eine Solidaritätsaktion sei,die nichts mit Sicherheitsinteressen zu tun habe,empfehle ich die Lektüre eines Ruyard Kipling über die britische Besatzungszeit Afghanistans während des 19. Jahrhunderts,sowie des Selbststudiums über die bis vor einigen Jahren anhaltenden Bewunderung der Afghanen für die Deutschen,die sie als ehrliche Makler ansahen. Dann wirst du sicher erkennen,das es immer schon um geostrategische Interessen gegangen ist! Zum Trost: Selbst Alexander der Grosse hat die Afghanen nicht unterwerfen können,ebensowenig wie die seinerzeitigen Briten u.a. . P.S.:Die Rede Lawrows empfehle ich dir,weil es EBEN um gemeinschaftliche u. europäische Sicherheitspolitik geht,die du herbeisehnst |
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Die Einbindung Deutschlands in internationale Institutionen ist doch die Voraussetzung für ein Mitspracherecht, eben auch in Fragen des Völkerrechts. Die jahrelange Diskussion ob oder nicht permanentes Mitglied im UNSC ist nur ein Beispiel. Auch auch wenn ich bestimmt nicht der Einzige hier bin der den UNSC als verlängerten Arm der NATO sieht und weil die UNO über dem Völkerrecht steht es sich gut dahinter verstecken lässt.
Ich erinnere mich noch gut daran das nach der Auflösung des Warschauer Vertrags auch viele Menschen im Westen die Hoffnung hatten das die NATO ihre Aufgabe verloren hatte. Dabei wurde einfach übersehen das für Zentral- und Ost-Europäische Staaten, die von einer Monarchie direkt zum Kommunismus geleitet wurden und nach dessen Zusammenbruch dann den "freien Märkten" überlassen wurden. Diese Staaten hatten ein Defizit in ihrem Selbstverständnis als Nationalstaaten. In manchen Ländern, wie z.B. Jugoslawien, gerieten sie gleich in "Karambolagen". Das mag der NATO, die verzweifelt nach einer neuen Rolle suchte, geholfen haben den "Weltpolizisten spielen zu müssen. Die EU jedenfalls agierte vollkommen irrational. Natürlich ist Kapitalismus die Wurzel aller Kriege, das ist logisch. Nur, kein Verteidigungsminister will sich die Frage gefallen lassen, warum er von Steuergeldern all die Panzer und Hubschrauber kauft, wenn er sie dann doch nicht benutzen will. Er ist machtlos gegenüber der einflussreichsten Lobby, die von der Rüstungsindustrie und die NATO ist nur User. Selbst das neutrale Schweden ist mit Bofors gut im Geschäft. Die Friedensbewegung kann allenfalls als ambitioniert bezeichnet werden. Fakten, z.B. wie viel Steuergelder konkret verballert werden, stellt sie nicht und überlässt es "Thinktanks" dies heraus zu finden. Aber einfach nur gegen Krieg sein hilft nicht. Haliburton ist ein gutes Beispiel wieviel wirtschaftliche Profite in Kriegen steckt. Als vor einigen Wochen auch Joska Fischer mit seiner ukligen PR Aktion für das absurde Nabuco-Pipeline Projekt deutlich machte sind auch die Grünen nicht gegen den Lobbyvirus immun. Jeder weiß das es bei fast allen Kriegen/Konflikten um Rohstoff-Ressourcen geht, und damit Marktkontrolle. Und weil wir das wissen, beruhigen wir unser Gewissen indem wir das Völkerrecht bemühen und die Versorgung von IDPs durch NGOs vollstrecken lassen. Es ist eine Tatsache das die Anzahl der Flüchtlinge zurückgegangen, die Zahl der IDPs sich aber mehr als verdreifacht hat. Migrationen und Flüchtigsströme zu kontrollieren bzw. zu verhindern, wird dann in Brüssel entschieden (Schengen), Grants für willige NGOs usw... Schon heute werden "humanitäre Schutzaufgaben" nicht nur durch die NATO wahrgenommen (z.B. AU im Dafur, Sudan). Würden sich NATO und z.B. SCO besser verständigen könnte heute schon der sich, für den Frühsommer, anbahnende Konflikt im Süd-Sudan leichter vermeiden lassen (Wahlen zur Unabhängigkeit im Süd-Sudan). Der Krieg gegen Jugoslawien hat zwar eine Flüchtlingswelle nach Europa verhindert und dient nun als eine Art Vorlage für "Stahlhelme für Menschenrechte". Dabei wurden nach diesem Krieg 200.000 Menschen unter den Augen der NATO geführten KFOR/UNMIK aus dem Kosovo vertrieben. KFOR/UNMIK wurde also ihrem selbst-ernannten Schutzauftrag nicht gerecht. Zuvor wurde der Krieg in Bosnien durch Hilfslieferungen künstlich verlängert, weil die Einhaltung von Waffenstillständen nicht konsequent durchgesetzt wurde, - obwohl immer klar war, dass die BSA unter Mladic / Karadzic niemals einen Krieg gegen die UNPF gewagt hätte. Genau diese Praxis wird heute an allen "Friedensmissionen" in ähnlicher Weise praktiziert. Es macht keinen Sinn Menschen zu schützen wenn deren eigene Konfliktparteien ihre Waffen nicht niederlegen oder abgeben wollen. Das ist eine Hilfe als würde ein Alkoholiker mit Geld unterstützt. Es kann keine Hilfslieferungen geben solange gekämpft wird weil diese Hilfe in Schwarzmärkten versickert die von denen kontrolliert werden die Waffen haben. Bevor über Mitgliedschaften in internationalen Institutionen diskutiert wird müssen vor allem erst einmal die Kosten der "Friedenseinsätze" und Angaben darüber auf den Tisch wer hier bei uns welchen Profit generiert, die Diehls, Daimler, Siemens, MTU etc... . Solange nicht jedem interessierten Menschen klar ist was mit den Steuergeldern angestellt wird und nur immer unsere angeblich so selbstlosen Absichten in den Vordergrund gehoben werden, gibt es auch keine glaubwürdige Außenpolitik. Die USA brauchen nicht so sehr die NATO wie Europa und wenn ich an ein bündnisfreies Deutschland denke wird mir ganz anders... |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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