Kultur

Musik | 12.02.2009 00:15 | Paul Baskerville

Einmal blond, immer blond

Nina Persson, die Sängerin der Cardigans, hat ihr zweites Solo-Album veröffentlicht. Es ist das Gegenteil von Lo-Fi: Orchestraler Pop, aber keinswegs bombastisch

Agnetha Fältskog von Abba ist die berühmteste blonde Sängerin, die jemals aus Schweden kam. Ende der neunziger Jahre sah es kurzzeitig so aus, als ob Nina Persson von The Cardigans eines Tages so bedeutend werden könnte wie Fältskög. Als Jugendlicher glaubte ich, dass Johnny Rotten von den Sex Pistols der neue Elvis Presley sein könnte. Dagegen ist der Fältskog-Persson-Vergleich schon weniger absurd, weil nicht ganz so weit hergeholt.

Erstens ist Nina Persson nicht wirklich blond. Als 2001 ihr erstes Soloalbum unter dem Projektnamen A Camp erschien, waren ihre Haare brünett, die eigentliche Farbe. Wir staunten, das hatten wir nicht gewusst. Zweitens ist Nina Persson im Herzen ein Indierockmädchen, das sich nicht für die dauerhafte Popwelteroberung eignete. Das große Hitalbum von The Cardigans Gran Turismo 1998 ergab sich als eine kurze verspielte Phase – wie ein Ausflug in einer Sommerferienlage. Ihren Tiefgang stellte Persson unter Beweis mit der A Camp-Platte, die in erster Linie eine Country-Platte war. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Schweden Niclas Frisk von der Band Atomic Swing, produziert wurde das Ganze im Heimstudio des amerikanischen Alternative-Country-Rock-Musikers Mark Linkous von Sparklehorse in Virginia. Die Songs waren schlicht und ergreifend. Persson sang nicht mehr wie ein Popkind, sondern wie eine erwachsene Frau mit neuen Wertevorstellungen. Es verhielt sich eindeutig so, dass das Album die spätere Arbeit ihrer Band The Cardigans prägte, vor allem das Album Long gone before daylight, das 2003 eine besonders gelungene Mischung aus Country und Schwedenpop-Melancholie darbot.

Ich bin Nina Persson mittlerweile dreimal begegnet. Es ist immer das Gleiche: Sie erinnert sich jedes Mal an mich, hat aber keine Ahnung woher, und ich erwarte jedes Mal eine Marilyn Monroe-artige Frau zu treffen, die aber in Wirklichkeit PJ Harvey eher ähnelt als einer Hollywood-Diva. Das Marketing-Image der blonden Schönheit bei Gran Turismo hat bei mir anscheinend eine dauerhafte Wirkung hinterlassen. Allerdings hat sie immer noch puppenhafte Gesichtszüge, der Gesichtsausdruck allerdings ist warm und intelligent. Beim letzten Mal erklärte Nina Persson mir, dass The Cardigans ganz bewusst große Pausen eingelegt haben zwischen ihren Veröffentlichungen. Sechs Alben in 15 Jahren ist nicht viel, aber gerade deshalb seien sie qualitativ beeindruckend.

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Drei Jahre ist es nun her, seit das letzte Cardigans-Album Super extra gravity erschienen ist. Ein neues Werk ist immer noch nicht in Planung, aber dafür gibt es das neue zweite A Camp-Album Colonia. Frisk ist wieder dabei und ein drittes festes Mitglied dazu gekommen, nämlich Nina Perssons Ehemann Nathan Larson, der früher bei der Post-Hardcore Band Shudder to think mitwirkte. Er war flüchtig in die erste A Camp-Platte involviert, diesmal ist er fester Bestandteil des Songwriting-Trios. War erste Album tendenziell Lo-fi, ist die neue Platte das Gegenteil. Üppiger könnten die Arrangements nicht sein, dennoch ist diese orchestrale Popmusik nicht bombastisch, sondern subtil und zerbrechlich. Die Texte sind oft so traurig, dass wir, nähmen wir sie wörtlich, den Zustand von Perssons Ehe eigentlich in Frage stellen müssten. Love is a poison hidden in a bonbon, singt sie. Künstlerisch ist sie auf jeden Fall bestens liiert.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 13.02.2009 um 11:53
ein bisschen kurzzes portrait. macht zwar lust auf die neue platte, hätte aber mit etwas mehr geschichte herhalten können...


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