Nein, einen so großartigen Intellektuellen wie Jürgen Habermas hat das Internet bislang nicht hervorgebracht. Auch wenn zu meinen sogenannten „Freunden“ auf der Plattform Facebook, nun ja, ein „Jürgen Habermas“ gehört. Aber es hilft nichts, den Jürgen anzustupsen oder dem Jürgen eine Nachricht zu senden, wie Facebook vorschlägt. Jürgen antwortet nicht, mir nicht und keinem anderen. Ein Witz, dass ausgerechnet der große Theoretiker des kommunikativen Handelns beharrlich schweigt. Vielleicht ist sich der User, der hinter dem Profil von Habermas (samt Photo) steckt, der Symbolik seiner Tat bewusst. Vielleicht weiß er sogar, dass er mit dieser dadaistischen Geste einen bestimmten Typus von Intellektuellen zur Farce macht. Aber vielleicht ist er auch nur ein Scherzbold. Im Netz ist das manchmal schwer zu beurteilen.
Das Internet bietet zweifellos großartige Möglichkeiten sich zu verbreiten und zu debattieren, aber für den klassischen Intellektuellen stellt es eine echte Herausforderung dar. Sie hat damit zu tun, dass ein Intellektueller nicht einfach publiziert. Ob er sich engagieren soll oder skeptisch blieben muss, ob er die Wahrheit auszusprechen oder im Gegenteil verdächtige „Wahrheiten“ zu hinterfragen hat: gemein ist den Vorstellungen vom Intellektuellen, dass er für das einsteht, was er sagt. Mit seinem Namen, mit seiner Integrität und machmal sogar mit seinem Leben.
Diese Kriterien sind im Web ziemlich obsolet. Hinter dem Pseudonym „Jürgen Habermas“ kann jedermann stecken. Jedermann braucht keinen Mut, eine Ansicht zu vertreten, aber Mut ist die herausragende Tugend des Intellektuellen, wie wir ihn kennen, und wie er vielleicht Geschichte wird. Man kann diesen gefährdeten Typus den heroischen Intellektuellen nennen.
Ironiefreies Internet
Mut allein reicht allerdings nicht. „Der Intellektuelle beherrscht und betreibt die Kunst des öffentlichen Wortergreifens im Namen einer universellen Verantwortung oder der Rechte des Menschen“ formulierte der Dekonstruktivist Jacques Derrida. Eine Kunst muss man erlernen, und es gelingt nicht jedem, der guten Willens ist. Derrida selbst beherrschte diese Kunst des öffentlichen Wortergreifens besonders virtuos, indem er deren Fragwürdigkeiten bei seinen Einlassungen gleich mitthematisierte: Was ermächtigt mich, in diesem Namen zu sprechen? Im Netz fände sein schillernder Stil vermutlich wenig Aufmerksamkeit.
Nein, Subtilitäten sind noch nicht die Stärken dieses Mediums. Ironie wird kaum goutiert, was kompliziert scheint, wird ignoriert. In einem viel diskutierten Beitrag hat der Zeit-Autor Adam Soboczynski diese, sagen wir ruhig, Dummheit des Netzes in drastischen Worten beklagt. Er erinnerte an das heroische Bild, das José Ortega y Gasset vom Intellektuellen gezeichnet hatte: „Auf den ersten Blick scheint er ein Zerstörer, man sieht ihn, einem Metzger vergleichbar, stets die Hände voll von Eingeweiden der Dinge. Aber das Gegenteil ist der Fall. Der Intellektuelle kann nicht, auch wenn er es wollte, im Hinblick auf die Dinge Egoist sein. Er macht aus ihnen ein Problem. Das ist das höchste Kennzeichen der Liebe.“
Mit „Hass“ werde dieser Intellektuelle im Internet verfolgt. Man fühlt sich an die Zeit von Ortega erinnert, an Hitler und Stalin und ihren Hass auf die „zersetzende Intelligenz“. Ein Hass, der für viele tödlich endete, aber geschenkt, Idiosynkrasien zieren den heroischen Intellektuellen wie die community cloud einen Blogger, so dass sich der Autor in guter Gesellschaft befindet.
Die Intellektuellen bildeten immer schon eine beargwöhnte Elite, man mag sie Geistesaristokratie oder einfach nur Reflexionselite nennen. Dagegen steht – in den Worten Soboczynskis – die „heraufziehende Laienkultur“ im Netz, stehen die „Amateure“, die der „Neid“ eint. Wer will bestreiten, dass der Neid in einer Welt, die zwischen A-Blogger und B-Blogger unterscheidet, eine wichtige Rolle spielt? Aber richtet er sich wirklich gegen „den Intellektuellen“? Wird er als solcher überhaupt noch wahrgenommen? Gilt der Hass nicht einfach dem Besserwisser, dem primus inter pares quasi?
Anregungen geben
Hier lässt sich eine Verbindung zur Kritik am heroischen Intellektuellen ziehen, wie sie von konservativer Seite, etwa vom Philosophen Odo Marquard, formuliert wurde. Zugespitzt lautet sie: Der Intellektuelle spricht von Dingen, von denen er keine Ahnung hat. Er ist der Amateur oder Dilettant, der sich für einen Experten hält. Was befähigt einen Günter Grass, sich über Wirtschaftsfragen zu äußern? Was einen Peter Sloterdijk, zu Fragen der Humangenetik Stellung zu beziehen? Aus dieser Sicht wirkt die Penetranz oft größer als der Mut.
Abgesehen davon, dass der Bedeutungsverlust des Intellektuellen auch damit zu tun haben könnte, dass Politiker lieber auf selbsternannte Experten ominöser „Institute“ hören: Ein echter Experte ist der Intellektuelle so gesehen wohl nur auf wenigen Gebieten, man kann die von Derrida genannten Menschenrechte dazu zählen, die Sprache, vielleicht auch den schwer zu fassenden Begriff der Macht und die Verantwortlichkeit, die sich daraus ableitet.
Es ist ja nicht schlimm, ein Dilettant zu sein, man muss es nur wissen. Ursprünglich verstand man darunter den Liebhaber, der Muße hatte, sich einer Sache intensiv zu widmen, weil er keinem Beruf nachgehen musste. Früher war er meist ein Adeliger. Heute ist nicht nur der Intellektuelle, sondern jeder Blogger streng genommen ein Dilettant, wenn er nicht als Jurist oder Berufspolitiker oder Biologe zu Themen seines Metiers schreibt. In den Foren und Communities unterhalten sich Laien während oder nach der Arbeit, viele sind Rentiers oder Studenten.
Was bleibt, über den mehr oder weniger gepflegten Austauch von Meinungen hinaus? Die Kunst, Fragen zu stellen, Anregungen zu geben, Gewissheiten zu zerstören, auf subversive Distanz zu gehen – gerade auch gegenüber dem Medium, im dem er sich artikuliert. Das, vielleicht, wäre der „Netz-Intellektuelle“.
Aber wird er auch gehört? Die Aufmerksamkeit im Internet ist gut verteilt und flüchtig. “In diesem Medium verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden“, klagte Habermas vor drei Jahren über das Internet. Einen Fokus bilden, die Aufmerksamkeit bündeln, mit anderen Worten, die Öffentlichkeit wachrütteln, darin eben bestand die Kunst des heroischen Intellektuellen. Im Netz existieren unzählige Gemeinschaften, aber kann es darin auch eine Öffentlichkeit geben?
Wir leben in einer Übergangszeit, die vor allem Fragen stellt. Noch gibt es ja die klassischen Medien, noch lesen wir den Kulturteil der Zeit, in dem sich ein kluger Autor eine ganze Seite lang über die Dummheit des Netzes aufregen kann, und damit auch in anderen Zeitschriften Gehör findet. Und wenn wir mit all den Zeitschriften fertig sind, stürzen wir uns ins Getümmel des Netzes, in dem dann allerdings, um ein Bild von Michel Foucault zu variieren, der heroische Intellektuelle verschwindet wie ein Gesicht im Sand am Meeresufer.
Eine kleine Heldengeschichte des Intellektuellen
10. Juni 1844
In Karl Marx’ Vorwärts erscheint das Gedicht Die armen Weber. Es wird auch als Flugschrift unter den schlesischen Webern verteilt. Verfasser ist Heinrich Heine, den Jürgen Habermas knapp 150 Jahre später als Vorläufer des modernen Intellektuellen würdigt: „Den Intellektuellen gibt es schon – aber erst in der vorgreifenden Wahrnehmung der Zensurbehörde“, schreibt Habermas in einem Aufsatz für den Merkur.
23. Februar 1898
Geburtsstunde des Intellektuellen. Der französische Autor Emile Zola wird wegen Verleumdung verurteilt. Er flieht nach England. In seinem Aufruf J‘accuse erhob er schwere Anschuldigungen gegen Militär und Justiz und löste die Affaire Dreyfus aus (siehe S. 17).
8. Februar 1929
Antonio Gramsci beginnt mit dem Verfassen seiner Gefängnishefte. „Alle Menschen sind Intellektuelle, (...) aber nicht alle Menschen haben in der Gesellschaft die Funktion von Intellektuellen“, steht in einem der Hefte.
11. Februar 1929
Der Simplicissimus veröffentlicht von Bert Brecht ein Gedicht unter dem Titel 700 Intellektuelle beten einen Öltank an – frühes Dokument der intellektuellen Intellektuellenkritik.
6. August 1949
Eine Frau ruft die Frauen zur Freiheit auf! Paris-Match widmet Simone de Beauvoirs Buch La deuxieme Sexe sieben Seiten.
9. Juli 1965
Ludwig Erhard (CDU) bezeichnet 24 Autoren, die ein Plädoyer für einen Regierungswechsel veröffentlichten, als „Pinscher“. Der Ausspruch gilt zusammen mit dem Buch Die Arbeit tun die anderen. Klassenkampf und Priesterherrschaft des Intellektuellen des Soziologen Helmut Schelsky als Tiefpunkt der Intellektuellenkritik in der BRD.
4. November 1989
Christa Wolf hält auf dem Berliner Alexanderplatz vor gut 500.000 Menschen eine Rede mit dem Titel Die Sprache der Wende.
8. März 1996
Christoph Hein publiziert im Freitag einen viel beachteten Essay über Politik und Intellektuelle. „Das Urbild des modernen Intellektuellen (...) ist Thersites, der alles beschimpft, weil er nichts übersehen kann, (...) der sich unflätig gegen jedermann benimmt, weil er den Kompromiss verachtet und verabscheut und wie ein Kind an seinen Idealen hängt.“
3. Juli 2000
Edward Said wirft an der Grenze zwischen Libanon und Israel einen Stein. „Der Macht die Wahrheit sagen“, lautete das Credo des 2003 verstorbenen US-Literaturwissenschaftlers palästinensischer Herkunft.
2. Februar 2003
Die zweite Amtszeit des tschechischen Präsidenten Václav Havel geht zu Ende. Havel, Mitunterzeichner der Charta 77, verbüßte rund fünf Jahre im Gefängnis. „Die Intellektuellen sollten in der ganzen Welt mehr politische Verantwortung übernehmen“, lautet eine seiner Forderungen.
1. Mai 2007
Die Zeitschrift Cicero veröffentlicht – nach „wissenschaftlichen Kriterien“ – ein Ranking der „fünfhundert führenden deutschsprachigen Intellektuellen“. Sieger ist Joseph Ratzinger. Die führenden deutschsprachigen Intellektuellen überprüfen, ob sie auch vorkommen und beklagen den Niveauverlust der Presse. ma
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Es gibt keine Ära Habermas; sein postuliertes Alleinstellungsmerkmal beruht auf einem biologischen Prozess, dem Aussterben derjenigen, die zu einem öffentlichen Diskurs fähig sind. Mit verantwortlich für den Verlust der Diskursfähigkeit ist die Verschulung der akademischen Ausbildung, spätestens seit »Bologna«.
Gesellschaftliche Debatten werden nicht mehr vom Diskurs bestimmt. Die Zeiten sind vorbei, in denen Minister der Bundesregierung, wie Carlo Schmid z.B., Baudelaire übersetzten und dem PEN angehörten. Ein intellektueller Vergleich der heutigen Generalsekretäre der Parteien mit ihren Vorgängern Karl Hermann Flach, Peter Glotz, Kurt Biedenkopf wäre geradezu lächerlich. Peter Sloterdijk läßt sich als Guido Knopp der Philosophie nicht nur im ZDF prächtig vermarkten. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Politik ist ein einziges Gerangel um Exzellenz-Initiativen und Fördergelder und nicht um gesellschaftliche Perspektiven. - Kein Wunder, dass Schüler und Studenten auf die Strasse gehen. »Ein Intellektueller zu sein, ist eine Berufung für jedermann: es bedeutet, den eigenen Verstand zu gebrauchen, um Angelegenheiten voranzubringen, die für die Menschheit wichtig sind. Einige Leute sind privilegiert, mächtig und gewöhnlich konformistisch genug, um ihren Weg in die Öffentlichkeit zu nehmen. Das macht sie keineswegs intellektueller als einen Taxifahrer, der zufällig über die gleichen Dinge nachdenkt und das möglicherweise klüger und weniger oberflächlich als sie. Denn das ist eine Frage der Macht.« Noam Chomsky. |
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Die Äusserungen von Chomsky ist mir ein wenig zu populistisch. Natürlich macht es sich für einen Intellektuellen gut, eine Lobrede auf den Taxifahrer zu halten, der ja eigentlich viel klüger ist als man selbst, wenn da nur nicht diese schrecklichen Machtverhältnisse wären. "Erdung" sieht für mich anders aus.
Aber sehr schön, dass sie an Carlo Schmidt erinnern, ich bin vor langer Zeit mal durch meine Ernst Jünger Lektüre (!) auf diese hochinteressante und wohl auch singuläre Erscheinung in der deutschen Politik aufmerksam geworden. |
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Carlo Schmid, nicht "Schmidt" natürlich, man haut diese Kommentare einfach viel zu schnell raus.
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Der Interlektuelle muss rauchen. Am besten dicke Zigarren und ausserdem mit Haschisch experimentieren. Alles andere ist doch unwichitg.
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Es sollte "Intellektuelle" heissen. Gibt es bald eigentlich eine Editierfunktion damit man Fehler korrigieren kann?
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Die Editierfunktion für Kommentare liegt in etwas fernerer Zukunft, da es nicht ganz so einfach zu programmieren ist und andere Dinge Vorrang haben. Aber Fehler sind ja auch ganz normal. Wir wählen hier ja auch die Variante, schnell einen Unterkommentar zu schreiben ;)
Viele Grüße Tessa |
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me werden kommentare überschätzt. ebenso diskussionen. ich habe es höchst selten erlebt, gerade im internet, dass eine diskussion als ergebnis hatte, dass man sich einig wurde. im gegenteil, es werden ein paar argumente ausgetauscht, nach dem zweiten oder dritten argument geht es dann nur noch ums recht haben, gar nicht mal mehr ums recht bekommen und schlussendlich geht jeder seines weges und behält seine meinung.
der intenetintellektuelle mag sowas dann vielleicht noch zu nutzen wissen, nebenher sein weed rauchen und es amüsant finden. effektiver ist, etwas gut ausarbeiten, jeder darf genau einmal seine meinung dazu sagen und in der folge kann jeder, der es liest sich aus dem ursprung und den dazugehörigen meinungen ein bild machen. in der folge, könnte genau dieses gedanken machen über das was man denn einmal schreiben kann, genau dazu führen, dass eine weitere ausarbeitung das thema an sich weiterbringt. sicher, das ist nicht geeignet für communitys, die aus dem selbstzweck heraus gibt. aber es eignet sich wunderbar für plattformen, auf denen denn wirklich was erreicht werden soll: antworten, gedankenaustausch, findung. |
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noch ne ergänzung: wir stellen uns, als internetaffine menschen, immer gerne hin und philosophieren darüber, wie andere sich dem internet und seinen aktuellen gewohnheiten anpassen müssen. wir stellen uns aber fast nie die frage, warum sich das internet nicht den anderen, die es zur zeit nicht so ausgiebig nutzen, anpassen kann.
internettechnisch bin ich ja nun auch nicht der unkommunikativste mensch, doch ich stoße allzu schnell an grenzen die sich überwiegend durch zeit definieren. momentan ist das internet ein wust an informationen die sich ungeordnet und unbewertet jedem darbieten, der auf sie stösst. twitter mag hier ein schritt in eine gute richtung sein, wenn man denn zu filtern weiß ... doch schaut man sich um, geht es den mainusern auch hauptsächlich nur darum möglichst viele "follower" zu haben und in einem wust an überkommunikation zu versinken. wer zum geier liest denn wirklich den mist, den 3000 leute von sich geben und denen er folgt? mir ist schon der freitag rss zu viel, da er wichtigeres in der unübersichtlichen tickerform runter spamt. warum sollte ein intelluktueller, gemäß dem thema, sich sowas antun? bei blogs ist es ja kaum anders. das meiste ist schrott und der größte zeitverlust entsteht beim filtern relevanter informationen. niemand, der sich ernsthaft mit themen auseinander setzen will kann sich das antun und dem in voller kommunikationsfeude frönen. nein, das ist kein medium in dem man sich intellektuell bewegen kann und themen voran bringt. es ist einfach nur eine weitere plattform, in der die gesellschaft sich austoben kann. aber ich zweifel nicht daran, dass es auch hier inseln geben wird die dem entgegenwirken. als dienstleistung oder in selbstorganisation .. und genau hier, wird sich das internet dann anpassen. mit neuen tools und ideen, aber sich nicht mit dem selbstverständnis, dass jeder mit jedem daherlabern muss um wahrgenommen oder anerkannt zu werden. und wenn die printmedien auch nur ansatzweise eine chance haben wollen, dann werden sie genau in die nischen reindringen müssen, die das internet ob seiner momentanen struktur nicht bedienen kann und die der userpool auch gar nicht bedienen will. ein alphablog ist eben nicht die quintessenz, sondern kaum besser als ein boulevardblatt und verdammt dazu, content zu liefern. verdammung generiert nur keinen guten content. aber ich schweife ab. |
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Bei Ernst Jünger wäre Karl Schmitt gut aufgehoben. Ein Freudscher?
Nur mal so: Adam Soboczynski mit seinem Pamphlet "Das Netz als Feind" ist ja nun wirklich unterste Schublade. Leider lese ich immer noch nichts davon welch ein positives Potenzial gerade Blogger in der Zusammenarbeit mit (einigen) Journalisten/Redakteuren bilden können oder könnten. ""In diesem Medium verlieren die Beiträge von Intellektuellen die Kraft, einen Fokus zu bilden", klagte Habermas vor drei Jahren über das Internet." Der Mann ist nun mal nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Die gewisse hm, ich sage mal "Abfälligkeit", die aus dem Satz: "In den Foren und Communities unterhalten sich Laien während oder nach der Arbeit, viele sind Rentiers oder Studenten." spricht ist schade. Es gibt noch ganz andere Gruppen. Selbstständige, Schichtarbeiter ... Die meisten davon bringen sich und ihre Zeit unentgeltlich ein und stellen ihre Gedanken und Beiträge zur Verfügung. Viele von ihnen sind Fachleute auf ihrem Gebiet. Um es deutlich zu sagen: Es ist eine ausgestreckte Hand. Man kann sie ergreifen oder wegschlagen. Allerdings ist es den "Bloggern" letztendlich völlig Wurst, ob es den Freitag gibt oder nicht. Es gibt unzählige Plattformen. ("Heidelberger Appell" und ähnlich kuriose Lobbyarbeit hin oder her.) "Blogger" sind Bürger und in letzter Konsequenz Öffentlichkeit. Die Zeichen an der Wand sind deutlich. |
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Carl :)
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Lieber Streifzug, ich bezweifle überhaupt nicht die Kompetenz vieler Blogger auf vielen Gebieten, darum geht es mir nicht. Ich wollte im Gegenteil ein Gemeinsames zwischen "Intellektuellem" und "Blogger" aufzeigen: nennen wir es im besten Fall deren Passion und im schlechten Fall deren anmassender Dilettantismus (im heutigen Wortsinn).
Ich glaube aber schon, dass einen Intellektueller (oder das was von ihm übrigbleibt) mehr, oder sagen wir neutral: anderes ausmacht als Wissen zu produzieren und Meinungen zu vertreten. Ich habe versucht, ein paar Stichworte zu geben, die man vielleicht unter dem Titel "Provokation" versammeln könnte. Hier liegt m.E. das Erbe des heroischen Intellektuellen, von dem ich nicht genau weiß, wie es im Netz zum Tragen kommen kann. Ich denke darüber nach, habe aber keine klare Antwort. Ich finde schon, Habermas mit seiner Bemerkung zum Netz etwas getroffen hat. Man kann das doch nicht einfach mit "der Mann ist nicht auf der Höhe der Zeit" abtun. |
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Auf die Provokation bin ich doch gerne eingegangen, was wäre sie sonst wert :)
Wo in dem beschriebenen Feld steht der Journalist/Redakteur? Die Aussage von Habermas ist unscharf. Wo hatten die Beiträge denn die Kraft einen Fokus zu bilden? |
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Ergänzung:
"Eine aus klugen und weniger gescheiten Personen bestehende Gruppe schnitt fast immer besser ab als eine Gruppe, die nur aus klugen Personen bestand. Fachwissen und -kompetenz werden in vielen Zusammenhängen überbewertet." "Diversität (Vielfalt) ist prinzipiell von hohem Wert." "Wenn nur ein paar Leute mit anderen Fertigkeiten hinzukommen - mögen sie auch über ein nur geringes Wissen verfügen -, optimiert sich die Leistung der Gruppe." Quelle: James Surowiecki, Die Weisheit der Vielen. "Entscheidungen von Experten sind bedenklich fehlerhaft." Quelle: James Shanteau |
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Jetzt habe ich schon wieder das: "Hallo Michael Angele" vergessen.
Bitte davorsetzen :) |
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Ja, wo steht der Journalist/Redakteur? Irgenwo dazwischen wohl, der Windhund.
Ich weiß nicht, wie alt sie sind. Aber natürlich hatten die Beiträge von Habermas eine enorme Strahlkraft. Zum Beispiel vermittelt über die Suhrkamp-Neue-Folge-Bändchen ("Die Neue Unübersichtlichkeit" u.a.). alles ins Antiquariat gebracht, fällt mir gerade ein: Habermas als Exponent der Suhrkamp-Kultur |
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Hallo Michael Angele,
Habermas ist mir bekannt, allerdings ordne ich seine Strahlkraft eher als die einer Sternschnuppe denn als die eines Sterns ein. Meiner Meinung nach leuchten Max Horkheimer und Theodor W. Adorno konstanter wenn auch nicht so populär. Das kann aber auch daran liegen, weil ich vor längerer Zeit an der Nordsee, mit Schnupfen und Fieber, die etwas längeren, nicht unkomplizierten Sätze von Habermas so oft gelesen habe, bis sie mich ins Fieberdelirium verfolgten. Seither habe ich ein eigenartiges körperliches Empfinden bei der Lektüre seiner Schriften. |
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Muss ich heute an verschiedenen Stellen sagen, da wir auch im Freitag zahlreiche Teilöffentlichkeiten haben. DIE Öffentlichkeit, damit keine Missverständnisse aufkommen, war immer schon ein temporäre Fiktion.
Blitzlicht für den Meister des gepflegten Salons Frankfurt, heute 17 Uhr, unsere gemeinsame Stadt, Willy-Brandt-Platz, Europäische Zentralbank, Demo der Bildungsstreikenden - Polizeiaufgebot als ob die Wandalen und Hunnen gleichzeitig anrücken würden. Man spürte sozusagen kontrafaktisch den herrschaftsfreien Dialog. Nun zum 80. Geburtstag Lieber Jürgen Habermas, Gratulation zum biblischen Alter und zu einem augenscheinlich gelungenen Leben. Die international auf Sie gesungenen Lobeshymnen sind unüberhörbar und die "ZEIT", die in diesem Fall dem FREITAG und der FAZ voraus war, erblickt in Ihnen gar die neue "Weltmacht". Selbst Obama als alte Weltmacht ist beeindruckt und will kontrafaktisch an der Idee der kommunikativen Vernunft zukünftig festhalten, auch wenn man dies in China, im Sudan oder im Iran noch anders sieht. Die iranische Bloggerszene übt in der gegenwärtigen Staatskrise die Guerillataktik des "herrschaftsfreien Dialogs". Dennoch, lieber Herr Habermas, die kommunikative Vernunft endet i.d.R. im Vorhof der Macht. Und die "Diktatur des Sitzfleisches" bricht in homersches Gelächter aus ob dieser Narren. Immerhin: Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Das motiviert mich jeden Tag von Neuem, gegen die Überwucherungen der paranoiden Systeme anzukämpfen, sagen wir besser: ein Schnippchen zu schlagen, damit immer wieder Frischluftströme für die Lebenswelten entstehen. Heute, an Ihrem großen Tag, nimmt auch der FREITAG, das einflussreichste Meinungsmedium der Zukunft mit einer heiter-anarchistisch-demokratisch-intelligenten Community, Notiz vom Meisterdenker der Republik, bisweilen werden gar lebenssaftstrotzende Huldigungen entgegengebracht. Gern lade ich Sie in mein öffentliches Wohnzimmer im Frankfurter Nordend ein. Habermas-Oberseminar konnte ich es nicht nennen, deshalb habe ich mich abgekürzt für ODYSSEE entschieden. Shake-Hands und beste Grüße vom Bildungswirt PS. Kleinere Irrtümer Ihrerseits zur Medienkraft und Wirksamkeit des Internets wollen wir heute nicht diskutieren. Champagner und Schnittchen für alle heißt das Gebot der Stunde. |
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lieber bildungswirt, herr habermas lässt ausrichten, dass er vielleicht später noch in ihrem seminar vorbeischaut. er bittet, schon mal die seiten 328 passim von "faktizität und geltung" vorzubreiten
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S.328 finde ich aber eine sehr langweilige und banale Stelle; zudem verweist er noch auf F.I.Michelman. Muss man wirklich nicht gelesen haben.
Die Regeln sind bei uns etwas anders. Meine Gäste meinen, wir sollten mal über das "Ach, Europa" genauer reden, frei von der Leber. Jürgen sollte sich auf 10-15 Minuten beschränken (bringen Sie ihm das schonend bei, alles kluge Köpfe im Raum). Dann beginnt normalerqweise der herrschaftsfreie Dialog. Die knifflige Aufgabe: Das habermassche Ach im Vergleich mit dem berühmten "In der Wüste fließt ein Bach, ach" erörtern. |
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"Polizeiaufgebot als ob die Wandalen und Hunnen gleichzeitig anrücken würden"
Ich habe selten so ueber einen Freitag Kommentar gelacht und du bringst es auf den Punkt. Ich musste dann an die alten Hunnen gegen Polizei Zeiten denken Ende der 60er als Habermas der Bewegung mit seinem Linksfaschismusvortrag in den Ruecken gefallen ist. Ohne eine Alternative aufzuzeigen sagte er ja eigentlich, dass man es sich lieber im Eigenheim gemuetlich machen sollte als mit Gewalt gegen diesen Staat als Speerspitze des Kapitalismus anzukaempfen. Als ich daran dachte kam mir eine Vision von einem anderen Habermas, der nicht den Extremismus Adornos verliess, sondern in Radikalitaet (also von der Wurzel aus) umsetzt und als Prophet die zerstrittenen linken Studenten versoehnt, um mit ihnen etwas Anderes durchsetzusetzen. Das ist wohlmoeglich der Unterschied zwischen dem Propheten und dem Interlektuellen. Die Naehe und die Distanz zu den Menschen. Dann waere er auch nicht auf den Dialoggedanken gekommen, sondern haette an eine Weltfamilie gedacht. Liebe als Gegensatz von Herrschaft. Ist alles natuerlich nur ein Traum, aber Habermas hat nach und nach erkannt, dass die Religion nicht so einfach durch die Aufklaerung ersetzt werden sollte. Aus diesem Grund habe ich mich auch immer von seinen Lektueren fern gehalten. Als Kritiker schaetze ich ihn aber schon. |
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Die Habermase der Zukunft sitzen bereits in den Startlöchern. Sie debattieren, schreiben und philosophieren sich langsam warm. Die Umstände (Internet...) bewirken, dass sie ganz anders aussehen werden, als die Habermase der Vergangenheit, allein schon, weil die die Kultur der Intellektualität gerade ändert. Ich glaube persönlich, die ersten Mini-Habermase beim Schlüpfen zu beobachten und freue mich da tatsächlich auf die Zukunft.
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das würde mich interessieren: können sie etwas über gestalt und art dieser wesen sagen?
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Die sitzen momentan alle unter der Brutlampe und zwitschern lustig vor sich hin.
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Huch, jetzt ist der Michael Angela dazwischengeschlupft mit seinem Kommentar. Vielleicht fühlt er sich auch wohl unter der Lampe :)
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Die Lampenbrüter der Internetgalaxie müssen aufpassen,das sie nicht zu kompletten TUIs mutieren. Aber vielleicht wollen sie das?
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Um unsere „Anschlussfähigkeit“ als Bürger, gegenüber dem Staat wieder zu erlangen, sollte die Legislative, Judikative und Exekutive, durch eine „Kommunikative“ ergänzt werden, um so den formalen Rahmen für einen informellen, „herrschaftsfreien Diskurs“ zu schaffen.
Mit Hilfe von, unter notarieller Kontrolle stehender EDV-Institute, werden neben den Wahlentscheidungen für eine Partei, auch die Wähler selbst registriert und anonymisiert, (sodass ihre "Stimme" nicht mehr verloren geht). Auch könnte dadurch, dem im GG zugesicherten "geheimen Wahlrecht", besser entsprochen werden, da über die "Wahlentscheidungen" der Nichtwähler, nicht mehr wie jetzt noch üblich, durch Abhaken der Wähler, offen Buch geführt werden könnte. Durch die "Kommunikative" entstünden Möglichkeiten für eine Reihe neuer Formen der Beteiligungs-Kultur, wie z.B. dem des Kumulierens von Sachthemenstimmen. Durch die Unterfraktionierung der Fraktionen, könnten die Wähler, sowohl die Fluktuation von Themen steuern, wie auch die von Politikern, die sich zu diesen zuvor positioniert haben. Ferner sollten sich die Parteien zu ihren eigenen Pro- und Contra-Positionen regelmäßig das Feedback ihrer Wählerschaft geben lassen. gattel-stiftung.de/de/047_waehler-dialog.html |
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ich versteh das problem nicht. es wird so getan, als ob das internet nur den kommunikativen weg böte und nicht nur des reinen publizierens dienen könnte.
braucht ein intellektueller hohe clickraten? kann man den wert des intellektuellen denn tatsächlich an der qualität der rekationen messen, die er im internet erhält? müssen wir den intellektuellen einen status beimessen, der sich aus dem zeitgeist heraus ergibt? nö. mfg mh |
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michael angele, über das internet will ich jetzt nicht reden, sondern im netz.
mir haben besonders zwei dinge missfallen in ihrem artikel. 1. ihre heldengeschichte beginnt in gebührendem abstand zur französischen aufklärung und bevorzugt nationale helden. hm 2. die heldischen geistesblitzer bilden einen fokus, wenn sie ihren hokuspokus veranstalten. möglichst alle schauen/hören zu. objektiviert in der zentral aufgestellten glotze oder superprojektionswand. entspricht nicht "der heroische Intellektuelle" genau dem feldherrn auf seinem berühmten hügel (später sockel) oder der zentralfigur eines markigen kanzlers? meinetwegen sollen sie beide gleichzeitig, der monarch und der großdenker, historisch: könig fritz und kant, ihr wiedererscheinen einstellen. das gerede von heroischem lässt mich an die martialische mode von heute denken. hat sich nicht herumgesprochen, dass helden mörder sind?! übrigens verzeih ich herrn habermas nicht, dass er öffentlich für den krieg gegen jugoslawien getrommelt hat. |
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h.yuren, vielen Dank für ihre Anmerkungen
Die kleine Heldengeschichte ist natürlich unvollständig, sie ist für die gedruckte Zeitung geschrieben, da war nicht mehr Platz. Meine ursprüngliche Idee war nun, dass Leute wie Sie daran im Netz weiterschreiben können. Leider habe ich die technische Umsetzung verschlampt. Mit Heine wollte ich wenigstens eine Figur in Erinnerung rufen, die in der Nähe zur französischen Aufklärung liegt, und über das Nationale hinausweist. Aber ihre Einwände sind damit nicht vom Tisch. "Heroische" ist ein ad hoc Begriff, mir fiel kein besserer ein, um das zu chrakterisieren, was mir an der Sache typisch scheint. Dabei sehe ich Zweischneidiges: ich bewundere den Mut eines Heine oder eines Gramsci, sehe aber auch die Geste dahinter, die Sie ansprechen ("Feldherrenblick"). Nun wo ich das schreibe, fällt mir gerade ein, dass man auch vom "erhabenen Intellktuellen" sprechen könnte, denn das Erhabene (bei Kant besonders) hat doch auch genau diese beiden Seiten - es ist also im Wortsinne "großartig". Also: "Helden sind Mörder" ist mir zu billig. Feiglinge sind es doch unter Umständen nicht weniger. Was meinen Sie? |
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danke für die replik, michael angele. meine billige bemerkung, helden seien mörder, leitete natürlich den nachfolgenden satz über habermas ein. dazu blieb ihre antwort leider aus.
mit heine und simone de beauvoir in paris ist ein unauffälliger wegweiser in richtung französischer aufklärung vorhanden, gebe ich zu. schopenhauer empfahl, das werk eines menschen nach seiner meisterleistung zu beurteilen, nicht nach auch stets vorkommenden fehlleistungen. habermas gefiel mir in seiner diskursethik, die ich für einen wichtigen beitrag zur argumentationstheorie halte. deren praktische anwendung vermisse ich allgemein. zum beispiel bei wikipedia und ähnlichen auseinandersetzungen um inhalte und ihre darstellung. oder wenn etwa zwei kanzlerkandidaten ihr fernsehduell geben; ein moderator müsste das duell leiten, und zwar nach den regeln der argumentationstheorie. fouls müssten ebenso wie beim boxen geahndet werden etc. |
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Zukunft der Fragekunst oder Herrschaft trotz Diskurs
Streit zum 80.Geburtstag? Letztlich bildet der Streit um die Bedeutung und Funktion des Sozialphilosophen Habermas, die derzeitige Situation der Zeit gut ab. Kleinreden, gar immer noch Verteuflung einerseits, andererseits oft unkritische Bewunderung, stehen sich, gegenüber. Diskursethik ist wunderbar. Dafür Verfahren zu haben, die sich auch auf Habermas, Luhmann und Rawls berufen, sicher ebenso. Kommunitarismus und fein verästelte Demokratietheorie, die Habermas förderte, sind positiv. Sie gehören ja notwendig zu diesem Strukturwandel der Öffentlichkeit, der einige Jahre vor 1968 einsetzte, lange anhielt und jetzt deutlichen Verschleiß aufweist (Bürokratie, aktuell Landwirtschaftssubventionen; Sicherheit, Überwachungs und Kontrollgesetze; Medien, Eigner-(ganz selten Urheber-)Kontrolle, mangelnde Diskursfähigkeit in der medialen Öffentlichkeit, sichtbare Wiederkehr der sozialen Schichten). "Wohin treibt die Bundesrepublik?" fragte einst Karl Jaspers, später griffen das u.a.Habermas und Sloterdijk (es Suhrkamp Bd.1000) auf. Damals 1979,verbat sich der SPIEGEL den Fragegestus und attestierte den Intellektuellen Müdigkeit und Ratlosigkeit. Soviel zur Presse! Über Einmischungen sollten wir uns nicht beklagen, denn Macht üben Intellektuelle, anders als in unseren beiden größten Nachbarländern, nur selten aus. Dafür aber, sitzen sie meist gut auf Beobachterposten. Die Sprache ist in der Demokratie, zusammen mit dem Auftritt einer Person in der Öffentlichkeit, der größte Wirkfaktor. Weit vor allen anderen Eigenschaften, bräuchten wir hier wieder mehr eigentliches Sprechen. Habermas wusste das. Bei allem positiven Glauben an die demokratischen Spielregeln, vergaß Habermas aber zu häufig die Herrschaftsseite. Das Internet, stellt keine Fragen. Das liegt nicht am Medium und auch nicht am Willen der Teilnehmer, sondern eher an der willkürlichen Praxis derer, die das Web für uns „einrichten“. Einwegkommunikation und Hochnäsigkeit zählt weiter. Aber, weder Publikumsbeschimpfung der Journalisten (ZEIT) oder das Intellektuellen-Bashing sind dialogisch! Das Ergebnis, viele Einreden allseits, wenig Einfluss. Das war die Diskussion der kleinen ZEIT-Debatte um Adam Soboczynski. - Weder Habermas noch andere neuere Philosophen fragen genügend nach den moralischen und verstandesmäßigen Folgen, die das weitgehend ungehinderte Netz auslöst. Zwei menschliche Reaktionsmechanismen: "Es ist Alles möglich, ich glaube nichts und mache was ich will." oder aber, das Verlangen nach "Kontrollen und Filtern", "Abschalten" und "Strafen", dominieren. Bildhaft: "Ich gehe in meine Kirche, Millionen und Milliarden gehen nicht, weder hier, noch je woanders. Wenn ich aus meiner "Kirche" trete, beginnt das andere Land." Nichts ist schwerer intellektuell und real zu verarbeiten. Grüße Christoph Leusch |
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Die wahre Intention bestimmter Pamphlete in "Leitmedien" findet letztendlich ihren Ausdruck in Papieren wie diesen:
www.boersenverein.de/sixcms/media.php/976/184_HV_Resolution_Keine_Zukunft_ohne_Rechtssicherheit.pdf |
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was für eine neue qualität das netz gegenüber den alten medien bietet, zeigte sich zum beispiel jetzt im iran, als die "opposition" oder der "widerstand" via netz sich verständigte, innen und grenzüberschreitend.
doch außer der aktualität und schnellen "verbindlichkeit" hat das netz, wenn es auch noch vielen protzigen portalen raum gibt, die tendenz zur égalité, wann immer unbekannte sich in einem forum treffen und verständigen. gewöhnlich besteht bezeichnenderweise die tendenz zum du. schnörkel der individualfrisur fallen weg, es bleibt das verständigungsmittel auf dem meinungsmarkt, das prinzipiell offen ist für alle. in den printmedien spielt der status eine größere rolle. es fehlt ihnen auch die leichtigkeit des seins. nicht zu verwechseln mit der luftikusleichtfüßigkeit der handys. dem oder der klassischen intellektuellen macht das netz nicht den kotau. wo es nothing but words gibt, kann sich die oder der klassische intellektuelle einfach nicht wohlfühlen. hofhaltung ist obsolet. sympathien, antipathien, konsens und dissens bleiben uns erhalten. das genügt. |
Ausgabe 07/12
16.02.2012
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