Kultur

Medientagebuch | 02.07.2009 12:57 | Katrin Schuster

Die Frau, die keiner kennt

Nach elf Jahren ist Bascha Mika nicht mehr Chefredakteurin der "Taz". Ihre Nachfolgerin Ines Pohl ist unbekannt und leitungsunerfahren. Genau das könnte ein Vorteil sein

Ines Pohl heißt die designierte Nachfolgerin von Bascha Mika an der Spitze der Taz. Eine Entscheidung, die in der Redaktion angeblich nicht für Verwunderung sorgte, da kaum einer die Journalistin kennt. Sie sei als solide, tough und ehrgeizig bekannt – Eigenschaften, die ihr auf dem Chefposten zugute kommen sollten. Dass Bascha Mika diesen am Ende elf Jahre bekleiden würde, vermuteten bei ihrem Antritt 1998 die wenigsten, manche prophezeiten damals den Untergang der Taz unter ihrer Ägide. In jüngster Zeit war dann vom „Aussitzen“ die Rede.

Der Konflikt zwischen politischer Haltung und ökonomisch notwendiger Massentauglichkeit, den die Taz auszutragen hat, ist nicht so spezifisch, wie man meinen könnte. Er ist bei dieser Zeitung, die als selbstverwaltetes Projekt im Jahr 1978 anfing, nur offensichtlicher. Jede Änderung am Konzept muss folglich als Abbau von theoretischen Grundlagen verstanden werden. Dafür steht nicht nur die mittlerweile nicht mehr ganz gleiche Bezahlung aller, sondern eben auch Bascha Mika, die als erste der Taz ein charismatisches Gesicht gab. Der kommerzielle Erfolg gab ihr Recht, die Auflage der Taz ist mittlerweile stabil, ihr Image von Sponti-Szene und Randgruppen-Sprachrohr entfernt. Die Taz ist auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft – das nennen manche professionell, andere beliebig.

Tatsächlich erscheint die Presselandschaft mehr und mehr als Einheitsmeinungsbrei, der seine Leser chronisch unterschätzt, selten überrascht und zuerst im Dienst der eigenen Interessen steht. Das ist nichts Neues, ließ aber immer wieder die Lücke für die Taz. Nun sorgen sich viele, dass diese Lücke sich schließen könnte; sei es, weil die anderen der Taz ähnlicher werden, sei es, weil die Taz den anderen ähnlicher wird. Die Prognose, dass die Zukunft der gedruckten Zeitung in ihrer jeweiligen Besonderheit liegen könnte, ist nicht allzu gewagt. Die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen Unverwechselbarkeit und Anpassung an den Markt, zwischen Journalismus von oben und Journalismus von unten, ist mithin keine, die sich nur die Taz stellen muss.

Ines Pohl ist darauf immerhin eine in jedem Sinne überraschende Antwort. Nicht nur, weil sie als linke Publizistin keinen Namen hat und aus einem eher konservativen Stall, der Verlagsgruppe Ippen (Münchner Merkur, HNA), kommt. Übersehen sollte man bei dieser Personalie nicht, dass Pohl ihre ­Führungsqualitäten noch nie wirklich ausprobieren konnte, war sie doch ­bislang als Korrespondentin tätig. Und das ist womöglich wieder mehr Taz, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

 
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