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Als Gay Talese 1966 ein Porträt von Frank Sinatra schreiben wollte, sagte der Sänger das Interview kurzerhand ab. Doch Talese war eigens nach Las Vegas gereist und ließ sich nicht abwimmeln. Monatelang heftete er sich an die Fersen der großen Sinatra-Entourage. Dann schrieb er eine Geschichte, die kürzlich vom „Esquire“ zur „besten Reportage des Jahrhunderts“ erklärt wurde. Ob es um die sexuelle Revolution in den Sechzigern geht, um Muhammad Ali und Fidel Castro oder um die Metropole New York: Gay Talese ist bis heute ein besessener Rechercheur, ein großartiger Beobachter und ein wunderbarer Schriftsteller.
„Anleitung zum Müßiggang“ ist eine enzyklopädisch recherchierte Kulturgeschichte und ein ganz praktischer Ratgeber. Eine hochaktuelle Gesellschaftskritik, die, obgleich urkomisch und ironisch überspitzt, sehr ernst genommen werden will. Tom Hodgkinson ruft zur Faulheit auf und plädiert für mehr Produktivität durch entspanntere Arbeit. Und um die stetig wachsende Schar der Kritiker kapitalistischer Arbeitsethik mit Munition zu versorgen, bedient er sich freizügig in der Geistesgeschichte, führt Lessing und Adorno ebenso ins Feld wie Lin Yutang und obskure Popmusiker der Achtziger.
Welche Faszination von Bäumen auszugehen vermag, zeigen Helmut Schreiers kenntnisreiche Texte über die größte und älteste Pflanze der Erde. Es gelingt ihm, den Blick zu öffnen für die Einzigartigkeit der Bäume und damit für einen anderen Umgang mit Natur. So wird etwa das fantastische Wurzelwerk der Aspen vorgestellt, das seit Jahrtausenden unterirdisch die Rocky Mountains durchwandert und immer neue Klone bildet. Oder der Niimbaum, der von den Menschen in Ostafrika als lebende Apotheke verehrt wird.
Im Jahr 2005 trafen der Autor Ingo Niermann und die Fotografin Antje Majewski in Peking neunzehn Menschen, die auf eigenes Risiko in einer Diktatur ihr Glück suchen. Zwei Jahre später kehrten sie zurück, um herauszufinden, wie rasant sich deren Leben in der Zwischenzeit entwickelt hat. So unterschiedliche Lebensgeschichten wie die des letzten DDR-Militärattachés in China oder die eines texanischen Ehepaars auf der Flucht vor dem FBI fügen sich dabei zu einem modernen Epos. Für die vorliegende Ausgabe begab sich Ingo Niermann im Sommer 2009 erneut auf die Spuren seiner Gesprächspartner.
Es gab nur wenige Jahre im Laufe der Geschichte, in denen die Menschheit mit einer solch großen Gewissheit auf eine Katastrophe zusteuerte wie 1939. Der Krieg war kaum zu verhindern, sondern nur mit fatalistischem Gleichmut zu erwarten. Dabei spielte die Presse eine wichtige Rolle. In dem „Nervenkrieg“, wie ihn die Nationalsozialisten nannten, galt es, die Vorherrschaft über die öffentliche Meinung zu gewinnen. In „Angriff auf den Frieden“ untersuchen Autoren des „Freitag“, wie die Presse die Vorgeschichte des Krieges interpretiert hat. Die Analysen werden durch internationale Zeitungsartikel aus dem Jahr 1939 ergänzt.
Ausgabe 11/10
18.03.2010
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